Bundesliga-Kommentar_Ein Ein-Mann-Sturm muss alleine kommen

31 01 2010

Es war ein schöner Einstieg in eine Pressekonferenz nach dem Bundesligaspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln. Zvonimir Soldo, Trainer der Kölner Defensivkünstler, schloss sein Resümee – zu Beginn einer PK gibt jeder Trainer seine Einschätzung zur Partie ab – mit einem Schmunzeln: „Wir haben verdient und glücklich gewonnen.“ Eintracht-Coach Michael Skibbe nahm den Pass auf und begann seine Aussage mit: „Wir haben unglücklich unverdient verloren.“

In der Analyse lag Skibbe eher richtig als sein Kollege Soldo. Köln hat sicherlich sehr glücklich und auch unverdient gewonnen. Die eigentlichen Verlierer waren aber 45.100 Zuschauer in der Frankfurter Arena. In einer Arschkälte mussten diese 65 Minuten Graupen-und-Gähn-Fußball erleiden. Da war es auch nicht förderlich, dass der starke Schneefall an der Stadionoberseite auf die Tribünen schlüpfte. Dankenswerter Weise wurde das Spiel im letzten Drittel schneller, spannender, besser – aufgrund des – Entschuldigung, Herr Soldo – glücklichen 1:0 der Kölner durch Maniche.

Jetzt ist Frankfurt gegen Köln so eine Partie,  bei der man in der Regel keinen Sahnefußball erwartet – ob das nun berechtigt ist oder nicht. Aber die gestrige (30.1.) Partie hat gezeigt, dass ein Spiel umso zäher ist, wenn beide Teams mit nur einem Stürmer auflaufen. Auch wenn Eintracht Frankfurt mit einem offensiv eingestellten Mittelfeld agierte, war Neuzugang Halil Altintop vor allem in der ersten Hälfte nicht nur auf dem Taktikbrett auf sich allein gestellt.

Mit nur einem Stürmer ist es im Mittelfeld automatisch enger, die Gefahr der Ballverluste nimmt zu, das Spiel ist schnell zerfahren. Die Folge sind hohe, lange Bälle, um den massiven Mittelblock auszuhebeln. Aber das ist wiederum auf einem schneeigen, glitschigen Boden oft auch uneffektiv, weil der Ball wegschliddert. Wenn solch ein langer Pass dann doch mal ankommt, sieht sich der stürmische Einzelgänger meist einer aussichtslosen Unterzahlsituation ausgesetzt.

Für eine Auswärtsmannschaft vom Kölner Kaliber ist eine defensive Grundeinstellung („Da sind die Kölner sehr geschickt“, sagte Skibbe.) wohl die richtige Taktikwahl. Aber als Heimteam sollte man gerade gegen ein Abwehrbollwerk eher mit zwei Stürmern auflaufen. Oder zumindest mehr Spieler in der Formation haben, die mit dynamischen Alleingängen gefährlich sein können. Ümit Korkmaz wirbelte nach seiner Einwechslung auf Frankfurter Seite und Zoran Tosic – auch er kam später – bei den Kölnern, was gleich mehr Dynamik ins Spiel brachte. (Für Korkmaz endete der Kurzeinsatz mit einem doppelten Jochbeinbruch.)

Skibbe, Altintop und Marco Russ attestierten dem FC eine tiefe Grundeinstellung, die es schwierig mache, zum Tor durchzustoßen. Das stimmt sicherlich, aber als die Eintracht auf einen Zwei-Mann-Sturm umstellte, waren die Chancen gleich da. Daher eine Bitte: Als Heimmannschaft gegen ein offensivschwaches Team nicht nur mit einem Angreifer spielen. Das freut auch die Fans.

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2 responses

2 02 2010
Jochamp

Ich muss dem Autor bis auf die Arschkälte wiedersprechen.

M.E.n hat Köln ganz und gar nicht unverdient gewonnen – der FC hatte die besseren Chancen und hat ein Tor aus dem Spiel heraus erzielt – im Gegensatz zu Frankfurt die im Abschluss einfach nur schwach waren – auch in ihrer Drangphase.

Ob unverdient oder nicht spielt im Grunde keine Rolle, denn es geht in erster Linie nicht um Tore sondern um Punkte. Daher müsste der Autor Fazit der Vollständigkeit noch erweitern: „Daher eine Bitte: Als Heimmannschaft gegen ein offensivschwaches Team nicht nur mit einem Angreifer spielen – und in Kauf nehmen, dass man eher verliert als gewinnt.“ – das war übrigens bei FC zu Beginn der Saison auch: Offensiv und schön gespielt und doch verloren fanden die Fans gar nicht witzig.

Grüße

JP

PS: Zum Thema offensivschwaches Team – der FC hat in den letzten 4 Spielen 10 Tore geschossen 😉

2 02 2010
fabischmidt

Das ist richtig, die vergangenen Spiele waren insgesamt Torfestivals vom Feinsten. Jedoch sind nur Nürnberg und Berlin schlechter im Toreschießen. Von daher glaube ich, dass man immer noch von einem offensivschwachen Team sprechen kann. Das hat auch das Spiel in Frankfurt wieder gezeigt.

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