Bambi, Abstiegsangst und die düsteren Zeiten des VfB Stuttgart

24 02 2011

„Alles Hase“ war der Titel einer Mail, die mich kürzlich erreichte. Ein Kumpel aus Stuttgart schickte mir ein paar Bilder, die die prekäre Lage des VfB schauderhaft, ehrlich, brutal, (hellseherisch) – in jedem Falle irgendwie passend – illustrieren. Jetzt erst aber einmal zu den aktuelleren Tatsachen, bevor es um die Hasen geht.

Der VfB Stuttgart – Stolz, Liebe, Leid der Landeshauptstadt, zumindest außerhalb der Kickers-Gemeinde – ringt in dieser Saison bekanntlich um den Klassenerhalt. Die ursprünglichen Saisonziele waren andere, die Macher aber auch. Erst lief Horst Heldt plötzlich nach Schalke über und versteckt sich seither nicht nur hinter seiner neuen Brille sondern auch hinter dem Großmonarch Felix Magath. Somit hatte Heldts Nachfolger Fredi Bobic – sagen wir mal – nicht die optimalen Vorbereitungsbedingungen, die Zeit war sehr knapp. Hinzu kamen schmerzliche Abgänge (Jens Lehmann, Alexander Hleb und vor allem Sami Khedira), die nicht gleichwertig ersetzt wurden.

Und nachdem es mit dem Schweizer Trainer Christian Gross nicht mehr klappte, durfte Jens Keller kurzzeitig vom Assistenz- auf den Chefsessel, ehe Bruno Labbadia die neue Klassenerhaltshoffnung im Traineramt war. Nun half das alles nicht viel, die Situation hat sich keineswegs entspannt. Stuttgart ist in der Bundesliga Vorletzter, punktgleich mit dem Tabellenschlusslicht Mönchengladbach, vier Zähler hinter dem ersten Nichtabstiegs- und dem Relegationsplatz.

Auch angebliche Blockadenlöser, Aufholjagdsstartschüsse, psychische Befreiungsschläge wie der Erfolg beim direkten Konkurrenten Gladbach (3:2 nach 0:2-Rückstand) brachten keine Wende, auf den wertvollen Sieg folgten drei Niederlagen – zu Hause gegen Nürnberg (1:4), in Lissabon (1:2), in Leverkusen (2:4). Wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass sich die Leistung der VfB-Spieler deutlich besserte.

Was wiederum nichts hilft, wenn man dennoch verliert und dann auch noch ein Baukran an der heimischen Stadionbaustelle (Umbau in eine reine Fußballarena) Teile des Dachs und des Rasens (die Angaben variieren zwischen 130 und 250 Quadratmeter) zerstört und den misslichen Gesamtzustand irgendwie auf zynische Art und Weise karikiert.  2000 Sitzplätze bleiben somit für das heutige (24.2.11) Europa-League-Rückspiel gegen Benfica Lissabon gesperrt. Als noch schlimmer könnte aber die Zerstörung einiger bereits fertig gestellter Tribünenteile interpretiert werden. Quasi als Bild des herannahenden Abstiegs, schließlich bräuchte der VfB in Liga 2 nicht mehr ganz so viele Stadionplätze. Die schwäbischen Leichtathletikfans werden schon gehässig die Hände reiben, schließlich kostete der Umbau die Tartanbahn in der Arena.

In diesem Zusammenhang soll Jörg Klopfer, der Sprecher der Stadiongesellschaft in Stuttgart, erwähnt werden. Nicht weil er durch den Unfall, bei dem ein Kranführer zwar verletzt aber schließlich glimpflich davongekommen ist, in fast allen Medien zitiert wird, sondern weil sich sein Nachname als Überleitung zum Foto meines Kollegen eignet. Schließlich kennen wir ja alle BAMBI, das süße Reh, dessen guter Freund Klopfer stets und ständig als treuer Begleiter an Bambis Seite herumhoppelte und folglich ein Hase ist. Bevor nun aber wohlige Kindheitserinnerungen aufkommen, möchte ich Euch wiederum an den Ernst der Lage des VfB erinnern.

Schließlich trägt dieser (Nachnamens-)Umstand eine gewisse Ironie in sich, denn dass der Sprecher der Stuttgarter Stadiongesellschaft Klopfer heißt und in dieser abstiegsbedrohlichen Situation über Absturzvorgänge berichten muss ist vor allem interessant, wenn man sieht, was mit Hasen im Umfeld des VfB passiert.

Auf dem Schal steht übrigens: "Niemals 2. Liga!"

Sprich: Nicht nur die Leistungen des Teams sondern auch die Vorfälle um den Proficlub herum (Kransturz, toter Hase) scheinen in diesen düsteren Tagen wie böse Vorboten des Super-Gaus 2. Liga. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Mannschaft angetrieben von der Abstiegsangst besser und vor allem erfolgreicher spielt, um mit einem Weiterkommen in der Europa League und besonders der Rettung in der Bundesliga nicht nur die Hasenseele sondern auch die der Fans zu balsamieren. In diesem Sinne: Hase tot, alles gut!

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: