Ein bewegendes Familienfest

31 05 2011

Minimarathon: Mehr als 6200 Kinder genießen die Läufe am Samstag, genauso wie die vielen Erwachsenen.

Dieser Zweikampf ist freundschaftlich gewesen. Als Lukas Eisele nach 5:25 Minuten als Erster des Minimarathons beim 18. Stuttgarter-Zeitung-Lauf die Ziellinie überquerte, drehte er sich um und umarmte den Zweitplatzierten Heritier Kambuya (5:30). Wenig später noch einmal dasselbe Spiel. Die beiden 14-Jährigen kennen und schätzen sich von anderen Wettkämpfen sowie von den Stützpunkt- und Kadertrainings – und vom Vorjahr. Damals gewann Heritier Kambuya, der für die TSG Esslingen startet, das 1,8 Kilometer lange Rennen durch Cannstatt vor Lukas Eisele von der LG Filder.

„Das Publikum war klasse und hat uns immer unterstützt“, sagte er außer Atem am Samstag im Zielbereich. Ihm mache der Laufsport großen Spaß, „weil man an seine Grenzen gehen kann“. Das will er auch weiterhin und hat eine klare Vorstellung: „Mein Traum ist Olympia, aber das ist verdammt schwer.“ Heritier Kambuya will „auf alle Fälle einmal bei den Deutschen Meisterschaften mitmachen“. Und ist diesbezüglich „sehr optimistisch“. Er ärgerte sich nur ganz kurz über den zweiten Platz. „Es ist okay. Lukas und ich sind gut befreundet.“ Und eine Medaille hat er ja auch bekommen, wie jeder der 5228 Teilnehmer des Minimarathons.

Genauso freuten sich über dieses Andenken die fast 1000 Kinder unter sieben Jahren, die teilweise gemeinsam mit ihren Eltern beim 800 Meter langen Jolinchen-Lauf gestartet waren. Hier standen vor allem der Spaß und das Familienerlebnis im Vordergrund. Eltern und Großeltern applaudierten den Kleinen, die im Ziel umarmt, geküsst, vor Freude in die Höhe gehoben – und vereinzelt auch getröstet wurden. Nur die kleine Antonia bekam von alldem nichts mit, sie schlief auf den Armen ihres Vaters während des Laufs ein und überquerte das Ziel in der Traumwelt.

Alexander Hübner, der stellvertretende Projektleiter des StZ-Laufs, war am Samstag schon um 5 Uhr morgens auf den Beinen. „Es ist traumhaft, wenn sich Kinder und Eltern vergnügen“, sagte er. „So viele leuchtende Augen sieht man selten auf einmal.“ Der Aufwand hat sich für ihn gelohnt. Der „Kids-Day“ sei als Auftakt des Sportwochenendes in Cannstatt „nicht mehr wegzudenken“. Außerdem zählen die Stuttgarter Kinderläufe zu den drei größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland.

Und immer häufiger nehmen ganze Schulklassen teil. Matthias Rick, Lehrer an der Freien Waldorfschule am Kräherwald, hatte vor zwei Jahren die Idee, mit den Schülern beim StZ-Lauf zu starten. Seither bietet der ehemalige Triathlet einmal wöchentlich vor dem Unterricht von 7.40 Uhr bis 8 Uhr einen Lauftreff an. „Man merkt die Unterschiede im Unterricht, die Läufer sind am Trainingstag frischer“, sagte Rick am Samstag, an dem sich die Kinder „über die Namensschilder und die Medaillen freuten“. 19 Schüler waren dieses Mal dabei, alle trugen ein blaues T-Shirt mit der roten Aufschrift „Kräherwald“.

Ob Blau, Grün, Rot oder Gelb, das farbenfrohe Teilnehmerfeld verdeutlichte den ausgeprägten Gruppengedanken. Auch Lucian vom Heidehof-Gymnasium trug das orangefarbene Shirt des schuleigenen Ausdauersportclubs. „Es war ziemlich viel los, aber ich bin doch relativ gut durchgekommen“, sagte er und war noch recht fit, „weil ich dachte, es wäre länger“. Andere Nachwuchssportler verausgabten sich mehr, pusteten im Ziel heftig, hatten rote Gesichter, stemmten sich die Hände stützend in die Seiten. Doch insgesamt bestimmten grinsende Gesichter das Geschehen.

Auch Selina Junginger vom TSV Köngen war richtig begeistert. Die 13-Jährige gewann bei den Mädchen den Minimarathon in 6:35 Minuten. „Das hätte ich nie gedacht. Im Vorjahr war ich Zweite – und außerdem bin eigentlich über fünf bis zehn Kilometer am besten“, sagte sie und freute sich auf die doppelte Feier mit ihrer Familie. Ihr Vater hatte gestern Geburtstag.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (30. Mai 2011)

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