VfB olé olé

28 11 2012

Ich weiß, es ist eine Weile her. Sorry dafür.
Der Grund liegt darin, dass ich kurz nach meinem letzten Beitrag einen neuen Job angetreten und die Freiberuflichkeit verlassen habe.

Somit bleibt kaum Zeit für Einträge. Ich habe mir aber vorgenommen, in unregelmäßigen Abständen Texte aus meiner neuen Tätigkeit hier immer mal wieder online zu stellen.
Fußball-Fans interessieren diese vielleicht. Denn seit August arbeite ich beim VfB Stuttgart in der Presseabteilung und bin dort hauptsächlich für die Homepage (www.vfb.de) zuständig.

Insofern freut es mich natürlich, wenn Ihr auch mal dort vorbeischaut.
Auch nochmal danke, dass Ihr immer mal wieder diese Seite hier lest.

Schönen Tag noch.
Servus, Fabian

Advertisements




Appetit 2.0 – das Handy liegt sogar auf der Ersatzbank

10 07 2012

Smartphone-Besitzer können dank zahlreicher Applikationen noch leichter ihren Fußballhunger stillen. Das gilt vom Freizeit- über den Amateur- bis hin zum Profisport. Auch der Stadionbesucher und der wenig begabte Freizeitkicker profitieren von der technischen Entwicklung.

Die Technik hat den Freizeitfußball etwas menschlicher gemacht. Was paradox klingt, haben die Kicker Thomas Goerldt zu verdanken. Er hat 2011 nämlich die Teamshaker-App entwickelt. Seither bleiben beim Wählen von zwei Teams die peinlichen Momente aus: Keiner muss mehr mit ansehen, wie alle anderen vor ihm ausgewählt werden, keiner muss mehr diese Sekunden oder Minuten des unmenschlichen Wartens aushalten, bis er als Letzter zu einer Mannschaft schlappen darf, die ihn notgedrungen aufnehmen muss. Anstatt wie bisher mit „Tip-Top“ oder „Hühnerdapperle“ Schritt für Schritt den Teamkapitän zu bestimmen, der mit der Mannschaftwahl beginnen darf, sitzen die Freizeitfußballer nun vor einem Smartphone. In diesem können bei der Team-Shaker-App die teilnehmenden Spieler mit einer Stärke von eins bis fünf einprogrammiert werden. Danach schüttelt jemand das Handy und heraus kommen zwei Mannschaften, die unter Berücksichtigung der einzelnen Spielerfähigkeiten auf einem ähnlichen Niveau sind.

Der Markt solcher Applikationen für Mobilfunktelefone wächst stetig. Rund 13 Millionen Treffer spuckt die Internetsuchmaschine Google bei der Wortkombination „Fußball App“ aus. Für die verschiedenen Betriebssysteme für die Handys haben die Hersteller jeweils eigene Appstores eingerichtet, in denen die Anwendungen heruntergeladen werden können, einige sind mit mehreren Betriebssystemen kompatibel. Viele Apps sind kostenlos – sicherlich auch, weil die Zahlungsbereitschaft der Nutzer nicht sehr hoch zu sein scheint. Eine Ausnahme stellen hier wohl die Apps der einzelnen Fußballclubs dar.

Amateurvereine nutzen solche Applikationen für die eigene Öffentlichkeitsarbeit noch nicht, die Kicker- und Fussball.de-App sind jedoch auch an den Spieltagen der unteren Ligen im Einsatz. So können schließlich schnell die Ergebnisse auf den anderen Dorfplätzen gecheckt werden. Seit kurzem kostet dieser Amateurservice von Fussball.de 2,99 Euro pro Jahr. „Ich sehe es nicht ein, für die Ergebnisse Geld zu zahlen, die bekommt man im Internet schließlich umsonst“, sagt Holger Höb vom WFV-Club SV Aufheim in der Nähe von Ulm. Er hat früher die App genutzt. Auch Janosch Köberlein, ehemaliger Kicker aus dem Bezirk Alb, findet die Gebührenpflicht in diesem Fall „ziemlich frech“. Stefan Schilling, der Presseverantwortliche des Tübinger Stadtteilclubs SV Pfrondorf, nutzt manchmal auch den Amateurinfoservice der Kicker-App, „die ist aber sehr spät aktuell“. Beim Kreisligisten FV Weißenhorn im Bezirk Donau/Iller läuft das dann an einem Spieltag meistens folgendermaßen ab: ein Smartphonebesitzer liest die Ergebnisse im Sportheim laut vor und gibt anschließend das Handy weiter, damit die Kollegen die Tabellensituation analysieren können.

Fußball-Apps in der Hanballkabine

Weil die Amateure oft zu ähnlichen Zeiten wie die Profis kicken, kommen die Fußball-Apps auch während der 90 Minuten zum Einsatz. „Sogar wenn wir selbst spielen, liegt ein Handy auf der Auswechselbank, um einfach immer auf dem Laufenden zu bleiben. Eigentlich verrückt“, sagt Stephan Gabele vom SBFV-Club FV Walbertsweiler-Rengetsweiler in der Bezirksliga Bodensee, „ich finde diese Apps genial.“ Max Länge studiert mit Gabele Sportwissenschaft, spielt selbst Handball in Schwäbisch Gmünd, berichtet aber vom gleichen Phänomen: „In der Kabine schauen wir uns den Liveticker an – meist ohne Trainer – und reden dann darüber, welche Auswirkungen das auf unsere Comunio-Mannschaften hat.“

Ob Kicker, Fussball.de, Sport1, Bundesliga, 90elf-live, Laola1.at, Sportschau, Spox, Ran, Livescore, DFB Uefa, Espn, Pocket-Liga, Eurosport, oder Iliga – die App-Liste ist beliebig verlängerbar – sie alle informieren den Nutzer über Spielstände, Tabellensituationen, Torschützen, versorgen ihn mit Vor- und Nachberichten, klären ihn über Transfergerüchte auf, bieten teilweise auch Bilder und Videos. Je nach App werden die Nutzer über Nationalmannschaften, nationale und internationale Ligen informiert. Ihnen ist dabei neben der kurzen Ladezeit, eine übersichtliche Darstellung und einfache Navigation sowie die schnelle Aktualität wichtig. „So eine App ist optimal für zwischendurch, um auf dem Laufenden zu bleiben. Auch gut für Diskussionsrunden, wenn man spontan entscheidende Fakten braucht“, sagt der fußball- und internetverrückte Göppinger Samy Abdel Aal, der vor allem die Iliga-App nutzt, die fast viereinhalb von fünf Sternen bei der Nutzerbewertung im Itunes-Store erhält und zu den beliebtesten Fußball-Apps zählt. Diese Bewertungen sind auch für einige Interessenten die Grundlage, welche App sie herunterladen. Als negativ werden beispielsweise Registrierungs- und Anmeldepflichten erachtet.

