Ludwigsburg atmet auf

3 05 2012

Nach dem Klassenverbleib sind wichtige Fragen offen: Wer wird Trainer und wer Hauptsponsor?

Das virtuelle Clubleben ist weiter als das reale. Auf der Homepage des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg wird der Nutzer bereits aufgefordert, sich die Dauerkarte für die nächste Saison zu sichern. Dabei ist die Runde der Schwaben erst am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen, der Klassenverbleib nur eine Woche früher gesichert worden. Für die Verantwortlichen ist die „nervenaufreibendste“ Spielzeit, wie sie der Manager Mario Probst bezeichnet, also noch nicht abgeschlossen.

Zu viel ist passiert. „Es gab Phasen, in denen alle über die Grenzen gegangen sind“, sagt Probst. Einige Wochen „mit schlaflosen Nächten“ werden ihm noch lange in Erinnerung bleiben. Die Ausfälle von Donatas Zavackas, Jerry Green, Mark Dorris oder John Bowler; Zavackas’ Wechsel nach Riga; die Blitztransfers von Anthony Fisher, Ermin Jazvin und Matt Howard; der Rückzug des Haupt- und Namenssponsors EnBW. Die Liste der Unwägbarkeiten der Saison 2011/12 ist noch länger.

Doch beim Flügelspieler Howard wird die andere Seite einer solch verkorksten Spielzeit mit einem glücklichen Ende sichtbar. Eine Familie aus dem Vereinsumfeld bot dem US-Amerikaner spontan eine Wohnung an. „Das sind die kleinen Geschichten, die zeigen, dass alle im Verein sowie die Fans zusammengehalten haben und positiv geblieben sind“, sagt Mario Probst. „Und sie hat dem enormen Druck standgehalten, schließlich geht es beim Abstiegskampf um Existenzen.“ Nun bleibt der Ludwigsburger Arena der Ankermieter, der Stadt das sportliche Aushängeschild und der Vereinsjugendarbeit der Leuchtturm erhalten.

Ludwigsburg atmet auf – und kann noch zwei Hoffnungen aus den vergangenen sieben Monaten mitnehmen: wenn die Stimmung in der Mannschaft in solch einer prekären Situation gut bleibt, dann gehen die Spieler meist gestärkt aus dem Abstiegskampf hervor. Zudem ist dieser auch für die Fans spannender als das Herumdümpeln im Tabellenniemandsland. Folglich lag der Zuschauerschnitt bei rund 3300, ein Anstieg von fast zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zufrieden mit dem Erreichten ist dennoch niemand, die Play-offs waren das heimliche Ziel.

Eventuell spricht Probst nun mit Blick auf die Zukunft auch daher von einem „Underdog-Image“, das Ludwigsburg auszeichnen soll, schließlich „war die Erwartungshaltung in den vergangenen Jahren etwas zu groß“. Wie dieses Underdog-Team aussehen wird? Die Verantwortlichen sind in Gesprächen mit dem Trainer Steven Key, dessen Vertrag ausgelaufen ist. Danach werde der Fokus auf die Spieler gelegt. Dorris würde zum Beispiel gerne bleiben, auch Jeff Greer gefällt es in Ludwigsburg.

„Natürlich ist es das Ziel, einen Teil der Mannschaft zu halten“, sagt Probst. Das wird davon abhängen, inwieweit die fehlenden 600 000 Euro der EnBW durch andere Sponsoren kompensiert werden können. Außerdem wirkt sich die verschärfte Ausländerregel auf den Kader aus, denn künftig dürfen nur noch sechs Nichtdeutsche auf dem Spielberichtsbogen stehen. Welche das sein werden, verkündet normalerweise dann die Homepage.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (2. Mai 2012)





Über glühende Kohlen

24 04 2012

Nachdem ein Mentaltrainer die Ludwigsburger Mannschaft eingestimmt hat, gelingt der mit einer Energieleistung gegen Würzburg der Klassenverbleib in der Bundesliga.

Jeff Greer wartet noch ein bisschen. Der Flügelspieler des BasketballBundesligisten hatte zuvor den Ball verloren, die Gegner aus Würzburg den Wurf aber vergeben und sich nach einem Rebound ihrerseits den Ball klauen lassen. Dann bekommt der 32-jährige Routinier einen langen Pass, steht nun an der Dreipunktelinie und wartet – als wolle er seinen Turbo laden, für diesen einen letzten Kraftakt. Greer hält so lange inne, dass ihn der Gegenspieler beim Dunking eine Minute vor Schluss auch noch regelwidrig angeht.

