Das rote Gold wird immer wertvoller

6 04 2011

Diebe interessieren sich zunehmend für das Metall Kupfer – auch im Kreis machen sie Beute.

Das sogenannte rote Gold ist begehrt, in der Industrie, an der Börse und bei Dieben. Letztere schrecken auch nicht davor zurück, Regenrinnen aus Kupfer an Dächern von Gartenhäusern abzuschrauben, wie es am Wochenende in Löchgau und Vaihingen geschehen ist. Nicht nur Einzeltäter haben es auf Kupfer abgesehen, ganze Banden stehlen es, wie etwa ein Fall in Sersheim vor fünf Wochen gezeigt hatte.

Berliner Diebe hatten in einer Stahlhandelsfirma Buntmetalle für 150 000 Euro ergattern wollen. Da die Polizei von dem Plan erfuhr, wurden die drei Männer auf frischer Tat verhaftet. In der Nähe von Göppingen waren die Diebe Ende März indes erfolgreicher. Die Beute: Kupferkabeltrommeln im Wert von 400 000 Euro.

Im Kreis Ludwigsburg registriert die Polizei eine Zunahme der Kupferdiebstähle. „In letzter Zeit häuft es sich“, sagt Daniela Waldenmaier, Sprecherin der Ludwigsburger Direktion, „das liegt vermutlich an der Preisentwicklung des Kupfers.“

Der Wert des Rohstoffes hat seit dem Jahr 2000 rasant zugelegt, mittlerweile kostet eine Tonne Kupfer knapp 7000 Euro. Karsten Kagels von der Ross Trading GmbH, einer Analysefirma aus der Nähe von Frankfurt, macht die zunehmende Industrialisierung als Hauptgrund für den Anstieg aus: „Immer mehr Schwellenländer werden zu Industrienationen, wodurch die weltweite Nachfrage stark zunimmt.“ Er erwartet, dass der Kupferwert „langfristig steigen wird“. Auch andere Experten sagen einen Anstieg voraus, aber solche Prognosen hängen von vielen Faktoren ab.

Andreas Lambrou ist Chefredakteur des Rohstoff-Börsendienstes im Bonner Investor-Verlag. Auch er rechnet mit einer starken Zunahme der Kupfernachfrage in der Zukunft. Das liege einerseits an der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan – dem weltweit zweitgrößten Kupferverbraucher. Durch den Wiederaufbau dort werde viel von dem Metall benötigt, schreibt er auf der Internetseite des Verlages.

Außerdem hätten die dadurch zu erwartenden weltweiten Anstrengungen beim Übergang von der Atomkraft hin zu erneuerbaren Energien „enorme Investitionen in zum Teil total veraltete Stromnetze zur Folge“. Allein die Modernisierung der angloamerikanischen Leitungssysteme sowie der Aufbau neuer in Indien und China werde in den „nächsten zwei Jahrzehnten mehr Kupfer benötigen, als die Welt in den vergangenen 150 Jahren gefördert hat“.

Warum aber ist dieses Basismetall so begehrt und wertvoll? Kupfer zählt neben Eisen und Aluminium zu den nachgefragtesten metallischen Rohstoffen und ist vielseitig einsetzbar. Beispielsweise eignet sich nur Silber besser, um Strom zu leiten. Kupfer ist sehr resistent gegenüber jeglicher Art von Korrosion und lässt sich leicht verformen. Der Rohstoff wird vor allem in der Bau- und Elektroindustrie eingesetzt. Zurzeit liegen die größten wirtschaftlich förderbaren Reserven in Chile und den USA.

Die guten Eigenschaften des Metalls treiben die Nachfrage und somit den Preis in die Höhe, wodurch wiederum Diebe angelockt werden. Diese können die Waren beispielsweise weiterverarbeiten. „Wir wissen aber nicht genau, was damit passiert“, sagt Waldenmaier. Bei größeren Mengen bestehe die Möglichkeit, dass sie ins Ausland verfrachtet werden. „Jedenfalls sind wir sensibilisiert und schauen derzeit genauer hin, wenn wir Autos mit Kupferrinnen auf dem Dach sehen.“

Der Schutz vor Dieben sei schwierig. „Wir können nur empfehlen, Bewegungsmelder und andere Einbruchssicherungen zu verwenden“, sagt die Polizeisprecherin, „Licht schreckt ab.“ Genauso wie Dachrinnen, die weit oben angebracht sind, denn dann brauchen Diebe Leitern oder ein Gerüst. Bei den Gartenhäusern vom Wochenende hatten es die Täter dagegen leicht.

(veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung am 5. April 2011)

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