Im Einsatz sind die Applikationen vor allem am Wochenende während des Ligabetriebs, aber auch bei Partien im Europa- oder DFB-Pokal unter der Woche. „Wenn man nach der Arbeit noch etwas trinken geht und kein TV in der Nähe ist, sorgen die Apps eigentlich im Minutentakt für Gesprächsstoff“, sagt Steffen Schmid aus Eislingen an der Fils, der für den Hessischen Fußball-Verband arbeitet. Simon Kirchgeßner aus dem BFV-Kreis Buchen im Odenwald hat bereits ein Konsumsystem entwickelt. Aus seinem Handy schallt aufgrund der „Sportschau“-App ein „Tooor“-Schrei, wenn auf einem Platz ein Treffer fällt. Dann schaut er dort, wo das Tor gefallen ist, und wechselt auf die Kicker-App, um den Schützen nachzulesen. Denn diese App „hat die schnellste Verschriftlichung, schneller als die Homepage“. Die Toralarm-Funktion bieten übrigens auch andere Applikationen. Aber nicht nur die Fans nutzen diese Anwendungen, auch Mitarbeitern von Medienhäusern erleichtern die Apps teilweise den Job, wenn beispielsweise eine Tabelle für die Zeitungsausgabe des kommenden Tages angefertigt werden muss und der Redaktionsschluss naht.

Manche Proficlubs kooperieren mit IT-Dienstleistern

Einige Apps ermöglichen dem Nutzer, seinen Lieblingsverein anzugeben, sodass die Infos über diesen Club zuvorderst erscheinen. Besser eignen sich hierfür die eigenen Vereins-Apps – sei es von Medienhäusern, wie die VfB-App von der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten, oder die Applikationen, welche die Clubs selbst entwickeln beziehungsweise mit Informationen befüllen. Beim SC Freiburg haben beispielsweise Anhänger eine eigene Fangemeinschaft-App auf den Markt gebracht, um über den Club sowie Aktionen zu informieren. 1899 Hoffenheim bietet seinen Fans neben dem Live-Ticker und einigen Informationen rund um das Stadion auch eine 1899-TV-App mit Videos von den Spielen und den Pressekonferenzen sowie mit Hintergrundberichten und Interviews an.

Die App des VfB Stuttgart ist die einzige kostenpflichtige in der Bundesliga. Als die Schwaben ihre Anwendung initiierten, kämpfte der Club gegen den Abstieg. „Die Vorgabe war Kostenneutralität, weil zu der Zeit der Entscheidung ein deutlich übergeordnetes Thema, nämlich die Zukunft des Vereins, vorrangig war“, sagt Holger Boyne, beim VfB für die App zuständig. Somit blieben zwei Möglichkeiten: eine Standard-App oder eine eigens programmierte, für die der Fan aber 79 Cent pro Quartal beitragen muss. Stuttgart zählt seither zu der Minderheit der Bundesligavereine, die ihre Applikation mit einem Dienstleister entwickelt und nicht lediglich den eigenen Newsstream und das Branding in eine vorgefertigte Applikation eingebaut haben. „Diese Standard-Apps sind gut, aber vergleichbar“, sagt Boyne. Die eigene Entwicklung ist jedoch kostenintensiv. Der VfB will zur kommenden Saison sein gesamtes App-Konzept überarbeiten, auch die Kostenpflicht hinterfragen, die „monetäre Handlungsfähigkeit“ sei vorhanden. „Eine App muss technisch ausgereift, funktional und emotional sein, viele Gimmicks sowie einen echten Mehrwert bieten und vor allem individuell sein“, sagt Boyne. Die Neuauflage soll schneller als die aktuelle App sein und mehr Funktionen, wie beispielsweise die Nutzung ortsbasierter Dienste, ermöglichen.

Auch Werder Bremen hat einen eigenen Dienstleister beauftragt, die neue App steht seit der Winterpause zum Herunterladen bereit. Die Norddeutschen sind bei ein paar Features Vorreiter. So können die Stadionbesucher über die Applikation ihre Arena-Card mit Geld aufladen – und müssen nur noch an den Verzehr- und Souvenirständen anstehen. Außerdem bietet die Anwendung für Auswärtsfahrten einen Routenplaner. Darüber hinaus können die zahlenden Werder-TV-Abonnenten das Programm auch in der App abrufen. Über kostenpflichtige Services diskutieren die Verantwortlichen auch bei Borussia Dortmund. Mit sogenannten In-App-Payments kann der Nutzer dann beispielsweise die Highlights der Spiele sehen. Auch der Meister kooperiert mit einem IT-Unternehmen. „Wir entwickeln mit diesem Dienstleister einen eigenen Fahrplan und arbeiten dauerhaft an einer Optimierung“, sagt David Görges vom BVB. „Das Gute daran ist, dass beispielsweise ein Update so nicht auch für die anderen Vereine gilt, wie das bei den Standard-Apps der Fall ist.“ In Dortmund hatten Görges und Co. sogar über ein Call-a-Beer-Feature nachgedacht. Per Klick im Smartphone sollte so über die App ein Bier geordert werden können. „Das ist aber mit der Ortung sehr schwierig, die Handytechnik gibt das noch nicht her“, sagt Görges. Der hohe Personalaufwand sei ein weiteres Hindernis. Den Clubs geht es bei der Applikation letztlich darum, einen weiteren Newskanal zu nutzen und zusätzliche Angebote für die Fans zu bieten – sowohl unterwegs für den mobilen Nutzer als auch für den Stadionbesucher.

