Basketballer schaffen Klassenverbleib

22 04 2012

Ludwigsburg besiegt Würzburg nach Verlängerung  Ludwigsburg.

Das Ziel war klar: „Mit zwei Siegen aus den letzten beiden Saisonspielen können wir den Klassenerhalt immer noch aus eigener Kraft schaffen“, hatte Steven Key, der Trainer des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg, vor dem letzten Heimspiel der Saison gegen die s.oliver Baskets aus Würzburg gesagt. Er hoffte dabei vor allem auf die Unterstützung der Fans und einen „Hexenkessel“ in der heimischen Arena. Vor 4500 Zuschauern ging der Plan auf, sogar früher als gedacht. Schließlich gewann Ludwigsburg mit 91:80 (37:37, 75:75) nach Verlängerung und parallel Bonn gegen Gießen, sodass schon am Samstagabend fest stand, dass Ludwigsburg auch in der kommenden Saison erstklassig spielt.

Spielverlauf: Die erste gute Nachricht für die Ludwigsburger ereilte das Heimteam noch vor dem Tipp-off. Würzburgs Jason Boone war nicht dabei, und die mehr als 300 mitgereisten Fans der Franken konnten ihrem Centerspieler nicht auf dem Parkett zujubeln. Sie durften sich dennoch über den gewonnen Sprungball und die ersten beiden Punkte des Spiels durch den erst 20-jährigen Maximilian Kleber freuen. Die Ludwigsburger wirkten zu Beginn nervös. Ein vergebener Freiwurf von Jeff Greer und ein Ballverlust von Alex Harris waren Indizien dafür. Nach dreieinhalb Minuten führten die Gäste mit 11:3, der Boone-Ersatz Kleber hatte bereits sieben Punkte erzielt und Ludwigsburgs Trainer Steven Key nahm die erste Auszeit.

Das hatten sich die meisten der 4500 Zuschauer in der zum zweiten Mal in dieser Saison ausverkauften Arena anders erhofft.

Würzburg verteidigt besser

Nachdem Würzburg weiter punktete, setzte Mark Dorris mit einem Distanztreffer mal wieder ein Ludwigsburger Lebenszeichen (13:6). Doch die Franken waren wacher, cleverer, effektiver, besser in der Verteidigung und zogen weiter davon (20:8). Nachdem David McCray dann auch noch zwei Freiwürfe vergab und Harris ein unsportliches Foul beging, der Schiedsrichter eine enge Entscheidung gegen Ludwigsburg traf, fühlten sich einige in der Arena wohl schon wieder an den schlechten Verlauf der gesamten Saison, in der auch ein Trainer schon gehen und das Ende der Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor verkündet werden musste, an desolate Viertel wie das dritte in Bremerhaven oder besonders bittere Niederlagen wie die nach zweifacher Verlängerung gegen die Artland Dragons erinnert.

Doch dann klauten Harris und McCray den Würzburgern den Ball und punkteten für das Heimteam – sodass der Gästetrainer John Patrick beim 12:24 aus Ludwigsburger Sicht seine erste Auszeit nahm. Und Keys Mannschaft blieb dran, kämpfte nun, wie es ein Club im Abstiegskamf machen muss. Sie sind ja bezogen auf die statistischen Werte besser als ihre Tabellensituation, aber gewannen am Ende eben doch zu selten. Auch die letzten drei Punkte im Startviertel gehörten dem Gegner, Würzburgs Kleber erhöhte sein Punktekonto auf elf – ebenso die Führung seiner Mannschaft (28:17).

Key ist energisch

Im zweiten Abschnitt war Key an der Seitenlinie beinahe aktiver als seine Spieler. Jedenfalls schrie und gestikulierte der Trainer mehrfach, versuchte immer wieder taktische Anweisungen zu geben. Der Energiefunke sprang über, Ludwigsburg kam mit einem 6:0-Lauf auf sieben Punkte heran (25:32) und Patrick nahm seine zweite Auszeit. Doch nun meckerten die Heimfans erneut, Greer wurde von John Little unterlaufen, auch wenn dieser ausrutschte, die Schiedsrichter entschieden auf Ballbesitz Würzburg, Greer beschwerte sich – und kassierte ein technisches Foul. Ricky Harris traf nur einen Freiwurf zum 37:28, doch die Pfiffe hallten noch eine Weile durch die Arena.

Diese wichen Applaus und Anfeuerungsparolen, als Anthony Fisher mit einem Korbleger, McCray mit einem Dreipunktetreffer und Jazvin mit zwei weiteren Zählern die Differenz auf zwei Punkte reduzierten (35:37). Als dann Würzburgs Chester Frazier zwei Freiwürfe vergab, tobte die Halle – und das war noch immer nicht das Ende dieser dreieinhalb Ludwigsburger Minuten. Denn Dorris schaffte mit einem erfolgreichen Halbdistanzwurf den Ausgleich zur Halbzeit.

Ludwigsburg übernimmt erstmals die Führung

Nach der Pause sorgte Dorris für die erste Führung (39:37), Ludwigsburg kontrollierte das Spiel, brachte die eigenen Spielsysteme erfolgreich zu Ende. Würzburg hingegen musste in der Offensive nun auch schwierige Würfe nehmen, weil die Heimmannschaft gut verteidigte. Bei 47:41 für Ludwigsburg holte Patrick sein Team zu einer Besprechung an die Seitenlinie, Würzbug hatte das Spiel vollkommen aus der Hand gegeben, ließ sich aber nicht abschütteln. Es war nun ein offener Schlagabtausch, die Würzburger fingen sich zunehmend, die Mannschaften agierten auf einem ähnlichen Leistungsniveau, Ludwigsburg blieb aber immer knapp vorn.

