VfB mit schmeichelhaftem Remis

22 04 2012

Die Punkte geteilt: der VfB Stuttgart hat beim Abstiegskandidaten 1. FC Köln 1:1 (0:0) gespielt. Im Vorfeld der Partie hatte der VfB-Trainer Bruno Labbadia ein Kampfspiel angekündigt. „Es geht nicht mit Schönspielerei, wir müssen dagegenhalten und gleichzeitig ruhig bleiben“, sagte er am Ende einer Woche, in der die Mercedes-Benz-Bank als neuer Hauptsponsor eingestiegen ist, Matthieu Delpierres Abgang nach Hoffenheim und die Vergabe der Fernsehrechte ab der Saison 2013/2012 bekannt gegeben wurden und die Wappendebatte beim VfB wieder aufkeimte.

Das war zumindest mal die folgerichtige Vorgabe, schließlich sprach Kölns Interimstrainer Frank Schaefer vor seinem ersten Heimspiel an der Seitenlinie in dieser Saison vom „Ziel, Stuttgart einen großen Kampf zu liefern und zu punkten“. Insgesamt war das dann auch auf dem Rasen im mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Kölner Rheinenergie-Stadion zu sehen. Der Kampft überragte die spielerischen Finessen und Stuttgart punktete am Ende etwas glücklich.

Spielverlauf: Das Spiel begann zerfahren, Fehlpässe dominierten in den Anfangsminuten das Geschehen. Die erste Chance hatten die Stuttgarter nach einem Eckball, den Vedad Ibisevic mit seinem Schuss aus der Drehung abschloss. Doch Michael Rensing im Kölner Tor hatte keine Probleme (5. Minute). Nach zehn Minuten hatte die Heimmannschaft ihren ersten Eckstoß. Sven Ulreich im VfB-Tor unterschätzte diesen, sprang unter der Flugbahn des Balles hindurch, die aber auch für den heraneilenden FC-Vizekapitän Sascha Riether zu hoch war.

In der Folgezeit übernahm der VfB immer mehr die Kontrolle, ohne sich Tormöglichkeiten zu erspielen. Köln wirkte zwar auch mit, fiel aber besonders durch Fehlpässe auf. Die Tabellenpositionen – der FC kämpft um den Klassenverbleib, Stuttgart um die Europa-League-Teilnahme – und die damit verbundenen Drucksituationen waren erkennbar: der VfB souverän, Köln nervös. Der Geißbock meckert Der erste Kölner Torschuss, der zumindest in Richtung Sven Ulreich flog, kam von Christian Clemens, sorgte aber durch seine Höhe nicht für Gefahr (27.).

Dann war der Japaner Gotoku Sakai an der Außenlinie zu nachlässig gegen Lukas Podolski, der sich den Ball eroberte, einen Angriff einleitete und diesen nach einer Flanke selbst mit dem Kopf abschloss, Ulreich aber keine Probleme bereitete (28.). In der 30. Spielminute meckerte dann das FC-Maskottchen Hennes, ein Geißbock, über die Stadionlautsprecher und der Führungstreffer des 1. FC Kaiserslautern beim direkten Kölner Abstiegskonkurrenten Hertha BSC wurde auf der Anzeigetafel eingeblendet – die Zuschauern jubelten, zumindest die Kölner.

Köln übernimmt die Kontrolle

Den Freude der Fans münzten die Kölner auf dem Rasen in Schwung um, bissen sich in die Zweikämpfe und der ehemalige Stuttgarter Martin Lanig hatte die bislang beste Chance des Spiels. Sein Schuss rollte aber Zentimeter am linken Pfosten vorbei (32.). Kurz darauf erneut ein mutiger Lanig: der Mittelfeldspieler marschierte mit dem Ball am Fuß durch die gesamte Stuttgarter Hälfte, passte aber bei einer Vier-zu-Drei-Überzahlsituation den falschen Mitspieler, nämlich den im Abseits stehenden Podolski an.

Köln hatte jetzt das Kommando übernommen, Stuttgart fabrizierte die Fehlpässe, ließ den Kölnern zu viel Freiraum, nahm den Kampf zu wenig an, spielte zu statisch. Der VfB-Trainer Bruno Labbadia schimpfte dementsprechend an der Seitenlinie, die Kölner Fans peitschten ihre Mannschaft nach vorn – und nach 41 Minuten meckerte Hennes zum zweiten Mal. Köln glaubte wieder an sich, Stuttgart wackelte.

VfB mit vielen Ballverlusten

Die Rheinländer zeigten das Engagement und die Bewegung, die sie in den vergangenen Wochen vermissen ließen. Der Interimstrainer Schaefer schien wie schon in der vergangenen Saison, als er mit dem FC den Klassenverbleib schaffte, die richtigen Worte gefunden zu haben. Stuttgart nahm nicht wirklich teil, verlor das Spielgerät nach einem Ballgewinn umgehend wieder. Die letzte Chance vor dem Pausenpfiff hatte dann auch Köln. Podolski bekam im Stuttgarter Strafraum den Ball vom Sakai in die Füße gespielt, sein Schuss verfehlte das Tor aber.

Von der Treffsicherheit der Schwaben in der Rückrunde wie beim 4:1-Heimsieg gegen Bremen am vorigen Spieltag war nichts zu sehen. Immerhin ist der VfB mit 36 Treffern als das torgefährlichste Team der Rückrunde nach Köln gereist. Das blieb er aben den mitgereisten Fans in der ersten Hälfte schuldig.

Stuttgart schlampig, Köln mit der Führung

Die zweite Hälfte begann dann mal wieder mit zwei Stuttgarter Angriffen. Den zweiten vertändelte Cristian Molinaro aber so, wie der VfB in der ersten Hälfte gespielte hatte: unkonzentriert, schlampig und nicht zielstrebig genug. Im Gegenzug zeigte Köln, wie es besser geht. Bei Clemens‘ Schuss musste sich Ulreich ganz lang strecken, um den Ball gerade noch am Tor vorbeizulenken (49.).

