Respekt und Zivilcourage haben zugenommen_Impressionen des 7. Stuttgarter Sportgesprächs

25 01 2011

Ich war gestern für die dpa beim 7. Stuttgarter Sportgespräch zum Thema „Integration oder Trennung – welche Sprache spricht der Sport?“. Hier habe ich Euch ein paar Eindrücke aufgeschrieben bzw. die Diskussion zusammengefasst.

Das Gespräch war von drei Hauptaspekten geprägt: Die Integrationswirkung des Spitzen- im Vergleich zum Breitensport, die Integrationsbedeutung des Sports neben der Arbeits- und der Bildungspolitik sowie die Problematik monoethnischer Sportvereine.

Gül Keskinler, Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der baden-württembergische Justizminister und Integrationsbeauftragte Ulrich Goll, Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes und Sprecher der Spitzensportverbände sowie der ehemalige Dortmunder Fußballprofi Erdal Keser in seiner Funktion als Technischer Leiter des Europabüros des Türkischen Fußballverbandes diskutierten vor 200 Zuhörern über zwei Stunden zu einem Thema, das nicht erst durch die Sarrazin-Debatte im vergangenen Jahr aufkam, dadurch aber noch mehr in den gesellschaftlichen Fokus rückte.

„Integration bedeutet Teilhabe“, sagte Keskinler, „ein Gefühl der Zusammen- und Zugehörigkeit zu habe, also auch Entscheidungsrollen zu übernehmen.“ Sie fand es daher schade, dass unter den Zuhörern lediglich fünf Prozent einen Migrationshintergrund aufwiesen. Goll rieb sich zu Beginn an dem für ihn widersprüchlichen Begriff der Leitkultur, der bei Integrationsdebatten immer wieder aufkommt. Entweder gehe es um „leiten“ oder um „Kultur“, beides passe aber nicht zusammen. Sport ist für ihn ein „mittelbarer Helfer, dessen negative Aspekte weit hinter den positiven stehen“. Keser berichtete von seinen eigenen Erfahrungen als Profi in der 80er-Jahren, in den „Türken-Raus“-Rufe keine Seltenheit waren. „In der Gesellschaft gab es seither einen 100-prozentigen Wandel zum Positiven. Zivilcourage und Respekt sind gestiegen“, sagte Keser und lobte den Einsatz des DFB bei der Bekämpfung der Ausländerfeindlichkeit.

Es dienen in erster Linie die erfolgreichen Profis wie Sami Khedira oder Mesut Özil als Vorzeigebeispiele für eine gelungene Integration. Die Diskutanten waren sich einig, dass die Integrationsdebatte „auf den Schultern einzelner Stars eine enorme Belastung“ (Keskinler) ist, wobei deren Vorbildfunktion enorm wichtig sei. Viel wichtiger seien jedoch die Breitensportler, die ehrenamtlichen Helfer, die Eltern der Nachwuchsathleten mit oder ohne Migrationshintergrund, die Trainer. „Hier ist eine Qualifizierungsoffensive notwendig“, sagte Brechtken, „die Arbeit im Sport ist schwieriger geworden, daher ist die Ausbildung des Personals enorm wichtig.“ Denn die Ehrenamtlichen sind die „Brückenbauer, die Kümmerer“, die „direkt in die Familien hineinarbeiten“, fügte Keskinler an.

Sport ist jedoch nicht die alleinige Triebfeder der Integration, vor allem weil er „weitgehend eine Mittelschichtsveranstaltung“ ist, wie es Brechtken nannte. Er betonte daher die Wichtigkeit der „Netzwerkbildung“, Kindergärten, Schulen, Vereine, Sozialarbeiter, Eltern, alle müssten zusammenarbeiten. Der DFB schickt daher so genannte DFB-Mobile zu den Vereinen, um Kurzschulungen interkultureller Natur durchzuführen oder organisiert Mädchenfußballprojekte, bei denen die Eltern und Migrantenorganisationen eingebunden werden. Migranten als Ehrenamtliche, so lautet die Devise. Die Grundlagen hierfür bilden ein sicherer Arbeitsplatz, eine ausreichende Bildung sowie ein gutes Sprachverständnis.

