VfB mit schmeichelhaftem Remis

22 04 2012

Die Punkte geteilt: der VfB Stuttgart hat beim Abstiegskandidaten 1. FC Köln 1:1 (0:0) gespielt. Im Vorfeld der Partie hatte der VfB-Trainer Bruno Labbadia ein Kampfspiel angekündigt. „Es geht nicht mit Schönspielerei, wir müssen dagegenhalten und gleichzeitig ruhig bleiben“, sagte er am Ende einer Woche, in der die Mercedes-Benz-Bank als neuer Hauptsponsor eingestiegen ist, Matthieu Delpierres Abgang nach Hoffenheim und die Vergabe der Fernsehrechte ab der Saison 2013/2012 bekannt gegeben wurden und die Wappendebatte beim VfB wieder aufkeimte.

Das war zumindest mal die folgerichtige Vorgabe, schließlich sprach Kölns Interimstrainer Frank Schaefer vor seinem ersten Heimspiel an der Seitenlinie in dieser Saison vom „Ziel, Stuttgart einen großen Kampf zu liefern und zu punkten“. Insgesamt war das dann auch auf dem Rasen im mit 50.000 Zuschauern ausverkauften Kölner Rheinenergie-Stadion zu sehen. Der Kampft überragte die spielerischen Finessen und Stuttgart punktete am Ende etwas glücklich.

Spielverlauf: Das Spiel begann zerfahren, Fehlpässe dominierten in den Anfangsminuten das Geschehen. Die erste Chance hatten die Stuttgarter nach einem Eckball, den Vedad Ibisevic mit seinem Schuss aus der Drehung abschloss. Doch Michael Rensing im Kölner Tor hatte keine Probleme (5. Minute). Nach zehn Minuten hatte die Heimmannschaft ihren ersten Eckstoß. Sven Ulreich im VfB-Tor unterschätzte diesen, sprang unter der Flugbahn des Balles hindurch, die aber auch für den heraneilenden FC-Vizekapitän Sascha Riether zu hoch war.

In der Folgezeit übernahm der VfB immer mehr die Kontrolle, ohne sich Tormöglichkeiten zu erspielen. Köln wirkte zwar auch mit, fiel aber besonders durch Fehlpässe auf. Die Tabellenpositionen – der FC kämpft um den Klassenverbleib, Stuttgart um die Europa-League-Teilnahme – und die damit verbundenen Drucksituationen waren erkennbar: der VfB souverän, Köln nervös. Der Geißbock meckert Der erste Kölner Torschuss, der zumindest in Richtung Sven Ulreich flog, kam von Christian Clemens, sorgte aber durch seine Höhe nicht für Gefahr (27.).

Dann war der Japaner Gotoku Sakai an der Außenlinie zu nachlässig gegen Lukas Podolski, der sich den Ball eroberte, einen Angriff einleitete und diesen nach einer Flanke selbst mit dem Kopf abschloss, Ulreich aber keine Probleme bereitete (28.). In der 30. Spielminute meckerte dann das FC-Maskottchen Hennes, ein Geißbock, über die Stadionlautsprecher und der Führungstreffer des 1. FC Kaiserslautern beim direkten Kölner Abstiegskonkurrenten Hertha BSC wurde auf der Anzeigetafel eingeblendet – die Zuschauern jubelten, zumindest die Kölner.

Köln übernimmt die Kontrolle

Den Freude der Fans münzten die Kölner auf dem Rasen in Schwung um, bissen sich in die Zweikämpfe und der ehemalige Stuttgarter Martin Lanig hatte die bislang beste Chance des Spiels. Sein Schuss rollte aber Zentimeter am linken Pfosten vorbei (32.). Kurz darauf erneut ein mutiger Lanig: der Mittelfeldspieler marschierte mit dem Ball am Fuß durch die gesamte Stuttgarter Hälfte, passte aber bei einer Vier-zu-Drei-Überzahlsituation den falschen Mitspieler, nämlich den im Abseits stehenden Podolski an.

