Bombensplitter reduzieren die Einnahmen

2 02 2012

Zwei Millionen Euro fließen jährlich durch den Holzverkauf in die Stadtkasse.

Viele Stuttgarter Bäume haben ein Problem. Ihre Holzqualität ist zwar ähnlich gut wie in anderen Groß- städten, doch mit ihren Artgenossen auf der Schwäbischen Alb können sie kaum mithalten. Schuld daran sind die Bomben des Zweiten Weltkriegs, deren Splitter sich nach der Detonation in die Baumstämme gefressen haben. Das mindert die Güte des Holzes. „Es wird noch eine Weile dauern, bis wir Bäume ernten, die 100 Prozent splitterfrei sind“, sagt Michael Thiehoff, der Büroleiter des städtischen Forstamts im Stuttgarter Norden.

Derzeit werden Bäume gefällt, die 100 bis 150 Jahre alt sind. Rund 2500 Hektar Wald gehören der Stadt, in und um Stuttgart bieten zudem rund 1900 Hektar Staatswald des Landes und 300 Hektar aus Privatbesitz die Möglichkeit zur Naherholung. Mit weiteren knapp 160 Hektar Wald der Stadt Esslingen beim Katzenbacher Hof kommt der gesamte Waldbestand der Landeshauptstadt auf fast 5000 Hektar. Abgesehen von den Bombensplittern seien die Stuttgarter Bäume qualitativ „aber nicht groß anders als sonst in Baden-Württemberg“, so Thiehoff. Denn die Unterschiede der Wachsbedingungen seien nicht so gravierend, das Klima und der Boden ähnlich. Derzeit geht es den Bäumen an die Stämme, wie jüngst an der Karl-Kloß-Stra-ße. Von Ende Oktober bis Mitte März ist Holzernte.

In Stuttgart stehen vermehrt Laubbäume, bei ihnen ist das Fällen im Winter leichter und sicherer. Denn ohne die Blätter kann die Fallrichtung besser bestimmt werden. Der Forstbetriebsplan sieht vor, dass jährlich rund 30 000 Festmeter Holz geerntet werden. Diese Zahl ergibt sich aus Messungen der sogenannten Forsteinrichter, die im Zehnjahreszyklus den Durchmesser und die Höhe der Baumstämme und damit das Holzvolumen bemessen. Weil das an denselben Stellen geschieht, ist ein Vergleich im Längsschnitt möglich. 2012 werden die Messungen wieder vorgenommen, im Frühjahr geht es los. Laut Forstbetriebsplan wachsen pro Hektar und Jahr acht Festmeter im Stuttgarter Stadt- und Staatswald. Das sind insgesamt etwas mehr als 35 000 Festmeter. „Da wir in den Naturschutzgebieten und Biotopen aber bewusst Bäume stehen lassen, um das Totholz anzureichern, ernten wir nur 30 000 Festmeter“, sagt Thiehoff. Davon werde die komplette Menge wirtschaftlich genutzt – etwa für die Herstellung von Spanplatten, Holzfässern, für die Papierindustrie oder auch als Brennholz. „Die weniger wertvollen Sortimente boomen immer noch, das ist schon einige Jahre lang der Fall“, sagt Thiehoff. „Die Wertholzversteigerung ist im Februar, im vergangenen Jahr haben wir da gute Preise erzielt.“

40 bis 60 Euro bringt ein Festmeter Industrie- oder Brennholz, bis zu 500 Euro kann die Stadt bei hochwertigem, splitterund astfreiem Holz erwirtschaften. Der Durchschnittserlös liegt bei rund 70 Euro, wodurch sich ein Gesamteinkommen von rund zwei Millionen Euro ergibt. „Damit wird ein beachtlicher Teil der Bewirtschaftungskosten abgedeckt“, sagt Thiehoff. Ohne den Holzverkauf müsste die Stadt deutlich mehr Geld ausgeben für die Instandhaltung der Erholungsgebiete. Auch die Förster tragen zur Steigerung des Erlöses bei, indem sie die Bäume richtig „erziehen“. Astfrei werden Bäume entweder durch eine dichte Bepflanzung. So erhalten sie wenig Sonne, die Äste sterben ab. Bei älteren Bäumen werden die Äste fachmännisch abgesägt. In beiden Fällen wächst der Stamm dann ohne die Fortsätze weiter in die Breite, die Holzqualität steigt.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (1. Februar 2012)

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