Tippen und Managen ist auch möglich

Da die Fußballanhänger in ihren Lieblingssport dank Comunio oder Kicktipp auch selbst spielerisch eingreifen können, bietet sich den App-Entwicklern ein weiterer Markt. Für Kicktipp oder das Erdinger Tippspiel sind bereits Applikationen in den Stores abrufbar. Auch Comunio bietet diesen Service mittlerweile an. In Echtzeit auf dem Smartphone-Display Fußball spielen ermöglichen Game-Apps wie beispielsweise die Anwendung Flick Champions, bei der mit dem Finger die Schuss- und Passrichtung sowie -stärke bestimmt werden.

Die Worte Stärke, Anwendung und Internet führen indes automatisch zur Plattform Facebook. Schließlich bietet auch der Netzriese eine App an. Diese ist beim Kreisligisten Weißenhorn „im Einsatz, um Trainingszeiten und -pläne sowie Treffpunkte bekannt und Fahrgemeinschaften auszumachen“, wie der Verteidiger Michael Strasser berichtet. Wie bei den Freizeitfußballern hat dann auch ein Vereinstrainer bei den Übungseinheiten dank der neuen Technik die Möglichkeit, die Mannschaften für das Abschlussspiel mit einer gerechten Stärkenverteilung auszuschütteln. Dafür braucht er nur ein Smartphone und die Team-Shaker-App.

veröffentlicht im Magazin im Spiel (2012, imspiel_fussball_apps)





Aktion Libero

16 11 2011

Hey Leute,

eine gute Idee, die unterstützt werden sollte. Weitere Infos auf deren Homepage.





Eine Frage des Aufgebots

22 10 2011

Die TSG Backnang kämpft um die Deutsche Judo-Meisterschaft – zum ersten Mal. Tritt die Konkurrenz nicht in Bestbesetzung an, darf das Team auf eine Überraschung hoffen.

Die frohe Botschaft ist vom Gegner gekommen. Die Mannschaftsführerin des Gastgebers vom letzten Hauptrundenkampftag im September in Leipzig teilte den Judofrauen der TSG Backnang mit, dass sie bei den Play-offs dabei sind. Die Konkurrenz aus Wiesbaden hatte gepatzt, und die Judokas aus Schwaben qualifizierten sich somit als Dritter der Südstaffel erstmals in der Clubgeschichte für die Endrunde um den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters. Diese wird morgen (15 Uhr) in Brandenburg ausgetragen, um 5 Uhr früh fährt das Team mit den Fans im Reisebus in den Osten der Republik, direkt nach dem Wettbewerb geht es zurück. Ein Faktencheck.

Titelchancen Der Trainer Jens Holderle sieht seine Mannschaft als klaren Außenseiter, besonders weil Backnang mit dem JC Leipzig und der PSG Brandenburg schon in der Gruppenphase auf die Titelfavoriten trifft. Er schließt aber auch eine Überraschung nicht aus, schließlich „weiß man nicht, ob die Teams in Bestbesetzung antreten“. Denn der individuelle Wettkampfterminplan stehe im Spitzenjudo über den Teamwettbewerben, so dass bei Endrunden schon mal „Rumpftruppen“ auflaufen, wie Holderle sagt. Auch Backnang kann nicht in Bestbesetzung antreten. Einige Kämpferinnen sind verletzt, andere pausieren nach ihren Grand-Prix-Auftritten.

Vereinsgeschichte Im Jahr 2002 sind die Backnangerinnen in die erste Judo-Bundesliga aufgestiegen. Seither schrammte die Mannschaft in der „wahnsinnig starken Südgruppe“ (Holderle) schon einige Male knapp an der DM-Endrunde vorbei, für mehr als Platz vier hat es bisher nie gereicht. „In diesem Jahr hat aber alles gepasst“, sagt Holderle, der das Team 2007 übernahm. „Wir hatten keine Verletzungen, und die Frauen hatten meistens Zeit, das ist schon fast das Wichtigste.“

Clubphilosophie Auf Sportler aus der Region bauen und Nachwuchskämpferinnen fördern – so beschreibt Holderle das Konzept des Vereins. In den sieben Gewichtsklassen kämpfen derzeit fünf Eigengewächse. Er weiß aber auch: „Wenn du oben ankommen willst, musst du auch auswärtige Kämpferinnen holen. Alles aus dem Ländle geht halt nicht.“ Diese Topleute erhöhen zudem die Attraktivität des Sports, sind Werbung für den Club und ermöglichen dem Nachwuchs ein Messen auf internationalem Spitzenniveau.

Mannschaft Michaela Baschin (Olympianeunte 2008, EM-Dritte 2006 und 2009) und Luise Malzahn (EM-Dritte 2011) sind die Erfolgreichsten im Team. Für Holderle ist aber auch Antoinette Hennink wichtig. „Sie bringt gute Laune und auch viel Ruhe rein.“ Insgesamt spricht der Trainer von einer guten Chemie, auch wenn es kein gemeinsames Training gibt. Denn einige Kämpferinnen kommen aus anderen Bundesländern oder dem Ausland. Auf Lehrgängen und bei Trainingslagern tauschen sich die Frauen aber aus.

Aufstellung Weil auch der Trainer seine Judokas, die ein Doppelstartrecht haben, wegen der örtlichen Distanzen nicht so häufig sieht, entscheidet er aufgrund der Wettkampfergebnisse auf der Matte und mittels Gesprächen über die Formation. „Ich bin da nicht der Zampano“, sagt Holderle, „wir versuchen, das im Team zu machen und uns abzustimmen.“ Schließlich wissen die Frauen selbst am besten, welche Gegnerin ihnen liegt und welche nicht.