Eine Minute später war der Stuttgarter Schlussmann dann aber chancenlos. Mato Jajalo und Podolski kombinierten sich mit einem Doppelpass durch die VfB-Abwehr und der deutsche Nationalspieler passte hart in die Mitte – vielleicht wollte er auch auf das Tor schießen – und Slawomir Peszko schob ins leere Tor ein. Das Stadion brodelte.

Cacau mit der besten VfB-Chance

Wenig später zeigte dann auch Molinaro, wie es geht, setzte sich auf der linken Außenbahn schön durch, flankte scharf in die Mitte – doch Kölns Kapitän Geromel entschärfte den Ball gerade noch vor dem kopfballbereiten Vedad Ibisevic. Drei Minuten nach seiner Einwechslung hatte dann Cacau die bis dahin beste Stuttgarter Chance. Der Nationalstürmer umkurvte zwei Kölner im Strafraum, kam aber erst knapp vor dem herauseilenden Rensing zum Schuss, so dass er diesen anschoss.

Es war nun mehr Leben im Spiel. Das lag aber weiterhin vor allem an den Kölnern. Miso Brecko schraubte mit seinem Versuch das Torschussverhältnis auf 15:6 für die Heimmannschaft in die Höhe (66.). Doch der VfB war dennoch präsenter als vor der Pause, das Kölner Tempo war nicht mehr ganz so hoch wie in der ersten Hälfte. Die Intensität forderte zunehmend ihren Tribut.

Prompt setzte sich Cacau erneut im Kölner Strafraum durch, spitzelte den Ball diesmal an Rensing vorbei, das Spielgerät prallte vom rechten an den linken Innenpfosten und rollte – weil es so viel Effet hatte – über die Torlinie. 1:1 (71.), das Ergebnis der leicht verbesseren Leistung, aber dennoch schmeichelhaft für den VfB. Doch Köln war keineswegs geschockt. Nur zwei Minuten später schnappte sich Clemens links außen den Ball und schloss beherzt ab. Sein Versuch landete am Außennetz.

Nun passierte zehn Minuten nichts Aufregendes, die Partie verlief ruhig, bis Cacau in der 84. Minute aus 16 Metern abzog und Rensing gerade noch auf der Linie klärte. Drei Minuten vor dem Ende der offiziellen Spielzeit durfte Ibisevic dann nochmal zum Freistoß kurz vor der Strafraumgrenze antreten. Sein Versuch endete im Fangnetz über dem Tor. Köln schien mit dem Remis zufrieden, jedenfalls blieb die Schlussoffensive des FC aus und Stuttgart machte auch nichts mehr.

Der Vorsprung des VfB auf den Tabellensechsten Leverkusen schmolz damit auf zwei Zähler, weil Bayer in Hoffenheim gewann. Köln verpasste indes einen großen Schritt weg vom vorletzten Tabellenplatz, der FC vergrößerte seinen Vorsprung auf Berlin, das 1:2 verlor, zwar, aber nur auf zwei Punkte. Es bleibt also für die Schwaben und die Rheinländer spannend.

Entscheidende Szene: Cacau brannte auf seinen Einsatz. Das zeigte der Stürmer sofort nach seiner Einwechslung, als er sich gleich mal im Strafraum durchsetzte und eine gute Chance vergab. Doch Cacau machte weiter und traf in der 71. Spielminute zum Ausgleich. Das Tor stellte nicht nur den Spielverlauf auf den Kopf, sondern brachte auch das Kölner Offensivspiel zum Stocken. Insofern hat es der VfB besonders seinem Nationalstürmer zu verdanken, dass er einen Punkt aus Köln mit nach Stuttgart bringt.

Kommentar: Stuttgart legte gemächlich aber souverän los und bestimmte das Geschehen auf dem Rasen des Kölner Stadions. Gute Tormöglichkeiten erarbeitete sich das Team von Bruno Labbadia aber nicht. Mit zunehmender Spieldauer hielt der VfB dann jedoch immer weniger mit der Kampfbereitschaft der Kölner mit. In die Fehlpässe mischten sich Unkonzentriertheiten und mangelhaftes Zweikampfverhalten – Georg Niedermeier ausgenommen -, sodass der FC die Spielkontrolle übernehmen konnte.

Die Stuttgarter hatten es der Kölner Abschlussschwäche zu verdanken, dass sie mit einem torlosen Remis in die Pause gehen konnten. Nach dieser erarbeitete sich Köln dann schnell den verdienten Führungstreffer. Doch Stuttgart wachte nun auf, spielte mit, wurde aktiver, nahm den Kampf mehr an. Die Leistung war weiterhin nicht annähernd so gut wie in den vergangenen Wochen, doch es reichte für den Ausgleich durch Cacau. Am Ende hatten die Stuttgarter Einwechslungen – besonders die von Cacau – das VfB-Spiel belebt und Köln aus dem Rhythmus gebracht. Nichtsdestotrotz ist das Remis aus Stuttgarter Sicht schmeichelhaft. Das zeigten auch die 19 Torschüsse der Kölner, die damit ihren Saisonrekord aufstellten.

1. FC Köln: Rensing – Brecko, McKenna, Geromel, Eichner – Lanig, Riether – Peszko (79. Roshi), Jajalo (79. Pezzoni), Clemens, Podolski.

VfB Stuttgart: Ulreich – Sakai, Tasci (82. Maza), Niedermeier, Molinaro – Kvist, Gentner – Harnik (69. Okazaki), Hajnal, Schieber (57. Cacau) – Ibisevic.

Schiedsrichter: Sippel (München).

Zuschauer: 50.000 (ausverkauft).

