„Von Abschreckung halte ich nicht viel“

1 06 2012

Der  Lungenfacharzt und Suchtmediziner Alexander Rupp setzt sich für die Tabakentwöhnung ein und hat 2010 einen Arbeitskreis in Stuttgart initiiert.  Zum Weltnichtrauchertag spricht er über die Chancen der Tabakentwöhnung sowie die Probleme mit Krankenkassen und sagt: „Die Gefahr wird noch immer unterschätzt.“

Herr Rupp, haben Sie in Ihrem Leben schon einmal geraucht?
Zehn Jahre lang eine Schachtel pro Tag. Im Studium habe ich angefangen und bis ins Berufsleben hinein geraucht.

Wie haben Sie es geschafft aufzuhören?
Mir wurde die innere Ambivalenz zu groß. Einerseits rauchen, andererseits die Patienten zum Aufhören auffordern. Mittels Selbstmanagementliteratur habe ich es geschafft, aber zwei Anläufe gebraucht.

Sie haben 2010 mit Kollegen den Arbeitskreis Tabakentwöhnung gegründet. Warum?
Das Ziel des Arbeitskreisesist es, die Bemühungen zur Tabakentwöhnung zu bündeln, einen fachlichen Austausch zu ermöglichen und die Angebote besser untereinander abzustimmen. Außerdem ist der Zusammenschluss wichtig, um eine gewichtigere Stimme bei den Krankenkassen und in der Öffentlichkeit zu haben. Immerhin wollen Umfragen zufolge mindestens 50 Prozent der Raucher aufhören.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?
Es ist schon ein Erfolg, dass die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch überhaupt stattfinden. Auch unsere Aktion beimWeltnichtrauchertag 2011 und unsere aktuelle Fortbildungsreihe sind erste Schritte in die richtige Richtung. Es ist aber noch viel Potenzial vorhanden.

Was meinen Sie mit Potenzial?
Ich denke, man kann die Struktur noch festigen. Unsere Öffentlichkeitsarbeit sollte ausgebaut und unser Kreis zum Beispiel durch Krankenkassen erweitert werden.

Sind Sie mit Akte S auch auf verbohrte Reaktionen bei Anfragen gestoßen?
Mit Akte S selbst noch nicht. Generell ist für mich jedoch völlig unverständlich, dass bei einer Abhängigkeitserkrankung die Kosten für eine Individualberatung oder -therapie nicht durch die Krankenkassen übernommen werden. Denn gerade im Suchtbereich ist Scham häufig ein Problem. Es kann eben nicht jeder in eine Gruppe. Das ist kategorisch bei allen Kassen so. Als Begründung höre ich, es stehe nicht im Präventionsleitfaden.

Dabei liegt die langfristige Erfolgsquote von Aufhörversuchen ohne Unterstützung lediglich bei drei bis fünf Prozent . . .
. . . weil beim Tabakrauchen die enorme Verfügbarkeit ein ganz wichtiger Faktor ist. Fast an jeder Straßenecke steht ein Automat. Rauchen ist eine Konsumform, die alltagstauglich ist, soziale Ausfälle bleiben in der Regel aus. Zudem war es lange Jahre gesellschaftlich voll integriert.

Sie sagen war?
Seit der Diskussion über die Nichtraucherschutzgesetze ändert sich auch die Einstellung zum Rauchen. Es wird zunehmend als störend empfunden. Raucher selbst sehen sich ausgegrenzt, sie müssen rausgehen, werden sogar öfter schräg angeschaut oder angesprochen.

Wird die Gefahr des Rauchens trotz dieser Entwicklung immer noch unterschätzt?
Ja, definitiv.

Würden Sie denn auch von gelegentlichem Rauchen abraten?
Gewisse Erkrankungen können auch durch gelegentliches Rauchen gefördert werden. Durch die Vielzahl chemischer Substanzen werden Entzündungsprozesse im Körper aufrechterhalten. Das kann im Lauf der Jahre zu verschiedenen Erkrankungen führen – egal wie viel man raucht. Außerdem gibt es bei den Krebs erzeugenden Substanzen keinen Schwellenwert der Unbedenklichkeit.

Dennoch rauchen in Deutschland immernoch 20 Millionen Bürger. Mangelt es mehr an der Prävention und der Aufklärung oder an der Entwöhnung?
Für die Raucher mangelt es an Entwöhnungsangeboten. Die vorhandenen Kurse sind für viele nicht attraktiv, weil sie zu lange dauern, und kürzere Angebote bezuschussen die Kassen häufig nicht.

Welche zulässigen Arten der Tabakentwöhnung gibt es?
Den wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit haben wir derzeit für die verhaltenstherapeutische und – wenn Entzugssymptome vorhanden sind – für die medikamentöse Unterstützung. Ein fehlender wissenschaftlicher Beweis bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass andere Methoden nicht wirken, sondern häufig, dass keine ausreichenden Studien durchgeführt wurden. Das stärkste wissenschaftliche Kriterium für Studien ist die kontinuierliche Abstinenz über zwölf Monate.

Doch nur mit einem positiven Wissenschaftsbeweis macht es Sinn, bei den Kassen nach Subventionen zu fragen?
Ja, das stimmt. Die Kassen zahlen derzeit beispielsweise nur die langfristigen Kurse, deren Erfolgsquote bei 35 bis 40 Prozent liegt. In Stuttgart konnten wir durch Gespräche mit den Kassen glücklicherweise Ausnahmen erreichen.

