Eintracht-Gegner: Stuttgart_VfB will schnell wieder vor die Eintracht

27 02 2010

Die Statistik besagt nichts Gutes: Beim VfB Stuttgart hat die Eintracht 24 von 39 Bundesliga-Partien verloren, dagegen stehen gerade einmal sechs Siege. Hinzu kommt, dass die Schwaben 2010 gut aufgelegt sind. Nur eine Niederlage in der Rückrunde, am vergangenen Wochenende der höchste Saisonsieg mit dem 5:1 in Köln. Auch der große FC Barcelona musste sich das Unentschieden am Dienstag hart erkämpfen. Bundestrainer Joachim Löw nominierte mit Sami Khedira, Christian Träsch, Serdar Tasçi und Cacau gleich vier Stuttgarter Spieler für den Test gegen Argentinien am kommenden Mittwoch.

Bei den Schwaben läuft es seit der Übernahme des Schweizer Trainers Christian Gross wieder den eigenen Ansprüchen entsprechend. Er lässt sich siezen, scheut auch den Konflikt mit wichtigen Spielern wie Aleksandar Hleb nicht, kennt die Statistiken des eigenen Teams und der Gegner sehr genau, gilt als akribischer und konsequenter Arbeiter. Gross gab den Stuttgartern Selbstvertrauen, Spielwitz und Torgefährlichkeit. Dass der VfB gegen Barcelona so stark aufspielte, konnte Ende 2009 niemand ahnen. „Die Moral in der Mannschaft ist nach dem Highlight am Dienstag gut“, sagt Gross, „Um den Wechsel zwischen Champions League und Bundesliga hinzukriegen, muss man mental stark sein, und das sind meine Spieler.“

Dennoch lassen die Verantwortlichen nicht davon ab, dass der VfB weiterhin gegen den Abstieg spielt. „Noch sehe ich keinen Grund, etwas an der Zielstellung Nichtabstieg zu ändern“, sagte Gross der Stuttgarter Zeitung. Indirekt stellt Manager Horst Heldt jedoch klar, was man in Stuttgart erwartet: „Es ist ein sehr professionell geführter Verein mit einem Trainer, der Ansprüche nach oben hat“, sagt er in Richtung Frankfurt, „der VfB sollte aber vor der Eintracht stehen.“ Das Saisonziel werde bei einem Sieg gegen Frankfurt wohl umformuliert. Trotz schwacher Hinrunde siegten die Stuttgarter im September deutlich 3:0 in der Frankfurter Arena. Die Torschützen Julian Schieber und Thomas Hitzlsperger werden diesmal wahrscheinlich nicht auflaufen. Während der ehemalige Kapitän mittlerweile in Rom spielt, muss sich Schieber hinter den wieder erstarkten Cacau (fünf Tore in zwei Spielen), Pavel Pogrebnyak und Ciprian Marica anstellen. Einzig Khedira könnte Trainer Gross wegen Muskelproblemen fehlen.

veröffentlicht in der FAZ (27. Februar 2010)

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Maik Franz im Interview_Teil 3: Die modernen Zigeuner

24 02 2010

In der letzten Folge des Sportlich-Gesprächs mit Maik Franz erzählt der Eintracht-Profi von seinem Faible für soziale Netzwerke (HOMEPAGE, FACEBOOK, TWITTER) im Internet – unter anderem veröffentlicht er Bilder aus dem Mannschaftsbus.

Franz richtet eine Botschaft an gewaltbereite Fans. Außerdem spricht er über das Beste und Schlechteste am Profidasein sowie über die überraschendste Frage, die ihm je gestellt wurde.





Maik Franz im Interview_Teil 2: Ein Wunsch der Coolness

17 02 2010

Vor ein paar Tagen konntet Ihr den ersten Teil des Interviews mit Bundesligakicker Maik Franz hören. Es sind jetzt insgesamt doch drei und nicht – wie angekündigt – vier Teile. Heute folgt Part zwei des Gesprächs mit dem Eintracht-Profi.

Franz spricht über seine Lieblingstrainingsübung und erklärt, wie man es in seine TRAUM-ELF schaffen kann. Außerdem sagt er, was er gerne besser können würde und erklärt, dass es für die Berufung in die Nationalmannschaft nicht nur auf Leistung und Erfahrung ankommt.