Tore: 1:0 Peszko (50.), 1:1 Cacau (71.).

veröffentlicht auf www.stuttgarter-zeitung.de (21. April 2012)

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Der VfB Stuttgart bremst den Meister

31 10 2011

So weit ist der VfB Stuttgart noch nicht. Zumindest noch nicht ganz. Ein Sieg gegen den Deutschen Meister aus Dortmund ist am elften Spieltag der Fußball-Bundesliga aber nicht utopisch gewesen. Lange hielt der VfB sehr gut mit, dominierte die Borussen über mehrere Spielminuten sogar. Doch am Ende hätte der BVB das Spiel auch noch drehen können, sodass die Punkte zwischen Stuttgart und Dortmund mit dem 1:1 (1:1) gerecht verteilt wurden.

Spielverlauf: Die Zuschauer in der Mercedes- Benz-Arena in Stuttgart haben erst einmal warten müssen. Weil der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im Stau feststeckte und verspätet eintraf, wurde der Anpfiff 15 Minuten nach hinten verlegt. Der Meister hatte sich mit dem Weg vom Ludwigsburger Hotel nach Bad Cannstatt und dem Stadtverkehr offenbar verkalkuliert. Immerhin hatten die Fans somit etwas mehr Zeit, sich über die Aufstellung von Bruno Labbadia auszutauschen.

Der VfB-Trainer setzte gegen den amtierenden Deutschen Fußball-Meister wieder mehr auf Erfahrung. Er schickte Serdar Tasci, Shinji Okazaki und Zdravko Kuzmanovic für die jungen Patrick Bauer, Ibrahima Traoré und Christoph Hemlein, die beim 3:0-Pokalerfolg zu Hause gegen den FSV Frankfurt unter der Woche in der Startformation standen, von Beginn auf das Feld. Mit dabei war auch Cacau, der trotz einer Gesäßmuskelzerrung aus dem DFB-Pokalspiel auflaufen konnte.

Das sah der VfB-Manager Fredi Bobic, der am Sonntag seinen 40. Geburtstag feiert, schon einmal als Grundvoraussetzung für eine Chance gegen Dortmund. „Bei uns muss alles funktionieren, sonst geht es nicht. Wir müssen effektiv sein und dürfen keine Fehler machen. Aber das Wichtigste ist, dass wir als Team auftreten, dann kann es klappen“, hatte er vor der Partie gesagt. Die Aufstellung funktionierte also schon einmal.

Beide Mannschaften starten offensiv

Auch Labbadia hatte gab sich kleinlaut: „Wir backen kleinere Brötchen.“ Auf dem Feldwar das auch gleich von Beginn an zu beobachten, Dortmund startete wie schon beim 5:0-Kantersieg gegen Köln am vergangenen Wochenende offensiv und aggressiv. Nach nur drei Minuten setzte sich Robert Lewandowski im Strafraum gegen vier Stuttgarter durch und traf den Pfosten. Eine Minute später zielte Mario Götze auf die gleiche Ecke – und der Ball verfehlte nur um Zentimeter sein Ziel.

Dortmund ließ auch in den Folgeminuten nicht nach, aber Lukasz Piszczek schoss nach einem Eckball von der Strafraumgrenze aus neben das Tor von Sven Ulreich (6. Minute). Doch auch der VfB spielte jetzt mit. William Kvist leitete mit einem schönen Pass die erste Chance ein: Cristian Molinaro hatte sich im Rücken der Dortmunder Viererabwehrkette freigelaufen, schloss Kvists Zuspiel wuchtig ab, doch Roman Weidenfeller im BVB-Tor hatte keine Probleme (8.).

Eine Minute später wurde dann Martin Harnik auf der rechten Außenbahn schön freigespielt, doch seine Hereingabe verfehlte Cacau, der überrascht war, dass der Ball zu ihm durch kam. In der Folgezeit ebbten die Torraumszenen etwas ab. Erst ein Freistoß von Ivan Perisic flog dann mal wieder auf das Tor – doch fing den Schuss problemos ab.

Stuttgart übernimmt die Kontrolle

Auf der Gegenseite jubelten dann die VfB-Fans wie schon gegen Hoffenheim nach einem Freistoßtrick: Kvist schlug den Ball lang in den Strafrau, Harnik hatte sich dorthin freigelaufen, traf mit seinem Versuch noch den Pfosten, doch Tasci verwertete den Abpraller zur Führung der Schwaben (22.). Stuttgart setzte nun nach, doch Cacau verpasste mit seinem Kopfball das 2:0. Der VfB übernahm nun die Kontrolle, und Dortmund spielte nicht mehr so souverän wie gegen Köln und beim 2:0-Pokalerfolg gegen Dynamo Dresden am Dienstag.

Ganz anders Labbadias Mannschaft: sie baute das Spiel in aller Ruhe von hinten auf, wechselte klug die Seiten. Nur die Pässe in die Schnittstellen der BVB-Defensive gerieten mitunter zu steil. In der 37. Minute hatte der VfB dann zumindest Glück, als sich Götze in den Stuttgarter Strafraum dribbelte und Molinaro ihn zu Fall bringt. Der Schiedsrichter Manuel Gräfe stand gut, entschied aber nicht auf Elfmeter. Nach solchen Aktionen wurden auch schon einmal Strafstöße gepfiffen.

Der Ausgleich kommt unvermittelt

Als einige Fans schon auf dem Weg zu den Pausengetränken und Stadionwürsten unterwegs waren, schlug der Meister dann plötzlich zu. Götze spielt halblinks Kagawa an, der Japaner schließt ab, und seinen Schuss staubt Piszczek zum Ausgleich ab. Das hatte sich in den vorherigen Minuten absolut nicht angedeutet. Stuttgart war läuferisch stärker als der Meister und von den Chancen her auch überlegen. Bei den Zweikämpfen war der VfB der Borussia aber unterlegen und hatte auch mehr Fehlpässe produziert. Dennoch wäre eine Pausenführung nach dem Spielverlauf in der erstenHälfte verdient gewesen.