Eine Untersuchung mit 60 000 Vorschulkindern zeigte, dass sich bei 40 Prozent der Probanden mit Migrationshintergrund sprachliche Probleme im Unterricht abzeichnen, bei denjenigen ohne einen ausländischen Hintergrund waren es lediglich zehn Prozent. „Viele Kinder bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück“, sagte Goll, „hier brauchen wir eine erhöhte Förderung.“ Der Sport könne zwar den Kontakt zu den Kindern herstellen, schließlich fördere er Gesundheit, Ehrgeiz, Selbstvertrauen und Kommunikation, dann sei jedoch die Politik gefragt. Keser kritisierte indes das Fehlverhalten mancher Lehrer und verwies auf ein Golf-Fußball-Projekt, mit Hilfe dessen er und seine Kollegen Lehrstellen für Hauptschüler angeboten haben. Lediglich zehn Prozent der Schulen antworteten auf die Offerte. „Hier müssen die Lehrer qualifizierter sein, und es sollte auch Pädagogen mit Migrationshintergrund geben“, sagte Keser.

Er schlug außerdem vor, der Problematik der monoethnischen Vereine man mit einer „Deutschenquote“ zu begegnen. „Nur eine Nation in einer Mannschaft ist keine Integration“, sagte er. „Die Entwicklung dieser Vereine ist sehr schnell“, entgegnete Keskinler, „es gibt kaum Klubs, die ausschließlich Mitglieder aus einer Nation haben.“ Außerdem sei eine Vereinsgründung „etwas total deutsches“ und daher „mitten im Integrationsprozess“. Für Goll stellt dieses Phänomen allerdings nicht die „Wurzel der Parallelgesellschaft“ dar und Brechtken ergänzte, dass die monoethnischen Klubs lediglich eine „Randerscheinung in der Integrationsdebatte“ sind. Dennoch räumten die Diskutanten diesem Punkt eine lange Gesprächszeit ein.

Am Ende einer mehrheitlich im Einklang statt kontrovers geführten Debatte betonte Keskinler, wie wichtig es ist, „mehr Trainer mit Migrationshintergrund auszubilden sowie mehr Mädchen und Frauen einzubinden“. Die Zukunftsprojekte der Politik werden sich dagegen mit dem Ausbau der Ganztagesschulen befassen und damit, den „Sport in die Kindergärten und Schulen zurückzuholen. Denn wichtig ist nicht nur die Bewegung, sondern auch deren qualifizierte Anleitung“, sagte Goll.

Für den Lacher des Abends sorgte der mehrfache Schwimmeuropameister Markus Deibler der als Interviewgast für den Moderator Eike Schulz geladen war, zwischendurch immer mal wieder einbezogen wurde, allerdings wenig zum Thema Integration beitragen konnte. Was soll er aber auch schon erzählen mit seinen 20 Jahren und als professioneller Athlet mit Spitzenniveau, der sich vor allem auf seine Leistung konzentrieren muss. Jedenfalls wurde er gefragt, was ihn seinen internationalen Reisen am meisten beeindruckte. Deibler daraufhin: „Dass die russischen Schwimmer alle schon mit Anfang 20 verheiratet sind.“ Das hatte zwar weniger mit Integration zu tun, war allerdings ein amüsanter Abschluss eines interessanten, aber auch anstrengenden Diskussionsabend.

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„Ich möchte es genießen“

22 01 2011

Der Aufbauspieler Alex Harris des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg ist für das All-Star-Spiel morgen in Trier nominiert. Der 24-jährige Amerikaner spielt – wie der Tübinger Branislav Ratkovica – in der Südauswahl und freut sich auf den Spaß ohne Wettkampfdruck.

