Die schiefe Bahn zum Softwarepiraten

16 03 2011

Ein 39-jähriger Möglinger verkauft Adapterkarten für Spielkonsolen und macht sich damit strafbar.

Das Internet ist ein Nährboden für Urheberrechtsverletzungen. Im Netz finden sich unzählige Möglichkeiten, Filme herunterzuladen, Musik auf den MP3-Player zu kopieren oder Computerspiele zu verwenden. Oftmals kollidieren die Datenströme mit der Rechtsprechung, weil die Nutzung der Programme und Produkte unautorisiert erfolgt.

Ein 39-Jähriger aus Möglingen hat das aber ermöglicht, weil er im Jahr 2009 sogenannte Slot-1-Karten aus China für eine Spielkonsole von Nintendo verkauft hat – 577 Stück für einen Gesamtwert von 19 491 Euro. Das Vertreiben dieser Adapterkarten ist illegal, weil sie oftmals dazu verwendet werden, unautorisierte Software von Drittanbietern auf der Konsole abzuspielen. Ohne diese Karte funktioniert das Gerät nicht, mit den Adaptern aus China läuft das Gerät, und es werden zudem die Schutzeinstellungen von Nintendo umgangen, wodurch beinahe beliebig viele Spiele heruntergeladen und genutzt werden können – eine Art Türöffner zur Softwarepiraterie.

Nintendo machte Verlust, schickte dem Angeklagten eine Abmahnung samt Unterlassungsaufforderung. Der Möglinger reagierte nicht und musste sich daher gestern am Ludwigsburger Amtsgericht unter anderem der Anklage auf Urheberrechtsverletzung stellen. Eine Entscheidung steht noch aus, die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden solle, und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Die Richterin zielte auf einen Kompromiss, schlug eine Verfahrenseinstellung gegen 1000 Euro Strafgebühr vor. Der Angeklagte nahm zwar an, die Staatsanwältin bat aber um Bedenkzeit.

In einem ähnlichen Fall entschied im vergangenen Jahr das Oberlandesgericht München, dass der Import, die Verbreitung, der Verkauf, die Bewerbung oder der Besitz dieser Karten die Urheber- und Markenrechte der Firma Nintendo verletzen und somit nicht gestattet sind.

Im engsten Sinne sind diese Delikte zwar nicht der Computerkriminalität zuzurechnen, doch ermöglichten sie PC-basierte kriminelle Handlungen, denn der Begriff Computerkriminalität umfasst laut der Polizei, Delikte „wie etwa das Ausspähen von Daten, die Datenveränderung oder Softwarepiraterie“.

In Ludwigsburg nahmen die Computerkriminalitätsdelikte 2010 (195 Fälle) im Vergleich zu 2009 (223 Fälle) leicht ab, wohingegen dieser Bereich in Baden-Württemberg um 16,6 Prozent anstieg. Weitet man den Begriff auf alle Straftaten aus, die unter der Nutzung des World Wide Web begangen werden, hat die Internetkriminalität 2010 mit 22 494 Fällen in Baden-Württemberg ihren Höchststand erreicht.

Daher gibt die Polizei unter http://www.polizei-beratung.de Tipps und hat rund 4100 Beamte für die Beweissicherung im Internet fortgebildet. Die Direktion Ludwigsburg konzentriert sich bei der Präventionsarbeit auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern. Im Rahmen des baden-württembergischen Projekts „Kids online“ wollen die Beamten das Gefahrenbewusstsein des Nachwuchses sowie die Medienkompetenz der Eltern schulen. „Nach wie vor werden viele Kinder und Jugendliche zum Opfer oder auch, insbesondere beim Urheberrecht, unwissentlich zum Täter“, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn.

Damit aber so etwas nicht passiert, bot die Kriminalprävention der Polizeidirektion Ludwigsburg im vergangenen Jahr einen Workshop, einen Elternabend und ein Theaterstück in Zusammenarbeit mit dem Ensemble „Duo Q-rage“ an. An neun Schulen wurden 750 Schüler erreicht. Diese wissen nun zumindest, dass das Internet auch ein Nährboden für die eigene Kriminalität sein kann.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (15. März 2011)

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