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp brachte nach der Pause Moritz Leitner für den etwas defensiveren Sven Bender. Der BVB hatte dann auch die erste Torgelegenheit des zweiten Durchgangs: Shinjii Kagawa schoss aus 20 Metern auf Ulreich, der den Ball gerade noch parierte (50.). Wenig später wehrte der Torhühter eine Flanke von Marcel Schmelzer schlecht ab, doch Kagawa war überrascht und nutzte die Chance nicht (53.). Auf der anderen Seite nahm Kuzmanovic anschließend einen abgewehrten Eckball volley und prüfte Weidenfeller, der den Schuss jedoch zum Eckball klärte (56.). Die Strafraumszenen hörten weiterhin nicht auf, und Kagawa vergab in der 60. Spielminute die nach den Toren bislang beste Möglichkeit, als er aus elf Metern freistehend vor Ulreich über das Tor schoss.

Stuttgart hat in der Schlussphase Glück

Bis zur Schlussviertelstunde nahmen die spannenden Aktionen vor den Toren dann etwas ab, das Spiel plätscherte vor sich hin. Erst Harnik, der aber in seinen Schuss nicht genügend Power hineinbrachte (80.), sowie der eingewechselte Traoré, dessen strammen Versuch Weidenfeller gerade noch zur Ecke ablenken konnte (81.), brachten wieder Schwung in die Partie. Wenig später foulte Maza bei einem Dortmunder Konter den eingewechselten Kevin Großkreutz an der Strafraumgrenze. Doch Ulreich wehrte Schmelzers flachen und wuchtigen Freistoß ab (85.).

In den anschließenden Minuten hatte der VfB dann Glück, als die Dortmunder Götze und Neven Subotic (88. und 89.) gleich zwei gute Möglichkeiten ausließen. Somit konnte Stuttgart mit dem einen Punkt zufrieden sein, der gegen den BVB zudem höher anzurechnen ist als der beim 2:2 in Nürnberg am vergangenen Spieltag. Mit diesem Remis im Spitzenspiel des elften Spieltags dürfte vor allem der Rekordmeister zufrieden gewesen sein. Der FC Bayern München gewann parallel souverän gegen Nürnberg, konnte seine Führung an der Tabellenspitze wieder etwas ausbauen und liegt nun vier Zähler vor Schalke.

Entscheidende Szene: Als die meisten Stuttgarter Spieler wohl schon mit den Köpfen bei der Pausenansprache von Bruno Labbadia und den isotonischen Erfrischungsgetränken waren, versetzte der Meister den gesamten VfB kurz in einen schockähnlichen Zustand. Der Ausgleich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte war zum einen zu diesem Zeitpunkt unverdient und kam zudem absolut überraschend. Hier zeigt sich einerseits, dass der VfB eben in jeder Sekunde hellwach sein muss, wenn er in der Spitze der Fußball-Bundesliga mitspielen möchte. Zum anderen verdeutlicht das aber auch die Stärke des Deutschen Meisters.

Kommentar: Der VfB spielte über weite Strecken sehr gut, Dortmund zeigte derweil besonders mit dem Ausgleichstreffer aus dem Nichts seine individuelle Klasse. Der Meister ist eben auch in schwachen Spielphasen gefährlich und kann Partien drehen oder entscheiden. Bei den Stuttgartern ist nach den zuletzt laut gewordenen Querelen zwischen Harnik und Cacau besonders deren Zusammenspiel zu loben.

Es war deutlich zu sehen, dass sich beide im Vorfeld der Partie ausgesprochen hatten. Auch die Intensität und der Einsatzwille der Schwaben war sehr gut. Gegen Ende des Spiels hatte das Team des Trainers Bruno Labbadia aber auch Glück. dass es nicht leer ausging. Somit ist das 1:1 unter dem Strich ein gerechtes Ergebnis, mit dem vor allem der VfB seine Zugehörigkeit zu den Teams im oberen Tabellendrittel festigt.

VfB Stuttgart: Ulreich – Boulahrouz, Tasci, Maza, Molinaro – Kvist, Kuzmanovic – Okazaki (70. Traoré), Hajnal (90. Gentner), Harnik – Cacau (78. Hemlein).

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Kehl, Bender (46. Leitner) – Perisic (76. Großkreutz), Götze, Kagawa – Lewandowski (72. Barrios).

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin).

Tore: 1:0 Tasci (22.), 1:1 Piszczek (45.).

Zuschauer: 60.000.

veröffentlicht auf www.stuttgarter-zeitung.de (30. Oktober 2011)





Ohne die Bilder sagen Zahlendaten kaum etwas aus

10 10 2011

Die Abteilung Spielanalyse verknüpft beim VfB Stuttgart statistische Werte mit Videomaterial und hilft damit den Profis.

Mathias Munz kann kaum noch auf den Bolzplatz. Seit 2008 leitet der frühere Amateurkicker die Abteilung Spielanalyse beim VfB Stuttgart, befasst sich intensiv mit Profifußball und sagt daher mit einem Schmunzeln: „Wenn man ein gewisses Verständnis für das Positionsspiel und die Laufwege entwickelt hat, erträgt man das eigene Gekicke mit den Kumpels nur sehr schwer.“

Der Sportwissenschaftler professionalisierte in den vergangenen drei Jahren seinen Fußballsachverstand, und der VfB seine Spielanalyse. Heute arbeiten in der Abteilung zwei Festangestellte und zwei Studenten. Sie kümmern sich um die Drittligamannschaft sowie die Junioren, beschaffen und schneiden für die Scouts Videomaterial über potenzielle Neuzugänge und bereiten als Kerngeschäft die Spiele der Profis vor und nach – für die Analyse des vergangenen Bundesligaspiels und die Vorbesprechung des kommenden.

Konkret sieht Letzteres dann so aus: Die Spielanalytiker sichten die vergangenen Partien des nächsten VfB-Gegners, schneiden pro Spiel rund 50 Szenen raus – anhand der Vorgaben, die das Trainerteam Bruno Labbadia und Eddy Sözer zum Start seines Engagements vorgestellt hat, sowie der Informationen der Scouts, die das Spiel vor Ort angeschaut haben. Anschließend wählen sie mit dem Co-Trainer Sözer die endgültigen Szenen für die Mannschaftsbesprechung aus.