Herr Harris, wie haben Sie auf Ihre Nominierung reagiert?
Ich habe nach einer Niederlage davon gehört, bei der ich auch noch schlecht gespielt habe. Daher hat es mich erst kaltgelassen. Nach einiger Zeit habe ich aber Dankbarkeit gefühlt, und auch ein bisschen Demut, dass mir diese Ehre zuteilwird. Ich freue mich, dass meine harte Arbeit belohnt wurde. Ohne meinen Trainer und meine Mannschaftskameraden wäre das aber nicht möglich gewesen.

Waren Sie überrascht von der Nominierung?
Ja, sogar sehr. Denn unser Saisonstart war holprig, und daher war ich nicht sicher, ob überhaupt jemand von uns dabei sein wird. Außerdem bin ich ja ein neuer und unbekannter Spieler in der Bundesliga. Ich bin froh, dass ich in so kurzer Zeit einige Leute überzeugen konnte.

Was haben Ihre Mitspieler, Ihre Freunde und Familienmitglieder gesagt?
Auch sie haben sich sehr gefreut. Das war eigentlich das Beste an der Nominierung. Ich bin dankbar, in Ludwigsburg solche positiven und aufrichtigen Mitspieler zu haben. Auch meine Familie und meine Freunde waren begeistert.

In den USA ist das All-Star-Spiel der Profiliga NBA ein Riesenereignis – was erwarten Sie von der deutschen Variante?
Ich war nie bei einem NBA-All-Star-Spiel, nur an der Highschool und dem College. Es ist immer ein tolles Gefühl mit und gegen die angeblich Besten der Liga zu spielen. Außerdem ist es schön, auch mal einen unwichtigeren Wettkampf zu haben und einfach das Basketballspiel zu genießen. Ich habe keine Zweifel, dass wir in Trier eine aufregende Veranstaltung erleben werden. Es ist toll, ein Teil davon zu sein.

Ist es für Sie nur eine Gaudiveranstaltung, oder möchten Sie das Spiel auch als Präsentationsplattform nutzen?
Ich hoffe ja, dass meine Leistungen mit Ludwigsburg zeigen, was ich draufhabe. Dieses All-Star-Spiel sollte in meinen Augen vor allem Spaß und Unterhaltung sein – für die Spieler und die Zuschauer. Natürlich werde ich mich anstrengen, aber ich möchte am Samstag vor allem eines: genießen.

Süd- oder Nordauswahl – wer gewinnt?
Ich denke, meine Mannschaft wird nach viermaliger Verlängerung gewinnen – mit einem Punkt Vorsprung. Ich sage auch voraus, dass jemand aus meinem Team, möglicherweise ich, mit links ohne Blick auf den Korb von der Mittellinie mit der Schlusssirene trifft. Die Fans werden aufs Feld stürmen und uns auf ihren Schultern feiern.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (21. Januar 2011)





Ein „Grand Slamle“ in Stammheim

22 01 2011

Die Internationalen Württembergischen Hallenmeisterschaften gelten als Sprungbrett in den Profibereich.

Die Idee basiert auf einer Verniedlichung. Einer schwäbischen natürlich. „Grand Slamle“, nennt der Turnierdirektor Rolf Schmid die Internationalen Württembergischen Hallenmeisterschaften, die derzeit am Bundesstützpunkt Stuttgart-Stammheim ausgetragen werden. 144 weibliche und männliche Tennisspieler werden dort in acht Tagen durchgeschleust – vom Qualifikationsstart am vergangenen Sonntag bis zu den Finals am Sonntag. Das Turnier ist Teil der Future-Serie, die unterste Kategorie im Welttennis – besonders für den Nachwuchs gedacht.

„Unsere Idee ist es, württembergischen Spielern die Chance zu ermöglichen, sich mit internationalen starken Athleten zu messen, die schon weiter sind“, sagt Schmid, „es ist ein Zwischenschritt auf dem Weg an die Spitze.“ Das funktioniert über sogenannte Wildcards für einen Veranstalter, die es auch in der Weltrangliste nicht aufgeführten Athleten ermöglichen, an solch einem Wettkampf teilzunehmen. Je drei dieser Freischeine für das Hauptfeld der Frauen und der Männer bekam der Württembergische Tennisbund (WTB).