Die Schiedsrichter entscheiden in der aufgeladenen Atmosphäre vor den mit 4500 Zuschauern ausverkauften Rängen auf ein unsportliches Foul. Der Würzburger Trainer John Patrick schimpft, kassiert noch ein technisches Foul. Greer jubelt, die Halle brodelt. Wenig später führt Ludwigsburg nach den Strafwürfen, dem Ballbesitz und weiteren Freiwürfen mit 89:79 – und der Nichtabstieg ist geschafft, weil Gießen parallel gegen Bonn verloren hat. Dieser 91:80-Sieg (37:37, 75:75) nach Verlängerung war in seiner Dramatik und Intensität symptomatisch für die Saison. Mit dem entscheidenden Unterschied: Ludwigsburg gewann diesmal auch ein knappes Spiel.

Dabei hatte das Team des Trainers Steven Key in der regulären Spielzeit den Matchball noch vertan, weil sich keiner traute, 21 Sekunden vor der Schlusssirene beim 75:72 abzuschließen und Mark Dorris schließlich den Ball verlor. Doch der Würzburger Ausgleich brachte das Heimteam nicht aus der Ruhe. „Wir sind schon in dieser Situation gewesen“, sagte Greer, der Mann des Abends. „Da kommt es nicht mehr auf Basketball an, sondern darauf, dass jeder für seinen Nebenmann kämpft.“ Das haben die Ludwigsburger zweifelsfrei getan, daher letztlich auch verdient gewonnen und eine weitere Zitterwoche sowie eine eventuelle Spielberechtigung in der ersten Liga durch eine Wildcard umgangen. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Sie ist immer durch Höhen und Tiefen gegangen“ sagte Key, der in der Verlängerung sein Sakko ausgezogen hatte, weil sich in dem von ihm erhofften „Hexenkessel“ zu viel Wärmenergie angesammelt hatte.

„Die Mannschaft hat sich emotional überhaupt nicht runterziehen lassen“, sagte der Manager Mario Probst. Die Energieleistung des Teams belegte er mit den 49 gewonnenen Rebounds, 21 mehr als Würzburg – immerhin die beste Mannschaft in der Liga bei den Offensivrebounds . „Das war tolle Werbung für den Basketball“, sagte Dorris, der die zusätzliche „Energie“ auch auf ein Ereignis am Vorabend kurz vor Mitternacht zurückführte. Die Verantwortlichen hatten sich nämlich etwas „Außergewöhnliches“ überlegt, wie Key sagte: Über glühende Kohlen wollten sie mit der Mannschaft gehen – über eine etwa fünf Meter lange Strecke.

„Sie mussten alles aus sich herausholen, waren an der Spitze des Energielevels“, sagte der Mentalcoach Markus Behles, der damit schon 2004 erfolgreich gewesen war, als Ludwigsburg am letzten Spieltag den Klassenverbleib sicherte. „Das war eine tolle Erfahrung und hat den Spielern individuell etwas gebracht“, sagte der mit 24 Punkten beste Werfer jedenfalls. Und: auf glühenden Kohlen sitzt die Mannschaft am letzten Spieltag jetzt auch nicht mehr.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (23. April 2012)





Basketballer schaffen Klassenverbleib

22 04 2012

Ludwigsburg besiegt Würzburg nach Verlängerung  Ludwigsburg.

Das Ziel war klar: „Mit zwei Siegen aus den letzten beiden Saisonspielen können wir den Klassenerhalt immer noch aus eigener Kraft schaffen“, hatte Steven Key, der Trainer des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg, vor dem letzten Heimspiel der Saison gegen die s.oliver Baskets aus Würzburg gesagt. Er hoffte dabei vor allem auf die Unterstützung der Fans und einen „Hexenkessel“ in der heimischen Arena. Vor 4500 Zuschauern ging der Plan auf, sogar früher als gedacht. Schließlich gewann Ludwigsburg mit 91:80 (37:37, 75:75) nach Verlängerung und parallel Bonn gegen Gießen, sodass schon am Samstagabend fest stand, dass Ludwigsburg auch in der kommenden Saison erstklassig spielt.

Spielverlauf: Die erste gute Nachricht für die Ludwigsburger ereilte das Heimteam noch vor dem Tipp-off. Würzburgs Jason Boone war nicht dabei, und die mehr als 300 mitgereisten Fans der Franken konnten ihrem Centerspieler nicht auf dem Parkett zujubeln. Sie durften sich dennoch über den gewonnen Sprungball und die ersten beiden Punkte des Spiels durch den erst 20-jährigen Maximilian Kleber freuen. Die Ludwigsburger wirkten zu Beginn nervös. Ein vergebener Freiwurf von Jeff Greer und ein Ballverlust von Alex Harris waren Indizien dafür. Nach dreieinhalb Minuten führten die Gäste mit 11:3, der Boone-Ersatz Kleber hatte bereits sieben Punkte erzielt und Ludwigsburgs Trainer Steven Key nahm die erste Auszeit.

