„Danach sieht die Welt anders aus“

31 05 2011

Der frühere Tennisprofi Carl-Uwe Steeb spricht über seine persönlichen Eindrücke beim StZ-Lauf.

Der ehemalige Daviscupgewinner Carl-Uwe Steeb hat gestern die 21,1 Kilometer lange Strecke absolviert. Der 43-Jährige, der seit Januar mit seiner Sportagentur wieder in Stuttgart ist, sprach zuvor über seine Motivationstechniken während des Laufens und berichtete von den Duellen mit seinem inneren Schweinehund.

Herr Steeb, im Tennis kommt es vor allem auf kurze Sprints an, beim Laufsport ist es das komplette Gegenteil. Warum sind Sie zur Langstrecke gewechselt?
Ich bin ja schon während meiner aktiven Karriere viel gelaufen. Die Grundlagenausdauer bekommt man nur so.

Beim Tennis hat man aber das Ziel, besser als der Gegner zu sein und ein Match zu gewinnen. Was fasziniert Sie denn am Laufen?
Ich kann es alleine ausüben – überall, immer und so lange ich will. Außerdem kann man das Laufen flexibel um sein Arbeitsleben herum einbauen.

Aber einen gewissen sportlichen Ehrgeiz müssen Sie als ehemaliger Profi doch haben?
Ich möchte schon für mich ein ordentliches Tempo laufen, aber immer unter der Prämisse, dass es mir dabei gutgeht.

Sie sind ein gefragter Referent zu den Themen Eigenmotivation und Überwindung des Schweinehunds. Wie überwinden Sie Ihren?
Jeder kommt beim Sport an den gewissen Punkt, wo es schwierig wird. Da ist es dann wichtig, sich an das Ziel zu erinnern. Es sind meist nur wenige Minuten der Überwindung, danach läuft es wieder leichter. Im Grunde kann man aber auch sagen, dass der Schweinehund eher fern bleibt, wenn man alles mit Spaß angeht.

Welche konkreten Techniken und Tipps können helfen, den Spaß zu behalten und den Schweinehund zu vertreiben?
Man kann sich beispielsweise für die Momente, in denen es schwerfällt, Anfeuerungsrufe zurechtlegen. „Auf geht’s“, „Komm schon“ oder was auch immer. Bevor ein Sportler aufgibt, denkt er Dinge wie: „Ich schaffe das nicht mehr.“ Diesem Gedanken muss man zuvorkommen. Aber auch darauf muss man sich vorbereiten.

Welche Motivationstipps geben Sie Läufern, die ihr Training nicht ordentlich absolviert haben, oder Menschen, die sich nicht zum Sporttreiben überwinden können?
Es ist ganz wichtig, soft einzusteigen. Das größte Problem ist meist die zu hohe Zielsetzung. Dadurch überfordern sich Einsteiger oft und hören schnell wieder auf. Es ist ja auch demotivierend, das eigene Ziel zu verpassen. Man muss Schritt für Schritt anfangen, um sich an die Belastung zu gewöhnen.

Also sollte man unbedingt laufen?
Auf jeden Fall. Das Laufen hat eine Riesenbedeutung. Früher haben sich die Leute viel mehr bewegt, daher ist das Laufen in der heutigen technisierten Welt noch wichtiger geworden. Denn nach dem Laufen sieht die Welt ganz anders aus.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (30. Mai 2011)

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