Nur so konnte Laura Schaeder vom TC Weissenhof ihren größten bisherigen Erfolg verbuchen. Die 17-Jährige warf die an Nummer drei gesetzte und in der Weltrangliste mehr als 800 Plätze vor ihr stehende Polin Anna Korzeniak aus dem Turnier (6:4, 4:6, 6:1). „Es ist toll, so eine Chance vor der Haustür zu bekommen. Ich habe noch nie gegen solch eine Gegnerin gespielt“, sagte Schaeder, „ich freue mich wahnsinnig.“ Neben dem heimischen Publikum und den Trainern motivierte sie auch die TV-Übertragung der parallel ausgetragenen Australian Open in Melbourne.

Die Athleten in Stammheim schauen sich in ihren Spielpausen die Partien der Tennisstars gemeinsam vor dem Fernseher an. „Da würde man auch gerne mal spielen“, sagt Schaeder. Ein weiterer Service des WTB sind Getränke, Kuchen oder auch mal Gummibärchen. Das Ziel: eine „superfamiliäre Atmosphäre“, wie es die WTB-Verbandstrainerin Christine Singer nennt.

„Jüngeren Spielerinnen wie Laura wird hier der Einstieg ins Profitennis erleichtert“, sagt Singer. Die württembergischen Nachwuchstalente müssen wegen der Nähe keine oder kaum Reisekosten aufwenden, in der Regel entfallen zudem die Hotelkosten, manche Spieler können direkt am Bundesstützpunkt übernachten. Außerdem können die Trainer ihre Schützlinge direkt betreuen. „Man kommt auch eher an einen Trainingsplatz heran und kann eine zusätzliche Übungseinheit einbauen“, sagt der WTB-Cheftrainer Günther Metzger.

Das Feld des mit 10 000 Dollar dotierten Turniers ist trotz des Lokalkolorits auch bei der neunten Auflage qualitativ hochwertig. Grund: der Termin liegt direkt nach der Winterpause und damit ideal, es ist der erste Gradmesser im neuen Jahr, Konkurrenzwettkämpfe sind rar – zudem werden wichtige Weltranglistenpunkte vergeben. Andreas Beck ist in diesem Jahr das Zugpferd, der Daviscupspieler konnte sich aufgrund einer Verletzung nicht für Melbourne qualifizieren und sammelt nun in Stuttgart Spielpraxis.

Der WTB berappt für das Turnier einen fünfstelligen Betrag, die weiteren Kosten trägt ein Sponsor. „Diese Förderung des Nachwuchses ist einfach Aufgabe des Verbands“, sagt Alexander Adam von der WTB-Geschäftsstelle. Eine, die sich lohnt. Denn Adam weiß: „Wer die Zukunft des Tennis sehen will, der muss sich solche Turniere anschauen.“ Petra Kvitova zum Beispiel gewann 2007 in Stammheim – heute zählt die Tschechin zu den 30 besten Tennisspielerinnen der Welt.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (21. Januar 2011)





Die Ungeduld ist sein größter Feind

18 01 2011

Der 24-jährige Steffen Launer von der SV Böblingen gilt als selbstkritischer Athlet.

Es ist seine erfolgreichste Saison gewesen, und doch war Steffen Launer am Ende sauer. Vor allem auf sich selbst. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Degenfechten in Südkorea 2006 gewann er mit der Mannschaft die Bronzemedaille, nachdem er zuvor im Einzel schon den Titel geholt hatte. Aber die Halbfinalniederlage gegen Kasachstan wurmt den 24-Jährigen noch heute. „Ich war der einzige auf dem Mannschaftsfoto, der böse geguckt hat“, sagt Launer, der in Weil im Schönbuch wohnt, „ich war das erste Mal richtig fertig.“ Der Grund: als Schlusskämpfer vermasselte der damalige Gesamtweltcupsieger trotz eines Vorsprungs den Finaleinzug. Dabei hatte Launer zuvor in jeder Runde einen Rückstand gedreht und das Team weitergebracht.