Das hatten sich die meisten der 4500 Zuschauer in der zum zweiten Mal in dieser Saison ausverkauften Arena anders erhofft.

Würzburg verteidigt besser

Nachdem Würzburg weiter punktete, setzte Mark Dorris mit einem Distanztreffer mal wieder ein Ludwigsburger Lebenszeichen (13:6). Doch die Franken waren wacher, cleverer, effektiver, besser in der Verteidigung und zogen weiter davon (20:8). Nachdem David McCray dann auch noch zwei Freiwürfe vergab und Harris ein unsportliches Foul beging, der Schiedsrichter eine enge Entscheidung gegen Ludwigsburg traf, fühlten sich einige in der Arena wohl schon wieder an den schlechten Verlauf der gesamten Saison, in der auch ein Trainer schon gehen und das Ende der Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor verkündet werden musste, an desolate Viertel wie das dritte in Bremerhaven oder besonders bittere Niederlagen wie die nach zweifacher Verlängerung gegen die Artland Dragons erinnert.

Doch dann klauten Harris und McCray den Würzburgern den Ball und punkteten für das Heimteam – sodass der Gästetrainer John Patrick beim 12:24 aus Ludwigsburger Sicht seine erste Auszeit nahm. Und Keys Mannschaft blieb dran, kämpfte nun, wie es ein Club im Abstiegskamf machen muss. Sie sind ja bezogen auf die statistischen Werte besser als ihre Tabellensituation, aber gewannen am Ende eben doch zu selten. Auch die letzten drei Punkte im Startviertel gehörten dem Gegner, Würzburgs Kleber erhöhte sein Punktekonto auf elf – ebenso die Führung seiner Mannschaft (28:17).

Key ist energisch

Im zweiten Abschnitt war Key an der Seitenlinie beinahe aktiver als seine Spieler. Jedenfalls schrie und gestikulierte der Trainer mehrfach, versuchte immer wieder taktische Anweisungen zu geben. Der Energiefunke sprang über, Ludwigsburg kam mit einem 6:0-Lauf auf sieben Punkte heran (25:32) und Patrick nahm seine zweite Auszeit. Doch nun meckerten die Heimfans erneut, Greer wurde von John Little unterlaufen, auch wenn dieser ausrutschte, die Schiedsrichter entschieden auf Ballbesitz Würzburg, Greer beschwerte sich – und kassierte ein technisches Foul. Ricky Harris traf nur einen Freiwurf zum 37:28, doch die Pfiffe hallten noch eine Weile durch die Arena.

Diese wichen Applaus und Anfeuerungsparolen, als Anthony Fisher mit einem Korbleger, McCray mit einem Dreipunktetreffer und Jazvin mit zwei weiteren Zählern die Differenz auf zwei Punkte reduzierten (35:37). Als dann Würzburgs Chester Frazier zwei Freiwürfe vergab, tobte die Halle – und das war noch immer nicht das Ende dieser dreieinhalb Ludwigsburger Minuten. Denn Dorris schaffte mit einem erfolgreichen Halbdistanzwurf den Ausgleich zur Halbzeit.

Ludwigsburg übernimmt erstmals die Führung

Nach der Pause sorgte Dorris für die erste Führung (39:37), Ludwigsburg kontrollierte das Spiel, brachte die eigenen Spielsysteme erfolgreich zu Ende. Würzburg hingegen musste in der Offensive nun auch schwierige Würfe nehmen, weil die Heimmannschaft gut verteidigte. Bei 47:41 für Ludwigsburg holte Patrick sein Team zu einer Besprechung an die Seitenlinie, Würzbug hatte das Spiel vollkommen aus der Hand gegeben, ließ sich aber nicht abschütteln. Es war nun ein offener Schlagabtausch, die Würzburger fingen sich zunehmend, die Mannschaften agierten auf einem ähnlichen Leistungsniveau, Ludwigsburg blieb aber immer knapp vorn.

