Bauchspezialist mit kühlem Kopf

29 04 2011

Der Klinikdirektor Thomas Schiedeck zählt bundesweit zu den besten Ärzten in seinen Spezialgebieten.

Wo treffen sich ein Biochemiker und eine Theologe? In der Arztpraxis! Das ist kein Witz, sondern die Formel für die Berufswahl von Thomas Schiedeck gewesen. Der Ärztliche Direktor der Ludwigsburger Klinik für Allgemein- und Viszeral-, also Bauchchirurgie findet jedenfalls, dass die ärztliche Tätigkeit ein Mix aus biochemischer und religiöser Arbeit sei. „Ein Arzt muss seine Grenzen erkennen, und er braucht zwischenmenschliche Kompetenz“, sagt der 47-Jährige, dessen Klinik vom Magazin „Guter Rat Gesundheit“ in den Bereichen Verdauungstrakt- sowie Enddarm- und Hämorrhoidenchirurgie unter die bundesweit besten gewählt wurde.

Der Chefarzt nimmt die Würdigung aber nicht allzu ernst, denn „häufig ist nicht so ganz klar, wie diese Ergebnisse zustande kommen“. Dennoch freut er sich, weil er weiß, dass sich Patienten an solchen Kriterien orientieren. Schiedeck will mit der Skepsis gegenüber derartigen Ranglisten jedoch betonen, dass er besonders das „Urvertrauen zwischen Patient und Arzt“ als Behandlungsbasis sieht.

Den Familienvater reizt an seinem Job die „hohe Konzentration“, schließlich betreibe er eine „sehr feinsinnige Chirurgie“, in der mikroskopisch unter bis zu achtfacher Vergrößerung „subtil“ operiert wird. Die Eingriffe sollen gewebeschonend sein, was die Heilungschancen erhöhe.

Schiedeck wuchs im bayerischen Rothenburg auf, studierte in Würzburg, machte die Facharztausbildung in Lübeck, arbeitete eine Zeit lang in Bolivien und ist seit 2004 in Ludwigsburg. Sein Hang zur Viszeralchirurgie gründet darin, „dass mich die Stoffwechselfolgen des Menschen schon immer interessierten“. Er habe seine Berufswahl nie bereut und erfreue sich nach wie vor der „hohen Verantwortung“ als Mediziner.

Für ihn hat ein Klinikarzt gegenüber einem niedergelassenen Kollegen einen Vorteil, weil mit der Einrichtungsgröße bessere Behandlungsmöglichkeiten einhergingen. „Wir machen die komplette Chirurgie, das könnte ein Selbstständiger nicht stemmen.“ Schiedeck ist ein Anhänger sogenannter integrativer Therapie. Die Behandlung solle zwar auf schulmedizinischen Aspekten beruhen, aber auch andere Methoden wie die traditionelle chinesische Medizin mit einbeziehen. Generell dürfe man nie außer Acht lassen, „wie lange eine Behandlung unter menschenwürdigen Bedingungen gut“ ist – weshalb es der Tumorspezialist für wichtig erachtet, „keine falschen Hoffnungen zu wecken“. Dazu bedürfe es eines „offenen Gesprächs“ mit den Patienten.

Das belastet natürlich auch einen Arzt. Es dauere, mit den teilweise menschlichen Krankheitstragödien umgehen zu können. „Das wird nie zur Gewohnheit, man muss es richtiggehend lernen“, sagt Schiedeck, dem dabei auch Gespräche mit Kollegen und seiner Frau, die ebenfalls Ärztin ist, helfen. Zu Hause haben die medizinischen Sorgen aber auch mal Pause. Schiedeck schickt seine beiden Kinder nicht wegen jedem kleinen Kratzer zum Arzt.

Der Bayer, der auch vielseitig ehrenamtlich aktiv ist, beschreibt sich als „ungeduldig“, wenn er möchte, dass sich eine Situation ändert, und findet seinen Stressausgleich unter anderem im „ausgedehnten Wandern mit dem Hund“. Der 47-Jährige arbeitet gerne in der Gruppe. Zudem sei er „sehr sachlich, aber manchmal auch richtig witzig“, wie seine Sekretärin Birgit Kunkel sagt. Und wenn er sauer werde, dann „kriegt er sich schnell wieder ein“. Sie ist „heilfroh, dass ich ihn erwischt habe“, und die Patienten seien von ihm „begeistert“.

Thomas Schiedeck scheint demnach ein guter Arzt zu sein, der zudem auf ein klares Berufscredo baut: „Krankenhäuser haben den Zweck, Kranke gesund zu machen“, sagt er, und sie sollten keine „reinen Wirtschaftsunternehmen“ werden. Der pure Fokus auf den monetären Gewinn wäre ja irgendwie ein schlechter Witz.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung am 28. April 2011

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