Gespräche sind sicherlich auch Teil der Tabakentwöhnung. Wie sollte diese aussehen?
Sie muss die Zielgruppe in hohem Maß erreichen und aus unterschiedlichen Methoden für unterschiedliche Zielgruppen bestehen. Der Einstieg zum Ausstieg muss niederschwellig sein. Die Rauchenden sollten frühestmöglich erreicht werden. Die Tabakentwöhnung sollte effektiv, zeitlich effizient und für alle sozialen Gruppen verfügbar sein. Zudem sollten die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen berücksichtigt werden und die Anbieter einen finanziellen Ausgleich für den Aufwand bekommen.

Die aktuellen Standardmodelle, die von den Kassen anerkannt werden, erreichen Ihren Angaben zufolge die Raucher minimal,lediglich 0,03 Prozent nutzten sie 2009. Somit geben die Kassen nur 0,3 Prozent des Präventionsbudgets für die Tabakentwöhnungskurse aus.Woranliegt das?
Es ist ein Problem auf der Anbieter- und auf der Raucherseite: Raucher besuchen die Kurse zu wenig. Bei den Anbietern gibt es zu wenige Spezialisten und zu wenige passende Angebote. Die wenigen, die Kurse vorbereiten und anbieten, stehen am Ende nicht selten mit drei oder vier Kursteilnehmern da, trotz des großen Vorbereitungs- und Werbeaufwands.

Welche Lösungen schlagen Sie vor?
Es wäre wichtig, den Fokus auch auf Kompaktkurse und individuelle Therapien zu legen. Dass diese für viele der einzig gangbare Weg zur Rauchfreiheit ist, wird von den Kassen häufig negiert.

Allerdings schreiben Sie selbst, dass die Abstinenzrate nach den Kompaktkursen geringer ist, etwa 20 bis 25 Prozent hören langfristig auf. Warum sind Sie dennoch ein Anhänger davon?
Die Methode ist sowohl für die Anbieter als auch für die Rauchenden lukrativer. Einem langfristigen Kurs stehen drei Kompaktkurse gegenüber. Pro Stunde Tabakentwöhnung können also mit dem Kompaktkurs doppelt so viele Raucher erfolgreich entwöhnt werden. Auch für die Raucher ist dieser attraktiver, weil die Einheiten überschaubarer und planbarer sind, als sechs Wochen lang einen Tag in der Woche zu dem Kurs gehen zu müssen. Mehrwöchige Kurse sind wichtig und effektiv, aber sie sind eben nicht für alle geeignet.

Haben Sie für den Erfolg von Kompaktkursen auch wissenschaftliche Bestätigungen?
Nur aus den regional begrenzten Zahlen, die ich aus unserer Stuttgarter Erfahrung habe. Den deutschlandweiten Beweis treten wir derzeit mit einer Studie an.

Wie müssen sich Raucher so einen Kompaktkurs vorstellen?
Wir erörtern zuerst in einem Gespräch und mittels Fragebogen, welche Methode sich eignet.Wenn der Kompaktkurs passend ist, besucht der Raucher zwei Termine à zwei Stunden in einer Gruppe zwischen acht und zwölf Personen. Dort gibt es kaum Vorträge, vielmehr werden die Lösungsmöglichkeiten in der Gruppe erarbeitet.

Sind das dann nur konkrete Handlungstipps oder wird auch psychologisch gearbeitet?
Der erste Schritt ist immer eine Motivationsanalyse. Wir wägen die Vor- und Nachteile des Rauchens und des Aufhörens ab. Jeder Rauchende braucht seinen persönlichen Grund für das Aufhören. Der zweite Schritt ist dann die Erarbeitung konkreter Ideen und Lösungsvorschläge, mit dem Rauchen aufzuhören beziehungsweise, was man stattdessen machen kann.

Haben Sie ein Hauptargument gegenüber dem größten Dickkopf in solch einer Gruppe? Von Abschreckung halte ich nicht viel. Man sollte eher schauen, warum die einzelnen Personen dabei sind, was sie bewegt. Wenn jemand zum Kurs kommt, ist er schon nicht mehr dickköpfig. Die Entscheidung muss immer beim Raucher selbst liegen. Daran arbeiten wir im Kurs, und die Gründe für das Aufhören sind dabei die Richtschnur.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (31. Mai 2012)





„Eine riesige Erleichterung“

11 04 2012

Im 15. Anlauf hat die EnBW Ludwigsburg erstmals in dieser Saison auswärts gewonnen. Sehr zur Freude des Managers Mario Probst.

Herr Probst, im 15. Versuch hat es geklappt. Wie fühlte sich der erste Auswärtssieg der Saison am Samstag in Hagen an?
Ich habe mich sehr für die Jungs gefreut, sie haben es einfach verdient. Endlich haben wir mal ein knappes Spiel gewonnen – das ist eine riesige Erleichterung.

Zwei Minuten vor dem Ende sah es aber so aus, als ob es wieder nicht klappt. Was haben Sie da gedacht?
Wir haben das Spiel sehr konzentriert begonnen und sind nicht wie so oft in Rückstand geraten. Nach dem Hagener Lauf im dritten Viertel war es wichtig, dass wir die Ruhe bewahrt haben. Matt Howard hat in der Schlussphase das Team auf seine Schultern genommen und acht Punkte in Serie erzielt. Er hat das Spiel entschieden, und es war besonders schön, weil seine Schwester und ein Freund aus den USA zum Spiel angereist waren.

Neben Howard haben auch die anderen großen Spieler Kurt Looby und Ermin Jazvin gut gepunktet. Das hat bisher gefehlt.
Das stimmt, aber am Samstag war vor allem der Schlüssel, dass wir über 40 Minuten als Team agiert haben, nie in Einzelteile zerfallen sind. Wir haben es geschafft, den Ball konsequent unter den Korb zu bringen. Looby hat zudem seit Wochen einen guten Rhythmus, Jazvin in Hagen sein bestes Spiel für uns gemacht.

