Ein „Grand Slamle“ in Stammheim

22 01 2011

Die Internationalen Württembergischen Hallenmeisterschaften gelten als Sprungbrett in den Profibereich.

Die Idee basiert auf einer Verniedlichung. Einer schwäbischen natürlich. „Grand Slamle“, nennt der Turnierdirektor Rolf Schmid die Internationalen Württembergischen Hallenmeisterschaften, die derzeit am Bundesstützpunkt Stuttgart-Stammheim ausgetragen werden. 144 weibliche und männliche Tennisspieler werden dort in acht Tagen durchgeschleust – vom Qualifikationsstart am vergangenen Sonntag bis zu den Finals am Sonntag. Das Turnier ist Teil der Future-Serie, die unterste Kategorie im Welttennis – besonders für den Nachwuchs gedacht.

„Unsere Idee ist es, württembergischen Spielern die Chance zu ermöglichen, sich mit internationalen starken Athleten zu messen, die schon weiter sind“, sagt Schmid, „es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg an die Spitze.“ Das funktioniert über sogenannte Wildcards für einen Veranstalter, die es auch in der Weltrangliste nicht aufgeführten Athleten ermöglichen, an solch einem Wettkampf teilzunehmen. Je drei dieser Freischeine für das Hauptfeld der Frauen und der Männer bekam der Württembergische Tennisbund (WTB).

Nur so konnte Laura Schaeder vom TC Weissenhof ihren größten bisherigen Erfolg verbuchen. Die 17-Jährige warf die an Nummer drei gesetzte und in der Weltrangliste mehr als 800 Plätze vor ihr stehende Polin Anna Korzeniak aus dem Turnier (6:4, 4:6, 6:1). „Es ist toll, so eine Chance vor der Haustür zu bekommen. Ich habe noch nie gegen solch eine Gegnerin gespielt“, sagte Schaeder, „ich freue mich wahnsinnig.“ Neben dem heimischen Publikum und den Trainern motivierte sie auch die TV-Übertragung der parallel ausgetragenen Australian Open in Melbourne.

Die Athleten in Stammheim schauen sich in ihren Spielpausen die Partien der Tennisstars gemeinsam vor dem Fernseher an. „Da würde man auch gerne mal spielen“, sagt Schaeder. Ein weiterer Service des WTB sind Getränke, Kuchen oder auch mal Gummibärchen. Das Ziel: eine „superfamiliäre Atmosphäre“, wie es die WTB-Verbandstrainerin Christine Singer nennt.

„Jüngeren Spielerinnen wie Laura wird hier der Einstieg ins Profitennis erleichtert“, sagt Singer. Die württembergischen Nachwuchstalente müssen wegen der Nähe keine oder kaum Reisekosten aufwenden, in der Regel entfallen zudem die Hotelkosten, manche Spieler können direkt am Bundesstützpunkt übernachten. Außerdem können die Trainer ihre Schützlinge direkt betreuen. „Man kommt auch eher an einen Trainingsplatz heran und kann eine zusätzliche Übungseinheit einbauen“, sagt der WTB-Cheftrainer Günther Metzger.

Das Feld des mit 10 000 Dollar dotierten Turniers ist trotz des Lokalkolorits auch bei der neunten Auflage qualitativ hochwertig. Grund: der Termin liegt direkt nach der Winterpause und damit ideal, es ist der erste Gradmesser im neuen Jahr, Konkurrenzwettkämpfe sind rar – zudem werden wichtige Weltranglistenpunkte vergeben. Andreas Beck ist in diesem Jahr das Zugpferd, der Daviscupspieler konnte sich aufgrund einer Verletzung nicht für Melbourne qualifizieren und sammelt nun in Stuttgart Spielpraxis.

Der WTB berappt für das Turnier einen fünfstelligen Betrag, die weiteren Kosten trägt ein Sponsor. „Diese Förderung des Nachwuchses ist einfach Aufgabe des Verbands“, sagt Alexander Adam von der WTB-Geschäftsstelle. Eine, die sich lohnt. Denn Adam weiß: „Wer die Zukunft des Tennis sehen will, der muss sich solche Turniere anschauen.“ Petra Kvitova zum Beispiel gewann 2007 in Stammheim – heute zählt die Tschechin zu den 30 besten Tennisspielerinnen der Welt.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (21. Januar 2011)

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