Dann hatten die Ludwigsburger Glück mit zwei engen Schiedsrichterentscheidungen und die Würzburger Fans pfiffen. Matt Howard störte das insofern, dass er nur einen seiner beiden Freiwürfe traf. Weil Jermaine Bucknor im Gegenzug seinen Dreipunktewurf versenkte, kam Würzburg wieder auf einen Zähler heran (54:55). Nach einem unerlaubten Eingreifen von Jazvin durfte Oliver Clay wegen bereits fünf Ludwigsburger Teamfouls an die Freiwurflinie – und brachte die Gäste vor dem Schlussviertel wieder in Führung (56:55). Dieses startete mit einem akrobatischen Wurf von Dorris, bei dem er gefoult wurde, der Ball aber dennoch im Korb landete. Der Aufbauspieler nutzte die Möglichkeit zum Dreipunktespiel.

Greer steht im Mittelpunkt

Biss, Kampf, Energie, Spannung: die entscheidende Phase – in der Fachsprache Crunchtime genannt – begann langsam. Greer schrie nach einem Treffer seinen Gegenspieler an, Lischka boxte gegen die Korbhalterung, nachdem er gefoult wurde. Ludwigsburg wollte diesen Sieg unbedingt. Beim Spielstand von 66:59 für Ludwigsburg zog Greer ein Offensivfoul und Würzburg nahm eine Auszeit. Doch gleich danach brachte McCray den Einwurf weit nach vorne zu Greer, der unsportlich gefoult wurde.

„Aufstehen“-Chöre in der Arena waren die Folge. Jeff Greer stand nun zunehmend im Mittelpunkt, erzielte auch das 69:63, aber die Franken blieben dran. Doch nach einem technischen Foul gegen Chris Kramer verwandelte Dorris beide Freiwürfe und traf auch nach dem folgenden Ballbesitz: 73:66 und noch 1:29 Minuten auf der Uhr. Doch es wurden spannende 89 Sekunden, in denen Würzburg erst auf 71:73 herankam und dann 18,6 Sekunden vor der Schlusssirene ausglich. Greer vergab den letzten Wurf – er wurde geblockt – und es ging wie schon im vorigen Heimspiel in die Verlängerung.

Die Führung wechselt hin und her

In der Extratime ging Würzburg seit langem mal wieder in Führung und Howard vergab den ersten Wurf für Ludwigsburg. Es ging dann hin und her, mal lag Würzburg vorn, mal Ludwigsburg. Greer und Co. setzten sich etwas ab, doch die Nerven spielten auch mit. Lischka vergab beide Freiwürfe beim Stand von 83:79 und noch anderthalb Minuten Spielzeit. Dann war wieder Greer-Time: Ballverlust, Fehlwurf und Ballverlust Würzbug, Dunk Greer, unsportliches und technisches Foul gegen Würzburg, 89:79. Der Nichtabstieg war geschafft, weil Gießen parallel gegen Bonn verlor. Das Endergebnis lautete 91:80.

Kommentar: Es war mal wieder ein typisches Spiel für die Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer in der Saison 2011/2012. Auf ein schlechtes erstes Viertel, dass die Mannschaft des Trainers Steven Key offensiv wie defensiv verschlief, in dem sie nicht kämpferisch genug agierte und Ballverluste fabrizierte, folgte eine beeindruckende Aufholjagd gegen Ende des zweiten Durchgangs. Greer und Co. waren in dieser Phase fokussierter, konzentrierter, effektiver, gewillter – einfach besser, was das 20:9 bestätigte.

Mit der Unterstützung der Fans im vom Key erhofften und eingetretenen „Hexenkessel“ – zum zweiten Mal in der Saison war die Arena mit 4500 Zuschauern ausverkauft – glich Ludwigsburg zur Pause verdient aus. Sie hatten immerhin auch ein unsportliches und ein technisches Foul in der ersten Hälfte weggesteckt, nicht aufgegeben, an sich geglaubt und die Anfangsnervosität abgelegt. Weil im dritten Durchgang auch die Spielsysteme funktionierten, richtig und erfolgreich umgesetzt wurden, übernahm Keys Team erstmals die Führung – verdient. Doch nach einer Schwächephase wachte Würzburg wieder auf, gestaltete die Partie ausgeglichen. Weil sich beide annähernd egalisierten, wurde es abermals im Schlussviertel spannend.

In diesem blieb Ludwigsburg dran, kämpfte um jeden Meter – und besonder Jeff Greer riss das Spiel an sich. Der Routinier sorgte mit seiner Leistung maßgeblich für die zunehmende Führung, die Würzburg gegen Ende aber wieder ausgleich, weil Ludwigsburg im entscheidenden Moment nicht konsquent und geplant spielte. In der Verlängerung passierten die verrücktesten Dinge, am Ende grinste Greer breit, weil sein erfolgreicher Dunking ein unsportliches sowie ein technisches Foul verursachte und damit den Sieg sowie den letztlich verdienten Klassenverbleib perfekt machte.

