„Man sieht nur Wasser“

25 09 2011

Der Tübinger Wildwasserschwimmer Axel Schwedat über hohe Wellen, Steine am Flussboden und den Kick der Strömung.

Der Tübinger Schwimmtrainer Axel Schwedat (29) hat am Samstag an der 4. Internatiionalen Deutschen Meisterschaft im Wildwasserschwimmen im Ötztal teilgenommen. Er schwamm bis zur totalen Erschöpfung und sagt: „Der Reiz ist der Kampf Mensch gegen Natur.“

Herr Schwedat, was geht in einem vor, wenn man in einem Wildwasserfluss schwimmt?
Ich wusste nicht, auf was ich mich einlasse. Von außen sah es spektakulär aus. Man hat Respekt, und wenn die Knie absinken, kommen die Steine. Außerdem sieht man im Fluss überhaupt nichts, nur Wasser.

Wie läuft so ein Rennen ab?
In den rund 1,5 Kilometern mussten wir dreimal am Flussrand eine Plane berühren. Es ist sehr anstrengend, die Strömung in der Mitte zu verlassen, und wenn man das zu spät macht, hat man keine Chance mehr, zurück zu diesen Checkpoints zu kommen. Danach wieder in die Strömung zu schwimmen ist auch nicht leicht. Im oberen Streckenteil waren die Wellen hoch und der Wasserstand niedrig, unten wurde es ruhiger, und man musste anständig paddeln.

Hohe Wellen, starke Strömung und Steine: wie schützen sich die Schwimmer?
Wir haben alle einen Helm, eine Schwimmweste und einen Neoprenanzug getragen. Das war bei einer Wassertemperatur von zwölf Grad wichtig. Ich hatte auch noch Schuhe. Zum Glück, denn einige andere haben sich Schürfwunden und Verletzungen an den Füßen zugezogen. Auch eine Schutzbrille konnte man tragen.

Warum suchen Sie dieses Risiko?
Mich hat das ursprüngliche Mensch gegen Natur motiviert. Außerdem ist es reizvoll, einen Wettkampf zu bestreiten, der noch nicht so etabliert ist, und es macht unglaublich Spaß. Wildwasserschwimmen ist eine tolle Möglichkeit, einen Kick zu finden.

Auch mit einem Bandscheibenvorfall, der bei Ihnen vor zwei Monaten festgestellt wurde?
Ich habe da erst gedacht, dass ich den Wettkampf nicht machen kann. Aber die Reha lief gut, und ich habe von meiner Physiotherapeutin grünes Licht bekommen.

Mit 12:15,11 Minuten war nach dem Vorlauf Schluss, der Sieger brauchte etwas mehr als acht Minuten. Sind Sie dennoch zufrieden?
Auf jeden Fall. Es ging mir darum, ins Ziel zu kommen und keinen Checkpoint zu verpassen. Danach hätte ich ohnehin keine 100 Meter mehr schwimmen können. Aber nächstes Jahr will ich wiederkommen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (12. September 2011)

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