Köln hatte jetzt das Kommando übernommen, Stuttgart fabrizierte die Fehlpässe, ließ den Kölnern zu viel Freiraum, nahm den Kampf zu wenig an, spielte zu statisch. Der VfB-Trainer Bruno Labbadia schimpfte dementsprechend an der Seitenlinie, die Kölner Fans peitschten ihre Mannschaft nach vorn – und nach 41 Minuten meckerte Hennes zum zweiten Mal. Köln glaubte wieder an sich, Stuttgart wackelte.

VfB mit vielen Ballverlusten

Die Rheinländer zeigten das Engagement und die Bewegung, die sie in den vergangenen Wochen vermissen ließen. Der Interimstrainer Schaefer schien wie schon in der vergangenen Saison, als er mit dem FC den Klassenverbleib schaffte, die richtigen Worte gefunden zu haben. Stuttgart nahm nicht wirklich teil, verlor das Spielgerät nach einem Ballgewinn umgehend wieder. Die letzte Chance vor dem Pausenpfiff hatte dann auch Köln. Podolski bekam im Stuttgarter Strafraum den Ball vom Sakai in die Füße gespielt, sein Schuss verfehlte das Tor aber.

Von der Treffsicherheit der Schwaben in der Rückrunde wie beim 4:1-Heimsieg gegen Bremen am vorigen Spieltag war nichts zu sehen. Immerhin ist der VfB mit 36 Treffern als das torgefährlichste Team der Rückrunde nach Köln gereist. Das blieb er aben den mitgereisten Fans in der ersten Hälfte schuldig.

Stuttgart schlampig, Köln mit der Führung

Die zweite Hälfte begann dann mal wieder mit zwei Stuttgarter Angriffen. Den zweiten vertändelte Cristian Molinaro aber so, wie der VfB in der ersten Hälfte gespielte hatte: unkonzentriert, schlampig und nicht zielstrebig genug. Im Gegenzug zeigte Köln, wie es besser geht. Bei Clemens‘ Schuss musste sich Ulreich ganz lang strecken, um den Ball gerade noch am Tor vorbeizulenken (49.).

Eine Minute später war der Stuttgarter Schlussmann dann aber chancenlos. Mato Jajalo und Podolski kombinierten sich mit einem Doppelpass durch die VfB-Abwehr und der deutsche Nationalspieler passte hart in die Mitte – vielleicht wollte er auch auf das Tor schießen – und Slawomir Peszko schob ins leere Tor ein. Das Stadion brodelte.

Cacau mit der besten VfB-Chance

Wenig später zeigte dann auch Molinaro, wie es geht, setzte sich auf der linken Außenbahn schön durch, flankte scharf in die Mitte – doch Kölns Kapitän Geromel entschärfte den Ball gerade noch vor dem kopfballbereiten Vedad Ibisevic. Drei Minuten nach seiner Einwechslung hatte dann Cacau die bis dahin beste Stuttgarter Chance. Der Nationalstürmer umkurvte zwei Kölner im Strafraum, kam aber erst knapp vor dem herauseilenden Rensing zum Schuss, so dass er diesen anschoss.

Es war nun mehr Leben im Spiel. Das lag aber weiterhin vor allem an den Kölnern. Miso Brecko schraubte mit seinem Versuch das Torschussverhältnis auf 15:6 für die Heimmannschaft in die Höhe (66.). Doch der VfB war dennoch präsenter als vor der Pause, das Kölner Tempo war nicht mehr ganz so hoch wie in der ersten Hälfte. Die Intensität forderte zunehmend ihren Tribut.

Prompt setzte sich Cacau erneut im Kölner Strafraum durch, spitzelte den Ball diesmal an Rensing vorbei, das Spielgerät prallte vom rechten an den linken Innenpfosten und rollte – weil es so viel Effet hatte – über die Torlinie. 1:1 (71.), das Ergebnis der leicht verbesseren Leistung, aber dennoch schmeichelhaft für den VfB. Doch Köln war keineswegs geschockt. Nur zwei Minuten später schnappte sich Clemens links außen den Ball und schloss beherzt ab. Sein Versuch landete am Außennetz.