Wahrnehmung „Frauenjudo wird von vielen mit einem Lächeln betrachtet“, sagt der Trainer Jens Holderle. Dabei sei der Sport im Spitzenbereich sehr attraktiv. Während bei den Männern Kraft und Taktik den Reiz teilweise reduzieren, überzeugen die Frauen mit schönen Techniken. Manchmal fehlt jedoch die Dynamik, weshalb die Männerduelle häufig spektakulärer sind, sagt Holderle. Generell sei das Spannende im Judo, dass jeder jeden schlagen kann. „Auch wenn man körperlich und technisch unterlegen ist, kann man trotzdem den optimalen Zeitpunkt erwischen und den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen.“

Darauf hoffen die Backnanger Judokas nun auch bei der morgigen Endrunde in Brandenburg an der Havel. Schließlich macht die knapp sechsstündige Heimfahrt mit dem Bus mehr Spaß, wenn es etwas zu feiern gibt. So oder so – das Team ist diesmal jedenfalls nicht auf eine Nachricht von den Gegnerinnen angewiesen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (21. Oktober 2011)





„Die Play-offs wären ein echter Erfolg“

29 09 2011

Der Teammanager Mario Probst spricht über das Saisonziel, den Zuschauermangel und die Zukunftssorgen des Clubs.

Herr Probst, wegen eines Tarifstreiks droht die kommende NBA-Saison verspätet oder gar nicht zu beginnen. Haben Sie schon einmal daran gedacht, Dirk Nowitzki zu fragen, ob er diese Zeit nicht in Ludwigsburg überbrücken will?
Man muss schon die Realität kennen. Die Wahrscheinlichkeit ist hier so gering, da würde sich die Anfrage nicht lohnen. Wenn wir jetzt ein EuroleagueTeam wären, dann könnten wir sicherlich ein Szenario aufbauen, dass er hier richtig ist. Aber in Deutschland kommen eigentlich nur Berlin, Bamberg oder Bayern München in Frage.

Käme ein anderer NBA-Profi für Sie in Frage?
Wir wollen eine gesunde Mannschaft haben, das heißt Spieler mit den richtigen Motiven. Da es bei uns nicht nur um individuelle Ziele geht, würde ich mich schon fragen, warum ein gestandender NBA-Spieler hier spielen sollte. Außerdem reden wir da von Gehältern, die sogar unseren Gesamtetat übersteigen. Der Grund, in Ludwigsburg zu spielen, kann nicht Geld sein.

Sie haben vier Starter aus dem Kader der vergangenen Saison behalten können, auch der Trainer Markus Jochum ist geblieben. Seit Jahren konnten sie die lang ersehnte Kontinuität in die Tat umsetzen. Auch die Neuzugänge sind diesmal rechtzeitig geholt worden. Merken Sie schon eine positivere Entwicklung im Vergleich zu den Vorjahren?
Wir sind erstmal extrem froh, dass wir diese Kontinuität umsetzen konnten. Dass wir nun sieben Spieler aus dem Zehn-Mann-Kader halten konnten, ist natürlich ein Riesenvorteil. Man hat die Voraussetzung geschaffen für einen Vorsprung gegenüber den neu zusammengestellten Teams. Aber ein Vorsprung in der Vorbereitung zählt nichts, den müssen wir mit in die Saison nehmen und weiter ausbauen.

Die drei Neuzugänge sind besonders für ihre defensiven Qualitäten bekannt, war die Verteidigung das Hauptproblem in der vergangenen Runde?
Wir waren eine sehr gute Offensivmannschaft mit sehr guten Werfern und konnten gegen jedes Team der Liga individuell und als Mannschaft mitspielen. Die offensichtlichen Schwächen lagen definitiv in der Defensive, wir waren beim Rebound im unteren Drittel der Liga, uns hat zudem die physische Spielweise und die notwendige Härte in den entscheidenden Spielsituationen gefehlt. Hier haben wir versucht, personell Schwerpunkte zu setzen. Mit Kurt Looby haben wir einen Center, der in Offensive limitiert ist, aber seine Stärken in der Verteidigung hat, gut bei den Rebounds ist und auch einen Wurf blocken oder verhindern kann. Die Gegner denken bei ihm vielleicht etwas mehr nach, wenn sie in die Zone ziehen. Hinzu kommt, dass es in der Liga viele schnelle Aufbauspieler gibt. Deswegen hat der Trainer die Guard-Rotation um einen Spieler erweitert. Mark Dorris bringt diese Schnelligkeit mit, er hat zudem Stärken in der Verteidigung.

Sie haben kürzlich den Neuzugange Seth Tarver schon wieder ersetzt. Für ihn kam Terrell Harris. Was erhoffen Sie sich davon?
Leider konnte Seth Tarver sich nicht in der Weise in die Mannschaft spielen, wie wir uns das erhofft haben, daher das Vertragsende in der Probezeit. Mit Terrel Harris haben wir einen Spieler verpflichtet, der bereits Erfahrung in Europa gesammelt hat und sowohl defensiv als auch offensiv sehr viel Potential besitzt. Wir erwarten uns mit seiner Integration eine weitere Verbesserung unseres derzeitigen Leistungsniveaus.

Reicht das, um Toby Bailey zu ersetzen?
Wir können über keinen Spieler sagen, dass er Toby Bailey eins zu eins ersetzen kann. Er hat alles erlebt, hat schon in der NBA gespielt, in der Euroleague und mehrere Jahre in Deutschland. Die Erfahrung eines 35-Jährigen ist nicht zu ersetzen. Das muss in diesem Jahr das Team als Ganzes auffangen. Alex Harris, Johannes Lischka und Terrel Harris werden alle auf dieser Position Zeit verbringen. Aber noch mehr in der Pflicht sind die großen Drei: Jerry Green, Donatas Zavackas und John Bowler. Jerry hat in der Pause viel gemacht, John ist vielleicht in der besten Verfassung seiner Karriere, Donatas steht körperlich sehr gut da und ist mit seiner Spielintelligenz und Wurfqualität einer der gefährlichste Vierer in der Liga.

Ein weiterer Neuzugang ist Steven Key, er kam als Ersatz für den Assistenztrainer Steven Clauss, warum?
Es gab keinen speziellen Grund. Die Zusammenarbeit mit Clauss war auf ein Jahr geschlossen. Das Verhältnis Trainer zu Co-Trainer ist das engste, das es in einem Verein gibt. Da muss die Chemie hundertprozentig stimmen. Steven Key passt da vielleicht noch ein bisschen mehr ins Gesamtprogramm. Steven Key ist Amerikaner, der aber sehr gut Deutsch spricht, er ist ein tolles Bindeglied zwischen Mannschaft und Headcoach. Gleichzeitig hat Key sehr viel Wissen, das er jungen Spielen weitergeben kann. Er nimmt auch eine Schnittstellenfunktion zwischen Profimannschaft und Basketball-Akademie ein, Spieler wie Jonathan Maier, Tim Koch oder Besnik Bekteshi sind absolut in seinem Verantwortungsbereich.

