Auf dem Sprung ins Nationalteam

10 03 2011

Faustball Der Angreifer Marc Krüger kann mit dem TV Stammheim den Hallenmeistertitel verteidigen.

Er weiß meist schon vorher, dass dieser Versuch erfolgreich sein wird. Dennoch zählt der siegbringende Angriffsschlag nach einem guten Zuspiel für Marc Krüger immer wieder zu den schönsten Momenten einer Faustballpartie – vor allem natürlich, wenn ihn der 1,97 Meter große Maschinenbaustudent des Bundesligisten TV Stammheim selbst ausführt. Er ist aber keiner, der sich dann protzig feiern lässt, der 25-Jährige gehört zu den ruhigeren Zeitgenossen. „Ich animiere auf dem Feld eher bewusst, als dass einfach irgendwelche Emotionen aus mir heraussprudeln“, sagt er, „als Angreifer sollte man eine gute Selbstbeherrschung haben.“

Dazu passt, dass seine Aussagen klar strukturiert sind, die Stimmlage stets ruhig ist, er mit Gesten sparsam umgeht. „Marc ist ein sehr besonnener Spieler, der sich nicht durch Emotionen leiten lässt. Es ist seine große Stärke, dass er immer die Ruhe bewahrt“, sagt der Stammheimer Kapitän Alwin Oberkersch. Krüger schnupperte in der ersten Klasse in die traditionsreiche Randsportart hinein. Die Grundschule bot einen Kurs an, einige Kumpels nahmen teil, Krüger ging mit – und ist hängengeblieben. „Es sieht leichter aus, als es tatsächlich ist“, sagt er. „Dabei entscheiden Zentimeter, ob man den Ball richtig trifft.“ Er traf ihn gleich gut, verbesserte sich stets.

In Vaihingen/Enz bestritt Marc Krüger seine ersten Vereinsspiele, die Mannschaft war gut, holte früh württembergische Meistertitel. Der Durchbruch gelang bei den B-Junioren. Krüger wurde Deutscher Meister – auf dem Feld und in der Halle, fünfmal nacheinander, weil er schon als C-Junior bei den Älteren mitmischte. Auch mit dem Männerteam in seinem Wohnort Vaihingen/Enz gelang ihm dieser Triumph, doch er saß oft auf der Bank.

Krüger wollte sich jedoch weiterentwickeln – und der TV Stammheim suchte einen Angreifer. Er kannte die Jungs des Konkurrenten von früher, verstand sich mit ihnen gut, wechselte vor zwei Jahren zum Stuttgarter Stadtteilclub – und geht nun mit seinem Team am Wochenende als amtierender Titelträger in die Endrunde um die Deutsche Hallenmeisterschaft im norddeutschen Fredenbeck. „Ich glaube, dieses Jahr wird es sehr eng, weil jeder jeden schlagen kann“, sagt Krüger zur Rollenverteilung der qualifizierten Teams.

Der 25-Jährige ist in Stammheim zufrieden, zog auch wegen des Sports nicht in seinen Studienort Karlsruhe. Schließlich muss er dreimal pro Woche mit der Mannschaft trainieren – im Vorfeld der Endrunde bittet sein Trainer Joachim Bork sogar an fünf von sieben Tagen zu Übungseinheiten. „Aber das Studium geht vor, schließlich ist Faustball immer noch ein Hobby“, sagt Marc Krüger, der die Sportart für „schnell sowie spannend“ hält und es schätzt, „dass jeder jeden kennt“.

Ballgefühl, Durchhaltevermögen, Kraft und Genauigkeit sind die Eigenschaften eines guten Faustballers. Als Angreifer muss Krüger vor allem Angaben, Blocks und Angriffsschläge beherrschen. „In der Offensive bin ich gut“, sagt er, „bei den Zuspielen und im Abwehrverhalten könnte ich mich noch steigern, aber es ist schon besser geworden.“ Vor allem dank seines Trainers, den er für „weltklasse“ hält und von dem er sagt, „dass die Betreuung nicht besser sein könnte und wohl kein Team so einen erfahrenen Trainer hat“.

Joachim Bork, der ehemalige Schweizer Nationalcoach, lobt derweil Krügers Trainingsfleiß und seinen Ehrgeiz, sich stets verbessern zu wollen sowie für jegliche Anregungen offen zu sein. „Er steht voll hinter der Geschichte und macht keine Eskapaden“, sagt Bork.

Marc Krüger ist selbst als Trainer bei den Stammheimer Jugendangreifern aktiv, weil auch er dabei etwas lernt – und weil er die Nachwuchsarbeit für wichtig hält, um den Sport populärer zu machen. „Nur so kommen mehr Kinder zum Faustball und die Basis wird breiter, was das Zuschauer- und Medieninteresse erhöht“, sagt Krüger, der 2009 zu den Kaderlehrgängen der Nationalmannschaft berufen wurde.

Für die Nominierung in die deutsche Auswahl reichte es bisher jedoch noch nicht. „Dieses Jahr wird es aber enger“, sagt er, „natürlich ist die Konkurrenz stark, aber ich muss mich nicht verstecken.“ Für so einen besonnenen Spieler wie ihn ist das eine ganz schön forsche Ansage.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (9. März 2011)

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