Das Ergebnis ist ein zwölfminütiger Film auf DVD. Darauf ist beispielsweise zu sehen, dass bestimmte Außenverteidiger das Spiel oft mit einem langen Diagonalpass eröffnen, oder dass gewisse Stürmer sich immer auf Höhe der gegnerischen Viererkette bewegen, um von dort aus in die Tiefe zu starten – Namen will Munz allerdings nicht nennen. Betriebsgeheimnis. Weitere Inhalte der Analyse-DVD können Standardsituationen, das Spiel gegen den Ball oder das Verhalten des Gegners bei Kontern sein. Das alles sind Informationen, die die Vorbereitung der Profis verbessern sollen.

Als Videomaterial können die Analysten auf das Fernsehbild des Senders Sky zurückgreifen, in Stuttgart verwenden sie jedoch vor allem den sogenannten Scoutingfeed der DFL. Elf Bundesligaclubs haben diesen Service abonniert, bei dem ein Extrakameramann das Spielgeschehen aus einer noch totaleren Perspektive verfolgt. Das Bildmaterial wird mit Zahlen der Firma Impire ergänzt. „Das Wichtigste bei der Analyse ist, dass man die Quantität, also die Daten, mit der Qualität, also den Videos, verknüpft“, sagt Munz. „Die Daten allein helfen kaum.“ Doch ganz perfekt funktioniert dieses Auswertungssystem noch nicht (siehe auch „Die Leiden der durchleuchteten Profis“).

Perfekt lief hingegen Munz‘ Werdegang beim VfB. Nach einem Praktikum sollte der gebürtige Schwäbisch Gmünder nach der Entlassung von Armin Veh mithelfen, eine Spielanalyse-Abteilung aufzubauen. Er hat seither einen großen technischen Fortschritt erlebt, der sich beispielsweise in größeren Speichermedien und schnelleren Downloads ausdrückt. „Der Fortschritt erleichtert die Arbeit ungemein, aber die Arbeit wird auch mehr, weil die Daten und Anforderungen immer differenzierter werden“, sagt Munz.

Ein Analyst kann mittlerweile herausfiltern, wie viele Zweikämpfe in der Luft (A) die zwei Sechser (B) im Angriffsdrittel (C) zwischen der 60. und 75. Spielminute (D) gewonnen haben (E). Die Punkte A bis E sind mögliche Stellschrauben für eine Abfrage. Viele solcher Abfragen bedeuten ein riesiges Datenmaterial, pro Spiel sind es etwa 4,5 Millionen. Munz hat sie nicht gezählt. Er und seine Kollegen synchronisieren diese nur mit den Videos, damit die Trainer Schlüsse daraus ziehen können.

Der 31-Jährige hat schon drei Übungsleiter beim VfB erlebt. Für Markus Babbel waren besonders die Bilder, weniger die Daten entscheidend. Christian Gross sichtete sehr viel selbst. Und die Akribie von Labbadia und Sözer wirkt sich auch auf das Arbeitspensum der Analysten aus. „Das finde ich sehr gut“, sagt Munz, „zumal die Zusammenarbeit perfekt klappt.“

Seine Abteilung rangiert in der Liga „im oberen Drittel“, was Hardware, Software, Personal und Erfahrung angeht. Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind führend. Ausbaupotenzial ist noch vorhanden. Zum Beispiel ist es denkbar, irgendwann einmal ausgewählte Szenen schon in der Halbzeitpause in die Kabine zu schicken, damit der Trainer je nach Bedarf die erste Spielhälfte direkt analysieren kann.

Auch Individualpakete für jeden Spieler sind möglich, also eine DVD oder eine Datei zum Herunterladen, mit allgemeinen Sequenzen, aber auch Szenen vom Athleten selbst und von dessen Gegenspieler in der nächsten Partie. Schließlich macht der 1. FC Köln das schon. Dort bekommen die Profis portable Geräte, auf denen Videomaterial abrufbar ist. So etwas hätte Mathias Munz wohl auch gern für den VfB – sowie für sich und seine Kumpels auf dem Bolzplatz.

 veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (6. Oktober 2011)





Bambi, Abstiegsangst und die düsteren Zeiten des VfB Stuttgart

24 02 2011

„Alles Hase“ war der Titel einer Mail, die mich kürzlich erreichte. Ein Kumpel aus Stuttgart schickte mir ein paar Bilder, die die prekäre Lage des VfB schauderhaft, ehrlich, brutal, (hellseherisch) – in jedem Falle irgendwie passend – illustrieren. Jetzt erst aber einmal zu den aktuelleren Tatsachen, bevor es um die Hasen geht.

Der VfB Stuttgart – Stolz, Liebe, Leid der Landeshauptstadt, zumindest außerhalb der Kickers-Gemeinde – ringt in dieser Saison bekanntlich um den Klassenerhalt. Die ursprünglichen Saisonziele waren andere, die Macher aber auch. Erst lief Horst Heldt plötzlich nach Schalke über und versteckt sich seither nicht nur hinter seiner neuen Brille sondern auch hinter dem Großmonarch Felix Magath. Somit hatte Heldts Nachfolger Fredi Bobic – sagen wir mal – nicht die optimalen Vorbereitungsbedingungen, die Zeit war sehr knapp. Hinzu kamen schmerzliche Abgänge (Jens Lehmann, Alexander Hleb und vor allem Sami Khedira), die nicht gleichwertig ersetzt wurden.

Und nachdem es mit dem Schweizer Trainer Christian Gross nicht mehr klappte, durfte Jens Keller kurzzeitig vom Assistenz- auf den Chefsessel, ehe Bruno Labbadia die neue Klassenerhaltshoffnung im Traineramt war. Nun half das alles nicht viel, die Situation hat sich keineswegs entspannt. Stuttgart ist in der Bundesliga Vorletzter, punktgleich mit dem Tabellenschlusslicht Mönchengladbach, vier Zähler hinter dem ersten Nichtabstiegs- und dem Relegationsplatz.