Schiedsrichter: Weichert, Hack, Frölich.
Zuschauer: 4500 (ausverkauft).
Punkte Ludwigsburg: Greer (24), Dorris (19), Lischka (14), Harris, Howard (beide 9), McCray, Jazvin (beide 5), Fisher (4), Looby (2).
Stimmen:
Steven Key – „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie ist immer durch Ups und Downs gegangen. Ich will jetzt aber trotzdem auch in Oldenburg gewinnen.“
John Patrick – „Ludwigsburg war heute ein bisschen besser als wir und hat verdient gewonnen.“

veröffentlicht auf www.stuttgarter-zeitung.de (21. April 2012)





„Eine riesige Erleichterung“

11 04 2012

Im 15. Anlauf hat die EnBW Ludwigsburg erstmals in dieser Saison auswärts gewonnen. Sehr zur Freude des Managers Mario Probst.

Herr Probst, im 15. Versuch hat es geklappt. Wie fühlte sich der erste Auswärtssieg der Saison am Samstag in Hagen an?
Ich habe mich sehr für die Jungs gefreut, sie haben es einfach verdient. Endlich haben wir mal ein knappes Spiel gewonnen – das ist eine riesige Erleichterung.

Zwei Minuten vor dem Ende sah es aber so aus, als ob es wieder nicht klappt. Was haben Sie da gedacht?
Wir haben das Spiel sehr konzentriert begonnen und sind nicht wie so oft in Rückstand geraten. Nach dem Hagener Lauf im dritten Viertel war es wichtig, dass wir die Ruhe bewahrt haben. Matt Howard hat in der Schlussphase das Team auf seine Schultern genommen und acht Punkte in Serie erzielt. Er hat das Spiel entschieden, und es war besonders schön, weil seine Schwester und ein Freund aus den USA zum Spiel angereist waren.

Neben Howard haben auch die anderen großen Spieler Kurt Looby und Ermin Jazvin gut gepunktet. Das hat bisher gefehlt.
Das stimmt, aber am Samstag war vor allem der Schlüssel, dass wir über 40 Minuten als Team agiert haben, nie in Einzelteile zerfallen sind. Wir haben es geschafft, den Ball konsequent unter den Korb zu bringen. Looby hat zudem seit Wochen einen guten Rhythmus, Jazvin in Hagen sein bestes Spiel für uns gemacht.

Dennoch hat Ludwigsburg den direkten Vergleich gegen Hagen verloren. War das am Samstag auch ein Thema?
Mark Dorris kam als Letzter in die Kabine, hat vor Freude geschrien, dann aber gleich vom nächsten Schritt gesprochen. Das Team weiß, dass dieser Sieg nur ein kleiner Schritt war, und fokussiert nun das Ziel, zwei Spiele in Serie zu gewinnen. Gleich morgen können Sie diesem Ziel näherkommen.

Welche Chancen rechnen Sie sich gegen die Artland Dragons aus?
Quakenbrück ist ein Topteam. Aber wir spielen zu Hause, und daher ist es ähnlich wie gegen München und Berlin: eine Aufgabe, an der sich die Mannschaft hochziehen kann. Außerdem haben wir den Rü- ckenwind vom Hagen-Spiel. Können Sie in diesem engen Abstiegskampf schon über die kommende Saison nachdenken? Momentan sind wir voll auf das Erreichen des Klassenerhalts konzentriert. Je früher wir das schaffen, desto besser ist das für die weiteren Planungen.

Am 28. April fällt die Entscheidung – spätestens. Wenn diese Saison vorbei ist, sind die Clubverantwortlichen froh, weil . . .
. . . na ja, froh sind wir nur dann, wenn wir den Klassenverbleib geschafft haben. Hoffentlich ist das schon vor dem letzten Spieltag der Fall.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (10. April 2012)





Die Ludwigsburger Zahlenlüge

15 03 2012

Statistisch ist das Basketballteam Durchschnitt, die Abstiegsgefahr ist aber hoch.