Wo die „Free Willis“ anpacken_Der Skiclub Willingen wird 100. Sein Erfolg basiert auf exzellenter Nachwuchsarbeit und vielen freiwilligen Helfern

15 02 2010

Es war ein gelungener Auftakt ins Jubiläumsjahr. Erstmals seit 2005 gewannen die deutschen Skispringer Anfang Februar die Mannschaftswertung beim Willinger Weltcup. Mit Bezirksschornsteinfegermeister Dirk Grebe als Chef der Weitenmesser hatte der Skiclub Willingen (SCW) organisatorisch das Glück herausgefordert – und seinen Teil zum Erfolg beigetragen. So soll es bei den noch ausstehenden Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen weitergehen.

Der Skiclub wurde im November 1910 gegründet. „Eine Zäsur“ in der Vereinsgeschichte war der Ausbau der Mühlenkopfanlage zu einer großen Sprungschanze in den Jahren 1949 und 1950, wie Manfred Stede sagt, der viele Jahre im Vorstand des SCW arbeitete und derzeit eine Jubiläumsschrift verfasst. „Wir hatten die größte Anlage Deutschlands, standen mit einem Schlag im Mittelpunkt.“ Dass mit Sepp Weiler gleich ein Deutscher den neuen Schanzenrekord von 101 Metern aufstellte, beflügelte das Hochgefühl. Neue Mitglieder drängten in den Klub. Ein weiterer „gewaltiger Schub“ war der Einstieg in den Skisprung-Weltcup 1995. „Das hat auch viele Auswärtige angelockt“, sagt Stede. Spätestens jetzt war Willingen international etabliert. Beim Umbau im Jahr 2000 trugen die Bauarbeiter 45 000 Kubikmeter Erdreich ab, die Mühlenkopfschanze wurde zur größten Sprungschanze der Welt – nur Skifluganlagen sind gewaltiger. Kostenpunkt: 12,5 Millionen Mark. Geld wird beim SCW jedoch nicht verprasst: Zur Präparierung der Schanzenspur haben die Willinger eine eigene Fräse entwickelt und somit viele tausend Euro gespart. Dennoch haben Gäste immer wieder Probleme bei der Anfahrt. „In den Navigationsgeräten kommt Willingen im Westerwald vor Willingen im Upland“, erklärt Stede, „da drückt man Willingen und gleich auf ,ok‘, und schon fährt man falsch.“ So sei es auch dem ehemaligen Boxweltmeister Henry Maske schon ergangen.

Die Ortschaft hat 20 Kilometer Ski-Abfahrten, 90 Kilometer Langlaufloipen, 20 Skilifte, sieben Förderbänder und eine Kabinenseilbahn. Hinzu kommt eine Flutlichtpiste mit einer Länge von 1500 Metern. „Willingen ist aber ein Viersaisonstandpunkt“, sagt der örtliche Touristikmanager Ernst Kesper, „die Wintersaison bringt uns 350 000 von rund einer Million Übernachtungen pro Jahr.“ Das ist eng an die vom SCW veranstalteten Skisprungwettkämpfe geknüpft. „Das hohe Medieninteresse für den Ort Willingen wird durch den Skiclub erzeugt. Er ist absolut wichtig“, sagt Kesper.

3700 Einwohner leben in der hessischen Gemeinde, 1106 Mitglieder zählt der Skiclub. Dieser ist vor allem für drei Dinge bekannt: hochwertige Nachwuchsarbeit, gute Stimmung, viele freiwillige Helfer. Der SC Willingen hat einige erfolgreiche Sportler hervorgebracht. Zum Beispiel Jochen Behle, heute Bundestrainer im Skilanglauf. Oder Petra Behle, Biathlon-Olympiasiegerin 1998. Oder Dirk Kramer, deutscher Meister in der Nordischen Kombination aus dem Jahr 1983. Der erste Willinger Olympiateilnehmer war Karl Schüssler – Oslo, 1952, Langlauf. „Ihr steht hier nicht nur für exzellente Sportveranstaltungen, sondern auch für exzellente Nachwuchsarbeit“, sagte Jürgen Wolf vom Deutschen Skiverband bei der Eröffnung des diesjährigen Weltcups. Erst im Januar wurde Nachwuchsspringer Stephan Leyhe mit dem deutschen Team Zweiter bei der Junioren-Weltmeisterschaft. „Ein Neugeborenes wird zuerst im Skiclub angemeldet, danach im Standesamt“, sagt Stede.

