Die eigene Grenze akzeptieren

30 05 2011

Eva Ortlieb hat es auf den Punkt gebracht. „Wer Sport treibt, bleibt sicherlich länger gesund“, sagte die Sportwissenschaftlerin auf einem Gesundheitssymposium in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Bei der Veranstaltung im Rahmen des StZ-Laufes erfuhren die Zuhörer Informationen rund um das Thema „Verletzungsprophylaxe im Laufsport“. Der Assistenzarzt Simeon Geronikolakis von der Stuttgarter Sportklinik berichtete über die Belastungsbeschwerden aus orthopädischer Sicht, machte die Achillessehnen- und Kniebeschwerden als Hauptprobleme der Laufsportler aus.

André Schikora ist Bewegunsanalytiker und veranschaulichte anhand von Videoaufnahmen, welche Fehlstellungen es bei menschlichen Füßen gibt und wie Laufschuhe positiv darauf einwirken können. Aber weil diese „die Fehlbelastung auch verstärken können“, sollten Läufer beim Kauf auf die richtige Schuhwahl achten. Beinahe für jede Fußform – von Knick- über Spreiz- bis Plattfuß – entwickeln Hersteller mittlerweile den passenden Sportschuh.

Auch kleinere Blessuren können größte Folgen haben

Genauso individuell ist die Belastbarkeit eines jeden einzelnen Sportlers, betonte Ortlieb. „Diese Grenze sollte man erkennen und akzeptieren“, sagte die Sportwissenschaftlerin und empfahl, Wettkämpfe ordentlich vor- und nachzubereiten. Jürgen Siegele ist Betreiber und Inhaber des Therapie- und Rehazentrums Bottwartal. Der Physiotherapeut arbeitete schon mit Ralf Rangnick oder Nils Schumann, aber auch viele Breitensportler liegen auf seiner Behandlungsliege. Er bemängelte, dass oftmals das akute Problem therapiert werde, aber nicht die Ursache – und beschreibt das als Dawos-Problem: „Da wo es weh tut wird oft behandelt, obwohl das gar nicht das Problem ist.“ Wenn Patienten beispielsweise umknicken, können mit der Zeit ganz woanders im Körper Beschwerden auftreten. Diese Ursache-Folge-Kette kann im Körper von unten nach oben aber auch von oben nach unten wirken. So kann eine Schiefstellung des Beckens Beschwerden im Schienbein oder Achillessehnenprobleme hervorrufen.

Eine Therapie der Schmerzstellen reicht nicht aus, um die Probleme langfristig zu beheben. Der ehemalige Olympiasieger Dieter Baumann sei beispielsweise einmal mit Achillessehnenschmerzen zu ihm gekommen. In der Behandlung wurde die Schmerzstelle gar nicht beachtet, der Fokus lag auf anderen Körperregionen – und nach acht Behandlungen war der Tübinger wieder beschwerdefrei. „Wir bekommen 98 Prozent der Achillessehnenprobleme hin“, sagte Siegele. Prompt zeigte ihn ein Zuhörer nach dem Vortrag seinen lädierten Fuß und holte sich Tipps vom Therapeuten.

Das Symposium sensibilisierte auch die anderen Besucher. Einerseits dazu, sich das passende Equipment zu besorgen und richtig auf seinen Körper zu hören. Andererseits können die Zuhörer nun beim Arzt und Therapeuten genauer nachhaken und wissen, dass auch kleinere Blessuren größte Folgen haben können. Daher ist eine schnelle Therapie umso wichtiger ist. Dann können Laufsportler noch länger gesund bleiben.

vweröffentlicht auf StZ-Online (29. Mai 2011)

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