Ausgewechselt wurde auch die Trikotfarbe, aus den Gelben Riesen wurden die weißen Riesen. Wie kam es dazu?
Wir spielen das zehnte Jahr in der Bundesliga und haben uns immer als innovativen Verein gesehen. Wir hatten beim Auszug aus der Rundsporthalle ein weißes Trikot, das bei den Fans extrem gut ankam. Aber die Vereinsfarben schwarz-gelb sind auch auf dem weißen Dress, daher sind wir weiterhin aber die Gelben Riesen. Wir wollten einfach etwas Frisches für die Saison reinbringen.

Die Kontinuität ist da, die Neuzugänge stellen zufrieden. Eigentlich kann es so doch nur ein Saisonziel geben: die Play-offs.
Vorbereitung ist Vorbereitung, die Ergebnisse spielen keine Rolle. Was zählt ist, was am 3. Oktober gegen Gießen passiert.

Aber die Mannschaft geht mit einem besseren Gefühl in die Runde.
Ich glaube, dass sich das Team schon ein gewisses Selbstvertrauen erspielt hat. Wir haben im Vergleich zu den neuformierten Mannschaften schon das ein oder andere gewisse Element mehr, und natürlich haben die Jungs ein gewisses Selbstverständnis. Aber darauf haben wir ja gesetzt. Es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre.

Die Kontinuität ist diesmal da, die Neuzugänge haben die gesamte Vorbereitung mitgemacht. Eigentlich kann es nur ein Ziel geben: die Playoffs.
Es ist schwierig, jetzt ein anderes Ziel zu finden. Alle Spieler haben sich die Playoffs als Ziel gesetzt. Dafür benötigt man wohl mindestens 19 Siege. Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass wir nur eine Verletzung davon entfernt sind, ganz schnell nicht mehr über die Playoffs zu sprechen. Außerdem ist die Liga definitiv stärker als im vergangenen Jahr. Man kann sogar sagen, dass es die stärkste Beko BBL aller Zeiten ist.

Das könnte auch wieder mehr Zuschauer anlocken. Die Ludwigsburger Arena hat laut der Beko BBL ein Fassungsvermögen von 5300 Besuchern, und in der abgelaufenen Spielzeit kamen im Schnitt aber lediglich 2900 Zuschauer – 300 weniger als das Jahr zuvor. Hier haben Sie sich bestimmt mehr erhofft?
Wir müssen erst einmal die Zahlen zurechtrücken. Wir haben 4500 Plätze. Es gab zwar in der Bauphase Pläne für über 5000 Plätze, aber die Realität war dann doch anders. Bei dem jetzigen Zuschauerschnitt ist da sicherlich noch Potential vorhanden.

Warum wird dieses nicht ausgeschöpft?
Wir müssen selbstkritisch sagen, dass wir bisher sehr wenig Kontinuität hatten. Zudem waren die Ergebnisse nur zum Teil zufriedenstellend. Aber ich glaube, das ganze Umfeld hat die abgelaufene Saison in der Nachbetrachtung als positiv wahrgenommen und als ersten Schritt in die richtige Richtung. Wir haben Identifikationsfiguren wie Jerry Green, David McCray oder John Bowler und auch noch den Beko BBL ALLSTAR Day im Januar, was vielleicht einen Extraschub gibt. Aber die Ergebnisse müssen natürlich stimmen. Natürlich ist es unser Ziel, den Zuschauerschnitt zu steigern und über 3000 zu kommen. Wenn wir bei 3500 liegen, haben wir schon gut gearbeitet. Man muss das aber auch in Relation zu den 2200 Zuschauern in der Rundsporthalle setzen. Man darf ja nicht vergessen, wo wir herkommen.

Sie haben in der abgelaufenen Saison viele Zuschaueraktionen wie den Familienmonat oder den Spielertalk veranstaltet. Was haben Sie sich für die kommende Runde überlegt?
Die Jugend spielt bei uns definitiv eine große Rolle, das ganze Schul- und Vereinsprogramm, Ferien- und Schulcamps, wo wir es schaffen, über die Kinder ganze Familien für den Basketballsport zu begeistern. Es geht vor allem darum, dass man einen Bezug von der Mannschaft, von den Spielerpersönlichkeiten zu den Fans schafft, und dieser muss direkt sein. Unsere Mannschaft muss präsent sein und am öffentlichen Leben teilnehmen.

Diese ganzen Aktionen kosten natürlich auch Geld. Wie hoch ist der Ludwigsburger Gesamtetat?
Wenn man eine Rangliste in der Liga aufstellt, befinden wir uns irgendwo zwischen Rang neun und zwölf, was das Gesamtbudget angeht. Aber wir haben den Anspruch, sportlich mehr als Rang neun aus unserem Budget zu machen. Wir wollen eine Underdog-Rolle im Konzert der Großen einnehmen und zu Hause gegen jeden um den Sieg mitzuspielen.

Das ist natürlich mit Platz neun bis zwölf in der Budgettabelle schwieriger. Wo positioniert sich Ludwigsburg eigentlich: Mitläufer in der Liga, Überraschungsteam, Sprungbrettclub, Ausbildungsverein?
Wir stehen ziemlich genau in der Mitte der Liga. Wir können uns nicht die beste Qualität kaufen und damit in sehr kurzer Zeit Erfolg einfahren. Wir brauchen eine Mischung aus erfahrenen und jungen Kräften. Um unser Gerüst an Erfahrung müssen wir eine Gruppe aufbauen, die Entwicklungspotential hat – unabhängig davon, ob das jetzt jüngere ausländische oder deutsche Spieler sind. Wir brauchen Nachwuchsspieler, die sich in ein, zwei Jahren weiterentwickeln, wie beispielsweise Alex Harris. Vielleicht ist für ihn Ludwigsburg ein Sprungbrett. Für Jerry Green war es das damals, aber ich würde uns nicht als Ausbildungsverein bezeichnen. Eher als Verein, in dem Entwicklung und Ausbildung eine große Rolle spielt, und damit größtmöglichen sportlichen Erfolg erzielt.