Bei der Liebe zum Wintersport schüttelt in Willingen auch kaum einer den Kopf darüber, dass an einem Wettkampfwochenende an die 90 000 Zuschauer in die Ortschaft pilgern. „Für uns ist es ein Zugpferd, dass wir die beste Stimmung und die meisten Zuschauer haben“, sagt Christine Hensel von der SCW-Geschäftsstelle. Der Skiclub kann die Bewirtung des jährlichen Großereignisses aber noch selbst stemmen. Das liegt auch an der großen Zahl der freiwilligen Helfer – in Anlehnung an den Ortsnamen „Free Willis“ genannt. „Alle ziehen an einem Strang“, sagt Dirk Kramer, Sportlicher Leiter beim SC Willingen.

Kramers Onkel Friedrich ist mit 95 Jahren das älteste Mitglied des Klubs. Er war schon freiwilliger Helfer, als diese noch nicht „Free Willis“ hießen. Nach dem Krieg lieh er amerikanischen Soldaten seine Motorräder und bekam im Gegenzug Benzin. Mit dem Treibstoff unterstützte Kramer die Willinger Vereine. „Ich hatte mehr Benzin als Wasser“, sagt er und erzählt von seinen Chauffeurdiensten ungefähr 20 Jahre später: „Wenn es schnell gehen musste, habe ich die Springer von Frankfurt abgeholt und wieder hingebracht – vor allem Norweger und Schweden.“ Außerdem ist er einmal selbst von der Mühlenkopfschanze gesprungen – in „Oma-Klamotten“, um Geld für den Verein zu sammeln. Heute nimmt er noch an vielen Vereinssitzungen teil, bei den Weltcups schaut Kramer aber kaum mehr vorbei. „Der Skiclub ist mir zu groß geworden“, sagt er, „zu viel Trubel.“

Bei der Omnipräsenz des Wintersports – Biathlon, Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination, Ski Alpin – darf man die Fußballabteilung des Skiclubs nicht vergessen. Anfang und Mitte der neunziger Jahre spielte Willingen zusammen mit den Offenbacher Kickers und Hessen Kassel in der hessischen Oberliga. 2000 bis 3000 Zuschauer besuchten die Heimspiele. Auswärts wurde der SCW dabei oft als Sportclub angekündigt. Heute, in der Gruppenliga Kassel, ist das nicht mehr der Fall. Den derzeitigen Tabellenführer kennt jeder mit dem richtigen Namen. 100 wird in diesem Jahr aber nur die Wintersportabteilung. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten zählen auch die deutschen Biathlon-Meisterschaften, die der SC Willingen 2010 austrägt. Ein Tipp für die Gäste: Bei der Anreise den Zielort im Navigationsgerät genau prüfen. Sonst steht auf dem Ortsschild plötzlich: „Willkommen in Willingen (Westerwald)“.

veröffentlicht in der FAZ (15. Februar 2010)





Ein Ausweg für Außenseiter_“Düsseldorfer Modell“ analysiert Kinder, empfiehlt Bewegungsangebote – und ist damit erfolgreich

15 02 2010

Der Volksmund behauptet: Kinder und Jugendliche werden immer dicker und unsportlicher. Allgemeingültig ist das nicht, das belegen wissenschaftliche Analysen. Auch in Düsseldorf trifft das nicht zu. Denn dort hat das Sportamt zusammen mit dem Stadtsportbund und der Universität schon 2002 das „Düsseldorfer Modell“ (Dümo) der Bewegungs-, Sport- und Talentförderung entwickelt. Das Ziel: Bewegungsdefizite abbauen, sportmotorische Fähigkeiten stützen, Talente fördern.

Seit dem Projektstart sammeln die Dümo-Verantwortlichen mit Hilfe von Sportwissenschaftlern der Universitäten Düsseldorf und Wuppertal Daten zum Sportverhalten und zur Fitness des Nachwuchses. 25 000 Zweitklässler („Check“) und 15 000 Fünftklässler („Re-Check“) wurden bisher analysiert, in sogenannten motodiagnostischen Komplextests. Die neuesten Ergebnisse haben untermauert, welchen Erfolg die Konzeption hat. Unter allen Kindern und Jugendlichen galten vergangenes Jahr 8,5 Prozent als sportmotorisch mangelhaft, 2003 lag diese Quote noch drei Prozentpunkte höher. Die Anzahl der übergewichtigen Kinder nahm im gleichen Maße ab, außerdem sind mehr Kinder Mitglieder in Sportvereinen. Mittlerweile haben Nachbarstädte das Modell übernommen.

