Ulmer Basketballer hoffen auf Erleuchtung

8 12 2011

Der Bundesligist zieht am Samstag in seine neue Halle um – der hellsten in ganz Deutschland.

Martina Kreyser hat am 17. Oktober eine besondere Karte in die Hände bekommen. Der Basketballprofi John Bryant überreichte der Ulmerin das erste Ticket für die Premiere des Bundesligisten Ratiopharm Ulm in der gleichnamigen Arena. Am Samstag (18 Uhr/Sport 1) empfängt der Club die EWE Baskets Oldenburg – vor 6000 Zuschauern. „Eine neue Zeitrechnung hat begonnen“, sagt Andreas Oettel, der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer. „Bisher waren wir nicht wirklich konkurrenzfähig.“

Auf dem Parkett verloren die Ulmer Profis zwar den ersten Sprungball in der neuen Spielstätte, gewannen aber das Testspiel gegen den Zweitligisten Kirchheim Knights mit 110:68, zu dem die 2450 Dauerkartenbesitzer eingeladen waren. Sie durften schon einmal die Halle erleben, auch wenn noch nicht alles fertig war – wie beispielsweise die Kabine des Heimteams. Ein großes Vereinslogo, die Spinde in der Clubfarbe Orange-Schwarz sowie eine stufenweise Beleuchtung sollen dort für die richtige Vorbereitung und Konzentration sorgen.

„Hier wird eine neue Kultur entstehen“, sagt der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner. „Das ist eine neue Epoche des Ulmer Basketballs, und der Ritterschlag wäre es, wenn irgendwann einmal von der Ulmer und Neu-Ulmer Basketballatmosphäre gesprochen wird.“ Die neue Multifunktionsarena steht auf bayerischem Boden, in Neu-Ulm, doch die beiden Städte verstehen sich als „gemeinsamer Lebensraum“, wie der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg sagt.

Die Zahlen des Fortschritts sind eindrucksvoll. Schon vor der laufenden Saison haben die Ulmer Basketballer ihren Etat um rund 80 Prozent auf drei Millionen Euro erhöht. Die Premiere in der neuen Arena war innerhalb von vier Stunden ausverkauft, das Spiel gegen Bayern München sogar in 120 Minuten. Andreas Oettel rechnet mittelfristig mit 3000 bis 3500 Dauerkartenbesitzern. Das wäre mehr als der gesamte Zuschauerdurchschnitt beim Ligakonkurrenten EnBW Ludwigsburg, der seit dem Umzug in seine neue Arena gegen eine zu geringe Auslastung kämpft.

Oettel ist überzeugt, dass das in Ulm nicht passieren wird. „In unserer Region herrscht ein Mangel an Wettbewerb, wir haben ein großes Einzugsgebiet, die Kuhberghalle ist seit fünf Jahren überlastet.“ Die jetzige Kalkulation von 4500 Zuschauern im Durchschnitt wäre langfristig „kein Erfolg“. Zuversichtlich stimmt den Geschäftsführer derzeit auch die sportliche Situation. Ulm rangiert mit erst zwei Niederlagen nach zehn Partien auf dem zweiten Tabellenplatz, punktgleich mit dem Meister aus Bamberg. Ein weiterer Pluspunkt: Ulm absolvierte den Großteil der bisherigen Saisonspiele (sieben) auswärts.

Auch wenn die Mannschaft die neue Arena, das neue Parkett, das neue Licht und die neue Atmosphäre erst noch kennenlernen muss, so werden die zahlreichen Fans die Eingewöhnung beschleunigen, hofft jedenfalls Oettel: „Wenn es hier voll ist, wird jeder Gegner ein Problem haben.“

Die mitgereisten Anhänger der Kontrahenten aus der Basketball-Bundesliga können sich dafür aber auf schwäbische Spezialitäten freuen. Maultaschen, Kässpätzle und Co. vergrößern nämlich das herkömmliche Cateringangebot von Bratwurst, Steak und Leberkäse, das mit der Arena-Card elektronisch bezahlt werden kann.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Beleuchtung in der neuen Spielstätte. Sie ist die hellste Multifunktionsarena Deutschlands, die auch Konzerte und andere Veranstaltungen beherbergt. Dafür sorgen 220 LED-Strahler, die eine Maximalleistung von 2000 Lux erzeugen – was einer HD-fähigen Helligkeit entspricht.

Somit sind die Partien künftig auch für die Fernsehsender interessanter. Übertragungen würden den Bekanntheitsgrad des Vereins und der Spielstätte erhöhen und damit das Sponsoreninteresse steigern. Schließlich haben die Ulmer Basketballer ein hehres Ziel. „Wir wollen natürlich die Meisterfeier auf dem Münsterplatz haben“, sagte der für den Sport zuständige Geschäftsführer Thomas Stoll. Und das soll nicht mehr allzu lange dauern. Martina Kreyser wäre dann sicherlich wieder dabei.

 veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (7. Dezember 2011)

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