Einer für alle

15 02 2011

Die EnBW Ludwigsburg schlägt den Exmeister Alba Berlin dank des ausgeprägten Teamgeistes und kann sich nun wieder berechtigte Hoffnungen auf die Play-offs machen.

Ein Laie versteht das nicht. Daher erklärt David McCray nach dem 89:84-(40:34, 78:78-)Sieg des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg gegen Alba Berlin nach Verlängerung, welche Schlussfolgerung ein Profi aus der Anzahl der Vorlagen – im Fachjargon Assists genannt – zieht. „Wir haben heute richtig gut als Mannschaft zusammengespielt, das zeigen die 24 Assists“, sagt er beim Fangespräch im Clubrestaurant neben der Arena. Draußen fährt gerade der Berliner Mannschaftsbus weg, die Albatrosse kamen nur auf zwölf Assists, verloren wettbewerbsübergreifend das vierte Spiel nacheinander und stecken somit nun noch tiefer in der Krise.

„Das war ein großer, wichtiger und verdienter Sieg“, sagte der Trainer Markus Jochum, „wir haben das Entscheidende gemacht: gekämpft und geackert.“ Vergessen ist die desolate Vorstellung bei der Derbyniederlage am vorherigen Spieltag bei den Walter Tigers Tübingen. „Wir wollten diese Blamage ausmerzen, so sind wir auch ins Spiel gegangen“, sagte John Bowler.

Ein Spiel, das ein Sinnbild für den von McCray angesprochenen Teamgeist war. Mannschaftssportler bemühen gerne den Spruch „einer für alle und alle für einen“, um sich einzustimmen. Und im Falle des aktuellen Erfolgs lassen sich die Gründe mittels dieser Floskel durchaus beschreiben. Schon die erste Aktion zeigte, dass bei Jochums Team die Einstellung stimmte, die nötige Leidenschaft vorhanden war, um den Favoriten zu besiegen. Bowler gewann trotz seines elf Zentimeter kleineren Körpers den Sprungball gegen Berlins Rekordnationalspieler Patrick Femerling. Der Ludwigsburger rackerte während der gesamten Partie verbissen und sorgte zu Beginn der zweiten Hälfte für Jubel bei den 4521 Zuschauern in der fast ausverkauften Arena, als er am Boden liegend gleich drei Berlinern den Ball klaute.

Siim-Sander Vene stoppte im ersten Durchgang eine Drangphase des Hauptstadtclubs mit einem Distanzwurf, verkürzte auf 20:25 und verhinderte somit, dass Berlin weiter wegzog. Donatas Zavackas hatte bereits nach 15 Minuten drei Fouls begangen und hielt diese Zahl erstaunlicherweise bis zum Schluss, obwohl er aggressiv und vehement gegen den Gegner arbeitete – aber eben clever.

McCray zog unterdessen kurz vor der Pause selbstbewusst zum Korb, traf mit der Schlusssirene zur 40:34-Führung und brachte die Zuschauer zum Toben. Bei der bisher besten Saisonleistung hatten auch die Fans einen großen Anteil am Erfolg. „Es war entscheidend, intensiv sowie mit viel Einsatz aufzutreten“, sagte McCray.

Den zeigte auch Toby Bailey, als er im Schlussabschnitt einen Defensivrebound holte und den Ball vorne in den Korb stopfte. Diese Aktion verdeutlichte dem Gegner noch einmal: Hier ist heute nichts zu holen. Als Alba kurz darauf dennoch führte (68:66), war der Trainer gefragt. Jochum nahm sofort eine Auszeit, fand wie schon zuvor die richtigen Worte, und Ludwigsburg drehte den Spielstand durch Zavackas und Alex Harris, der mit 19 Punkten erneut bester Werfer auf dem Parkett war.

Ein Nervenspiel begann. Nun äußerte sich die einzige Schwäche der Ludwigsburger an diesem Abend, die beste Chancen – darunter auch Freiwürfe – ausließen und die Partie nicht vorzeitig entschieden. Die Folge: Verlängerung. Hier zeigte Jerry Green, der am Samstag 31 Jahre alt wurde, seine ganze Routine, als er nach einem katastrophalen Distanzfehlwurf und einem Offensivrebound artistisch nach hinten fallend zum 87:84 traf. „Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Play-offs“, sagte Jochum, „wir haben es weiter selbst in der Hand.“ Und zwar die Mannschaft gemeinsam.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (14. Februar 2011)

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