Warum steht die Ampel noch?

1 06 2011

Stau -Jede Woche lösen wir ein Rätsel des Alltags. Heute: Sinn und Unsinn eines Kreisverkehrs.

Ein Satellitenbild bestätigt den aufgebrachten Leser: Vor kurzem hat uns eine E-Mail von Gerhard Dörr aus Bietigheim-Bissingen erreicht. An der Kreuzung zwischen der Umgehungsstraße von Bietigheim und der Einmündung nach Tamm (Asperger Straße und Carl-Benz-Straße) seien täglich zu den Stoßzeiten lange Staus. Erst neulich sei er durch Tamm gefahren, die Autos hätten sich bis zur Ortsmitte zurückgestaut.

„Da regt sich jeder auf“, ergänzte Dörr dann telefonisch. Dass es dort keinen Kreisverkehr gebe, „versteht kein Mensch mehr“, Platz sei schließlich da. Eine Satellitenaufnahme im Internet zeigt einerseits, dass tatsächlich genügend Fläche für einen Kreisel vorhanden wäre, andererseits zeugen acht wartende Fahrzeuge davon, dass bei einem hohen Verkehrsaufkommen lange Wartezeiten an der Ampel für die aus Tamm kommenden Fahrzeuge drohen, schließlich ist die Straße erst ganz kurz vor dem Knotenpunkt zweispurig. Deshalb meint Dörr: „Die Kreuzung verkraftet den Verkehr nicht mehr“, und fragt: „Warum fehlt der Kreisverkehr?“

Wir haben diese Frage an die Stadtverwaltung in Bietigheim-Bissingen weitergeleitet und sind nun schlauer – ein wenig zumindest. Es seien zwar einige Kreisverkehre in der Planung, doch bei der beanstandeten Stelle böte sich die Kreisvariante nicht an. „Auf der Umgehungsstraße ist zu viel Verkehr“, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen, „daher würden sich an einer Einfahrstraße in den Kreisverkehr die Fahrzeuge zu sehr stauen.“

Wir verstehen das so: Da die Wagen im Kreisverkehr Vorfahrt haben, müssen die Einfahrenden warten. Ist ein Kreisel ständig blockiert, staut sich folglich der Verkehr an einer der Einmündungsstraßen. Klingt irgendwie logisch, auch wenn es verwunderlich ist, dass ein Kreisverkehr das Stauaufkommen vergrößern soll. Jedenfalls würde durch einen Kreisel nur noch mehr Blech durch Tamm rollen, und das wolle die Stadt ja gerade vermeiden. Die Lösung, sagt Hochmuth weiter, wäre ein zwei- oder dreispuriger Kreisverkehr: „Doch die Erfahrungen zeigen, dass das in Deutschland kaum funktioniert.“

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (31. Mai 2011)

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