Von 2013 an werden die Stadtwerke das Stromnetz in Ludwigsburg alleine betreiben, ihr Hauptsponsor EnBW ging bei den jüngsten Verhandlungen leer aus – und lässt bislang auch ein klares Bekenntnis für eine Fortsetzung des Sponsoringvertrages mit den Basketballern vermissen. Der Vertrag läuft 2012 aus. Wie gehen Sie mit dieser Situation um, denn ohne den Energieversorger wäre Erstligabasketball in Ludwigsburg nicht möglich?
Absolut. Das ist aber Chefsache. Ich weiß, dass sich der Vorstand und der Beirat des Vereins seit mehr als zwei Jahren sehr intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Für uns ist es wichtig, das Thema Basketball in Ludwigsburg weiterhin nachhaltig betreiben zu können. Die EnBW AG hat einen wichtigen Anteil, an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Vereins. Fakt ist, dass es aktuell noch keine Lösung zum Thema Hauptsponsor gibt. Viel mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Aber Sie können generell sagen, welche Probleme mit der Abhängigkeit von nur einem Sponsor mitschwingen?
Der ganze Profisport hängt heutzutage von Geldgebern aus der Wirtschaft ab, das ist keine neue Situation.

Aber in vielen Fällen beschränkt sich die Abhängigkeit nicht nur explizit auf einen Sponsor.
Natürlich ist die EnBW AG ein Partner, ohne den das hier nicht möglich wäre, ohne den wir keinen Erstliga-Basketball auf die Beine stellen könnten. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Hauptsponsor so eine Wichtigkeit hat. Wie gesagt, es ist absolut Chefsache.

Okay, kommen wir zurück auf das Parkett. Sie haben es angesprochen. Koch, Maier, Bekteshi und auch McCray entspringen der hiesigen Ausbildung. Es kommen U16-Nationalspieler nach. Die Liga hat Ihre Nachwuchsarbeit jüngst ausgezeichnet. Wie können Sie dieses Potential in Ludwigsburg halten?
Die Jungs brauchen ein Umfeld, in dem sie spüren: Ich komme weiter. Die schulische und die basketballerische Ausbildung müssen gut sein. Hier sind wir auf einem guten Weg. Wir haben ein Spitzensportteam bei den Trainern, wir haben ein Internat, insgesamt eine sehr gute Grundlage. Die medizinische Profiabteilung kümmert sich auch um den Nachwuchs. Die Plattformen JBBL, NBBL und Regionalliga helfen bezüglich der Spielpraxis. Und dann kommt der entscheidende Punkt, ob sie sich in der Pro A in Kirchheim oder in der Bundesliga bei uns durchsetzen. Wenn ein Spieler wie David spielt, dann gibt es Motivation in das ganze Programm. Auch ein Spieler wie Tim Koch hat gezeigt, dass man mit einer guten Einstellung sehr weit kommt. Und wenn ein 17-Jähriger wie Bekteshi im vergangenen Jahr aufs Feld kommt, wird den Jungs klar: Da gibt es einen Weg. Hinzu kommt das nötige Vertrauen der Trainer. Nur so gelingt es uns als Verein, mit diesen Spielern langfristige Verträge zu schließen.

Sie haben früher selbst in der ersten und zweiten Liga gespielt. Wie unterscheidet sich der heutige Nachwuchs von früher?
Er hat um ein Vielfaches bessere Bedingungen als vor rund 15 Jahren. Da hat sich in Deutschland sehr viel getan. Schon die Ligen JBBL und NBBL bringen die Vereine dazu, das Ganze professioneller anzugehen. Auch die Sportinternate gab es in der Form nicht. Dadurch ist die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport besser geworden. Aber dadurch hat sich die Einstellung natürlich auch geändert. Wir vermitteln daher immer wieder, dass sich die Prinzipien, wie man im Sport erfolgreich ist, nicht ändern. Dirk Nowitzki ist hier das beste Beispiel. Er hatte auch immer ein gutes Umfeld, aber er selbst hat immer noch mehr getan. Die besten Trainer, das beste Umfeld, die besten Bedingungen machen noch lange keinen guten Spieler. Der Spieler macht sich immer auch selbst. Wenn schon viel da ist, ist der Antrieb, sich etwas zu holen etwas kleiner. Aber die Jungs verinnerlichen schon, dass man selbst sehr viel tun muss – auch dank solcher Beispiele wie Nowitzki.

Die Zukunft sieht gut aus in Ludwigsburg. Aber steht die aktuelle Mannschaft nach vier Spielzeiten ohne den Einzug in die Playoffs nicht schon unter Druck, um nicht Gefahr zu laufen, dass Basketball in Ludwigsburg bald nur noch eine Nebenrolle spielt?
So dramatisch würde ich es nicht formulieren. Ludwigsburg hat ein fachkundiges Publikum. Das kann schon beurteilen, wie eine Mannschaft spielt, ob sie Kampf, Herz, Leidenschaft zeigt. Und wenn man dann Playoffs so knapp verpasst wie in der vergangenen Saison, dann ist das nicht lebensbedrohlich. Man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. In jeder Saison ist es das erste Ziel, zehn Siege einzufahren. Dann hat man in der Regel den Klassenverbleib geschafft. Und wenn wir es am Ende in die Playoffs schaffen, dann wäre es ein echter Erfolg.





Nächster Job: Klitschkos Bodyguard

11 07 2011

England war vorbereitet. Als sich die Hamburger Arena am Samstag vor einer Woche füllte, zeigten die Fans des englischen Schwergewichtsboxers David Haye, dass Menschen von der Insel unerschütterlich sind. Eine großer Teil der 14000 Briten trotzte den 14 Grad Celsius im Norden Deutschlands genauso wie dem nicht enden wollenden Regen nur in T-Shirts bekleidet. Es schien wie ein Symbol, ein Zeichen für die Unbezwingbarkeit des englischen Willens, ganz im Sinne ihres großmauligen Heros im Ring. Gebracht hat es nichts, Wladimir Klitschko siegte letztlich souverän, klaute Haye seinen Weltmeistertitel und machte die Klitschko-Vorherrschaft im Schwergewicht mit dem vierten von vier Titeln perfekt. Die spätere Ausrede Hayes mit seinem gebrochenen Zeh ist den mitgereisten Kurzhemden und -haaren aus England bestimmt peinlich gewesen.