Dennoch hat Ludwigsburg den direkten Vergleich gegen Hagen verloren. War das am Samstag auch ein Thema?
Mark Dorris kam als Letzter in die Kabine, hat vor Freude geschrien, dann aber gleich vom nächsten Schritt gesprochen. Das Team weiß, dass dieser Sieg nur ein kleiner Schritt war, und fokussiert nun das Ziel, zwei Spiele in Serie zu gewinnen. Gleich morgen können Sie diesem Ziel näherkommen.

Welche Chancen rechnen Sie sich gegen die Artland Dragons aus?
Quakenbrück ist ein Topteam. Aber wir spielen zu Hause, und daher ist es ähnlich wie gegen München und Berlin: eine Aufgabe, an der sich die Mannschaft hochziehen kann. Außerdem haben wir den Rü- ckenwind vom Hagen-Spiel. Können Sie in diesem engen Abstiegskampf schon über die kommende Saison nachdenken? Momentan sind wir voll auf das Erreichen des Klassenerhalts konzentriert. Je früher wir das schaffen, desto besser ist das für die weiteren Planungen.

Am 28. April fällt die Entscheidung – spätestens. Wenn diese Saison vorbei ist, sind die Clubverantwortlichen froh, weil . . .
. . . na ja, froh sind wir nur dann, wenn wir den Klassenverbleib geschafft haben. Hoffentlich ist das schon vor dem letzten Spieltag der Fall.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (10. April 2012)





„Die Play-offs wären ein echter Erfolg“

29 09 2011

Der Teammanager Mario Probst spricht über das Saisonziel, den Zuschauermangel und die Zukunftssorgen des Clubs.

Herr Probst, wegen eines Tarifstreiks droht die kommende NBA-Saison verspätet oder gar nicht zu beginnen. Haben Sie schon einmal daran gedacht, Dirk Nowitzki zu fragen, ob er diese Zeit nicht in Ludwigsburg überbrücken will?
Man muss schon die Realität kennen. Die Wahrscheinlichkeit ist hier so gering, da würde sich die Anfrage nicht lohnen. Wenn wir jetzt ein EuroleagueTeam wären, dann könnten wir sicherlich ein Szenario aufbauen, dass er hier richtig ist. Aber in Deutschland kommen eigentlich nur Berlin, Bamberg oder Bayern München in Frage.

Käme ein anderer NBA-Profi für Sie in Frage?
Wir wollen eine gesunde Mannschaft haben, das heißt Spieler mit den richtigen Motiven. Da es bei uns nicht nur um individuelle Ziele geht, würde ich mich schon fragen, warum ein gestandender NBA-Spieler hier spielen sollte. Außerdem reden wir da von Gehältern, die sogar unseren Gesamtetat übersteigen. Der Grund, in Ludwigsburg zu spielen, kann nicht Geld sein.

Sie haben vier Starter aus dem Kader der vergangenen Saison behalten können, auch der Trainer Markus Jochum ist geblieben. Seit Jahren konnten sie die lang ersehnte Kontinuität in die Tat umsetzen. Auch die Neuzugänge sind diesmal rechtzeitig geholt worden. Merken Sie schon eine positivere Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren?
Wir sind erstmal extrem froh, dass wir diese Kontinuität umsetzen konnten. Dass wir nun sieben Spieler aus dem Zehn-Mann-Kader halten konnten, ist natürlich ein Riesenvorteil. Man hat die Voraussetzung geschaffen für einen Vorsprung gegenüber den neu zusammengestellten Teams. Aber ein Vorsprung in der Vorbereitung zählt nichts, den müssen wir mit in die Saison nehmen und weiter ausbauen.

Die drei Neuzugänge sind besonders für ihre defensiven Qualitäten bekannt, war die Verteidigung das Hauptproblem in der vergangenen Runde?
Wir waren eine sehr gute Offensivmannschaft mit sehr guten Werfern und konnten gegen jedes Team der Liga individuell und als Mannschaft mitspielen. Die offensichtlichen Schwächen lagen definitiv in der Defensive, wir waren beim Rebound im unteren Drittel der Liga, uns hat zudem die physische Spielweise und die notwendige Härte in den entscheidenden Spielsituationen gefehlt. Hier haben wir versucht, personell Schwerpunkte zu setzen. Mit Kurt Looby haben wir einen Center, der in Offensive limitiert ist, aber seine Stärken in der Verteidigung hat, gut bei den Rebounds ist und auch einen Wurf blocken oder verhindern kann. Die Gegner denken bei ihm vielleicht etwas mehr nach, wenn sie in die Zone ziehen. Hinzu kommt, dass es in der Liga viele schnelle Aufbauspieler gibt. Deswegen hat der Trainer die Guard-Rotation um einen Spieler erweitert. Mark Dorris bringt diese Schnelligkeit mit, er hat zudem Stärken in der Verteidigung.

Sie haben kürzlich den Neuzugange Seth Tarver schon wieder ersetzt. Für ihn kam Terrell Harris. Was erhoffen Sie sich davon?
Leider konnte Seth Tarver sich nicht in der Weise in die Mannschaft spielen, wie wir uns das erhofft haben, daher das Vertragsende in der Probezeit. Mit Terrel Harris haben wir einen Spieler verpflichtet, der bereits Erfahrung in Europa gesammelt hat und sowohl defensiv als auch offensiv sehr viel Potential besitzt. Wir erwarten uns mit seiner Integration eine weitere Verbesserung unseres derzeitigen Leistungsniveaus.

Reicht das, um Toby Bailey zu ersetzen?
Wir können über keinen Spieler sagen, dass er Toby Bailey eins zu eins ersetzen kann. Er hat alles erlebt, hat schon in der NBA gespielt, in der Euroleague und mehrere Jahre in Deutschland. Die Erfahrung eines 35-Jährigen ist nicht zu ersetzen. Das muss in diesem Jahr das Team als Ganzes auffangen. Alex Harris, Johannes Lischka und Terrel Harris werden alle auf dieser Position Zeit verbringen. Aber noch mehr in der Pflicht sind die großen Drei: Jerry Green, Donatas Zavackas und John Bowler. Jerry hat in der Pause viel gemacht, John ist vielleicht in der besten Verfassung seiner Karriere, Donatas steht körperlich sehr gut da und ist mit seiner Spielintelligenz und Wurfqualität einer der gefährlichste Vierer in der Liga.

Ein weiterer Neuzugang ist Steven Key, er kam als Ersatz für den Assistenztrainer Steven Clauss, warum?
Es gab keinen speziellen Grund. Die Zusammenarbeit mit Clauss war auf ein Jahr geschlossen. Das Verhältnis Trainer zu Co-Trainer ist das engste, das es in einem Verein gibt. Da muss die Chemie hundertprozentig stimmen. Steven Key passt da vielleicht noch ein bisschen mehr ins Gesamtprogramm. Steven Key ist Amerikaner, der aber sehr gut Deutsch spricht, er ist ein tolles Bindeglied zwischen Mannschaft und Headcoach. Gleichzeitig hat Key sehr viel Wissen, das er jungen Spielen weitergeben kann. Er nimmt auch eine Schnittstellenfunktion zwischen Profimannschaft und Basketball-Akademie ein, Spieler wie Jonathan Maier, Tim Koch oder Besnik Bekteshi sind absolut in seinem Verantwortungsbereich.

Ausgewechselt wurde auch die Trikotfarbe, aus den Gelben Riesen wurden die weißen Riesen. Wie kam es dazu?
Wir spielen das zehnte Jahr in der Bundesliga und haben uns immer als innovativen Verein gesehen. Wir hatten beim Auszug aus der Rundsporthalle ein weißes Trikot, das bei den Fans extrem gut ankam. Aber die Vereinsfarben schwarz-gelb sind auch auf dem weißen Dress, daher sind wir weiterhin aber die Gelben Riesen. Wir wollten einfach etwas Frisches für die Saison reinbringen.

Die Kontinuität ist da, die Neuzugänge stellen zufrieden. Eigentlich kann es so doch nur ein Saisonziel geben: die Play-offs.
Vorbereitung ist Vorbereitung, die Ergebnisse spielen keine Rolle. Was zählt ist, was am 3. Oktober gegen Gießen passiert.

Aber die Mannschaft geht mit einem besseren Gefühl in die Runde.
Ich glaube, dass sich das Team schon ein gewisses Selbstvertrauen erspielt hat. Wir haben im Vergleich zu den neuformierten Mannschaften schon das ein oder andere gewisse Element mehr, und natürlich haben die Jungs ein gewisses Selbstverständnis. Aber darauf haben wir ja gesetzt. Es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre.

Die Kontinuität ist diesmal da, die Neuzugänge haben die gesamte Vorbereitung mitgemacht. Eigentlich kann es nur ein Ziel geben: die Playoffs.
Es ist schwierig, jetzt ein anderes Ziel zu finden. Alle Spieler haben sich die Playoffs als Ziel gesetzt. Dafür benötigt man wohl mindestens 19 Siege. Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass wir nur eine Verletzung davon entfernt sind, ganz schnell nicht mehr über die Playoffs zu sprechen. Außerdem ist die Liga definitiv stärker als im vergangenen Jahr. Man kann sogar sagen, dass es die stärkste Beko BBL aller Zeiten ist.

Das könnte auch wieder mehr Zuschauer anlocken. Die Ludwigsburger Arena hat laut der Beko BBL ein Fassungsvermögen von 5300 Besuchern, und in der abgelaufenen Spielzeit kamen im Schnitt aber lediglich 2900 Zuschauer – 300 weniger als das Jahr zuvor. Hier haben Sie sich bestimmt mehr erhofft?
Wir müssen erst einmal die Zahlen zurechtrücken. Wir haben 4500 Plätze. Es gab zwar in der Bauphase Pläne für über 5000 Plätze, aber die Realität war dann doch anders. Bei dem jetzigen Zuschauerschnitt ist da sicherlich noch Potential vorhanden.

Warum wird dieses nicht ausgeschöpft?
Wir müssen selbstkritisch sagen, dass wir bisher sehr wenig Kontinuität hatten. Zudem waren die Ergebnisse nur zum Teil zufriedenstellend. Aber ich glaube, das ganze Umfeld hat die abgelaufene Saison in der Nachbetrachtung als positiv wahrgenommen und als ersten Schritt in die richtige Richtung. Wir haben Identifikationsfiguren wie Jerry Green, David McCray oder John Bowler und auch noch den Beko BBL ALLSTAR Day im Januar, was vielleicht einen Extraschub gibt. Aber die Ergebnisse müssen natürlich stimmen. Natürlich ist es unser Ziel, den Zuschauerschnitt zu steigern und über 3000 zu kommen. Wenn wir bei 3500 liegen, haben wir schon gut gearbeitet. Man muss das aber auch in Relation zu den 2200 Zuschauern in der Rundsporthalle setzen. Man darf ja nicht vergessen, wo wir herkommen.

Sie haben in der abgelaufenen Saison viele Zuschaueraktionen wie den Familienmonat oder den Spielertalk veranstaltet. Was haben Sie sich für die kommende Runde überlegt?
Die Jugend spielt bei uns definitiv eine große Rolle, das ganze Schul- und Vereinsprogramm, Ferien- und Schulcamps, wo wir es schaffen, über die Kinder ganze Familien für den Basketballsport zu begeistern. Es geht vor allem darum, dass man einen Bezug von der Mannschaft, von den Spielerpersönlichkeiten zu den Fans schafft, und dieser muss direkt sein. Unsere Mannschaft muss präsent sein und am öffentlichen Leben teilnehmen.

