Der Stellenwert steigt und steigt_Anatoli Timoschtschuk überzeugt als Ballverteiler und Torschütze

30 11 2010

Am Ende hatte er es eilig. Anatoli Timoschtschuk wollte seine Trophäe nach dem 4:1-Sieg des FC Bayern über Eintracht Frankfurt schnell in Sicherheit bringen. Der Ukrainer in Diensten des Rekordmeisters rannte nach der Ehrenrunde direkt in die Katakomben, um den Spielball zu sichern – als Geschenk für seinen Vater. Schließlich hatte er damit zwei Tore erzielt, erstmals in der Bundesliga.

„Es war der schönste Tag hier in München auf dem Spielfeld“, sagte der Vater von Zwillingen. „Ich bin froh, wenn die Mannschaft gewinnt, und ich bin froh, wenn ich zwei Tore schieße.“ Der zurückhaltende Ukrainer erklärte, dass er den Bayern auch gerne „vorne hilft, wenn ich ein gutes Gefühl habe“. So ein Doppelpack werde aber nicht oft passieren, daher freute ihn die Tatsache, bester Schütze des Nachmittags gewesen zu sein, genauso wie das „gute und schnelle Spiel“ seines Teams.

Die Vorgabe war klar: Nur ein Sieg ist akzeptabel. Zehn Punkte aus den verbleibenden vier Spielen in diesem Jahr hatte Louis van Gaal gefordert. Der erste Schritt ist gemacht, was auch zu einer ruhigeren Jahreshauptversammlung morgen führen dürfte. „Ich denke, dass wir vielleicht unser bestes Spiel in dieser Saison gemacht haben“, sagte der Trainer, „das Team hat Leidenschaft und Überzeugung gezeigt.“

So auch Anatoli Timoschtschuk. Der Ukrainer war fast immer anspielbereit, passt seine Bälle mittlerweile auch vertikal, nicht wie früher hauptsächlich horizontal. Das gefällt van Gaal. „Bei unserem Trainer muss er seine Rolle anders als in St. Petersburg interpretieren, diese Umstellung hat gedauert“, sagte der Torhüter Jörg Butt, „aber er nimmt die Vorgaben an und setzt sie sehr gut um.“ Er habe selten einen so professionellen Spieler erlebt, sagte Butt. Auch zu Reservistenzeiten habe sich Timoschtschuk „sensationell verhalten“. Auch deshalb genießt Timoschtschuk einen hohen Stellenwert in der Mannschaft.

Angesichts der aktuellen Leistungen muss sich Timoschtschuk keine Gedanken über die Ersatzbank machen. Er weiß aber um die Konkurrenz. Mark van Bommel ist beispielsweise wieder fit, und im Zentrum des Bayern-Spiels erwartet man auf Dauer eher den Niederländer, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos. Timoschtschuk spielte aber auch schon in der Innenverteidigung, und dort schwächelt derzeit vor allem Daniel van Buyten. Timoschtschuk freute sich aber erst einmal über seine zwei Tore und den eingeheimsten Spielball.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (29. November 2010)

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