Die Anhänger des Basketballsports lieben Zahlen. Während der Pressekonferenzen senken die Trainer der Clubs den Kopf meist nach unten und gucken auf das Blatt mit den statistischen Werten des abgelaufenen Spiels, die sie ausgiebig studieren. Nach jedem Viertel liegen diese Zahlen bereit. Wie hoch ist die Trefferquote jenseits der Dreipunktelinie, wie viele Rebounds hat ein Team in der Defensive geholt, wie häufig hat ein bestimmter Spieler den Ball verloren? Im Fall des Bundesligisten EnBW Ludwigsburg lügen diese Statistiken jedoch. Schließlich stehen die Schwaben aktuell auf einem Abstiegsplatz (Vorletzter), sie haben von 26 Saisonspielen 19 verloren, das Bangen um den Klassenverbleib ist nicht erst vor dem württembergischen Derby heute (20 Uhr) beim Tabellenzweiten Ratiopharm Ulm groß. Dabei lassen die statistischen Gesamtwerte eine völlig andere Schlussfolgerung zu.

Schließlich ergibt der Mittelwert der bisherigen mannschaftlichen Zahlen die neunte Position unter allen 18 Bundesligisten. Damit wäre sogar das Saisonziel Play-offs noch möglich. In keinem Einzelwert steht die Mannschaft auf einem Abstiegsrang. Alex Harris und Co. sind die viertbesten Werfer aus der Distanz, auch mit der schlechteren Quote im Zweipunktebereich (13. Platz) ist die Mannschaft noch im gesicherten Mittelfeld. Nun ist die absolute Zahl der Wurfversuche ebenso wichtig, doch auch hier ist Ludwigsburg mit Rang 14 nicht abgeschlagen – wenn das auch stark ausbaufähig ist. Freiwürfe erarbeitet sich das Team 21,7 pro Spiel (6.) und verbucht die zweitmeisten Blocks. Die Ludwigsburger klauen dem Gegner auch häufig den Ball (8.). Selbst bei den Ballverlusten erreichen sie genauso wie bei den Rebounds einen Durchschnittswert ( jeweils 9.). Bei den anderen Statistiken sieht es ähnlich aus, außerdem ist die Mannschaft nicht von einem Werfer abhängig, sondern die Akteure punkten ausgeglichen.

Daher ist es zumindest nicht verwunderlich, dass David McCray sagt: „Das Team ist nicht tot. Wenn man uns im Training sieht, würde man nicht denken, dass wir gegen den Abstieg spielen.“ Zudem ist es verständlich, dass eines der häufigsten Worte der Ludwigsburger in diesen Tagen „irgendwie“ ist. „Irgendwie müssen wir unsere Ballverluste abstellen“, sagt etwa McCray. Oder der Trainer Steven Key bilanziert, dass die „gesamte Saison irgendwie schiefgegangen“ sei – und er bleibt auch beim Formulieren der Herangehensweise für die kommenden Partien etwas schwammig: „Wir müssen irgendwie einen Weg finden, um ein Spiel zu gewinnen und somit einen kleinen Schub zu bekommen.“ Immerhin kennt sich Key mit dem Abstiegskampf aus. Schließlich sicherte der US-Amerikaner in der abgelaufenen Spielzeit den Gießenern den Klassenverbleib, nachdem er auch dort im Laufe der Saison als Nachfolger von Vladimir Bogojevic zum Chefcoach ernannt worden war. Er hielt also schon einmal dem Druck in einer Extremsituation stand.

Das wiederum könnten seine Spieler nun von ihm lernen. Denn die vielen knappen Niederlagen – sieben Misserfolge mit einer Differenz von fünf oder weniger Punkten – sowie der immer noch fehlende Auswärtssieg zeugen nicht gerade von Nervenstärke. Hinzu kommt die mangelnde Erfahrung der Akteure im Abstiegskampf. Arbeit im Kopf ist demnach angesagt – und einen konkreten Hinweis für das Training geben die Statistiken dann doch. Die Fehlpässe in Verbindung mit dem mäßigen Wert bei den Vorlagen (14.) deuten auf ein weiteres Ludwigsburger Kernproblem hin: die Mannschaft ist aufgrund der vielen Verletzungen und Transfers nicht gut eingespielt, die Abstimmung und die Systeme laufen nicht rund. Keys Profis sollten also öfters den Kopf hochnehmen und einen genaueren Blick auf ihre Mitspieler haben.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (14. März 2012)





Ohne Green – Mut oder Übermut?

