Magath, der Meister der Ablenkung

6 03 2010

Er wehrt sich schon wieder. Wie in der vergangenen Saison. Felix Magath – damals noch beim VfL Wolfsburg – wollte nichts hören von einem möglichen Gewinn der deutschen Fußball-Meisterschaft. Am 25. Spieltag hatten die Niedersachsen soeben mit 3:0 in Bielefeld gewonnen und Magath sagte: „Nach dem Spiel gegen die Bayern können sie mich gerne nach der Meisterschaft fragen.“ Wolfsburg stand zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei, einen Punkt hinter Hertha BSC Berlin, punktgleich mit Bayern München.

Am Samstag, ein knappes Jahr später – Magath „herrscht“ inzwischen auf Schalke – besiegte seine Mannschaft Eintracht Frankfurt mit 4:1. Und Magath sagte: „Wir haben in den kommenden Wochen schwere Spiele vor uns. Erst danach können wir sagen, wohin wir uns orientieren.“ Das klingt wohlbekannt, und am Ende dieser Serie an schwierigen Partien – gegen Stuttgart, Hamburg und Leverkusen – gastiert abermals der FC Bayern bei Magaths Team.

Auch wenn sich der Meistertrainer der vergangenen Saison weiter wehren wird, Parallelen zur Überraschungsmeisterschaft des VfL Wolfsburg anno 2009 kann auch er nicht wegreden. Dennoch versucht es Magath. Das klang nach dem Sieg in Frankfurt so: „In Wolfsburg arbeitete das Trainerteam bereits im zweiten Jahr.“ Oder: „Mit Dzeko und Grafite hatten wir den besten Sturm der Liga, mit Misimovic den besten Vorbereiter.“ Oder so: „Es ist anders als in der letzten Saison, da hat meine Mannschaft selten in einem blauen Trikot gespielt.“

„Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt“

Magath möchte den Druck, verständlicherweise, so gering wie möglich halten. Schalke überzeugte in Frankfurt in der Tat nur mit dem Ergebnis – und dem Verwerten der Torchancen. Die Gelsenkirchener konzentrierten sich vor allem auf Standardsituationen, „aus dem Spiel heraus haben wir zu wenig entwickelt“, sagte Magath. Und dennoch reichte es zu einem 4:1 gegen die Eintracht, die Magath selbst kürzlich zu den Mitbewerbern um die Europa-League-Plätze zählte.

Dabei fehlten den Königsblauen verletzungsbedingt Stürmer Jefferson Farfán und Innenverteidiger Marcelo Bordon. Edu und der wieder genesene deutsche Nationalspieler Heiko Westermann rückten ins Team, genauso wie Carlos Zambrano. „Unser Kader ist durch die Transfers im Winter breiter“, sagte Magath, „dadurch können wir die Ausfälle kompensieren.“

Schalke hat neben einem breiten vor allem einen jungen Kader. Die Torschützen zur frühen 2:0-Führung sind erst achtzehn (Joel Matip) und zweiundzwanzig (Benedikt Höwedes) Jahre alt. Umso erstaunlicher ist die abgeklärte Schalker Art, Fußball zu spielen. „Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt“, sagte Torhüter Manuel Neuer, selbst erst 23 Jahre jung, und verriet das Rezept: „Die jungen Spieler bekommen das Vertrauen des Trainers, sind schon Stammspieler, und auch die älteren vertrauen den jungen.“

„Wir müssen erst die kommenden Spiele überstehen“

Es passt derzeit einiges beim FC Schalke, da lässt sich Neuer auch nicht durch die Entscheidung Joachim Löws zugunsten René Adlers als Stammtorhüter für die Weltmeisterschaft in Südafrika verärgern. „Hauptsache wir haben heute gegen die Adler gewonnen“, sagte er mit einem Schmunzeln und meinte damit die Frankfurter, deren Wappentier ein Greifvogel ist. Zur Titelfrage fügte Neuer an: „Es ist der falsche Zeitpunkt, um über die Meisterschaft zu sprechen. Wir müssen erst einmal die kommenden Spiele überstehen.“ Magath hat auch seine Spieler mit Zurückhaltung geimpft.

Und dennoch: Schalke ist aufgrund des Remis der Bayern in Köln auf zwei Punkte an die Münchner herangerückt, Leverkusen kann jedoch noch vorbeiziehen; es reicht dafür schon ein Unentschieden am Sonntag in Nürnberg (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Auch wenn die Leistung der Gelsenkirchener in Frankfurt tatsächlich nicht meisterlich war, zählt Magaths Team zu den Titelanwärtern – und bringt auch neben dem Platz Qualitäten dafür mit. Es ist in der Bundesliga eher die Ausnahme, dass Fans bei einem Auswärtsspiel die eigenen Anhänger singend zum Aufstehen auffordern, und sich nicht nur in diesem Block, sondern in der gesamten Arena zahlreiche blau-weiß gekleidete Menschen erheben.

Joachim Löw: „Schalke steht über den Erwartungen“

Genauso meisterlich ist das Gespür des Schalker Trainers. Als sich die Angriffe über die rechte Abwehrseite mehrten, wechselte Magath umgehend den müden Zambrano aus („Er war nicht mehr so auf der Höhe.“) und bremste somit den Offensivdrang der Frankfurter. So verhinderte Schalke nach dem Anschlusstreffer durch Alexander Meier (52.) den Ausgleich und ermöglichte die Tore drei und vier durch Ivan Rakitic (80.) und Kevin Kuranyi (89.). Damit hat Schalke einen echten Toptorjäger. Denn mit dreizehn Treffern hat Kuranyi so viele wie der Leverkusener Stefan Kießling. Das ist Ligaspitze.

Nun darf man Schalke angesichts der folgenden Aufeinandertreffen mit den anderen Meisterschaftsanwärtern nicht als Topfavorit sehen, aber vom Titel und der Champions League reden muss auf und um Schalke erlaubt sein. Das tat auch Bundestrainer Löw in der Frankfurter Arena, der sich in der Halbzeitpause an Wolfsburg erinnert fühlte: „Schalke steht über den Erwartungen und kann ohne Druck aufspielen.“ Gut, dass Magath das nicht hörte. Unter dem Strich bleibt ein hervorragender Nährboden für dessen zweiten Streich.

Mehr zum Thema bei Indirekter Freistoß

veröffentlicht auf FAZ.NET (6. März 2010)

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One response

7 03 2010
ben

die doofen schalker mit kuranyi dem honk, naja kusen verliert gerade gegen den club 🙂

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