Gemeinsam fühlen sie sich stärker

13 02 2011

Europas Clubs versuchen mit ihrer Interessenvertretung mehr Einfluss zu bekommen – mit wachsendem Erfolg.

Ein gemeinsames Ziel vereint auch Kontrahenten – vor allem gegenüber höheren Instanzen. Aus diesem Grund bilden sich Gewerkschaften, bilden sich Spielerräte in Fußballvereinen, und aus diesem Grund ist auch die European Club Association (ECA) entstanden, die Vereinigung der europäischen Fußballclubs. 16 Vereine, darunter der FC Bayern, gründeten die ECA im Januar 2008 als Nachfolger der gescheiterten G 14. Seitdem werden die Interessen einer breiten Basis vertreten, nicht nur diejenigen eines elitären Kreises von Spitzenclubs.

Auf ihrer jüngsten Sitzung hat die ECA am Dienstag ihre Interessen gegenüber einem mächtigen Gegenspieler deutlich artikuliert – dem Fußball-Weltverband. Der Vorwurf: wichtige Entscheidungen träfe die Fifa ohne die Clubs. Als jüngstes Beispiel nannte die ECA die Debatte über eine Winter-WM 2022 in Katar – was eine Umstellung des Spielkalenders erforderte. „Der moderne Fußball braucht Demokratie, Transparenz und eine Verlässlichkeit der Regeln“, hieß es in einer Erklärung.

Ob die Erklärung eine Wirkung hat, ist fraglich – auch wenn die ECA-Mitglieder von der Bedeutung ihrer Vereinigung überzeugt sind. „Die ECA ist wichtig, weil sie das Meinungsbild des europäischen Fußballs ist“, sagt Klaus Filbry, der Geschäftsführer des Bundesligisten Werder Bremen.

Zurzeit zählt die ECA 197 Mitgliedsvereine aus allen 53 Uefa-Verbänden, mit jeweils zehn Clubs sind Deutschland und England am stärksten vertreten. Aus der Bundesliga sind neben Bremen der FC Bayern, Dortmund, Leverkusen, Frankfurt, Schalke, Hamburg, Stuttgart, Wolfsburg und Mönchengladbach dabei. Zudem ist Karl-Heinz Rummenigge ECA-Vorsitzender. „Die Vereine bilden die Basis des europäischen Fußballs, deshalb ist es unabdingbar, dass wir am finalen Entscheidungsprozess beteiligt werden“, sagt der Bayern-Vorstandsboss – auch was etwa die steigende Belastung der Nationalspieler angeht. Die ECA kritisierte erneut, dass es nach einer WM gleich zu Beginn der neuen Saison „aus rein kommerziellen Gründen“ Länderspieltermine gebe und schlug eine siebenwöchige Auswahlspielpause nach Welt- und Kontinentalmeisterschaften vor.

Die ECA hat ihren Sitz in Nyon in der Schweiz, sieben Mitarbeiter bilden dort die Koordinations- und Anlaufstelle für die Vereine. Einer von ihnen ist der ehemalige Tübinger Sportmanagementstudent Marc Schmidgall, mittlerweile Kommunikations- und Marketingmanager der ECA. „Wir verstehen uns als Interessengemeinschaft, die sich für die Rechte und Interessen der Vereine auf europäischer Ebene einsetzt und diese gegenüber Uefa oder Fifa, vertritt“, sagt Schmidgall. Aktuelle Themen sind neben dem Terminkalender und dem Versicherungsschutz für Nationalspieler auch Kontrollhilfen zur Einhaltung der neuen Uefa-Finanzregeln, des „Financial Fair Play“.

„Was wir bisher erreicht haben, ist sehr gut“, sagt Marc Schmidgall, „aber es liegt noch viel Arbeit vor uns.“ Die ECA sorgte beispielsweise dafür, dass die Clubs an den Gewinnen der EM 2008 sowie der WM 2010 beteiligt worden sind. Auf ECA-Initiative beruht auch die Verlegung der zweiten EM- oder WM-Qualifikationspartie an Doppelspieltagen von Mittwoch auf Dienstag, um den Profis mehr Zeit für die Vorbereitung auf das nächste Ligaspiel zu verschaffen. Zudem müssen die Clubs dank der ECA ihre Spieler nur noch einmal im Jahr für Testländerspiele auf einem anderen Kontinent abstellen.

Auch wenn die Entscheidungen letztlich in den Gremien der Dachverbände herbeigeführt werden, so arbeiten dort inzwischen von der ECA unterrichtete Vertreter mit. „Wir können wirklich Einfluss nehmen“, sagt Jochen Schneider, der Sportdirektor des VfB Stuttgart, „so eine Vereinigung ist sehr sinnvoll, um die Interessen der Clubs zu bündeln, auch wenn das Arbeiten in einer solch heterogenen Gruppe schwierig ist.“

Verschiedene Vereine, unterschiedliche Interessen – eine gemeinsame Position wurde bisher jedoch immer gefunden, auch in Deutschland. „Die Bundesliga nimmt die ECA ernst“, sagt Klaus Filbry, „um eine Stimme in Europa zu haben, muss man mitmachen, das hat die ganze Liga verstanden.“ Was besonders ein Verdienst des FC Bayern ist. „Es ist absolut lobenswert, wie die Münchner sich einbringen“, sagt Schneider. Der Rekordmeister mache „keine Alleingänge“ konstatiert auch der Hoffenheimer Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus. „Es geht nicht um Einzelinteressen, sondern ligaweit um alle Vereine.“

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (10. Februar 2011)

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