Martin ist zehn Jahre alt, er geht in die vierte Klasse einer Düsseldorfer Gemeinschaftsgrundschule. Vor zwei Jahren nahm er am sportmotorischen Test des Düsseldorfer Modells teil, schnitt mit der Schulnote fünf ab. Martin war adipös, verweigerte sich oftmals dem Sportunterricht. Heute ist er sichtlich schlanker, treibt öfter Sport, und auch seine kognitiven Leistungen haben sich verbessert. Seine gesamte Einstellung zur Schule veränderte sich positiv, und er hat mittlerweile eine Empfehlung für die Realschule. „Es wäre vermessen das allein auf das Modell zurückzuführen“, sagt Martins Schulleiter Richard Schmitz, der gleichzeitig Schulsportberater ist, „aber es ist sicherlich ein Baustein, Probleme bewusst zu machen – auch im Elternhaus.“ In der Familie habe ein Umdenken stattgefunden, die Ernährung sei besser geworden. „Martin ist jetzt im Normbereich der Klasse, während er vorher der Außenseiter war. Seine Persönlichkeit ist gefestigter“, sagt Schmitz.

Zu einer Fachtagung des Düsseldorfer Modells Ende November 2009 kamen unter anderem Vertreter aus Berlin, Stuttgart und Basel. „Es ist das beste Modell, das derzeit existiert“, sagt Andi Mündörfer vom Stuttgarter Sportamt, „man erreicht alle Kinder, kann Jugendliche gezielt ansprechen.“ Insgesamt sei das Konzept eine „tolle Gratwanderung, den Kindern zu helfen, aber den Eltern dabei nicht zu sehr in die Erziehung zu reden“. Worauf sollten Dümo-Nachahmer achten? „Es muss ein Engagement von Amt, Schule und Verein sein“, sagt der Düsseldorfer Beigeordnete Burkhard Hintzsche, „und 70 000 Euro sind in einer Stadt wie Düsseldorf im Jahreshaushalt nötig.“ Erstaunlich sei, dass sehr viele Schüler und Institutionen mitmachen, obwohl die Teilnahme freiwillig ist. Das Konzept fußt auf vier Altersstufen – Vorschulkinder, Erst- und Zweitklässler, Dritt- und Viertklässler sowie Schüler der Sekundarstufe, mit Forschungsschwerpunkt bei Zweit- und Fünftklässlern. Am Ende jeder Stufe werden die motorischen Fähigkeiten überprüft, die Ergebnisse bestimmen weitere Fördervorschläge, die sich nach der Begabung richten. Das Ziel ist erreicht, wenn keine Förderung mehr nötig, die Kinder und Jugendlichen sportlich aktiv sind, Sport zum Lebensstil gehört und die Talente in gut funktionierenden Stützpunkten, Internaten oder Partnerschulen untergebracht sind.

Das Düsseldorfer Sportamt koordiniert Förderkurse in Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen, Bädern und Vereinen. Aus kommunalen Mitteln werden auch Talentgruppen aufgebaut, Bewegungsfeste veranstaltet oder Kita-Schwimmen angeboten. Im offenen Ganztag der meisten Grundschulen sind mittlerweile dreißig Prozent aller Bildungsangebote sportlicher Natur, zwölf Düsseldorfer Kindergärten sind zu Bewegungskitas weiterentwickelt worden. In „Talentiaden“ werden besonders Begabte gesichtet, auf der jährlichen Kindersportmesse „Kids in Action“ lernt der Nachwuchs Sportarten wie Unterwasserrugby, Voltigieren oder Fechten und vielfältige andere Formen der sportlichen Freizeitgestaltung kennen. „Außerdem haben die Eltern die Möglichkeit, sich bei uns zu melden“, sagt Clemens Bachmann vom Düsseldorfer Sportamt, „wir beraten sie entsprechend der Testergebnisse ihrer Kinder über weitere Fördermaßnahmen.“ Das Sportamt organisiert überdies Lehrgänge für Trainer, Übungsleiter, Erzieher sowie Lehrer und vermittelt Informationen über Vereine und Sportzentren.