Es passt, dass sich Steffen Launer mehr an seine Fehler als an seine Erfolge erinnert. Schließlich ist es ihm auch unangenehm, Weltmeister genannt zu werden. „Das war und es ist vorbei“, sagt der für die SV Böblingen startende Athlet. Er suhlt sich nicht im Erfolg, er arbeitet lieber hart. An seiner Konzentration, an seiner Kondition, an seiner Technik. Mit sechs Jahren fing Steffen Launer an, damals noch mit dem Florett. Er wollte unbedingt einmal „Musketier spielen“, also schickten ihn die Eltern zum Fechten. Auf die erste Enttäuschung („Keiner hatte Hüte auf“) folgte der Spaß an der Sportart. Erfolge stellten sich ein, die Motivation wuchs. 2005 klappte plötzlich nichts mehr, doch Launer machte weiter, fokussierte im Folgejahr den Spaßfaktor – und wurde Weltmeister.

Heute ist er im deutschen AB-Kader. Am Wochenende bestritt er beim 8. Internationalen Reutlinger Allstarcup eines von drei nationalen Qualifikationsturnieren für den Weltcup und wurde Neunter. Als Vorjahressieger hatte er andere Erwartungen, aus der Bahn werfen lässt er sich dadurch aber nicht. „Fechten ist zu 80 Prozent Kopfsache, es ist cool, schnelle Entscheidungen treffen zu müssen, aus den Fehlern zu lernen und mit den Gegnern mitzuwachsen.“

Konzentration, Gelassenheit und das Gefühl für den richtigen Moment, das sind die Qualitäten, die einen guten Fechter auszeichnen. Steffen Launer bringt diese Eigenschaften mit. Er lebt sie auf der Planche, aber auch im Gespräch. Er sucht den Blick des Gegenübers, wirkt souverän. Außerdem beugt er sich nach vorne, auch das eine Parallele zum Kampfverhalten. Launer mag die Offensive, bestimmt gerne das Geschehen. „Ich bin aber ein ziemlich ruhiger Fechter, ich zeige kaum eine Regung, das regt den Gegner wiederum auf.“

Das Gemüt ist gelassen, seine Füße hingegen tänzeln beim Gefecht stets über den Boden. Kopf- und Beinarbeit, darauf kommt es an. Seine größte Schwäche macht Launer dann aber doch in der eigenen Ungeduld aus. Manchmal wolle er mit dem „Kopf durch die Wand“. Das ist gefährlich in einem Sport, der von Entscheidungen im Millisekundenbereich geprägt ist.

Solche Situationen sind bei Launer aber die Ausnahme. Sein Trainer Gavrila Spiridon sieht ihn als einen Sportler, der „sich in den kritischen Situationen gut konzentrieren kann“. Spiridon lobt den Ehrgeiz seines Schützlings, „gemessen an seiner eigenen Erwartungshaltung könnte er aber sogar noch mehr trainieren“. Der Coach weiß jedoch, dass Launer nebenbei ein aufwendiges Zahnmedizinstudium bewältigen muss. Dennoch schafft der 24-Jährige pro Woche drei Trainingseinheiten auf der Planche sowie selbstständige Konditionsübungen. An den meisten Wochenenden trainiert er zudem am Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim. Sein Sport verlangt viel Zeit, viel Engagement, viel Geld.

Wie bei anderen Randsportarten machen auch die Fechter eher ein Minusgeschäft – trotz der Förderung durch den Verband. Daher ist Launer auf der Suche nach Sponsoren, gerade für die Reisen zu den Wettkämpfen auf anderen Kontinenten. Das nächste sportliche Großereignis wird aber in Europa ausgetragen: die Olympischen Spiele 2012 in London. Launer träumt von der Teilnahme, genau wie in Rio de Janeiro 2016. „Es wäre unklug, es nicht zu probieren, auch wenn die Chance gering ist. Aber wenn ich nicht mehr vorankomme, ziehe ich einen Schlussstrich.“

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (17. Januar 2011)





