Seit Zavackas da ist, wird es auch mal laut

18 11 2010

Basketball Der wiedergenesene Litauer bringt Emotion ins Spiel des Bundesligisten EnBW Ludwigsburg.

Donatas Zavackas ist wie ein tragender Baustein. Das sieht jedenfalls Markus Jochum so, wenn der Trainer des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg über seine langfristige Planung spricht: „Mein Konzept für die Flügelposition war auf einen Spieler seines Profils zugeschnitten.“ Durch dessen Verletzung im Testspiel gegen Nancy Mitte September „veränderte sich viel“.

Jochum vergleicht den Ausfall des Litauers und die mäßigen Leistungen des Spielmachers Jerry Green mit einem „fehlenden“ und einem „bröselnden Stein“. „Dadurch wackelt das Haus“, sagt der Baumeister Jochum und meint den schlechten Saisonstart des Teams. Mit Zavackas hätten die Ludwigsburger schon öfter gewonnen, da ist sich der Coach sicher. Nun befindet sich Green im Aufwärtstrend, und Zavackas betritt seit zwei Spielen wieder das Parkett. Sein Innenbandanriss im Knie ist ausgeheilt, die Ludwigsburger zeigten in Frankfurt vor einer Woche zumindest die richtige Einstellung und gewannen am Samstag in Bonn.

„Es ist aber eher ein Zufall, dass Donatas genau dann zurückkam, als ein Ruck durch das Team ging“, sagt Jochum, „er ist ein Unterstützer des Aufschwungs, aber nicht der Auslöser.“ Zavackas, der im September Vater wurde, warf in seinen insgesamt 41 Minuten in Frankfurt und Bonn zwölf Punkte und holte 13 Rebounds. „Eindrucksvoll“ fand der Teammanager Mario Probst das Comeback. Zavackas selbst ist hauptsächlich froh, wieder dabei zu sein. „Nichts machen zu können ist hart“, sagt der Spieler, der im Sommer aus Litauen nach Deutschland kam: „Ludwigsburg war die beste Option für mich und meine schwangere Frau.“ Bei den vielen Niederlagen des Teams sei er „vor allem traurig“ gewesen.

Jetzt konzentriert sich Donatas Zavackas darauf, seine Treffsicherheit und die alte Fitness wiederzuerlangen. Dabei erzielte der 2,03-Meter-Mann am Montag sowohl beim Ausdauer- als auch beim Sprinttest bereits ordentliche Werte, wie der Athletiktrainer Benjamin Pantoudis sagt. „Aber bei Donatas geht noch mehr, in zwei Wochen ist er wieder richtig gut dabei“, fügt der Fitnesscoach an, „er kann sehr, sehr optimistisch in die Zukunft schauen.“

Die Erwartungen an den Litauer sind hoch. Druck verspürt Zavackas aber keinen, da ist er mit seinen 30 Jahren und nach Spielzeiten in den USA, Polen, Italien, Frankreich, Belgien und der Ukraine erfahren genug. „Ich versuche, dem Team immer etwas zu geben“, sagt Zavackas, „denn ich will in jeder Situation gewinnen, nicht nur im Basketball.“ Da kommt es auch schon einmal vor, dass er seine Teamkollegen anraunzt, wenn er unzufrieden ist.

„Das findet nicht jeder Spieler toll, aber es ist wichtig“, sagt Zavackas. Seinem Trainer gefällt dies. „Wir haben eine sehr gute Stimmung im Team. Aber es muss auch einer laut werden, wenn es nicht läuft. Das hat im Training etwas gefehlt“, sagt Jochum – und genau das habe Zavackas in der „litauischen Schule“ gelernt. Dessen emotionale und energische Spielweise kann den Ludwigsburgern nur guttun, denn der Basketballclub läuft auf Platz 15 in der Bundesliga den eigenen Erwartungen weit hinterher. Die Videoanalyse der desolaten Leistung im jüngsten Heimspiel gegen Trier hat „die Mannschaft aufgerüttelt“, wie Jochum sagt. Das Comeback des als Leistungsträger eingeplanten Zavackas soll den Effekt in den nächsten Wochen noch verstärken.

Donatas Zavackas wirft gut, erkämpft sich unter dem Korb viele Bälle, schafft Freiräume, übernimmt Verantwortung und sorgt für Stabilität sowie Disziplin – ein kompletter Spieler also. Kein Wunder, dass ihn der Trainer als tragendes Element in seiner Mannschaft sieht. Die ist mit der Rückkehr von Donatas Zavackas und Ziyed Chennoufi vollständig.

Nach der ersten schweren Verletzung seiner Karriere muss der Litauer die Ludwigsburger Kollegen nun erst einmal richtig kennenlernen, schließlich hat er bisher kaum mit der Mannschaft trainiert. Zavackas scheint diesbezüglich optimistisch zu sein, das lässt jedenfalls sein Saisonziel vermuten: „Hoffentlich kommen wir noch in die Play-offs.“ Um diesen Plan umzusetzen, soll am Sonntag in Bremerhaven ein wieterer Sieg folgen. Damit das klappt, muss auch Zavackas eine gute Leistung abrufen. Denn einen wieder eingesetzten Stein, der bröselt, können die Ludwigsburger nicht gebrauchen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (17. November 2010)

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