Hoeneß wettert gegen van Gaal_Der Präsident spricht dem Trainer die Teamfähigkeit ab.

3 11 2010

Die Fans haben ihn fast ein wenig vermisst, sie haben sich auch ein bisschen gewundert. Uli Hoeneß ist in den vergangenen Wochen ungewohnt ruhig gewesen. Kaum eine Aussage zur schlechten Leistung der Münchner, zu den wenigen Punkten, zu den wenigen Toren. Doch jetzt ist klar: der Bayern-Präsident wollte sich damit nur eine Bühne schaffen, großes Gehör für seine Generalkritik am Trainer Louis van Gaal, die er am Sonntagabend im Pay-TV-Sender Sky äußerte.

„Ein Fußballverein darf heute keine Einmannshow sein“, sagte Hoeneß und forderte mehr Teamfähigkeit: „Es ist schwierig, mit ihm zu reden, weil er die Meinungen anderer Leute nicht akzeptiert. Er gibt dir immer das Gefühl: du bist ein guter Kerl, ich respektiere deine Meinung, aber ich setze meinen Kopf durch.“

Die Kritik kommt vordergründig etwas überraschend, da die Bayern aus den vergangenen fünf Pflichtspielen vier Siege geholt haben. Genau deshalb habe Hoeneß so lange gewartet, weil „die Bahn für eine gute Saison jetzt frei ist“. Erst vor einem guten Monat war der Vertrag mit van Gaal bis Juni 2012 verlängert worden. Der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach damals von einer „wunderbaren Zusammenarbeit“ und von „großem Vertrauen“. So prächtig scheint das Klima an der Säbener Straße offenbar nicht zu sein.

Hoeneß sieht die schlechte Startphase in der Bundesliga auch im Fehlverhalten des Trainers begründet: „Die Spieler aus der zweiten Reihe hat man zu lange nicht starkgemacht.“ Es gebe vier, fünf Spieler, „die hier permanent falsch eingeschätzt werden“, sagte Hoeneß. Es sei richtig gewesen, diese vor der Saison gehalten zu haben. „Der Vorstand hat gesagt: jetzt ist genug, jetzt sind sie da und helfen uns, die Kohlen aus dem Feuer zu ziehen.“

In Timoschtschuk, Demichelis und Gomez nannte Hoeneß drei Spieler – alle trafen gegen Freiburg. „Jetzt zeigt sich plötzlich, dass diese Spieler sehr brauchbar sind.“ Über diese Worte dürfte sich nicht zuletzt Gomez gefreut haben, der schwere Monate unter van Gaal hinter sich hat – den Aussagen des Präsidenten vorsichtshalber aber nicht öffentlich beipflichten mag: „Dazu kann und will ich nichts sagen.“

Uli Hoeneß ist sich der Schärfe und der Wirkung seiner Worte bewusst, bei denen es sich um keinen unbedachten Schnellschuss handelte. „Ich will noch Meister werden, da muss man Reizpunkte setzen“, sagte Hoeneß, der offenbar einen Plan verfolgt: Zum einen soll klar werden, dass er immer noch im operativen Geschäft mitmischt, zum anderen will er verdeutlichen, dass sein Club nicht von einer Person in Generalsmanier regiert werden darf.

An Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist es nun, zu vermitteln. „Es wurde vereinbart, dass es zeitnah ein gemeinsames Gespräch zwischen Uli Hoeneß und Louis van Gaal, zusammen mit dem Vorstand und Sportdirektor Nerlinger, geben wird, um über die derzeitigen Unstimmigkeiten zu sprechen und sie aus der Welt zu schaffen“, teilte der Club gestern mit.

Den schlechten Wochenstart perfekt machte die Kunde von der Verletzung des Kroaten Ivica Olic. Der Stürmer hat einen Außenmeniskus- und Knorpelschaden im Knie erlitten und fällt ein halbes Jahr aus.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (2. November 2010)

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: