700 Kilogramm, 800 PS und ein feinfühliger Pilot

7 04 2011

Mit einem Helikopter werden vier neue Flutlichtmasten auf dem Sportplatz des Fußballvereins installiert.

Um 9.53 Uhr fängt der Rotor an zu drehen. Eine Minute später hebt der Helikopter vom Kirchheimer Fußballplatz ab. Der Auftrag des Piloten: Er muss vier Flutlichmasten in die Fundamente am Spielfeldrand hieven.

Im Regelfall geschieht das mit einem Lastkran, dessen Zufahrt in Kirchheim jedoch problematisch gewesen wäre. „Außerdem hätte das länger gedauert, und es ist kaum Platz vorhanden“, sagt der Bürgermeister Uwe Seibold. Die Kosten hätten sich bei einem Kran auf 3000 Euro belaufen, „ohne dass die Beseitigung des Flurschadens eingerechnet ist“. Die Hubschraubervariante war auf 2000 Euro veranschlagt.

Gunter Wlasak steuert den Helikopter. In der 800 PS starken Maschine kommt es bei solchen Lastaufträgen auf „das genaue Fliegen“ an, sagt er. „Das funktioniert nur, wenn mich der Kollege am Boden genau leitet.“ Der Mann auf dem Sportplatz ist Florian Loder, ebenfalls gelernter Pilot. Er fungierte gestern als Bodenhelfer, gibt Anweisungen wie „hoch, runter, ein Meter links, oder stopp“ und weist Wlasak an – vor allem bei den Zentimetermanövern über den Löchern ist das wichtig.

Ein Seil, das in einer Schlupfe eingehängt ist, verbindet den Helikopter mit den Masten. Der erste schwebt kurz vor 10 Uhr in der Luft, Pilot Wlasak befindet sich nun 50 Meter über dem Boden, sieht über Spiegel an der Hubschrauberfront die Last, kann aber aus dieser Höhe die Entfernungen am Mastende schlecht einschätzen.

Nun ist der Bodenhelfer Loder gefragt, der den Helikopter und somit die Last über das vorgefertigte Fundament führt. Drei Mitarbeiter der IBR Flutlicht GmbH aus Westfalen, die sich auf die Installation und Wartung von Beleuchtungsanlagen spezialisiert hat und bundesweit tätig ist, bugsieren den 700 Kilogramm schweren, 20 Meter langen Mast in das Loch und hämmern Holzkeile zwischen Säule und Sockel fest.

Anschließend klettert Konstantin Kuhlmann nach oben, um das Helikopterseil zu lösen. Der Mast wackelt im Wind des Hubschraubers. „Das habe ich gar nicht gemerkt. Man ist so konzentriert auf die Arbeit“, wird der Flutlichtinstallateur später sagen, „da kann aber ohnehin nichts passieren, so ein Mast kann nicht umkippen.“ Elf Jahre Arbeitserfahrung und eine Sicherheitsleine bringen die nötige Ruhe.

Um Punkt 10 Uhr steht der erste Mast. 19 Minuten später ist der Hubschrauber wieder gelandet, der Auftrag erledigt. Der Pilot verstaut drei Kerosinkanister im Helikopter. Diesen Ballast hatte er zuvor entfernt, damit das Fluggerät leichter und beweglicher ist. 200 Liter pro Stunde verbraucht solch ein Hubschrauber, wie er in Kirchheim im Einsatz war, für eine Last von 1400 Kilogramm ist er zugelassen.

„Das ging schneller als kalkuliert, vielleicht wird es noch billiger“, sagt Bürgermeister Seibold nach dem Spektakel, das ein paar Bewohner angelockt hat. Auch Wlasak und Loder sind zufrieden. Seit einem halben Jahr sind sie ein Team. „Die größte Unruhe geht vom Helikopter aus“, sagt Loder, „daher ist eine große Erfahrung des Piloten wichtig, sonst kann die Last gefährlich schaukeln.“ Deshalb ist auch das Wetter von Bedeutung, denn Wind und Regen erschweren die Arbeit, können sie sogar unmöglich machen.

In Kirchheim scheint aber schon seit Stunden die Sonne. Die Installateure richten die Masten nun noch aus, das zwei Meter tiefe Fundament wird mit Schotter, Sand und Beton aufgefüllt. Die Mischung ermöglicht eine Demontage des gesamten Mastes, wohingegen dieser bei einem kompletten Betonsockel abgeschnitten werden müsste. Doch das alles wird den Kickern des FV Kirchheim wohl eher egal sein, sie müssen derzeit gegen den Abstieg aus der Kreisliga A kämpfen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (6. April 2011)

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