The one and only Naddl-Man

14 10 2009

Ein bisschen Spaß und Blödeleien müssen auch mal sein. Daher kommt heute mal eine Bilderstory über eine kleine Spielfigur, die in der Journalistenschulklasse 47a schon großen Ruhm erlangt hat.

Er ist in kürzester Zeit zu einem Star aufgestiegen. Nun hat er sein eigenes Home-Foto-Video gedreht und ist ganz stolz, es präsentieren zu können. Er kam hinter einem PC-Bildschirm an einem Kabel zur Welt und ist nun mitten in der 47A angekommen und vor allem akzeptiert. Sein Name: Naddl-Man. Seine Qualität: Alles und noch vieles mehr.

Er wünscht viel Spass und alles Gute. (Aufs Bild klicken)Naddl-Man





Der entscheidende Ausschnitt eines Studentenlebens

12 09 2009

Ich habe vor einiger Zeit mal was Neues probiert und bei einem Literatur-Wettbewerb von Zeit Campus mitgemacht. Aufgabe war es, einen Text über Gründe des Schwänzens von Vorlesungen zu schreiben. Mir ist das nicht so gut gelungen, dass ich bei 1121 Einsendern unter die besten 21 gewählt wurde. Nichtsdestotrotz stell ich den Text jetzt mal hier rein. Vielleicht ist er ja doch nicht so schlecht und unterhält zumindest ein wenig.

Harald ist modern. Er studiert Eventmanagement. Harald ist außerdem zufrieden, hat Freunde, spielt Handball und genießt die Studienzeit. Er ist 22 Jahre alt und hat sich vor einiger Zeit von seiner Freundin getrennt. Die Liebe fiel der räumlichen Trennung zum Opfer. Fernbeziehungen sind nichts für ihn. Telefonieren statt treffen war einfach zu wenig. Seitdem hat Harald mehr Freiraum für das Studium. Seine Noten sind gut, die Dreier-WG macht ihm auch Spaß.

Heute klingelt der Wecker wieder sehr früh. Mittwochs muss er immer in die erste Vorlesung am Institut. Also aufstehen, kacken, duschen, Zähne putzen, anziehen, frühstücken und los geht’s. Es ist die dritte Einheit… (MEHR)





Der entscheidende Ausschnitt eines Studentenlebens

28 08 2009

Harald ist modern. Er studiert Eventmanagement. Harald ist außerdem zufrieden, hat Freunde, spielt Handball und genießt die Studienzeit. Er ist 22 Jahre alt und hat sich vor einiger Zeit von seiner Freundin getrennt. Die Liebe fiel der räumlichen Trennung zum Opfer. Fernbeziehungen sind nichts für ihn. Telefonieren statt treffen war einfach zu wenig. Seitdem hat Harald mehr Freiraum für das Studium. Seine Noten sind gut, die Dreier-WG macht ihm auch Spaß.

Heute klingelt der Wecker wieder sehr früh. Mittwochs muss er immer in die erste Vorlesung am Institut. Also aufstehen, kacken, duschen, Zähne putzen, anziehen, frühstücken und los geht’s. Es ist die dritte Einheit, Harald war bisher immer da. Aber auch diesmal langweilt er sich. Der Professor schwadroniert Detailinfos, theoretisches Palim Palim, gestikuliert wild. Sein Headset-Mikrofon rauscht. Das werden die wohl nie hinkriegen, denkt sich Harald. Er lehnt sich zurück, schließt die Augen, denkt nach: Was könnte ich jetzt nur alles machen? Ihm fallen viele Gründe ein, die Vorlesung nicht zu besuchen. Einer ist, dass er es einfach kann. Gab es in der Schule noch Unterschriftenfälschungs-Stress bei den Entschuldigungen der Eltern oder anstrengende Minuten beim Vorgaukeln eines Leidens zu Hause, so kann er als Student einfach nicht in die Vorlesung gehen. Das Tolle ist: Es stört niemanden. Außer vielleicht den Banknachbarn, der am gleichen Tag auch blau macht und gehofft hatte, den Mitschrieb zu kopieren.

Die vorlesungsfreie Zeit würde Harald so einige Möglichkeiten bieten. Schlafen wäre eine Idee. Kommt halt eher vormittags in Frage. Wenn er am Nachmittag Unterricht hat, muss es doch aber auch noch Schwänzgründe geben, denkt sich Harald. Kaffee trinken mit ner Freundin ist ne Möglichkeit, sich was Schönes kochen, vielleicht mal ein richtig protziges Menü. Oder auch ein, zwei Pullen Bier mit nem Kumpel. Harald nimmt keine Drogen, das kommt für ihn nicht in Frage. Aber feiern, feiern ist gut und sowieso immer möglich. Statt Pauken könnte er in der WG auch eine Schischa rauchen. Wie wär’s mit knutschen oder Sex – hier wollen doch bestimmt auch ein paar Mädels schwänzen, murmelt er vor sich hin. Vielleicht auch ne Partie Pro Evolution Soccer auf der XBox zocken, oder einfach mal laut Mucke hören – mit dem Funkkopfhörer unter der Bettdecke, mitschreiend. Das ist gut, um Aggressionen abzubauen. Marylin Manson würde sich hervorragend eignen, findet Harald.

