Wenn Schüler einen Laufverein gründen

21 04 2011

StZ-Lauf: Das Stuttgarter Heidehof-Gymnasium hat einen eigenen Ausdauersportclub – den ASC Heidehof.

Ein vorbeifahrendes Müllauto löst eine spontane La ola aus. Als sie das Fahrzeug beim Lauftraining am Rosensteinmuseum sehen, jubeln die Mitglieder des Ausdauersportclubs (ASC) des evangelischen Heidehof-Gymnasiums aus dem Stuttgarter Osten. Denn die Aufschrift „Wir mögen die Orangen“, eine Eigenwerbung der Müllabfuhr, übertragen sie auch auf sich selbst: Die 100 Kinder und Jugendlichen tragen bei ihrer Laufrunde im Rosensteinpark zur Vorbereitung auf den Stuttgarter-Zeitung-Lauf (28. und 29. Mai) fast alle T-Shirts im Orange ihrer Vereinsfarbe.

„Die Farbe steht für Energie, Lebensfreude und Optimismus“, sagt Eric Pajot, ein Lehrer am Heidehof-Gymnasium sowie der Mitbegründer des ASC, „und genau das wollen wir versprühen.“ Schon immer seien die Schüler an Sport und Bewegung interessiert gewesen, viele nahmen bereits öfter an Wettbewerben wie dem StZ-Lauf teil. Irgendwann hat der Fitnesstag der Schule nicht mehr ausgereicht, der Bedarf war größer, auch Ehemalige, Eltern und Lehrer wollten aktiv werden. Das ging jedoch nicht im Unterricht, also gründeten einige Lehrer und Schüler im Oktober 2009 den Ausdauersportclub Heidehof.

Der Verein hat seine Wurzeln in der Schule, ist aber für alle offen. „Das ist ein Stück weit einzigartig“, sagt Pajot, „schön ist, dass Jung und Alt dabei sind.“ Das Angebot richtet sich an alle Alters- und Leistungsgruppen. Der Club hat 40 Mitglieder, und die Verantwortlichen möchten wachsen, neue Abteilungen (Schwimmen, Triathlon, Rad) gründen. „Der Verein entwickelt sich von alleine, weil viele Macher dabei sind“, sagt Pajot, „gerade die Jüngeren wollen einfach was tun – nicht nur sportlich, auch organisatorisch.“ So gehen die Finnbahn an der Schule, eine selbst organisierte Laufveranstaltung, die Vereinshomepage und auch das Clublogo stark auf den Tatendrang der Schüler zurück.

Fabian Bazlen, Johannes Alber, Christopher Miola und Jan Swiatkowski gehen in die Oberstufe und sind Gründungsmitglieder des ASC. „Wir sind schon seit der fünften Klasse beim StZ-Lauf dabei“, sagt Alber, „aber die Identifikation als Schulmannschaft war damals nicht da. Jetzt guckt man eher auf die Teamwertung als auf die Einzelleistung. Außerdem hat man so auch mehr Chancen.“ Diese Identifikation kam mit der Vereinsgründung – und mit den orangefarbenen T-Shirts. „Das hat zusätzlich gepuscht“, sagt Miola.

Die Schüler wissen, dass es ohne den Eifer einiger Lehrer nicht funktioniert hätte. Timo Schuh ist neben Pajot auch so ein Antreiber. „Die Schüler sind Feuer und Flamme für den Laufsport, das hätten wir nicht gedacht. Und sie bekommen auch Anerkennung in der Schule“, sagt der Lehrer und hofft, dass die Vereinsarbeit einmal ganz in die Hände der Schüler übergeht.

Vielleicht auch in die von Lennart, Lucian und Aaron. Die drei zählen zu den Jüngsten, gehen in die fünfte Klasse und haben vor allem an der gemeinsamen Bewegung mit Freunden Spaß – so wie bei dem Trainingslauf mit der Orange-Welle. Felix ist in der sechsten Klasse. Er joggt öfter mit seinem Vater und geht beim StZ-Lauf ambitioniert an den Start: „Ich möchte unter die Top 100.“ Felix ist einer von zurzeit 150 Heidehof-Teilnehmern – inklusive Lehrern, Eltern, Ehemaligen. „Wir haben was in Richtung Podest vor – und zwar in allen Kategorien“, sagt Pajot. Der dritte Platz in der Halbmarathonstaffel in Freiburg dieses Jahr soll nur der Anfang gewesen sein.

Die Fünftklässlerinnen Kiara und Tanja haben das Training an diesem Montag verpasst, weil die U-Bahn ausgefallen war. Sie sind mit Pajot etwas zu spät am Rosensteinmuseum angekommen. Gedämpft hat das ihren Ehrgeiz aber nicht. Beide wollen sich noch für den StZ-Lauf anmelden. Kiara gefällt am Ausdauersport das „Auspowern“. „Wir wollen zwei Kilometer schaffen“, sagt Tanja – dann auch in den orangefarbenen T-Shirts des ASC Heidehof. „Wir möchten, dass unsere Farbtupfer zahlreich verstreut sind“, sagt Eric Pajot. Um beim StZ-Lauf richtig viel Lebensfreude zu versprühen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (20. April 2011)

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