Auch angebliche Blockadenlöser, Aufholjagdsstartschüsse, psychische Befreiungsschläge wie der Erfolg beim direkten Konkurrenten Gladbach (3:2 nach 0:2-Rückstand) brachten keine Wende, auf den wertvollen Sieg folgten drei Niederlagen – zu Hause gegen Nürnberg (1:4), in Lissabon (1:2), in Leverkusen (2:4). Wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass sich die Leistung der VfB-Spieler deutlich besserte.

Was wiederum nichts hilft, wenn man dennoch verliert und dann auch noch ein Baukran an der heimischen Stadionbaustelle (Umbau in eine reine Fußballarena) Teile des Dachs und des Rasens (die Angaben variieren zwischen 130 und 250 Quadratmeter) zerstört und den misslichen Gesamtzustand irgendwie auf zynische Art und Weise karikiert.  2000 Sitzplätze bleiben somit für das heutige (24.2.11) Europa-League-Rückspiel gegen Benfica Lissabon gesperrt. Als noch schlimmer könnte aber die Zerstörung einiger bereits fertig gestellter Tribünenteile interpretiert werden. Quasi als Bild des herannahenden Abstiegs, schließlich bräuchte der VfB in Liga 2 nicht mehr ganz so viele Stadionplätze. Die schwäbischen Leichtathletikfans werden schon gehässig die Hände reiben, schließlich kostete der Umbau die Tartanbahn in der Arena.

In diesem Zusammenhang soll Jörg Klopfer, der Sprecher der Stadiongesellschaft in Stuttgart, erwähnt werden. Nicht weil er durch den Unfall, bei dem ein Kranführer zwar verletzt aber schließlich glimpflich davongekommen ist, in fast allen Medien zitiert wird, sondern weil sich sein Nachname als Überleitung zum Foto meines Kollegen eignet. Schließlich kennen wir ja alle BAMBI, das süße Reh, dessen guter Freund Klopfer stets und ständig als treuer Begleiter an Bambis Seite herumhoppelte und folglich ein Hase ist. Bevor nun aber wohlige Kindheitserinnerungen aufkommen, möchte ich Euch wiederum an den Ernst der Lage des VfB erinnern.

Schließlich trägt dieser (Nachnamens-)Umstand eine gewisse Ironie in sich, denn dass der Sprecher der Stuttgarter Stadiongesellschaft Klopfer heißt und in dieser abstiegsbedrohlichen Situation über Absturzvorgänge berichten muss ist vor allem interessant, wenn man sieht, was mit Hasen im Umfeld des VfB passiert.

Auf dem Schal steht übrigens: "Niemals 2. Liga!"

Sprich: Nicht nur die Leistungen des Teams sondern auch die Vorfälle um den Proficlub herum (Kransturz, toter Hase) scheinen in diesen düsteren Tagen wie böse Vorboten des Super-Gaus 2. Liga. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft angetrieben von der Abstiegsangst besser und vor allem erfolgreicher spielt, um mit einem Weiterkommen in der Europa League und besonders der Rettung in der Bundesliga nicht nur die Hasenseele sondern auch die der Fans zu balsamieren. In diesem Sinne: Hase tot, alles gut!





Eintracht-Gegner: Stuttgart_VfB will schnell wieder vor die Eintracht

27 02 2010

Die Statistik besagt nichts Gutes: Beim VfB Stuttgart hat die Eintracht 24 von 39 Bundesliga-Partien verloren, dagegen stehen gerade einmal sechs Siege. Hinzu kommt, dass die Schwaben 2010 gut aufgelegt sind. Nur eine Niederlage in der Rückrunde, am vergangenen Wochenende der höchste Saisonsieg mit dem 5:1 in Köln. Auch der große FC Barcelona musste sich das Unentschieden am Dienstag hart erkämpfen. Bundestrainer Joachim Löw nominierte mit Sami Khedira, Christian Träsch, Serdar Tasçi und Cacau gleich vier Stuttgarter Spieler für den Test gegen Argentinien am kommenden Mittwoch.

Bei den Schwaben läuft es seit der Übernahme des Schweizer Trainers Christian Gross wieder den eigenen Ansprüchen entsprechend. Er lässt sich siezen, scheut auch den Konflikt mit wichtigen Spielern wie Aleksandar Hleb nicht, kennt die Statistiken des eigenen Teams und der Gegner sehr genau, gilt als akribischer und konsequenter Arbeiter. Gross gab den Stuttgartern Selbstvertrauen, Spielwitz und Torgefährlichkeit. Dass der VfB gegen Barcelona so stark aufspielte, konnte Ende 2009 niemand ahnen. „Die Moral in der Mannschaft ist nach dem Highlight am Dienstag gut“, sagt Gross, „Um den Wechsel zwischen Champions League und Bundesliga hinzukriegen, muss man mental stark sein, und das sind meine Spieler.“

Dennoch lassen die Verantwortlichen nicht davon ab, dass der VfB weiterhin gegen den Abstieg spielt. „Noch sehe ich keinen Grund, etwas an der Zielstellung Nichtabstieg zu ändern“, sagte Gross der Stuttgarter Zeitung. Indirekt stellt Manager Horst Heldt jedoch klar, was man in Stuttgart erwartet: „Es ist ein sehr professionell geführter Verein mit einem Trainer, der Ansprüche nach oben hat“, sagt er in Richtung Frankfurt, „der VfB sollte aber vor der Eintracht stehen.“ Das Saisonziel werde bei einem Sieg gegen Frankfurt wohl umformuliert. Trotz schwacher Hinrunde siegten die Stuttgarter im September deutlich 3:0 in der Frankfurter Arena. Die Torschützen Julian Schieber und Thomas Hitzlsperger werden diesmal wahrscheinlich nicht auflaufen. Während der ehemalige Kapitän mittlerweile in Rom spielt, muss sich Schieber hinter den wieder erstarkten Cacau (fünf Tore in zwei Spielen), Pavel Pogrebnyak und Ciprian Marica anstellen. Einzig Khedira könnte Trainer Gross wegen Muskelproblemen fehlen.