Negativtrend gestoppt

18 01 2011

Ludwigsburg gewinnt deutlich in Gießen

Der Basketballbundesligist EnBW Ludwigsburg hat seine Negativserie von zuletzt drei Niederlagen beendet und mit 88:54 (44:21) bei den Gießen 46ers gewonnen. Die Mannschaft des Trainers Markus Jochum überzeugte dabei vor allem mit einer hohen Treffsicherheit in der Zwei-Punkte-Zone und einer starken Verteidigung. „Über weite Strecken haben wir heute sehr schönen Basketball gespielt“, sagte Jochum nach der Partie, „wir waren früh überlegen und haben eine sehr gute Mannschaftsleistung gezeigt.“

Ausschlaggebend für die Motivation und die Leistungssteigerung sei auch die Analyse der Niederlage aus dem Hinspiel gewesen, so der Trainer. „Es war klar, dass wir hier mit einer hohen Intensität ins Spiel gehen müssen, vor allem in der Verteidigung, um Gießen nicht heiß laufen zu lassen“, sagte Jochum, „Kompliment, die Jungs haben das sehr gut umgesetzt.“

Die Gäste lagen vor 3740 Zuschauern nur einmal in Rückstand (2:4), dominierten von da an jedoch das Geschehen. Mit einem 15:3-Zwischenspurt in der ersten Hälfte und einem 9:0-Lauf nach der Pause zog Ludwigsburg davon. Alex Harris war mit 15 Punkten erneut bester Werfer, Donatas Zavackas (14), Jerry Green (13) und Rick Rickert (11) folgten kurz dahinter.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (17. Januar 2011)





Fehlstart ins neue Jahr

11 01 2011

Ludwigsburg verliert zum dritten Mal nacheinander – diesmal bei den Artland Dragons mit 71:96.

Der Basketball-Bundesligist EnBW Ludwigsburg hat den Rückrundenauftakt vermasselt und im ersten Spiel im neuen Jahr mit 71:96 (34:56) bei den Artland Dragons verloren. Wie schon in der Hinserie war das Team des Trainers Markus Jochum auch am Samstag chancenlos. „Wir haben uns sofort den Schneid abkaufen lassen“, sagte Jochum im Anschluss an die zehnte Saisonniederlage, „Artland war einfach zu stark für uns.“

Ludwigsburg geriet vor 3000 Zuschauern von Beginn an unter Druck und lag bereits nach fünf Minuten mit 5:17 zurück. Ein kurzes Aufbäumen der Ludwigsburger konterten die Quakenbrücker umgehend und führten nach dem ersten Durchgang mit zwölf Punkten Vorsprung. Auch im zweiten Viertel hatte Ludwigsburg große Probleme in der Verteidigung und konnte diese Schwäche nur in den Anfangsminuten im Angriff ausgleichen. Die Niedersachsen um die gut aufgelegten Bryan Bailey (23 Punkte) und Tyrese Rice (16) dominierten den Gast und führten zur Halbzeit verdient. „Die Dragons haben uns durch ihre gute, intensive Verteidigung aus dem Rhythmus gebracht“, sagte Jochum.

Die Ansprache des Trainers in der Pause begünstigte das Ludwigsburger Spiel nur kurz. Nach einer Drangphase der Quakenbrücker mit einem 11:0-Lauf, in dem Ludwigsburg fast vier Minuten ohne Korberfolg blieb, war die Partie bereits nach dem dritten Abschnitt entschieden. Während Alex Harris mit 26 Zählern der beste Werfer bei Ludwigsburg war, erzielte der Neuzugang Siim-Sander Vene seine ersten vier Punkte im gelben Dress. Zudem gab das 21-jährige Nachwuchstalent Tim Koch sein Saisondebüt. Mehr Positives gab es aus Quakenbrück aber nicht zu berichten.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (10. Januar 2011)





Gerüste, Müll und andere Widrigkeiten_das Olympiastadion in Kiew, Austragungsort des EM-Finales 2012