Sie und das Drum herum sind auch der Anlass für diesen Beitrag. Er kommt auch etwas spät, aber ich wollte dennoch meine Eindrücke aus der Arena festhalten. Schließlich war es mein erste Boxkampf live vor Ort, und die Engländer sowie das Wetter machten den Event definitiv zu etwas noch Besondererem.

Nachdem ich mit meinem Bruder erstmal unseren Platz ausgekundschaftet hatte, besorgten wir uns ein Bierchen und freuten uns, dass unsere Plätze im Trockenen waren. Die Stühle auf dem Spielfeld der Arena waren zwar mit Plastikfolien bedeckt, der Sitz war somit geschützt. Das half aber nichts gegen die Regenmassen, und so war der Normalobesucher doch tatsächlich mal besser dran als der VIP-Gast, ausgenommen die ganz wichtigen. Die saßen so nah am Ring, dass dessen Abdeckung auch sie schützte. Ich dachte mir nur, dass das Wetter auch für die Boxer gewöhnungsbedürftig ist. Auch wenn diese zwei Kolosse sicherlich nicht so schnell frieren,  ist es doch ein Unterschied für die Muskeln bei 14 Grad zu arbeiten oder bei – sagen wir – 24 in einer Halle. Wie auch immer, nicht unser Problem.

Es kam Unruhe auf. Menschen huschten umher, „Buh“-Rufe bewegten sich durch die Arena. Und plötzlich lief Vitali, Klitschkos älterer Bruder, an uns vorbei. Die englischen Fans fotografierten zwar, von Schmährufen hielt sie das aber nicht ab. Er bog dann in einen Zuschauerblock, die Besuchermasse verdichtete sich, wir also auch hin. Er gab dann aber nur ein Fernsehinterview mitten in einem Stadionblock. Als wir schon gehen wollten, rührte sich das Stadion wieder – man sieht nichts, hört aber irgendwas näherkommen und sieht förmlich eine Bewegungswelle in der Masse. Und dann lief er nochmal direkt an mir vorbei. Imposant ist ja schon, dass er wirklich ein Riese ist, aber viel spannender waren letztlich die Bodyguards um Klitschko. Zwar nur halb so groß, aber teilweise doppelt so breit. Und dann dieses Gockelgehabe. Die Leute wegschucken, böse gucken, sich ganz wichtig nehmen. Als ob man sich einem Vitali Klitschko freiwillig in den Weg stellt. Aber danke für die Unterhaltung.

Auf ging’s zu den Sitzplätzen. Ein bisschen hatte ich mich schon gewundert, dass auf den Karten „sichtbehindert“ stand, aber keine Behinderung zu sehen war. Als drei Engländer – ja, auch sie waren kurzhemdig und -haarig, zudem wäre eine Bewerbung als Klitschko-Bodyguard jedenfalls nicht am Körperbau gescheitert – auf unsere Sitzen beharrten, zückte ich voller Überzeugung die Tickets, um sie über das Missverständnis aufzuklären. Tja, dumm nur, dass England dieses Duell verdient für sich entschied. Falscher Block. Man hätte mein Grinsen auch mit einem freundlichen „Du-bist- einfach-zu-dämlich-Nicken“ quittieren können, aber der Inselkollege blickte mich nur emotionslos an. Um die Stimmung aufzuheitern, wollte ich schon sagen „Das ist aber Euer einziger Sieg heute“. Ich glaub, die Idee war nicht ganz so schlagfertig, aber das liest sich jetzt besser. Jedenfalls fehlten mir auf die Schnelle ohnehin die englischen Vokabeln. Vielleicht hatte ich auch nur Schiss. Auf den neuen Plätzen beeinträchtige zwar tatsächlich ein Ringpfosten teilweise die Sicht, gestört hat das aber kaum, weil dafür die Anzeigetafeln aushalfen. Außerdem wiegten wir uns nun zwischen Klitscko-Fans in Sicherheit. Und die Engländer in der übernächsten Reihe sahen recht friedlich aus.

Daher auch umso innbrünstiger „Klitschko“ geschrien. Schon hier hatte Wladimir einen klaren Vorteil, hört sich „Haye“ einfach nicht so gut an, und die Intonation einer Stadionmeute macht eine  Pause zwischen Klitsch und ko, die Lieblingsabkürzung eines Boxfans. Die Zeit schritt mit Klitschko-Rufen voran. Die Engländer sangen dem mit einem „He is going down“ entgegen. Auch bei ihrer Hymne waren sind mit Herzblut dabei. Da war das deutsche Publikum bei der ukrainischen schon um einiges textunsicherer. Egal: Was zählt, ist im Ring.

Den wollte dann Haye doch tatsächlich nicht aufsuchen. Eine Mischung aus Angst vor dem Ausbleiben des Kampfes und Häme gegenüber den Engländern, was für ein Weichei ihr Held doch sei, durchfuhr zumindest mich. Professionell haben die Veranstalter auf die Verzögerung reagiert. Als Haye dann urplötzlich und ohne Vorwarnung in die Arena lief, wurde auch umgehend wieder der Einlaufsong eingespielt. Das Bodyguard-Spektakel ging in die nächste Runde, doch diesmal stieß auch Haye selbst einen Zuschauer weg. Eine Bewerbung als Klitschko-Bewacher? Wladimir marschierte dann nicht nur mit den Feuerstößen, die schon bei Haye bis auf die Ränge hinauf für Wärme sorgten, sondern auch mit Feuerwerk auf dem Arena-Dach ein. Einfach abartig und pervers, diese Boxinszenierung, Haye ertrug es in einer Rettungsdecke eingewickelt. Sinnbild? Und dann Auftritt Michael Buffer, der wegen eines Satzes Gold scheißt. Sind aber auch ganz große 20 Buchstaben. Ehrlich.

