Die Zeit der Ausreden ist vorbei_Ludwigsburg nach weiterer Niederlage mit Sonderschicht

12 11 2010

Markus Jochum war sauer. Beim Stande von 63:76 gegen seinen Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg vergab der Gegner aus Trier einen Wurfversuch. Der Ball prallte vom Ring ab, doch kein Ludwigsburger war in der Nähe, so dass das Spielgerät auf den Boden sprang und Trier mühelos erneut angreifen konnte. Das Publikum pfiff, der Trainer Jochum schimpfte und fand nach der verdienten 69:82-(29:42-)Niederlage vor 2500 Zuschauern in der heimischen Arena am Samstagabend deutliche Worte: „Wir waren auf jeder Position unterlegen, Trier konnte ganz einfach frei stehend punkten. Sowohl vom Kopf als auch von den Beinen her hatten wir nicht genügend Intensität.“ Nach sieben Spielen und fünf Niederlagen sei die Zeit gekommen, „genau hinzuschauen“.

Das taten die Ludwigsburger dann gestern bei einer spontan einberufenen Trainingseinheit. „So ein Spiel können wir nicht unbeantwortet lassen“, sagte der Assistenztrainer Steven Clauss, „wir müssen mehr Zeit investieren, um die Macken aus dem System rauszukriegen. Es sind sehr viele kleine Ungereimtheiten im Spiel, und wir machen immer wieder neue Fehler.“ Das Team finde vorne und hinten keinen Rhythmus. So auch gegen Trier.

Die Gastgeber verschliefen nicht nur den Beginn (0:7 und 5:17 im ersten Viertel), sondern ließen dem Gegner auch viel zu viel Raum für dessen Angriffe. Auffallend war das Fehlen der Automatismen, die nach sieben Saisonspielen eigentlich vorhanden sein sollten. Die Ludwigsburger schauten sich in der Defensive immer wieder an und diskutierten miteinander, als wüssten sie nicht, wo sie selbst stehen müssen und wer welchen Laufweg zustellt.

„Derzeit sind auch einfache Dinge schwierig“, sagte der Flügelspieler Johannes Lischka, der beim schlechten Saisonstart der Ludwigsburger noch zu den Lichtblicken zählte, aber gegen Trier auch nicht gut verteidigte. Jochum lobte ihn dennoch: „Er gibt immer 100 Prozent und ist unser effektivster Mann. Andere Spieler haben zwar mehr Potenzial, bräuchten aber dieselbe Intensität.“

Lischka eignet sich tatsächlich als ein Vorbild für gute Einsatzbereitschaft, doch der Wille war gegen Trier gar nicht so entscheidend. Gekämpft haben die Ludwigsburger. David McCray zum Beispiel, der sich an seinem 24. Geburtstag selbst beschenken wollte. Oder Jerry Green, der weiß, dass es langsam an der Zeit ist, Verantwortung zu übernehmen. Oder eben Johannes Lischka. „Ich bin nicht der Einzige, alle zeigen Einsatz“, sagte er, „aber es klappt einfach nicht. Wenn wir weiterhin verlieren, dann sind wir im Abstiegskampf.“

Genauso wie Jochum war auch Lischka ein wenig ratlos, warum es derzeit nicht läuft in Ludwigsburg. Die Ausrede, man müsse sich erst einspielen, gilt jedenfalls nicht mehr. Darin sind sich die Protagonisten genauso einig wie darüber, dass es an der Kommunikation zwischen Trainer und Mannschaft nicht mangelt. Jochum: „Irgendwann kommt der Punkt, wo jeder Spieler die Sache selbst in die Hand nehmen muss und die in ihn gesetzte Erwartung bestätigt. Das kann ich keinem abnehmen.“

Einer, der das bis zu seinem Innenbandriss im Knie gezeigt hatte, ist Donatas Zavackas. In dessen Rückkehr setzen die Ludwigsburger große Hoffnung. Das Spiel am Mittwoch in Frankfurt kommt für den Litauer aber noch zu früh.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (8. November 2010)

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