Zwei Windsbräute rühren ihn zu Tränen

1 06 2011

Frieder Schwarz hat sich für den Wald engagiert. Jetzt geht der Forstamtsleiter in den Ruhestand.

Zweimal ist in Frieder Schwarz „etwas kaputtgegangen“. So nennt es der Amtsleiter des Fachbereichs Forsten des Ludwigsburger Landratsamtes. Am 28. Februar 1990 stürmte Wiebke, am 26. Dezember 1999 Lothar über das Land. Die Orkane zerstörten Unmengen von Bäumen. Schwarz „kamen die Tränen“ bei den Besprechungen für die Aufräumarbeiten. Allein Lothar „fegte uns 160 000 Festmeter Holz vor die Füße“, das Aufräumen dauerte 24 Monate. Jährlich schlagen die Förster in den elf Revieren, für die er zuständig ist, lediglich 25 000 Kubikmeter.

Mittlerweile schwingen auch positive Gefühle mit. „Ich bin schon ein wenig stolz, dass wir diese Katastrophen gut bewältigt haben“, sagt der Oberschwabe und meint beispielsweise die Wiederbewaldung und das Verhindern noch größeren Schadens. Ebenso gelang ihm und seinem Team die logistische Abwicklung des Holzverkaufs, auch wenn es durch das hohe Angebot „einen Preissturz gab, dass es nur so krachte“.

Frieder Schwarz feierte vorgestern seinen 65. Geburtstag, wird heute verabschiedet und startet morgen in einen neuen Lebensabschnitt. Er war fast 24 Jahre Amtsleiter, koordinierte in dieser Zeit die Abläufe und Aufgaben der Forstreviere im Kreis, organisierte den Holzeinschlag und den Holzverkauf, verwaltete die Finanzen. Zu seinen Aufgaben zählte außerdem, Stellung zu nehmen in Belangen, die den Wald betreffen – sei es ein Straßenbau oder neue Leitungen im Baumbestand.

Schwarz erwartet nun eine „große Umstellung“. „Mir wird natürlich etwas fehlen, aber ich habe mein Soll erfüllt“, sagt der Vater zweier Töchter, der seit mehr als 15 Jahren getrennt von seiner Frau lebt. In seiner Arbeit versuchte er „keinen Stress aufkommen zu lassen“, was durch die Langfristigkeit der Entscheidungen im Forstbereich eher möglich war. „Was ich heute gestalte, erlebe ich vermutlich nicht mehr.“

Dennoch lässt er den Spruch „am schönsten hat’s die Forstpartie, der Wald der wächst auch ohne sie“ nicht gelten. Arbeit hatte er genug, im Laufe seiner Dienstzeit hat sich die Größe seines Zuständigkeitsbereichs verdreifacht, „bei gleicher Gehaltsstufe“. Daher ist er auch weniger „raus in den Wald gekommen“, war mehr „an den Schreibtisch gefesselt“, aber dennoch mit Herzblut dabei: „Ich habe die Interessen des Waldes sehr konsequent vertreten.“

Dabei schaffte es Schwarz, der Bürokratie der Beamtenwelt pragmatisch zu begegnen. „Er konnte komplexe Probleme in ein bis zwei Zeilen zusammenfassen, trotzdem war es abgearbeitet“, sagt der Büroleiter Ralf Zellin, „das wird uns fehlen.“

Auch Frieder Schwarz wird das Arbeiten ein wenig fehlen, Pläne für den Ruhestand hat er keine geschmiedet. Vielleicht wird er seinem Hobby, der Fotografie, mehr nachgehen. Zu viele Träume seien aber nicht übrig geblieben, schließlich sei er niemand, der seine Vorhaben lange aufhebt. Und wenn alles gut läuft, wird er im November als ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter des Landkreises für fünf Jahre wiedergewählt. Dann hat er weiterhin eine „große Selbstständigkeit und Verantwortung“, die er als Förster schätzte – und kann zudem verhindern, dass der Wald kaputtgeht.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (31. Mai 2011)

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