13 03 2012

Die Ludwigsburger Basketballer verlieren gegen München, und ihr Kapitän darf nur zuschauen

Steven Key ist ein mutiger Trainer. Der Übungsleiter des BasketballBundesligisten Ludwigsburg hatte schon bei seinem ersten Spiel als Chef an der Außenlinie gegen Hagen Donatas Zavackas nach einem Disput für den Rest der Partie auf der Bank gelassen. Gegen Bayern München fehlte nun Jerry Green im Kader der Schwaben. Aufgrund der Ausländerregel musste Key einen Aufbauspieler aus dem Aufgebot streichen. Dass es den Kapitän traf, überraschte zumindest. Geholfen hat es nicht, Ludwigsburg verlor gegen den Aufsteiger nach einem miserablen ersten Viertel (10:22) und einer beeindruckenden, aber kräftezehrenden Aufholjagd im dritten Abschnitt (20:6) mit 64:71 (28:41).

„Es war keine Entscheidung gegen Jerry, sondern für die Mannschaft“, sagte Key und wiederholte diesen Satz mehrfach, ließ aber auch anklingen, dass der US-Amerikaner wohl den Rest der Runde nicht mehr mitwirken wird. „Die ganze Saison ist irgendwie schiefgegangen. Jerry war oft verletzt, ihm fehlt der Rhythmus.“ Während Alex Harris – mit 13 Punkten bester Werfer des Heimteams – und Anthony Fisher (11) zumindest punktemäßig ordentlich agiert haben, findet Mark Dorris diesen Rhythmus derzeit allerdings auch nicht, gegen München verlor der Aufbauspieler viermal den Ball und erzielte den ersten seiner lediglich zwei Punkte genau 107 Sekunden vor der Schlusssirene. Key ergänzte, dass beide „unterschiedliche Spielertypen“ seien. „Jerry muss den Ball haben, wir brauchen derzeit aber vor allem Bewegung.“ Diese Dynamik war der Grund für den zwischenzeitlichen 15:0-Lauf im dritten Abschnitt, nachdem das Team sehr lange in der Kabine geblieben war, und der Trainer offenbar die richtigen Worte gefunden hatte.

David McCray leitete die Aufholjagd ein, der nach seiner Einwechslung vor allem die Defensive reanimierte und die 4500 Zuschauer anpeitschte, die zuvor bereits gepfiffen hatten. Bei seiner Auswechslung – es stand 42:41 für Ludwigsburg – erhielt der Aufbauspieler Sonderapplaus von den Rängen der in dieser Saison erstmals ausverkauften Arena. „Eine gute Verteidigung zeichnet mich aus“, sagte er, „und diesmal ist der Funke übergesprungen.“ Auch der Gästetrainer Dirk Bauermann lobte den Deutschen: „Mit David hat die Verteidigung ein besseres Niveau bekommen, das hat unseren Rhythmus kaputt gemacht“, sagte der ehemalige Bundestrainer. Es sollte aber nicht reichen, weil McCray und Co. die Konstanz fehlt – und vor allem zu häufig der Ball verloren wird. Aber besonders die desolate Leistung im ersten Viertel, die Missverständnisse, die mangelnde Bewegung, die fehlende Struktur lassen unterdessen Zweifel aufkommen, ob die Entscheidung, ohne Green zu spielen, richtig war – allein schon, weil das Diskussionsstoff bietet.

„Ich muss das nicht nachvollziehen“, sagte McCray zuerst, sprach dann über die Verletzungsprobleme des Kapitäns und kam letztlich zu dem Schluss, dass es „nachvollziehbar“ ist. Green sei aber ein Spieler, der das akzeptiere. „Er steht voll hinter uns, gibt uns Tipps und wird uns vor allem durch seine Erfahrung und Ausstrahlung helfen.“ Diese Führungsposition auf dem Feld übernimmt indes zunehmend Jeff Greer (zwölf Punkte), dessen Leistungssteigerung den Trainer Key ein Stück weit ermutigt hat, Green nicht aufzustellen, weil sie die Kritik abschwächt, dass seiner Mannschaft der Leitwolf fehle. Trotz allem rangiert der Verein als Vorletzter weiter auf einem Abstiegsplatz. Die Situation ist so prekär wie schon lange nicht mehr in Ludwigsburg. Mut kann in solchen Phasen helfen, aber auch schnell zu Übermut werden.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (12. März 2012)





Neue Erfahrung ohne Erfahrung

15 11 2011

Ludwigsburg fehlt im Spiel gegen Ulm die Routine.