Der Wert des Düsseldorfer Modells liegt aber nicht nur in der Förderung, sondern ebenso im Datenmaterial. Dieses gibt auch Aufschluss über die Einflüsse des Umfeldes auf das Sportverhalten. „Die größten Einflussfaktoren sind soziale Belastung, Migrationshintergrund, Vereinszugehörigkeit und Sportaffinität der Eltern“, sagt Bachmann. Die Ergebnisse haben beispielsweise gezeigt, dass Kinder und Jugendliche mit hoher sozialer Belastung weniger leistungsfähig sind. Professor Theodor Stemper ist der Herr der Zahlen, er leitet die Untersuchungen. „Sport ist mittel- und oberschichtenlastig“, sagt er und verweist auf einen weiteren Zusammenhang: Die fittesten Kinder hatten auch die besten Mathematik- und Deutschnoten. Was nicht heißt: Wer sportlich fit ist, kann auch gut rechnen. „Es bestätigt aber, dass Kinder mit einer guten Förderung sportlich und schulisch gut sind“, sagt Stemper.

Der Düsseldorfer Landtag und der Landeselternrat empfehlen mittlerweile, dass in seiner Gesamtkonzeption einmalige Modell flächendeckend für Nordrhein-Westfalen umzusetzen. „Das Düsseldorfer Modell erscheint mir insbesondere deswegen interessant, weil es die Kinder in ihrer Entwicklung über mehrere Jahre begleitet“, sagt die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages Dagmar Freitag, „ich hoffe, dass die Bewegungsempfehlungen von den Eltern auf- und ernst genommen werden.“

Kinder und Jugendliche sind heute zwar gefährdeter, dick und unsportlich zu werden. Gründe sind eine Vielzahl an medialen Ablenkungsmöglichkeiten wie Internet oder Spielkonsolen, die zunehmende Motorisierung – Kinder kommen heute vermehrt mit dem Bus oder dem Auto in die Schule statt per Fuß oder Rad – und die häufige Berufstätigkeit beider Eltern, so dass weniger Zeit für familiäres Herumtoben im Freien bleibt. Das Düsseldorfer Modell belegt jedoch: Kinder und Jugendliche von heute sind nicht per se dicker und unsportlicher als früher. Sie müssen inzwischen nur verstärkt zum Sport und zur Bewegung animiert werden. Doch die Bereitschaft, solche Angebote auch anzunehmen, ist vorhanden.

veröffentlicht in der FAZ (13. Februar 2010)





Maik Franz im Interview_Teil 1: Der Sturmneid

12 02 2010

Vor ein paar Wochen hatten wir Maik Franz von Eintracht Frankfurt zum Redaktionsgespräch in der FAZ für den Rhein-Main-Sport. Ich war auch dabei und hab ihn danach gefragt, ob er Lust hat, mir für den Blog ein Audio-Interview zu geben. Er hatte, und so trafen wir uns vergangenen Donnerstag (11.02.) und haben uns ne halbe Stunde unterhalten.

Maik Franz war schon im Redaktionsinterview sehr authentisch, drückte sich dennoch bedacht aus und ist insgesamt ein dankenswerter Interviewpartner, was sich auch im Sportlich-Gespräch bestätigt hat. Seinem Image auf dem Fußballplatz entsprechend erwartet man jedenfalls einen anderen Menschen.

Franz hat mit sechs Jahren angefangen, Fußball zu spielen und wurde unter anderem von seinem Vater trainiert. Er war in der ehemaligen DDR zwei Jahre auf einem Sportinternat. Nach der Einheit wechselte der gebürtige Merseburger vom 1. FC Magdeburg ins Profigeschäft zum VfL Wolfsburg.

Das Ergebnis des FAZ-Redaktionsgesprächs findet Ihr HIER. Bei den 30 Minuten, die ich mich nun mit ihm unterhalten habe, lag der Fokus auf anderen Punkten. Da ich die reale Gesprächssituation vermitteln will, habe ich die Aufnahme nur ein wenig geglättet, aber kaum gekürzt.

In vier Etappen wird auf Sportlich in der nächsten Zeit das komplette Interview gepostet. Im ersten Teil haben wir uns über seinen Einstieg ins Profigeschäft, die Besonderheiten von ostdeutschen Kickern und sein Rauhbein-Image unterhalten. Dabei verrät Maik Franz auch, dass er seine Sturmkollegen beneidet.