veröffentlicht in der FAZ (27. Februar 2010)





Bundesliga-Kommentar_Das Prinzip Hoffnung

17 01 2010

Es wurde ja schon viel geredet über die kurze oder zu kurze Winterpause. Minus zehn Grad wurden vor dem ersten Bundesligaspiel in der Allianz Arena am Freitag zwischen Bayern und Hoffenheim gemeldet. Dabei ist es wohl gerade in München egal, wie kalt es ist. Die Bayern bestrahlen ihr Spielfeld mit 540 Lampen zu jeweils 1.000 Watt, wenn zu wenig Tageslicht auf den Rasen fällt. Und dann gibt es ja noch die Rasenheizung. Das Ergebnis konnte man beim 2:0-Erfolg gegen Hoffenheim sehen. Für einen gepflegten Untergrund lohnt sich der Aufwand, die ökonomischen und ökologischen Ausmaße sind eine andere Frage.

Jedenfalls haben die Zeitungen seit Freitag wieder viel über ihren Lieblingsplatzfüllsport zu schreiben, die Fußballabteilung des Bezahlsenders sky hat wieder Arbeit und die Radiokommentatoren passen sich wieder Verbalvorlagen in der Konferenz quer durch die Republik zu. Was bleibt nach dem ersten Spieltag 2010? Bayern München hat den Aufwärtstrend über Weihnachten beibehalten, Jupp Heynkes ist seit Samstag (16.1.) nicht nur mit Geburtstagskind Udo Lattek als dritterfahrenster Trainer (524 Bundesligaspiele) gleichgezogen, sondern hält Bayer Leverkusen weiter auf Meisterschaftskurs. Im ersten Spiel nach der Winterpause war aber auch nichts anderes zu erwarten, denn Leverkusen hat nun in den vergangenen sechs Jahren fünf Siege und ein Unentschieden geholt – das ist Ligaspitze. Der VfB Stuttgart profitiert von Schweizer Härte und vermiest Dieter Hoeneß den Start auf der Bank beim VfL Wolfsburg. Kevin Kuranyi empfiehlt sich weiterhin für Joachim Löw und der neue Kölner Kapitan Youssef Mohamad macht Dortmund mit seinem späten 2:2-Ausgleich doch nicht bekloppt, weil Kevin Großkreutz fast im direkten Gegenzug in der Nachspielzeit den BVB-Siegtreffer erzielt – große Unterhaltung zum Abschluss des Spieltags. Lukas Podolski hat indes seinen Torlos-Rekord auf 1.123 Minuten ausgebaut, er wurde schon nach einer Stunde ausgewechselt. 

Am meisten gestaunt haben die Fußballanhänger aber sicherlich in Hannover. Berlin – Tabellenletzter, gerade mal ein Saisonsieg, magere sechs Punkte nach 17 Spielen – gewinnt 3:0 bei 96 und der Berliner Cicero verschießt dabei sogar noch einen Elfmeter.

Die Hertha glaubt an sich. Das war nicht nur ein Lebenszeichen sondern der Beginn einer Aufholjagd, denn Berlin wird nicht absteigen.

Mit Friedhelm Funkel hat Hertha BSC Berlin einen abstiegserfahrenen Trainer. Zudem ist er es gewohnt, Mannschaften ohne Sexappeal zu trainieren. Außer beim 1. FC Köln war er als Coach bei weniger schillernden Mannschaften wie Bayer 05 Uerdingen, Meidericher SV Duisburg, Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt an der Seitenlinie tätig. Da passt die Hertha hervorragend.
Von den drei Neuzugängen, die in der Winterpause nach Berlin kamen, wird vor allem in Theofanis Gekas viel Hoffnung gesetzt. Mit seinem Treffer zum 3:0 gegen Hannover hat der aktuelle Torschützenkönig der WM-Qualifikation in Europa gleich mal für das richtige Begrüßungsmitbringsel gesorgt. Aber auch der erfahrene Levan Kobiashvili sowie der 25-jährige Tscheche Roman Hubnik werden den Berlinern helfen, doch noch in der Liga zu bleiben.

Die psychologische Komponente ist aufgrund des krassen Rückstands auch ein Vorteil für Hertha BSC. Zum einen haben sie, wie es so schön heißt, nichts zu verlieren und können daher, wie es auch so schön heißt, befreit aufspielen. So blöd sich diese Floskeln auch anhören mögen, bewahrheitet haben sie sich dennoch des Öfteren. Zum anderen glaubt ohnehin kaum jemand daran, dass Berlin den Nichtabstieg noch schafft. Somit sinkt der mediale Druck und das Befreit-Aufspielen und Nichts-mehr-zu-verlieren-Haben kommt also nicht nur von innen, sondern wird auch von außen an sie herangetragen. Je höher man im Rückstand liegt, desto stärker klammert man sich an die Hoffnung – wenn man nicht resigniert, aber dafür ist es einfach noch viel zu früh.

Und dann gibt es in Berlin ja noch den Bundestagsabgeordneten Frank Steffel von der CDU. Er ist Präsident des Handballbundesligisten Reinickendorfer Füchse und hat vor Weihnachten einen Brief u. a. an Werner Gegenbauer, den Präsidenten von Hertha BSC, geschrieben. Sein Plan sieht knapp 22 Millionen Euro vor, die der Berliner Erstliga-Fußballklub im Abstiegskampf erhalten könnte: Hertha-Manager Michael Preetz soll für einen Euro im Monat arbeiten, die Betreiber des Olympiastadions sollen auf die Einnahmen verzichten, und die Einwohner der Hauptsstadt sollen eine Million SMS für die Hertha schreiben. Dieses Konzept kann bewundert oder belächelt werden, mit Sicherheit ist es besonders.

