Doppelter Befreiungsschlag _Der FC Bayern hat sich durch drei Treffer von Mario Gomez in der Bundesliga zurückgemeldet

17 10 2010

Er war beinahe verdammt zum Tore schießen. Doch diesmal hat er dem Druck Stand gehalten – und gleich drei Mal getroffen. Mario Gomez schoss sich mit seinen ersten drei Saisontoren an die vereinsinterne Torjägerspitze des FC Bayern München. Beim 3:0-Sieg des deutschen Rekordmeisters gegen Hannover 96 machten andere die Flüchtigkeits- und Stockfehler, die Gomez bei seinem Club und in der Nationalmannschaft oft Kritik einbrachten. Am Samstag versprangen dem Stürmer keine Bälle, er schirmte die Kugel meist gut ab, behauptete sich auch in schwierigen Situationen, spielte sogar mit der Hacke Pässe. Der 25-Jährige agierte selbstbewusst – und nutzte seine Chance, die sich durch die verletzungsbedingten Ausfälle der Offensivkollegen Miroslav Klose (Muskelfaserriss) und Ivica Olic (Nasenbeinbruch) ergab. „Jedem macht Fußballspielen nur Spaß, wenn er spielt”, sagte Gomez und ergänzte: “Bis zum ersten Tor hatte ich keine Chance. Wäre ich erst nach der 70. Minute eingewechselt worden, hätte ich vielleicht gar kein Tor geschossen.“

Gomez braucht Rückendeckung, die er in Spielminuten bemisst, er benötigt eine auf ihn abgestimmte Angriffstaktik mit vielen Pässen in den Lauf. So kann der gebürtige Schwabe seine Schnelligkeit ausspielen und Torgefahr ausstrahlen. „Heute hat es funktioniert, ich habe aber auch drei wunderschöne Bälle bekommen“, sagte der Angreifer. Mario Gomez ist nicht der Typ für die aufbrausenden Worte, keiner, der jetzt abhebt. Er analysiert seine Situation ruhig und sachlich, das hat er auch gemacht, als es nicht so gut lief wie in der vergangenen Woche: vier Tore in fünf Tagen – eins gegen Kasachstan im EM-Qualifikationsspiel und nun drei gegen Hannover. Gomez hoffe, dass er nächste Woche wieder Ratschläge bekomme “von all den schlauen Kritikern. Dann nehme ich mir wieder einen Tipp raus und setze ihn um.“ Der humorvolle Seitenhieb verdeutlicht die Erleichterung.

„Die Tore sind wichtig für sein Selbstvertrauen“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal, „ich denke, dass wir in den kommenden Tagen einen sehr guten Gomez sehen werden.“ Der Niederländer war vor allem in der zweiten Hälfte mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden, erfreute sich am Umsetzen seiner Lieblingsredewendung „Chancen kreieren“. Während Anatoli Timoschtschuk  (33. Minute), Toni Kroos (67.) und Hamit Altintop (81.) das Tor verfehlten, wuchtete (72,5 km/h!) Gomez den Ball zum 1:0 per Kopf über die Linie (21.), spielte beim zweiten Treffer – der Schiedsrichter übersah dabei ein Handspiel des Stürmers – seinen Gegenspieler cool aus (77.) und traf abermals per Kopf artistisch zum Endstand (90.). Das Gefühl von drei Toren hatte Gomez zuletzt im Trikot des VfB Stuttgart im Mai 2009 erlebt. Eigentlich lassen sich dreifache Torschützen nach dem Spiel von den Fans feiern, meist stimmen sie ein „Humba Tätärä“ an. Doch Gomez verschwand sofort in den Katakomben, genoss seinen Erfolg in Stille – während der Rest des Teams draußen mit den Zuschauern jubelte.

Hannover hatte sich schon vor dem Spiel bei seinen Fans bedankt. Kurz vor Anpfiff liefen die Spieler des Trainers Mirko Slomka in Richtung des Gästefanblocks in der mit 69000 Zuschauern ausverkauften Münchner Arena und klatschten den mitgereisten Anhängern zu. Gebracht hat es nichts. Hannover agierte meist ängstlich und zurückhaltend. Vom Selbstvertrauen des guten Saisonstarts war wenig zu sehen. Die Niedersachsen ließen in der ersten Hälfte zwar kaum Chancen zu, taten in der Offensive allerdings gar nichts. Möglichkeiten ergaben sich erst nach der Pause, im Abschluss fehlte dann aber die Präzision. „Bis zur ersten Bayern-Chance haben wir gut mitgehalten, und die haben die Münchner dann eiskalt genutzt“, sagte Slomka. „Deshalb sind sie der FC Bayern.“

Der Doublegewinner aus dem Vorjahr hat sich zurückgemeldet, die Fans besangen bereits wieder den Meistertitel. Am Dienstag empfangen die Bayern in der Champions League nun aber erst einmal den CFR Cluj und spielen drei Tage später in der Bundesliga beim Hamburger SV. „Wir haben wichtige Spiele vor der Brust“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, „ich hoffe, dass wir den Schwung mitnehmen können.“

Um nicht schnell wieder gebremst zu werden, sollten die Bayern bald ihre elf verletzten Profis aufpäppeln, den belastenden Streit mit dem niederländischen Fußballverband – wie auch immer – beenden und einen Weg finden, Martin Demichelis bei Laune zu halten. Denn der wechselfreudige argentinische Nationalspieler musste trotz der zahlreichen Ausfälle – darunter Innenverteidiger Daniel van Buyten – auf der Bank Platz nehmen.

Ein anderer bayerischer Problemfall ist aber erst einmal vom Tisch: Mario Gomez hat sich selbst aus seinem Krisenkokon geschossen und damit nicht nur für einen persönlichen Befreiungsschlag gesorgt. „Jetzt bin ich wieder mittendrin, und das genieße ich.“

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