Diese ganzen Aktionen kosten natürlich auch Geld. Wie hoch ist der Ludwigsburger Gesamtetat?
Wenn man eine Rangliste in der Liga aufstellt, befinden wir uns irgendwo zwischen Rang neun und zwölf, was das Gesamtbudget angeht. Aber wir haben den Anspruch, sportlich mehr als Rang neun aus unserem Budget zu machen. Wir wollen eine Underdog-Rolle im Konzert der Großen einnehmen und zu Hause gegen jeden um den Sieg mitzuspielen.

Das ist natürlich mit Platz neun bis zwölf in der Budgettabelle schwieriger. Wo positioniert sich Ludwigsburg eigentlich: Mitläufer in der Liga, Überraschungsteam, Sprungbrettclub, Ausbildungsverein?
Wir stehen ziemlich genau in der Mitte der Liga. Wir können uns nicht die beste Qualität kaufen und damit in sehr kurzer Zeit Erfolg einfahren. Wir brauchen eine Mischung aus erfahrenen und jungen Kräften. Um unser Gerüst an Erfahrung müssen wir eine Gruppe aufbauen, die Entwicklungspotential hat – unabhängig davon, ob das jetzt jüngere ausländische oder deutsche Spieler sind. Wir brauchen Nachwuchsspieler, die sich in ein, zwei Jahren weiterentwickeln, wie beispielsweise Alex Harris. Vielleicht ist für ihn Ludwigsburg ein Sprungbrett. Für Jerry Green war es das damals, aber ich würde uns nicht als Ausbildungsverein bezeichnen. Eher als Verein, in dem Entwicklung und Ausbildung eine große Rolle spielt, und damit größtmöglichen sportlichen Erfolg erzielt.

Von 2013 an werden die Stadtwerke das Stromnetz in Ludwigsburg alleine betreiben, ihr Hauptsponsor EnBW ging bei den jüngsten Verhandlungen leer aus – und lässt bislang auch ein klares Bekenntnis für eine Fortsetzung des Sponsoringvertrages mit den Basketballern vermissen. Der Vertrag läuft 2012 aus. Wie gehen Sie mit dieser Situation um, denn ohne den Energieversorger wäre Erstligabasketball in Ludwigsburg nicht möglich?
Absolut. Das ist aber Chefsache. Ich weiß, dass sich der Vorstand und der Beirat des Vereins seit mehr als zwei Jahren sehr intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Für uns ist es wichtig, das Thema Basketball in Ludwigsburg weiterhin nachhaltig betreiben zu können. Die EnBW AG hat einen wichtigen Anteil, an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Vereins. Fakt ist, dass es aktuell noch keine Lösung zum Thema Hauptsponsor gibt. Viel mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Aber Sie können generell sagen, welche Probleme mit der Abhängigkeit von nur einem Sponsor mitschwingen?
Der ganze Profisport hängt heutzutage von Geldgebern aus der Wirtschaft ab, das ist keine neue Situation.

Aber in vielen Fällen beschränkt sich die Abhängigkeit nicht nur explizit auf einen Sponsor.
Natürlich ist die EnBW AG ein Partner, ohne den das hier nicht möglich wäre, ohne den wir keinen Erstliga-Basketball auf die Beine stellen könnten. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Hauptsponsor so eine Wichtigkeit hat. Wie gesagt, es ist absolut Chefsache.

Okay, kommen wir zurück auf das Parkett. Sie haben es angesprochen. Koch, Maier, Bekteshi und auch McCray entspringen der hiesigen Ausbildung. Es kommen U16-Nationalspieler nach. Die Liga hat Ihre Nachwuchsarbeit jüngst ausgezeichnet. Wie können Sie dieses Potential in Ludwigsburg halten?
Die Jungs brauchen ein Umfeld, in dem sie spüren: Ich komme weiter. Die schulische und die basketballerische Ausbildung müssen gut sein. Hier sind wir auf einem guten Weg. Wir haben ein Spitzensportteam bei den Trainern, wir haben ein Internat, insgesamt eine sehr gute Grundlage. Die medizinische Profiabteilung kümmert sich auch um den Nachwuchs. Die Plattformen JBBL, NBBL und Regionalliga helfen bezüglich der Spielpraxis. Und dann kommt der entscheidende Punkt, ob sie sich in der Pro A in Kirchheim oder in der Bundesliga bei uns durchsetzen. Wenn ein Spieler wie David spielt, dann gibt es Motivation in das ganze Programm. Auch ein Spieler wie Tim Koch hat gezeigt, dass man mit einer guten Einstellung sehr weit kommt. Und wenn ein 17-Jähriger wie Bekteshi im vergangenen Jahr aufs Feld kommt, wird den Jungs klar: Da gibt es einen Weg. Hinzu kommt das nötige Vertrauen der Trainer. Nur so gelingt es uns als Verein, mit diesen Spielern langfristige Verträge zu schließen.

Sie haben früher selbst in der ersten und zweiten Liga gespielt. Wie unterscheidet sich der heutige Nachwuchs von früher?
Er hat um ein Vielfaches bessere Bedingungen als vor rund 15 Jahren. Da hat sich in Deutschland sehr viel getan. Schon die Ligen JBBL und NBBL bringen die Vereine dazu, das Ganze professioneller anzugehen. Auch die Sportinternate gab es in der Form nicht. Dadurch ist die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport besser geworden. Aber dadurch hat sich die Einstellung natürlich auch geändert. Wir vermitteln daher immer wieder, dass sich die Prinzipien, wie man im Sport erfolgreich ist, nicht ändern. Dirk Nowitzki ist hier das beste Beispiel. Er hatte auch immer ein gutes Umfeld, aber er selbst hat immer noch mehr getan. Die besten Trainer, das beste Umfeld, die besten Bedingungen machen noch lange keinen guten Spieler. Der Spieler macht sich immer auch selbst. Wenn schon viel da ist, ist der Antrieb, sich etwas zu holen etwas kleiner. Aber die Jungs verinnerlichen schon, dass man selbst sehr viel tun muss – auch dank solcher Beispiele wie Nowitzki.