Am Dienstag (19.1.) treffen sich der Politiker und die führenden Hertha-Vertreter jedenfalls. Das Projekt Nichtabstieg bekommt dann vielleicht noch einen weiteren Schub.





Jens Lehmann_Oder warum bei bestimmten Leuten schon der Name als Überschrift reicht

15 12 2009

Christof Kneer hat heute im Sportteil der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Dr. Lehmann und Mr. Jens“ die Eskapaden des Keepers vom VfB Stuttgart in einer Chronik zusammengefasst. Es sind 15 kleine Geschichten – nur für das Jahr 2009 – über einen Torhüter zwischen Genie und Wahnsinn. Ich habe mal die entsprechenden Videos gesucht – manchmal auch nur Erinnerungsstücke oder passende Links – und stelle sie Euch hier vor.

27. Januar: 12.000 Euro Strafe für die Kritik Lehmanns an der Mannschaft nach der 1:5-Niederlage im DFB-Pokal gegen Bayern München. Den bild.de-Artikel gibt’s HIER.  Eine Zusammenfassung des Torfestivals im Video.

14. Februar: Drei Wutausbrüche Lehmanns – gegen Michael Tarnat, Jiri  Stajner und ein TV-Kabel – sorgen beim 3:3 in Hannover für Unterhaltung. Die Tore des Spiels gibt’s, wenn Ihr runter scrollt, HIER. Außerdem habe ich Stimmen von Lehmanns Kollegen zum Spiel gefunden.

18. Februar: Die Stirnband-Attacke Lehmanns gegen den Abwehrkollegen Khalid Boulahrouz ist einigen vielleicht noch vor Augen. Für die anderen gibt’s jetzt den Videobeweis. Lehmann hat schon recht: Wenn er im Tor in St. Petersburg nicht friert, dann darf ein Feldspieler auch nicht frieren. Außerdem stört das Stirnband ja bei den leisen Schreien des Jens L. Eigentlich ist die Aktion aber witzig, weil mit Stirnband spielt man nun wirklich nicht Fußball.

21. Februar: Wieder wirft Lehmann etwas weg. Diesmal trifft es im Hoffenheimer Sejad Salihovic einen Gegner. Sein Schuh landet auf dem Tornetz des VfB.

Januar bis Mai: Diesmal schreibt Kneer über einen Skandal – begangen an Lehmann. Bundestrainer Joachim Löw sagt immer wieder, er plane die WM in Südafrika ohne Lehmann. Hier finde ich auf die Schnelle nichts, daher ein Filmchen zum Heroen Lehmann.

9. Mai: Saisonende – ohne Sperre für Lehmann, obwohl er zur Winterpause schon vier gelbe Karten bekommen hatte. Er gewinnt damit eine Wette gegen VfB-Sportdirektor Horst Heldt. Kommt auch ohne Video rüber.

10. Mai: Lehmann und sein Hubschrauber. Diesmal landet er auf einem Kreisliga-Sportplatz, das Spiel beginnt später. Aber dafür gibt’s ein Foto. Genaueres schreibt BILD.DE.

14. Juli: Lehmann fordert per Live-Schaltung in die VfB-Mitgliederversammlung neue Spieler. Leider hat das keiner gefilmt, zumindest finde ich nichts.

17. August: Saisonauftakt in Wolfsburg: Lehmann macht den Effenberg – aber etwas defensiver. Während er sich am Kopf kratzt, äußert sein Mittelfinger keine Freundschaft zu den schimpfenden VfL-Fans. Natürlich hat die Bild Bild-Material. Ein Klick HIER.

22. August: Zahnschmerzen beim Altmeister. In Dortmund geraten Lehmann und BVB-Verteidiger Neven Subotic aneinander. Ellenbogen gegen Hinterkopf vs. Ellenbogen gegen Gesicht. Alles aber halb so wild.

19. September: Grandioser Fehler gegen den 1. FC Köln, 0:2 verloren und anschließend zur Wiesn. Ich habe darüber ja schon HIER und HIER geschrieben. Jetzt gibt’s auch noch die Bilder vom halben Radler…

… und von beiden Toren. Besonders das 2:0 von Wilfried Sanou ist ein Schmankerl.

24. Oktober: „Aaron stand hinter der Bande – ganz still und stumm. Da kam der Jens Lehmann – und schaute ganz, ganz dumm. Aaron gab den Ball nicht her, er warf ihn sogar weg der Zwer(g)…“ Herrlich war das. Hannovers Balljunge Aaron Schulz schafft es sicherlich in die Jahreschroniken der Saison 2009/2010. Dazu hatte ich auch HIER was gepostet. Ich kann jetzt noch schmunzeln, wenn ich die Aktion sehe.

9. Dezember: Der Stadionpinkler Jens Lehmann überrascht mal wieder mit einem neuen Aufmerksamkeitsgag. Diesmal ist das Schmunzeln aber mit Lehmann.

12. Dezember: Lehmann will die Strafe für seine Kritik an der VfB-Führung zum Babbel-Rauswurf nicht akzeptieren. BILD schildert die Aussagen des Torhüters.

13. Dezember: Tätlichkeit, Rot, Elfmeter, 1:1-Ausgleich. Das geschah in den letzten Minuten der Bundesligapartie zwischen dem FSV Mainz 05 und dem VfB Stuttgart. Mittendrin natürlich Lehmann, der Rot sah. Die Entscheidung war hart, aber klug war es dennoch nicht. Die Highlights bekommt Ihr über diesen LINK.

Nach dem Spiel klaut Lehmann einem Fan noch die Brille. Das folgende Video zeigt auch, wie sich der VfB-Keeper fünf Euro bei einem Journalisten leiht. Super!

Hoffentlich behält der VfB Stuttgart Jens Lehmann noch eine Weile. Es würde definitiv ein großes Stück Unterhaltung in der Bundesliga und im internationalen Fußball fehlen.