2 01 2011

Ein Kollege hat mir vor gut einem Monat freundlicherweise Bilder des Olympiastadions in Kiew geschickt. Er war zur Recherchezwecken in der Ukraine und hat dabei die Fotos gemacht. Das Olympiastadion ist eine der Arenen, in welchen die EM-Endrunde 2012 im Fußball ausgetragen wird. Die Ukraine veranstaltet zusammen mit Polen die nächste Europmeisterschaft. Kiew ist dabei als Austragungsort für drei Vorrundenspiele, ein Viertelfinale und das Endspiel vorgesehen – auch, weil es mit einem Fassungsvermögen um die 70.000 Sitzplätze das größte EM-Stadion sein wird. So weit zumindest der Plan.

Allerdings ist hierfür ein Umbau des 1923 – damals hieß es noch „Rotes Stadion“ – erstmals in Betrieb genommen Stadions nötig, da es nicht den Richtlinien der Uefa als EM-Austragungsstätte enspricht. Dieser Umbau sollte 2010 abgeschlossen sein. Jedoch war bereits im vergangenen April ein Baurückstand von fünf Monaten ausgewiesen worden, Uefa-Präsident Michel Platini drohte den Ausrichtern damals mit der Rücknahme der Vergabe: „Wenn es kein Stadion in Kiew gibt, dann gibt es keine Euro in der Ukraine.“ Wie auf den Bildern zu erkennen ist, halten sich die Fortschritte dennoch in Grenzen. Wie das Stadion nach der Renovierung aussehen soll, seht Ihr auf der HOMEPAGE des zuständigen deutschen Architektenbüros gmp.

Mittlerweile hat die Uefa dennoch alle acht Spielorte (Polen: Warschau, Posen, Danzig, Breslau. Ukraine: Kiew, Donezk, Lwiw, Charkow) bestätigt, und Platini macht nun eher Mut. „Wir sind zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird“, sagte der Franzose. Eine Verlagerung der EM komplett nach Polen oder ein Ausweichen nach Deutschland ist damit sicher passé. Man findet auch kaum aktuellere Nachrichten, die sich mit möglichen Stadionproblemen in der Ukraine befassen. „Auch in Portugal (Austragungsort der EM 2004) wurde im Prinzip alles in letzter Minute erledigt“, vergleicht Martin Kallen, zuständig für die EM 2012 auf Seiten der Uefa, und fügte an: „Es hat alles geklappt, aber wir standen ständig unter Zeitdruck.“ Eine ähnliche Erfahrung macht er nun mit der Ukraine. „Wir haben im Zeitplan aufgeholt. Wir haben immer noch eine Menge Arbeit, wir dürfen uns nicht ausruhen. Aber wir finden unseren Rhythmus“, sagte indes der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch.

Der neue Termin für die Fertigstellung der Modernisierung des Kiewer Olympiastadions ist nun auf Juni 2011 terminiert. Auf der eigenen Stadion-HOMEPAGE zählt ein Countdown bis dahin runter. Dort findet man auch Videos vom Umbau wie dieses. Leider funktioniert das Einbinden rechtemäßig nicht, daher nur per LINK.

Juni 2011, eine ambitionierte Vorgabe. Klappen wird es dennoch, da bin ich mir recht sicher. Zur Not hilft die Uefa nach. Diskussionen um ein Scheitern der Stadion-Um- oder Neubauten (Olympische Spiele in China, Fußball-WM in Südafrika) sind bei sportlichen Großveranstaltungen gefühlt beinahe so alt wie Jopi Heesters. Und am Ende haben alle Veranstalter den Kritikern getrotzt.

Von daher wollte ich mich auch gar nicht bei den Zweiflern einreihen, sondern Euch nur Impressionen vom Finalort der EM 2012 übermitteln. Denn wenn es nach dem Bundestrainer Joachim Löw geht, muss Deutschland dort mal wieder einen Titel gewinnen. Und wen es interessiert, der kann HIER per Webcam die Fortschritte des Endspielstadions sehen, in dem dann Michael Ballack oder Phillip Lahm den EM-Pokal in den Himmel recken sollen.