Die Zukunft sieht gut aus in Ludwigsburg. Aber steht die aktuelle Mannschaft nach vier Spielzeiten ohne den Einzug in die Playoffs nicht schon unter Druck, um nicht Gefahr zu laufen, dass Basketball in Ludwigsburg bald nur noch eine Nebenrolle spielt?
So dramatisch würde ich es nicht formulieren. Ludwigsburg hat ein fachkundiges Publikum. Das kann schon beurteilen, wie eine Mannschaft spielt, ob sie Kampf, Herz, Leidenschaft zeigt. Und wenn man dann Playoffs so knapp verpasst wie in der vergangenen Saison, dann ist das nicht lebensbedrohlich. Man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. In jeder Saison ist es das erste Ziel, zehn Siege einzufahren. Dann hat man in der Regel den Klassenverbleib geschafft. Und wenn wir es am Ende in die Playoffs schaffen, dann wäre es ein echter Erfolg.





„Danach sieht die Welt anders aus“

31 05 2011

Der frühere Tennisprofi Carl-Uwe Steeb spricht über seine persönlichen Eindrücke beim StZ-Lauf.

Der ehemalige Daviscupgewinner Carl-Uwe Steeb hat gestern die 21,1 Kilometer lange Strecke absolviert. Der 43-Jährige, der seit Januar mit seiner Sportagentur wieder in Stuttgart ist, sprach zuvor über seine Motivationstechniken während des Laufens und berichtete von den Duellen mit seinem inneren Schweinehund.

Herr Steeb, im Tennis kommt es vor allem auf kurze Sprints an, beim Laufsport ist es das komplette Gegenteil. Warum sind Sie zur Langstrecke gewechselt?
Ich bin ja schon während meiner aktiven Karriere viel gelaufen. Die Grundlagenausdauer bekommt man nur so.

Beim Tennis hat man aber das Ziel, besser als der Gegner zu sein und ein Match zu gewinnen. Was fasziniert Sie denn am Laufen?
Ich kann es alleine ausüben – überall, immer und so lange ich will. Außerdem kann man das Laufen flexibel um sein Arbeitsleben herum einbauen.

Aber einen gewissen sportlichen Ehrgeiz müssen Sie als ehemaliger Profi doch haben?
Ich möchte schon für mich ein ordentliches Tempo laufen, aber immer unter der Prämisse, dass es mir dabei gutgeht.

Sie sind ein gefragter Referent zu den Themen Eigenmotivation und Überwindung des Schweinehunds. Wie überwinden Sie Ihren?
Jeder kommt beim Sport an den gewissen Punkt, wo es schwierig wird. Da ist es dann wichtig, sich an das Ziel zu erinnern. Es sind meist nur wenige Minuten der Überwindung, danach läuft es wieder leichter. Im Grunde kann man aber auch sagen, dass der Schweinehund eher fern bleibt, wenn man alles mit Spaß angeht.

Welche konkreten Techniken und Tipps können helfen, den Spaß zu behalten und den Schweinehund zu vertreiben?
Man kann sich beispielsweise für die Momente, in denen es schwerfällt, Anfeuerungsrufe zurechtlegen. „Auf geht’s“, „Komm schon“ oder was auch immer. Bevor ein Sportler aufgibt, denkt er Dinge wie: „Ich schaffe das nicht mehr.“ Diesem Gedanken muss man zuvorkommen. Aber auch darauf muss man sich vorbereiten.

Welche Motivationstipps geben Sie Läufern, die ihr Training nicht ordentlich absolviert haben, oder Menschen, die sich nicht zum Sporttreiben überwinden können?
Es ist ganz wichtig, soft einzusteigen. Das größte Problem ist meist die zu hohe Zielsetzung. Dadurch überfordern sich Einsteiger oft und hören schnell wieder auf. Es ist ja auch demotivierend, das eigene Ziel zu verpassen. Man muss Schritt für Schritt anfangen, um sich an die Belastung zu gewöhnen.

Also sollte man unbedingt laufen?
Auf jeden Fall. Das Laufen hat eine Riesenbedeutung. Früher haben sich die Leute viel mehr bewegt, daher ist das Laufen in der heutigen technisierten Welt noch wichtiger geworden. Denn nach dem Laufen sieht die Welt ganz anders aus.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (30. Mai 2011)





„Wichtig ist das Gesamtbild des Patienten“

30 05 2011

Der Physiotherapeut Jürgen Siegele spricht über Behandlungsfehler, häufige Beschwerden und die positiven Auswirkungen des Laufsports.

Herr Siegele, Sie haben in ihrem Vortrag beim Gesundheitssymposium am Rande des StZ-Laufes von moderner Physiotherapie gesprochen. Was unterscheidet diese von der traditionellen Form?
In der modernen Physiotherapie wird nicht nur dort behandelt, wo der Schmerz ist, sondern auch nach der Ursache der Symptome gesucht.

Heißt das, einige Physiotherapeuten behandeln ihre Patienten nicht richtig?
Sagen mir mal so. Zu mir kommen vielen Patienten, die schon in einer Behandlung waren, bei der nur die Symptome therapiert wurden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um funktionelle Beeinträchtigungen, bei Verletzungen sieht es anders aus. Unterm Strich sollten bewährte Methoden mit den jüngeren wie der Osteopathie oder der manuellen Therapie kombiniert werden.