„Wie die Expo auf Steroiden“_Prostitution während der Olympischen Spiele

3 02 2010

Am 12. Februar werden die Olympischen Winterspiele in Kanada eröffnet, ein paar Stunden zuvor bestreiten die Skispringer bereits ihren Qualifikationswettkampf. Ein Teil des deutschen Teams fliegt morgen (03.02.) nach Vancouver. Das erste sportliche Großereignis des Jahres 2010 steht in den Startblöcken, und in Kanada hat eine Berufsgruppe Sorgen: die Prostituierten.

Sie befürchten, dass sie der Nachfrage während der Spiele nicht gerecht werden können. „Uns wurde gesagt, dass wir 1.000 Mal mehr zu tun haben werden, als wir es uns vorstellen können“,  sagte Brandy Sarionder, die in
Vancouver einen Strip-Club und einen Massage-Salon betreibt, der kanadischen Tageszeitung Vancouver Sun, „ich habe ein wenig Angst, dass
meine Leute ein Burn-out bekommen.“

Sarionder hat aber vorgesorgt. Sie hat zusätzliche Türsteher, Sicherheitskräfte und Barleute  angeheuert, ihre Tänzerinnen schieben Extra-Schichten, und sie hat ihre Öffnungszeiten ausgeweitet. „Das wird wie die Expo auf Steroiden“, sagte Sarionder in Anlehnung an den Betrieb während der Weltausstellung. Ihren Angestellten, die dem Event aufgeregt entgegenblicken, wie Sarionder sagt, hat sie klar gemacht: „Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon.“

Der größte Strip-Club Vancouvers will seine Lusträume während der Spiele olympiathematisch dekorieren – ganz geheim, damit es keinen Stress mit den olympischen Behörden gibt. Ein Eskort-Service hat unterdessen begonnen, Frauen vom Ausland für die Olympischen Spiele einzustellen. Kanadas größter Service dieser Art erhält wöchentlich an die 100 Bewerbungen für eine Stelle während der Spiele. 300 bis 400 Dollar die Stunde gibt es im Normalfall, für „VIP foxes“ rechnet die Besitzerin Carman Fox mit 10.000 Dollar und mehr für eine Stunde.

Dominatrix „Miss Jasmine“ erwartet auch einige Europäer – besonders aus Großbritannien und der Bundesrepublik: „Briten und Deutsche sind oftmals  pervers drauf.“ Derweil werden Prostituierten-Gesuche aufgegeben: „Dringend Aushilfe gesucht“, heißt eines, „die Olympier sind bereits hier…bis zu 30.000 Dollar in zwei Wochen möglich…wirklich!“

Auf Sicherheit wird großer Wert gelegt. Während der großen Parties und Events verteilen Freiwillige 20.000 Päckchen mit Kondomen, Informationen zu Sexhandel und HIV sowie eine Grußkarte mit der Aufschrift: „Vancouver sex-industry workers welcome the world. Please treat us with respect and play safe.“ Die Polizei wird sich derweil um die Prostituierten kümmern. Man werde sich wie immer verhalten, nicht anders als sonst einschreiten, sagte Polizistin Lindsey Houghton. „Eine Einheit arbeitet eng mit den Mädchen und den Jungs zusammen. Es gab Prostitution vor den Spielen, es wird sie während der Spiele geben und danach.“

Mehr als eine Million Besucher werden erwartet. 2.000 Prostituierte sollen derzeit in Vancouver arbeiten, diese Zahl könne sich für die Olympischen Spiele verdoppeln.  Ein Großteil der von der Sexindustrie eingesetzten Prostituierten sind „nach Angaben von Experten Opfer von Menschenhandel“, wie das Nachrichtenportal „idea“ schreibt. Die kanadische Heilsarmee will daher während der Spiele mit Infomaterial und Personal auf die Gefahren der Prostitution und des Menschenhandels hinweisen. Anglikanische und römisch-katholische Bischöfe schreiben in einer anderen Botschaft: „Der Kauf und Verkauf von Menschen untergräbt den olympischen Geist im Kern.“ Sie rufen dazu auf, die Würde jedes Menschen zu verteidigen.

„idea“ berichtet unterdessen von einer bereits im Juni veröffentlichten Studie – ohne den Verfasser zu nennen -, die weder einen Anstieg der Sexdienste noch des Menschenhandels prophezeit. Das habe es vor den Sommerspielen von Griechenland und der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland auch geheißen – bestätigt habe sich diese Prognose aber nicht.

Infos von THE VANCOUVER SUN und vom christlichen Nachrichtenportal IDEA