Bundesliga-Kommentar_Das Prinzip Hoffnung

17 01 2010

Es wurde ja schon viel geredet über die kurze oder zu kurze Winterpause. Minus zehn Grad wurden vor dem ersten Bundesligaspiel in der Allianz Arena am Freitag zwischen Bayern und Hoffenheim gemeldet. Dabei ist es wohl gerade in München egal, wie kalt es ist. Die Bayern bestrahlen ihr Spielfeld mit 540 Lampen zu jeweils 1.000 Watt, wenn zu wenig Tageslicht auf den Rasen fällt. Und dann gibt es ja noch die Rasenheizung. Das Ergebnis konnte man beim 2:0-Erfolg gegen Hoffenheim sehen. Für einen gepflegten Untergrund lohnt sich der Aufwand, die ökonomischen und ökologischen Ausmaße sind eine andere Frage.

Jedenfalls haben die Zeitungen seit Freitag wieder viel über ihren Lieblingsplatzfüllsport zu schreiben, die Fußballabteilung des Bezahlsenders sky hat wieder Arbeit und die Radiokommentatoren passen sich wieder Verbalvorlagen in der Konferenz quer durch die Republik zu. Was bleibt nach dem ersten Spieltag 2010? Bayern München hat den Aufwärtstrend über Weihnachten beibehalten, Jupp Heynkes ist seit Samstag (16.1.) nicht nur mit Geburtstagskind Udo Lattek als dritterfahrenster Trainer (524 Bundesligaspiele) gleichgezogen, sondern hält Bayer Leverkusen weiter auf Meisterschaftskurs. Im ersten Spiel nach der Winterpause war aber auch nichts anderes zu erwarten, denn Leverkusen hat nun in den vergangenen sechs Jahren fünf Siege und ein Unentschieden geholt – das ist Ligaspitze. Der VfB Stuttgart profitiert von Schweizer Härte und vermiest Dieter Hoeneß den Start auf der Bank beim VfL Wolfsburg. Kevin Kuranyi empfiehlt sich weiterhin für Joachim Löw und der neue Kölner Kapitan Youssef Mohamad macht Dortmund mit seinem späten 2:2-Ausgleich doch nicht bekloppt, weil Kevin Großkreutz fast im direkten Gegenzug in der Nachspielzeit den BVB-Siegtreffer erzielt – große Unterhaltung zum Abschluss des Spieltags. Lukas Podolski hat indes seinen Torlos-Rekord auf 1.123 Minuten ausgebaut, er wurde schon nach einer Stunde ausgewechselt. 

Am meisten gestaunt haben die Fußballanhänger aber sicherlich in Hannover. Berlin – Tabellenletzter, gerade mal ein Saisonsieg, magere sechs Punkte nach 17 Spielen – gewinnt 3:0 bei 96 und der Berliner Cicero verschießt dabei sogar noch einen Elfmeter.

Die Hertha glaubt an sich. Das war nicht nur ein Lebenszeichen sondern der Beginn einer Aufholjagd, denn Berlin wird nicht absteigen.

Mit Friedhelm Funkel hat Hertha BSC Berlin einen abstiegserfahrenen Trainer. Zudem ist er es gewohnt, Mannschaften ohne Sexappeal zu trainieren. Außer beim 1. FC Köln war er als Coach bei weniger schillernden Mannschaften wie Bayer 05 Uerdingen, Meidericher SV Duisburg, Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt an der Seitenlinie tätig. Da passt die Hertha hervorragend.
Von den drei Neuzugängen, die in der Winterpause nach Berlin kamen, wird vor allem in Theofanis Gekas viel Hoffnung gesetzt. Mit seinem Treffer zum 3:0 gegen Hannover hat der aktuelle Torschützenkönig der WM-Qualifikation in Europa gleich mal für das richtige Begrüßungsmitbringsel gesorgt. Aber auch der erfahrene Levan Kobiashvili sowie der 25-jährige Tscheche Roman Hubnik werden den Berlinern helfen, doch noch in der Liga zu bleiben.

Die psychologische Komponente ist aufgrund des krassen Rückstands auch ein Vorteil für Hertha BSC. Zum einen haben sie, wie es so schön heißt, nichts zu verlieren und können daher, wie es auch so schön heißt, befreit aufspielen. So blöd sich diese Floskeln auch anhören mögen, bewahrheitet haben sie sich dennoch des Öfteren. Zum anderen glaubt ohnehin kaum jemand daran, dass Berlin den Nichtabstieg noch schafft. Somit sinkt der mediale Druck und das Befreit-Aufspielen und Nichts-mehr-zu-verlieren-Haben kommt also nicht nur von innen, sondern wird auch von außen an sie herangetragen. Je höher man im Rückstand liegt, desto stärker klammert man sich an die Hoffnung – wenn man nicht resigniert, aber dafür ist es einfach noch viel zu früh.

Und dann gibt es in Berlin ja noch den Bundestagsabgeordneten Frank Steffel von der CDU. Er ist Präsident des Handballbundesligisten Reinickendorfer Füchse und hat vor Weihnachten einen Brief u. a. an Werner Gegenbauer, den Präsidenten von Hertha BSC, geschrieben. Sein Plan sieht knapp 22 Millionen Euro vor, die der Berliner Erstliga-Fußballklub im Abstiegskampf erhalten könnte: Hertha-Manager Michael Preetz soll für einen Euro im Monat arbeiten, die Betreiber des Olympiastadions sollen auf die Einnahmen verzichten, und die Einwohner der Hauptsstadt sollen eine Million SMS für die Hertha schreiben. Dieses Konzept kann bewundert oder belächelt werden, mit Sicherheit ist es besonders.

Am Dienstag (19.1.) treffen sich der Politiker und die führenden Hertha-Vertreter jedenfalls. Das Projekt Nichtabstieg bekommt dann vielleicht noch einen weiteren Schub.

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