Nun passierte zehn Minuten nichts Aufregendes, die Partie verlief ruhig, bis Cacau in der 84. Minute aus 16 Metern abzog und Rensing gerade noch auf der Linie klärte. Drei Minuten vor dem Ende der offiziellen Spielzeit durfte Ibisevic dann nochmal zum Freistoß kurz vor der Strafraumgrenze antreten. Sein Versuch endete im Fangnetz über dem Tor. Köln schien mit dem Remis zufrieden, jedenfalls blieb die Schlussoffensive des FC aus und Stuttgart machte auch nichts mehr.

Der Vorsprung des VfB auf den Tabellensechsten Leverkusen schmolz damit auf zwei Zähler, weil Bayer in Hoffenheim gewann. Köln verpasste indes einen großen Schritt weg vom vorletzten Tabellenplatz, der FC vergrößerte seinen Vorsprung auf Berlin, das 1:2 verlor, zwar, aber nur auf zwei Punkte. Es bleibt also für die Schwaben und die Rheinländer spannend.

Entscheidende Szene: Cacau brannte auf seinen Einsatz. Das zeigte der Stürmer sofort nach seiner Einwechslung, als er sich gleich mal im Strafraum durchsetzte und eine gute Chance vergab. Doch Cacau machte weiter und traf in der 71. Spielminute zum Ausgleich. Das Tor stellte nicht nur den Spielverlauf auf den Kopf, sondern brachte auch das Kölner Offensivspiel zum Stocken. Insofern hat es der VfB besonders seinem Nationalstürmer zu verdanken, dass er einen Punkt aus Köln mit nach Stuttgart bringt.

Kommentar: Stuttgart legte gemächlich aber souverän los und bestimmte das Geschehen auf dem Rasen des Kölner Stadions. Gute Tormöglichkeiten erarbeitete sich das Team von Bruno Labbadia aber nicht. Mit zunehmender Spieldauer hielt der VfB dann jedoch immer weniger mit der Kampfbereitschaft der Kölner mit. In die Fehlpässe mischten sich Unkonzentriertheiten und mangelhaftes Zweikampfverhalten – Georg Niedermeier ausgenommen -, sodass der FC die Spielkontrolle übernehmen konnte.

Die Stuttgarter hatten es der Kölner Abschlussschwäche zu verdanken, dass sie mit einem torlosen Remis in die Pause gehen konnten. Nach dieser erarbeitete sich Köln dann schnell den verdienten Führungstreffer. Doch Stuttgart wachte nun auf, spielte mit, wurde aktiver, nahm den Kampf mehr an. Die Leistung war weiterhin nicht annähernd so gut wie in den vergangenen Wochen, doch es reichte für den Ausgleich durch Cacau. Am Ende hatten die Stuttgarter Einwechslungen – besonders die von Cacau – das VfB-Spiel belebt und Köln aus dem Rhythmus gebracht. Nichtsdestotrotz ist das Remis aus Stuttgarter Sicht schmeichelhaft. Das zeigten auch die 19 Torschüsse der Kölner, die damit ihren Saisonrekord aufstellten.

1. FC Köln: Rensing – Brecko, McKenna, Geromel, Eichner – Lanig, Riether – Peszko (79. Roshi), Jajalo (79. Pezzoni), Clemens, Podolski.

VfB Stuttgart: Ulreich – Sakai, Tasci (82. Maza), Niedermeier, Molinaro – Kvist, Gentner – Harnik (69. Okazaki), Hajnal, Schieber (57. Cacau) – Ibisevic.

Schiedsrichter: Sippel (München).

Zuschauer: 50.000 (ausverkauft).

Tore: 1:0 Peszko (50.), 1:1 Cacau (71.).

veröffentlicht auf www.stuttgarter-zeitung.de (21. April 2012)

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