Vielleicht hat genau diese Erfahrung den Ludwigsburger Basketballern gefehlt. Der Ulmer Dane Watts kennt die Schwabenderbys wie kaum ein anderer, schließlich spielte er auch schon in Ludwigsburg sowie Tübingen – und der Flügelspieler war beim 77:76-(40:42-)Sieg von Ratiopharm Ulm vor 3546 Zuschauern bei der EnBW Ludwigsburg der Mann des Samstagabends. Seinen großen Auftritt hat er in der letzten Sekunde: Ludwigsburg führt 76:75, die Restspielzeit beträgt 21 Sekunden. Ulm greift an, die Heimmannschaft verteidigt gut, Watts‘ Teamkollege Roderick Trice muss dennoch werfen, der Ball trifft nur das Brett – doch Watts ist da, bekommt seine Finger an das Spielgerät und tippt den Ball in den Korb. In 0,3 Sekunden ertönt die Schlusssirene. Das sollte den Ludwigsburgern nicht mehr reichen.

„Die Ulmer hatten bei diesem Angriff eigentlich keine Ahnung, was sie machen sollten. Watts steht fast hinter dem Brett. Das war Glück“, sagte David McCray nach der erneuten Niederlage in den letzten Sekunden. Wie schon gegen Braunschweig im vergangenen Heimspiel. „Wenn man den letzten Wurf betrachtet, dann war das hier ein glücklicher Sieg“, sagte auch Ulms Trainer Thorsten Leibenath, der mit seinem Team erstmals seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga im Jahr 2006 in Ludwigsburg gewann. „Das Glück des Tüchtigen“, titelte die Ulmer Clubhomepage noch am Abend des Erfolgs.

Doch letztlich verlor Ludwigsburg vor allem im dritten Durchgang. In diesem zogen die Ulmer mit einem 17:0-Lauf auf 62:49 davon – unter kräftiger Mithilfe der Heimmannschaft, die vor allem durch Ballverluste ihren Rhythmus verlor. Fünf waren es insgesamt in diesem Abschnitt, drei allein von Mark Dorris (25) in etwas mehr als zwei Minuten. „Wir haben uns da zu sehr unter Druck gesetzt“, sagte McCray. „Statt normal weiterzuspielen, hatten wir Angst, den Ball zu passen.“ Und Ludwigsburgs Trainer Markus Jochum ergänzte: „Fehler in solchen Situationen tun doppelt weh. Wir haben aber wieder den Glauben an uns und zurück ins Spiel gefunden. Dass Watts am Ende genau da steht, ist einfach Pech.“ Im dritten Viertel, das Ludwigsburg 9:22 verlor, wiesen aber besonders die Ballverluste auf eine Komponente in Jochums Mannschaft hin, die noch fehlt, um auch in entscheidenden Situationen zu bestehen, um eine beeindruckende Aufholjagd nach einem 15-Punkte-Rückstand wie im Schlussviertel dann auch mit einem Sieg zu krönen: die Erfahrung.

Der Trainer selbst hatte darauf bereits in der abgelaufenen Woche reagiert, verpflichtete mit dem 32-jährigen Jeff Greer einen älteren Spieler, nachdem zuvor die jungen Seth Tarver (23) und Terrel Harris (24) in ihrer Testphase nicht überzeugt hatten. Greer war beim Einlaufen in die Arena noch etwas orientierungslos gewesen, hatte sich im Scheinwerferlicht ein paar Mal im Kreis gedreht, bis er erkannt hatte, wo sich die Mannschaft aufstellt. Anschließend spielte er gegen Ulm aber bereits 22 Minuten und brachte in einigen Aktionen die nötige Ruhe ins Spiel. „Die Leute haben ein bisschen unterschätzt, wie wichtig Toby Bailey für uns war – vor allem wegen seiner Erfahrung“, sagte McCray. „Er wusste, wann er Akzente setzen muss, und Jeff ist ein ähnlicher Typ. Mit ihm ist die Mannschaft besser.“ Bailey hatte mit 35 Jahren seine Karriere nach der vergangenen Runde beendet.

Somit können die Ludwigsburger Anhänger zumindest die Hoffnung aus der vierten Niederlage nacheinander mitnehmen, dass Greers Integration schnell verläuft und der US-amerikanische Flügelspieler dem Team einen Schub gibt, damit das Saisonziel Play-offs wieder näherrückt.

Schließlich fehlen nur Kleinigkeiten, daher sagte Trainer Jochum trotz der fünften Saisonniederlage am achten Spieltag: „Es gibt keine Panik und keine Krise.“ Die Ulmer sind davon ohnehin weit entfernt, sie zählen nach dem sechsten Saisonerfolg zu den besten acht Teams, was zur Teilnahme an der Endrunde um die Meisterschaft berechtigen würde. Hierin wiederum hätte der Matchwinner Watts in der Bundesliga noch keine Erfahrung.

Der detaillierte Spielbericht auf Stuttgarter Zeitung Online

 veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (14. November 2011)