Er schüttelt den Kopf, wundert sich über seine schrägen Ideen. Er hat die Augen mittlerweile wieder geöffnet, starrt vor sich hin, dummerweise direkt ins Dekolleté einer Vorderbänklerin. Sie schaut ihn an, er realisiert den Blick, schließt schnell wieder die Lieder, probiert erneut in Gedanken zu versinken. Ein Kurztrip raus aufs Land ist auch ne Idee. Oder ein Wellness-Vormittag im nahe gelegenen Thermalbad. Dort gibt’s Studententarife und vormittags ist es angenehm ruhig. Natürlich könnte er auch demonstrieren – gegen Studiengebühren, für kostenlosen Kaffee in der Vorlesungspause. Spaßig wäre es, den anderen Studenten von außen beim Langweilen im Hörsaal zuzuschauen und dabei mit Kommilitonen Wetten abzuschließen, welcher der Vorderbänkler sich als nächstes meldet. Man könnte auch eine universitäre Einrichtung besetzen. Aber nicht immer das Rektorat, lieber die Cafeteria, da gibt’s wenigstens Snacks. Wenn er doch nur in den Prüfungen so kreativ wäre.

Rechtzeitig zum besten Moment der Vorlesung erwacht Harald aus seiner Schwänz-Traum-Trance: Der Professor verlässt die Bühne. Schnell klopft er noch aus Gewohnheit und Anstand auf den Tisch. Ist das eigentlich ein Applaus für: Toll, es ist endlich vorbei. Oder: Toll, es war sehr gut, denkt er sich und verlässt das Hörsaalgebäude.

Draußen warten ein paar Kollegen. Harald fordert am besetzten Open-Air-Kickertisch. Kurz die Rübe frei bolzen, denkt er sich. Mike ist sein Partner. Harald hat diesmal keine Lust auf den Kicker-Trashtalk – seine und Mikes Spezialität, um den Gegner abzulenken. Lieber berichtet er von seiner Sammlung an Schwänzgründen. Prompt steht’s 0:2. Mike ist dennoch vom blau machen angefixt. Kino fällt ihm ein, oder Musik machen. Krafttraining fände er gut. Mike gehört zu den Leuten, die sich nach dem Pumpen gerne im Spiegel betrachten. Harald kann ihn dennoch leiden und hört weiter zu. Mit dem Auto durch die Gegend cruisen, ist ein weiterer Vorschlag. Und wenn einem nichts mehr einfällt, sagt Mike, dann besucht man halt den Unterricht und denkt sich neue Schwänzgründe aus.

Kaum ausgesprochen, hebt er den Zeigefinger – das nutzt der Gegner zum 4:1 – und sein Gesicht hat den Ausdruck, den ein Gesicht hat, wenn jemandem gerade eine geniale Idee eingefallen ist: Weit aufgerissene Augen, hochgezogene Brauen, offener Mund. Warum soll ich mir das Theoriegeblöke anhören, sagt Mike, wenn sowieso nur die Praxis zählt. Das ist sein Hauptargument fürs blau machen. Stell dir vor, du gehst zur Uni und schreibst super Noten, aber die anderen greifen die Jobs weg, weil sie parallel gearbeitet haben. Also jobbe ich doch gleich lieber. Harald nickt.

Wer in seinem Studium keine praktische Erfahrung gesammelt hat, ist in der Tat chancenlos, da muss Harald zustimmen. Dabei reichen nicht drei Praktika, es sollten schon mehr sein. Oder man hat einen Nebenjob über mehrere Jahre. Das heißt es doch immer, denkt sich Harald. Arbeiten könnte er während der Vorlesungszeit, Erfahrung sammeln, sich schleimig um Beziehungen kümmern, sabbernd netzwerken. Die Kohle kann er zudem gebrauchen. Nicht für jetzt, da die Eltern ja noch helfen, sondern fürs Alter. Es heißt ja auch, Renten könne man sich quasi abschminken. Wenn der Betrieb für das Praktikum kein Geld zahlt, ist es dennoch besser, die praktische Erfahrung schon während des Studiums zu sammeln. Dann ist es immerhin nicht so demütigend, sagt Harald, wie wenn man voll ausgebildet und mit Abschluss für umme Praktikant sein muss.

