Ehrenamtliche Blattmacher werben für das Ehrenamt

8 03 2011

Freiwilligenmagazin. Das neue Heft „Win“ soll mehr Stuttgarterinnen und Stuttgarter zur Nächstenhilfe animieren.

Dankbarkeit ist ein gutes Gefühl. Danke sagen zu können, oder es selbst zu hören, erheitert, wärmt, erfreut, befriedigt. In Stuttgart sollen nun noch mehr Menschen Dankbarkeit spüren – als Geber und als Nehmer. Das plant die Freiwilligenagentur der Landeshauptstadt, die zur Stabsstelle Förderung Bürgerschaftliches Engagement gehört.

Rund 23 Prozent der Stuttgarterinnen und Stuttgarter engagieren sich ehrenamtlich. Eine große Zahl, die aber noch größer werden soll, denn einerseits wächst die Nachfrage nach Hilfe, andererseits verschiebt sich das Ehrenamt von der Dauer- zur zeitlich begrenzten Projekthilfe, was noch mehr Helfer erfordert. Aus diesem Grund hat die Freiwilligenagentur nun das Magazin „Win“ publiziert, ein Heft mit einer Auflage von 12 000 Stück, das zweimal jährlich erscheinen soll und in öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Schulen, Theatern oder Rathäusern ausliegt. Die elektronische Variante ist zudem unter http://www.stuttgart.de/freiwilligenagentur herunterzuladen. „Das hat in Stuttgart noch gefehlt“, sagt die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Susanne Eisenmann, „,Win‘ ist eine tolle Form der persönlichen Ansprache, wenn man die Ehrenamtlichen selbst erzählen lässt.“

Als Zielgruppe sehen die Macher alle Ehrenamtsinteressierten, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder Bildung. Das Magazin will um diese werben, die Bandbreite der Freiwilligenarbeit aufzeigen, Unternehmen vom Sinn des gesellschaftlichen Engagements überzeugen, aber auch den persönlichen Gewinn der Nächstenhilfe hervorheben. So steht in dem Erfahrungsbericht eines freiwilligen Helfers der Schwäbischen Tafel, „dass ich mit fast fünfundsiebzig noch mal so froh bin, Leuten zu helfen, ohne Bezahlung, nur der dankbaren Blicke wegen, das hätte ich nicht gedacht“. Doch auch Jugendliche sollen in dem Magazin mittels Wettbewerben zur Freiwilligenarbeit motiviert werden.

Die 24 Seiten umfassende erste Ausgabe des Heftes berichtet beispielsweise über Theatervorführungen in Altersheimen und vor Menschen mit Handicap, erzählt von Museumsführungen für Demenzkranke. Die Autoren fingieren ein Interview mit der herzenswarmen Königin Olga von Württemberg oder sie zeigen auf, wie sich Unternehmen gesellschaftlich und ökologisch engagieren können. „Das Besondere ist, dass 16 Freiwillige das Heft gestaltet, getextet, lektoriert haben“, sagt die Stuttgarter Ehrenamtsbeauftragte Ilona Liedel. „Es ist ein Magazin von Freiwilligen für Freiwillige, weil die am besten wissen, wie man fürs Ehrenamt motiviert.“

Somit fallen bei der Herstellung nur die Druckkosten an, die im besten Fall mittels Anzeigen gedeckt werden. Sonst bezuschusst die Stadt das Projekt, dessen Ziel aber die Unabhängigkeit von zusätzlichen Mitteln ist. Mit dem Titel „Win“ – ein Ausrufezeichen ersetzt das „i“ – zielen die Verantwortlichen auf den Effekt der ehrenamtlichen Arbeit ab. „Jeder gewinnt“, sagt Liedel, „das Klientel, dem geholfen wird, die Organisation, welche die Aktionen plant, und nicht zuletzt die Helfenden.“

Einer ist Jürgen von Bülow, dem durch die Mitarbeit klar wurde, „dass ohne ehrenamtliches Engagement vieles gar nicht funktionieren würde“. Das sollen auch die Leser merken: Wo ist es wichtig zu helfen, und wie kann ich einen Teil dazu beitragen, um Dankbarkeit zu ermöglichen – und diese auch selbst zu erfahren.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (7. März 2011)

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