Immer am Limit_So lautet der Vierjahresplan

24 09 2010

Volleyball. Vor dem WM-Auftakt gegen Serbien am Samstag fühlt sich die deutsche Mannschaft in guter Form.

Das deutsche Volleyball-Nationalteam ist ein Sonderfall, zumindest bei den Auszeiten. Denn die wichtigste Person ist dann nicht zu sehen. Der Trainer Raúl Lozano wird mit seiner Größe von 1,63 Meter auch noch von den kleineren Spielern verdeckt. Vielleicht ist das aber auch ein Vorteil. Denn wenn der Trainer sozusagen von unten Anweisungen gibt, rücken die Spieler im Kreis um den Coach automatisch zusammen. Das verbindet, spornt an, verbessert den Teamspirit. Und genau das braucht das Team bei der am Samstag beginnenden WM in Italien.

„Es ist geil, Teil dieser Mannschaft zu sein“, sagt der Zuspieler Simon Tischer, „weil sie zielorientiert, ehrgeizig sowie talentiert ist und jeder am selben Strang zieht.“ Die Attribute, die der 28-jährige Schwabe nennt, lesen sich wie ein Abbild der Eigenschaften des Nationaltrainers. Seit 2009 im Amt, hat der Argentinier Lozano den Teamaufbau seines Vorgängers Stelian Moculescu erfolgreich fortgeführt.

Die nötige Strenge und seine penible Arbeitsweise führten die Mannschaft nach dem Gewinn der Europaliga sowie dem sechsten Platz bei der EM 2009 und einer soliden Leistung in der Weltliga 2010 auf Platz elf der Weltrangliste – so gut schnitt noch keine deutsche Männerauswahl ab. Der 54-jährige Lozano, selbst ehemaliger Zuspieler, spricht nur italienisch oder spanisch. Das sei aber kein Problem, bestätigen seine Spieler. Lozano, der das halbe Jahr über mit der Familie in Argentinien auf seiner Ranch wohnt, gilt als einer der Weltbesten seines Faches. In Polen, wo er 2006 die WM-Silbermedaille gewann, verehren ihn die Volleyballanhänger als Star.

Polen ist neben dem Auftaktgegner Serbien am Samstag und Kanada auch ein Kontrahent in einer schwierigen Vorrundengruppe. „Mal schauen, wie die Gegner reagieren, wenn wir die Leistung aus dem Training und vom heutigen Spiel abrufen können“, hatte Lozano nach dem Testspielsieg gegen den Weltmeister Brasilien am vergangenen Freitag gesagt. Eine konkrete Weltmeisterschaftsprognose, das passt nicht zum Argentinier. „Wir haben das Potenzial, um bei der WM sehr weit zu kommen“, sagt Simon Tischer, „eine einstellige Platzierung wäre gut.“ Immer am Limit müsse Deutschland dafür spielen.

Der Angreifer Georg Grozer sieht es ähnlich. „Wichtig ist, dass wir aggressiv sind und 100 Prozent geben.“ Der Trainer lebt das am Spielfeldrand vor. Lozano gestikuliert oft, redet viel, geht körperlich mit den Ballwechseln mit, verzieht bei leichten Fehlern das Gesicht. „Mein Hobby ist Volleyball“, sagt er, „ich versuche eine Trennung zwischen Jobausüben und Fansein herzustellen, aber es fällt mir schwer.“

Die Spieler haben Respekt vor ihrem Trainer. „Wir kommen Schritt für Schritt voran“, sagt Tischer. Gerade die drei Testspiele gegen Brasilien kurz vor der WM zeigten, dass das Team gut drauf ist. Die Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern stimmt. 14 Spieler reisen nach Italien. Der Plan: die gute Entwicklung der vergangenen Jahre fortführen und bestätigen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (23. September 2010)

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