3:6 – die Niederlage am Kickertisch ist egal, denkt sich Harald, er hat jetzt das Argument fürs Schwänzen schlechthin. Das würde sich sogar in der Familie verkaufen lassen. In fiebriger Freude für die Idee lässt er die Folge-Vorlesungen gleich mal sausen, fährt nach Hause und schreibt der Eventagentur, in der er sein bisher einziges Praktikum gemacht hat, eine Mail: Hallo Peter, ich würde gerne meine Erfahrungen bei Euch über das Praktikum hinaus erweitern. Mein Studium ist zwar eine Grundvoraussetzung für mein Berufsleben, aber ich muss auch viele Arbeitsnachweise vorzeigen können, wenn ich im Eventmanagement Fuß fassen will. Das weißt Du besser als ich. Daher wollte ich fragen, ob ich denn bei Euch ab und an mal aushelfen kann. Ich kann mir dafür an jedem Tag in der Woche Zeit nehmen. Es wäre toll, wenn Du mir helfen könntest. Ich würde mich über eine Antwort freuen. Gruß, Harald.

Eine Woche später wird sich Peter melden. Sie waren zufrieden mit seiner Arbeit und könnten sich in der Tat vorstellen, ihm einen Nebenjob anzubieten. Es würde auch Geld geben. Er solle doch einfach mal am kommenden Mittwoch vorbeischauen. Das weiß Harald jetzt aber noch nicht. Er packt gerade die Sportsachen für das Handball-Training und fährt mit dem Rad zur Halle. Dabei denkt er über den Tag nach, über die Ideen des Schwänzens, das Dekolleté des Mädchens und über seine Mail.

Wenn es mit dem Job klappen sollte, dann wäre es stressig. Aber dennoch würde ihm das mehr bringen als die Vorlesungen, davon ist Harald mittlerweile überzeugt und beschließt für sich: Wenn ich dann mal keine Aufträge bekomme oder gerade Überstunden abbaue, werde ich dennoch blau machen und mich bilden – aber nicht in der Uni, sondern im Fernseher, im Radio oder in Magazinen und Zeitungen. Meinung ist wichtig, das hat er an der Uni auch schon öfters gehört. Eine Position sollte man beziehen können. Ohne Wissen ist das aber nicht möglich, denkt er sich. Er hasst Leute, die immer eine Meinung, aber keine Ahnung haben. So will er nicht sein. Uni-Wissen bedeutet zwar auch Ahnung haben, aber nur sehr speziell. Harald will in der Welt mitreden, dafür braucht er vor allem Allgemeinbildung. Medizinstudenten müssen sich bereits an der Uni viel Fachwissen aneignen, das sieht er schon ein, oder Juristen sollten das BGB einigermaßen kennen. Die meisten Berufe erlernt man aber während des Arbeitens, da ist er sich sicher, auf alle Fälle ist es in der Eventbranche so. Und da er dort Karriere machen möchte, will er sich allgemein bilden. Er will schließlich im Büro mitreden – bei den politischen und wirtschaftlichen Themen, beim Fußball, auch in der Kultur. Das ist wichtig für die Anerkennung bei Arbeitskollegen. Es ist aber auch schon vor dem Job wichtig, hat Harald im Internet gelesen. In den einwöchigen Assessment-Centern, die auf die Bewerbungsmappe, das Bewerbungsgespräch und das dreitägige Vorab-Assessment-Center, bei dem Allgemeinwissen auch schon entscheidend war, folgen.

Das Handballtraining ist intensiv, der Schweiß steht in der Halle. Haralds Team spielt um den Aufstieg in die Bezirksliga, dieses Jahr soll es endlich klappen – drei Mal sind sie in Folge nur knapp gescheitert. Er spielt links außen, ist klein, aber wendig und schnell. Heute wirft er vier Tore im Abschlussspiel, das hat er schon lange nicht mehr geschafft. Er ist gut drauf, trinkt noch ein Bier mit den Mannschaftskameraden und quatscht mit dem Kreisläufer über das Titelthema, das der Spiegel vor einigen Wochen veröffentlichte.

Das Magazin hat seiner Generation vorgeworfen, unsichtbar zu sein. Ein Stück weit hat er sich darin durchaus wieder gefunden, gibt Harald zu. Das gefällt ihm aber nicht, unsichtbar will er nicht sein. Auch wenn es mit dem Nebenjob klappt, muss er daher gegen Semesterende wieder in den Hörsaal, das weiß Harald – um sich zu präsentieren, um aufzufallen, um Willen zu zeigen, um eben sichtbar zu sein. In der Agentur wird er dafür hoffentlich frei bekommen. Er muss die Stunden dann halt später abarbeiten. Das ist Harald klar. Denn Schwänzen, das kann er nur an der Uni.