Was sollten Patienten bei einer Therapie erwarten können?
Das Gespräch im Vorfeld ist ganz entscheidend. Ist der Patient beispielsweise umgeknickt oder hatte er einen Autounfall sind Fragen, die dieser oftmals nicht mit seinen Problemen in Verbindung bringen würde. Anschließend sollten Tests an den Gelenken und den Weichteilen, also Muskeln, Sehnen und Bändern durchgeführt werden. Wichtig ist es, ein Gesamtbild vom Patienten zu bekommen und einem ganzheitlichen aber individuellen Ansatz zu folgen.

Welche Beschwerden müssen Sie am häufigsten behandeln?
Wirbelsäulenprobleme im Lenden- und Halsbereich, Kopfschmerzen, Achillessehnenbeschwerden, Knie-, Hüft- und Schulterprobleme…

…die vor allem wegen Bewegungsmangel auftreten?
Unter anderem. Es wäre gut, wenn sich jeder mindesten zwei Stunden pro Woche bewegt, am besten viermal 30 Minuten. Das machen viele durch die PC-Arbeit nicht mehr. Aber auch Unfälle und Überlastung sind mögliche Ursachen für die Beschwerden.

Viele der Teilnehmer des StZ-Laufes bewegen sich wahrscheinlich zwei Stunden pro Woche. Wie wirkt sich denn der Laufsport auf die Gesundheit aus?
Er ist nicht nur gut für das Herzkreislaufsystem sondern auch für den Bewegungsapparat. Die Bandscheibe ernährt sich beispielsweise durch Druck und Zug, was beim Laufen optimal erreicht wird.

Welche Beschwerden können andererseits durch das Laufen entstehen?
Beim Breitensportler kommen beispielsweise Achillessehnenbeschwerden häufig vor, weil sie oftmals die falsche Lauftechnik haben. Im Leistungssport sind es häufig Knochenhautreizungen durch Überbelastungen oder Zerrungen der Oberschenkelrückseite.

Das heißt für den Hobbyläufer wäre es wichtig, sich über die richtige Lauftechnik zu informieren?
Auf jeden Fall. Er könnte sich beispielsweise einer Laufgruppe anschließen. Dort gibt es erfahrene Läufer, die Fehler beim Laufen erkennen. Das Gesäß zu weit unten, der Kopf zu weit vorne sind mögliche Beobachtungen. Als Einsteiger ist es wichtig, organisiert und präventiv zu handeln…

…auch in Bezug auf Verletzungen?
Ja, auch bei kleineren Beschwerden sollten sie nicht lange warten, sondern medizinischen Rat aufsuchen. Denn größere Verletzungen gründen gerade im Laufsport oft in Bagatellen.

Zur Person: Jürgen Siegele ist Inhaber und Betreiber des Therapie- und Rehazentrums Bottwartal. Der Diplom-Physiotherapeut behandelt Breiten-, Leistungs- sowie Spitzensportler – darunter die deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft. In seiner Therapie waren unter anderem auch Ralf Rangnick, Nils Schumann oder Andrea Berg.

veröffentlicht auf StZ-Online (29. Mai 2011)





„Ich bin nicht herzinfarktgefährdet“

4 10 2010

Er ist zurück an der alten Wirkungsstätte: in Ludwigsburg. Doch diesmal ist Markus Jochum nicht Spieler, sondern Coach. Am Sonntag, 17 Uhr, trifft er zum Saisonauftakt in der Basketball-Bundesliga (BBL) mit seinem neuen
Teamzu Hause auf die Artland Dragons.

Herr Jochum, Basketball, Tennis und Surfen sind Ihre drei Lieblingssportarten. Alle verbinden Kraft, Schnelligkeit und Kreativität. Sind das auch die Hauptmerkmale Ihrer Spielphilosophie?
Ja klar. Basketball hat sich gewandelt. Das Spiel ist heute sehr athletisch, hat eine hohe Intensität. Es wird anders verteidigt, weil am Mann viel mehr Körperkontakte zugelassen werden. Von daher braucht man Kraft und Athletik. Und die Kreativität macht dann den Unterschied aus in der Qualität der Spieler. Es geht darum, wie schnell man entscheidet, und wie oft die Entscheidungen richtig sind. Wenn die Denkprozesse zwischen den Handlungen zu lange dauern, dann funktioniert es nicht.

Wie sieht es mit der Kreativität in Ihrer Mannschaft aus?
Mit Jerry Green, Toby Bailey und Donatas Zavackas habe ich für die Startaufstellung drei dominante Spieler, die sehr ideenreich sind. Sie sind es gewöhnt besondere Rollen zu übernehmen, können gut mit Freiheiten auf dem Feld umgehen. Die Verletzung von Donatas hat einen sehr großen Einfluss auf unser Spiel, weil unsere Spielzüge einen sehr guten Werfer und Passgeber auf seiner Position voraussetzen. Das wirft uns zurück, aber wir schauen nach vorne und versuchen das zu kompensieren.

Bei der Saisoneröffnung gegen Nancy waren fünf Neuzugänge in der Startaufstellung. Warum haben Sie nicht mit alten Führungsspielern wie Domonic Jones weiter gearbeitet?
Ich habe die Mannschaft im letzten Jahr sehr genau analysiert. Da waren ein, zwei Spieler dabei, die hätte ich gerne behalten. Gerade Domonic Jones, der ein sympathischer Spieler ist, der sehr viel Energie mitbringt. Aber er hat nicht die Starterqualität, die ich erwarte. Ausschlaggebend war jedoch, dass ich David McCray mehr Verantwortung geben wollte und daher mit drei Guards rotieren möchte. Außerdem haben wir mit Besnik Bekteshi einen weiteren Guard, der langsam an die BBL-Aufgaben herangeführt werden soll.