Dann hatten die Ludwigsburger Glück mit zwei engen Schiedsrichterentscheidungen und die Würzburger Fans pfiffen. Matt Howard störte das insofern, dass er nur einen seiner beiden Freiwürfe traf. Weil Jermaine Bucknor im Gegenzug seinen Dreipunktewurf versenkte, kam Würzburg wieder auf einen Zähler heran (54:55). Nach einem unerlaubten Eingreifen von Jazvin durfte Oliver Clay wegen bereits fünf Ludwigsburger Teamfouls an die Freiwurflinie – und brachte die Gäste vor dem Schlussviertel wieder in Führung (56:55). Dieses startete mit einem akrobatischen Wurf von Dorris, bei dem er gefoult wurde, der Ball aber dennoch im Korb landete. Der Aufbauspieler nutzte die Möglichkeit zum Dreipunktespiel.

Greer steht im Mittelpunkt

Biss, Kampf, Energie, Spannung: die entscheidende Phase – in der Fachsprache Crunchtime genannt – begann langsam. Greer schrie nach einem Treffer seinen Gegenspieler an, Lischka boxte gegen die Korbhalterung, nachdem er gefoult wurde. Ludwigsburg wollte diesen Sieg unbedingt. Beim Spielstand von 66:59 für Ludwigsburg zog Greer ein Offensivfoul und Würzburg nahm eine Auszeit. Doch gleich danach brachte McCray den Einwurf weit nach vorne zu Greer, der unsportlich gefoult wurde.

„Aufstehen“-Chöre in der Arena waren die Folge. Jeff Greer stand nun zunehmend im Mittelpunkt, erzielte auch das 69:63, aber die Franken blieben dran. Doch nach einem technischen Foul gegen Chris Kramer verwandelte Dorris beide Freiwürfe und traf auch nach dem folgenden Ballbesitz: 73:66 und noch 1:29 Minuten auf der Uhr. Doch es wurden spannende 89 Sekunden, in denen Würzburg erst auf 71:73 herankam und dann 18,6 Sekunden vor der Schlusssirene ausglich. Greer vergab den letzten Wurf – er wurde geblockt – und es ging wie schon im vorigen Heimspiel in die Verlängerung.

Die Führung wechselt hin und her

In der Extratime ging Würzburg seit langem mal wieder in Führung und Howard vergab den ersten Wurf für Ludwigsburg. Es ging dann hin und her, mal lag Würzburg vorn, mal Ludwigsburg. Greer und Co. setzten sich etwas ab, doch die Nerven spielten auch mit. Lischka vergab beide Freiwürfe beim Stand von 83:79 und noch anderthalb Minuten Spielzeit. Dann war wieder Greer-Time: Ballverlust, Fehlwurf und Ballverlust Würzbug, Dunk Greer, unsportliches und technisches Foul gegen Würzburg, 89:79. Der Nichtabstieg war geschafft, weil Gießen parallel gegen Bonn verlor. Das Endergebnis lautete 91:80.

Kommentar: Es war mal wieder ein typisches Spiel für die Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer in der Saison 2011/2012. Auf ein schlechtes erstes Viertel, dass die Mannschaft des Trainers Steven Key offensiv wie defensiv verschlief, in dem sie nicht kämpferisch genug agierte und Ballverluste fabrizierte, folgte eine beeindruckende Aufholjagd gegen Ende des zweiten Durchgangs. Greer und Co. waren in dieser Phase fokussierter, konzentrierter, effektiver, gewillter – einfach besser, was das 20:9 bestätigte.

Mit der Unterstützung der Fans im vom Key erhofften und eingetretenen „Hexenkessel“ – zum zweiten Mal in der Saison war die Arena mit 4500 Zuschauern ausverkauft – glich Ludwigsburg zur Pause verdient aus. Sie hatten immerhin auch ein unsportliches und ein technisches Foul in der ersten Hälfte weggesteckt, nicht aufgegeben, an sich geglaubt und die Anfangsnervosität abgelegt. Weil im dritten Durchgang auch die Spielsysteme funktionierten, richtig und erfolgreich umgesetzt wurden, übernahm Keys Team erstmals die Führung – verdient. Doch nach einer Schwächephase wachte Würzburg wieder auf, gestaltete die Partie ausgeglichen. Weil sich beide annähernd egalisierten, wurde es abermals im Schlussviertel spannend.

In diesem blieb Ludwigsburg dran, kämpfte um jeden Meter – und besonder Jeff Greer riss das Spiel an sich. Der Routinier sorgte mit seiner Leistung maßgeblich für die zunehmende Führung, die Würzburg gegen Ende aber wieder ausgleich, weil Ludwigsburg im entscheidenden Moment nicht konsquent und geplant spielte. In der Verlängerung passierten die verrücktesten Dinge, am Ende grinste Greer breit, weil sein erfolgreicher Dunking ein unsportliches sowie ein technisches Foul verursachte und damit den Sieg sowie den letztlich verdienten Klassenverbleib perfekt machte.

Schiedsrichter: Weichert, Hack, Frölich.
Zuschauer: 4500 (ausverkauft).
Punkte Ludwigsburg: Greer (24), Dorris (19), Lischka (14), Harris, Howard (beide 9), McCray, Jazvin (beide 5), Fisher (4), Looby (2).
Stimmen:
Steven Key – „Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie ist immer durch Ups und Downs gegangen. Ich will jetzt aber trotzdem auch in Oldenburg gewinnen.“
John Patrick – „Ludwigsburg war heute ein bisschen besser als wir und hat verdient gewonnen.“

veröffentlicht auf www.stuttgarter-zeitung.de (21. April 2012)

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