Also Ring frei für Runde eins. Über den Kampf kann man nicht so viel sagen. Haye war schnell, aber zu mutlos. Klitschko kämpfte souverän und gewann verdient. Dass er danach aber fast übler aussah als der Engländer, zeugt von dessen guter Leistung. Gereicht hat es dennoch nicht. Auch die „Klitschko“-Rufe überstimmten die „Haye“-Anfeuerungen. Beide Fangesänge nahmen aber von Runde zu Runde ab, sodass Vitali ab dem neunten Durchgang die Arena klatschend animieren musste. Auch der letzte Aufschrei der Ko-Fans in der abschließenden Runde, sozusagen der letzte Hoffnungsbrüller auf einen Höhepunkt ändert nichts daran, dass so ein Boxkampf auch live vor Ort doch schnell seine Faszination verliert. Schließlich sind es hauptsächlich doch nur taktische Tänze zweier Kolosse – in diesem Fall über 36 Minuten. Umso wichtiger ist daher der Event drum herum.  Daher würde ich solch ein Ereignis unterm Strich auf jeden Fall empfehlen. Am besten mit englischen Fans. Die sind immer bereit.





Bambi, Abstiegsangst und die düsteren Zeiten des VfB Stuttgart

24 02 2011

„Alles Hase“ war der Titel einer Mail, die mich kürzlich erreichte. Ein Kumpel aus Stuttgart schickte mir ein paar Bilder, die die prekäre Lage des VfB schauderhaft, ehrlich, brutal, (hellseherisch) – in jedem Falle irgendwie passend – illustrieren. Jetzt erst aber einmal zu den aktuelleren Tatsachen, bevor es um die Hasen geht.

Der VfB Stuttgart – Stolz, Liebe, Leid der Landeshauptstadt, zumindest außerhalb der Kickers-Gemeinde – ringt in dieser Saison bekanntlich um den Klassenerhalt. Die ursprünglichen Saisonziele waren andere, die Macher aber auch. Erst lief Horst Heldt plötzlich nach Schalke über und versteckt sich seither nicht nur hinter seiner neuen Brille sondern auch hinter dem Großmonarch Felix Magath. Somit hatte Heldts Nachfolger Fredi Bobic – sagen wir mal – nicht die optimalen Vorbereitungsbedingungen, die Zeit war sehr knapp. Hinzu kamen schmerzliche Abgänge (Jens Lehmann, Alexander Hleb und vor allem Sami Khedira), die nicht gleichwertig ersetzt wurden.

Und nachdem es mit dem Schweizer Trainer Christian Gross nicht mehr klappte, durfte Jens Keller kurzzeitig vom Assistenz- auf den Chefsessel, ehe Bruno Labbadia die neue Klassenerhaltshoffnung im Traineramt war. Nun half das alles nicht viel, die Situation hat sich keineswegs entspannt. Stuttgart ist in der Bundesliga Vorletzter, punktgleich mit dem Tabellenschlusslicht Mönchengladbach, vier Zähler hinter dem ersten Nichtabstiegs- und dem Relegationsplatz.

Auch angebliche Blockadenlöser, Aufholjagdsstartschüsse, psychische Befreiungsschläge wie der Erfolg beim direkten Konkurrenten Gladbach (3:2 nach 0:2-Rückstand) brachten keine Wende, auf den wertvollen Sieg folgten drei Niederlagen – zu Hause gegen Nürnberg (1:4), in Lissabon (1:2), in Leverkusen (2:4). Wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass sich die Leistung der VfB-Spieler deutlich besserte.

Was wiederum nichts hilft, wenn man dennoch verliert und dann auch noch ein Baukran an der heimischen Stadionbaustelle (Umbau in eine reine Fußballarena) Teile des Dachs und des Rasens (die Angaben variieren zwischen 130 und 250 Quadratmeter) zerstört und den misslichen Gesamtzustand irgendwie auf zynische Art und Weise karikiert.  2000 Sitzplätze bleiben somit für das heutige (24.2.11) Europa-League-Rückspiel gegen Benfica Lissabon gesperrt. Als noch schlimmer könnte aber die Zerstörung einiger bereits fertig gestellter Tribünenteile interpretiert werden. Quasi als Bild des herannahenden Abstiegs, schließlich bräuchte der VfB in Liga 2 nicht mehr ganz so viele Stadionplätze. Die schwäbischen Leichtathletikfans werden schon gehässig die Hände reiben, schließlich kostete der Umbau die Tartanbahn in der Arena.

In diesem Zusammenhang soll Jörg Klopfer, der Sprecher der Stadiongesellschaft in Stuttgart, erwähnt werden. Nicht weil er durch den Unfall, bei dem ein Kranführer zwar verletzt aber schließlich glimpflich davongekommen ist, in fast allen Medien zitiert wird, sondern weil sich sein Nachname als Überleitung zum Foto meines Kollegen eignet. Schließlich kennen wir ja alle BAMBI, das süße Reh, dessen guter Freund Klopfer stets und ständig als treuer Begleiter an Bambis Seite herumhoppelte und folglich ein Hase ist. Bevor nun aber wohlige Kindheitserinnerungen aufkommen, möchte ich Euch wiederum an den Ernst der Lage des VfB erinnern.

Schließlich trägt dieser (Nachnamens-)Umstand eine gewisse Ironie in sich, denn dass der Sprecher der Stuttgarter Stadiongesellschaft Klopfer heißt und in dieser abstiegsbedrohlichen Situation über Absturzvorgänge berichten muss ist vor allem interessant, wenn man sieht, was mit Hasen im Umfeld des VfB passiert.

Auf dem Schal steht übrigens: "Niemals 2. Liga!"

Sprich: Nicht nur die Leistungen des Teams sondern auch die Vorfälle um den Proficlub herum (Kransturz, toter Hase) scheinen in diesen düsteren Tagen wie böse Vorboten des Super-Gaus 2. Liga. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft angetrieben von der Abstiegsangst besser und vor allem erfolgreicher spielt, um mit einem Weiterkommen in der Europa League und besonders der Rettung in der Bundesliga nicht nur die Hasenseele sondern auch die der Fans zu balsamieren. In diesem Sinne: Hase tot, alles gut!