Jones hat demnach nicht in Ihr Konzept gepasst. Wie sieht dieses denn konkret aus?
Das Spiel muss eine Struktur haben, es darf kein Hopp-oder-Topp-Basketball sein. Ich möchte einen schnellen Basketball spielen, der kontrolliert abläuft. Das heißt, nicht jeder Fastbreak muss abgeschlossen werden, wenn die Verteidigung bereits gut steht. Der Übergang von freiem, kreativem Spiel zu einem organisierten Aufbau muss passen. Das ist für mich sehr wichtig und war mit den Spielern aus dem letzten Jahr nicht möglich.

Manche Fans haben sich darüber beschwert, dass in Ludwigsburg schon wieder ein Neuanfang geplant ist. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Mit einem neuen Trainer kommen immer auch neue Ideen, und in den letzten vier Jahren bin ich der vierte Trainer. Ein Neuaufbau sieht ja immer so aus, dass man nach seinen Vorstellungen einen Kader zusammenstellt. Und den ergänzt man im zweiten und dritten Jahr. Optimal ist es, wenn sich die Spieler von Jahr zu Jahr entwickeln und man jedes Jahr weniger Spieler verpflichten muss. Die Neuzugänge müssen dann nicht erst eine Struktur schaffen, sondern können sich in eine bestehende hineinfinden.

Einer Ihrer Neuzugänge ist Jerry Green. Wie wichtig ist seine Rückkehr?
Die Aufbauposition ist die wichtigste in der Mannschaft. Ein Guard muss die Mannschaft führen können, den Ball auch in die Hand nehmen, wenn es brennt. Jerry war als Spielertyp mein Wunschkandidat. Dass er hier zudem eine Identifikationsfigur ist, verbessert die Voraussetzung für eine optimale Entwicklung der Mannschaft.

Wer soll noch Führungsqualitäten beweisen?
Die Spieler der Startaufstellung haben Einfluss auf dem Feld und auch daneben. Das läuft bisher sehr gut, auch wenn die Ergebnisse aus den Vorbereitungsspielen – ohne die Umstände betrachtet – nicht so toll aussehen. Wir haben mit John Bowler einen positiven Spieler, der Stimmung macht, der aber auch mal laut wird, wenn es nicht läuft. Toby Bailey hat viel Erfahrung, spricht viel mit den Mitspielern. Ich muss gar nicht so viele Erwartungen formulieren, weil sich vieles von selbst entwickelt.

Verletzungen, späte Transfers, sieben Niederlagen in elf Testspielen. Die Vorbereitung lief nicht optimal. Haben Sie Bauchschmerzen, dass der Saisonstart misslingen könnte?
Klar. Bauchschmerzen hat man als Trainer immer. Wenn wenigstens die Starting Line Up die letzten vier Wochen in der Vorbereitung zusammen hätte trainieren können, wäre es gut gewesen. Aber wir haben 34 Hauptrundenspiele und die Saison wird nicht in den ersten drei Wochen entschieden. Trotzdem ist ein guter Start wichtig, das gibt ein gutes Gefühl.

Was ist dieses Jahr möglich?
Ich kann noch keine Prognose wagen. Das geht nur, wenn man weiß, wie stark die eigene Mannschaft in Relation zu den anderen Teams wirklich ist. Hier wird etwas Neues in Bewegung gesetzt und da braucht man vor allem Geduld. Wir wollen das nächste Spiel gewinnen. Das wird das Ziel sein, das von Anfang bis Ende gelten wird.

Im Leistungssport geht es immer darum, sich zu steigern. Wo kann sich der Trainer Markus Jochum verbessern?
Ich arbeite als Coach jetzt erstmals mit extremen Persönlichkeiten, mit reinen Profis. Daraus resultieren andere Ansprüche und Erwartungen. Ich merke einfach, dass manche Ideen nicht umsetzbar sind, da die Spieler andere Ideen im Kopf haben oder es anders sehen. Da lernt man als Trainer immer dazu, eine gesunde Balance zu finden, welche Dinge man durchsetzt und wo man sich den Spielern anpasst. Mit Steve habe ich aber auch einen sehr guten und erfahrenen Berater, von dem ich viel lernen kann.

Sie gelten immer noch als genauso ehrgeizig wie zu Ihrer aktiven Zeit. Wollen Sie manchmal vielleicht zu viel?
Nein, das glaube ich nicht. Das würde heißen, ich verlange etwas, dass nicht möglich ist. Ich fordere ja nicht, dieses Jahr Deutscher Meister zu werden. Für mich ist es wichtig, aus jeder Trainingseinheit das Optimale herauszuholen. Nur so kann man auch im Wettkampf gut spielen.

Ehrgeizige Menschen können manchmal schlecht abschalten. Finden Sie nach nervenaufreibenden Arbeitstagen einen Ausgleich?
Jemand, der in sich ruht, bin ich sicherlich nicht. An den Tagen und in den Nächten nach den Spielen laufen diese komplett vor mir ab. Das bedeutet auch wenig Schlaf. Ganz abschalten kann ich nie. Aber ich bin nicht herzinfarktgefährdet und habe auch kein Magengeschwür.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (29. September 2010)





Streiflicht über Töpperwien

20 10 2009

NACHTRAG „Robin meckert, Rolf schmollt“

Die Süddeutsche Zeitung hat heute ein Streiflicht zu Töpperwiens Interview mit Robin Dutt geschrieben. Da ich es Euch nicht komplett einscannen darf, hier nur ein Auszug.

Streiflicht Töpperwien 20.10.2009

Streiflicht Töpperwien 20.10.2009

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