Südafrikanische Ansichten zur Sicherheitsfrage bei der WM

16 01 2010

Die letzten Meldungen über die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Juni und Juli dieses Jahres waren geprägt von negativen Themen. Zum einen ging es um den schleppenden Ticketverkauf. Die Süddeutsche Zeitung schrieb beispielsweise, dass der DFB für die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien, Ghana und Serbien nur um die tausend Tickets abgesetzt hat. Am Mittwoch (13.1.) war die Verkaufsrunde zu Ende gegangen, ca. 21.000 Tickets stünden dem DFB für die Vorrunde zu. Auf Nachfragen sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger lediglich: „Wir kommentieren keinerlei Zahlen, solange uns noch nichts vorliegt. Wir warten, welche Zahlen uns von der FIFA vorgelegt werden, dann sehen wir weiter.“

Auch der Anschlag zu Beginn der Afrikameisterschaft in Angola – drei Personen starben bei einem Angriff von Flec-Rebellen auf den Bus des Nationalteams aus Togo – warf seine Schatten bis ans Kap. Sicherheitssorgen wurden umgehend auch bezüglich der Weltmeisterschaft geäußert. Erbost zeigte sich daraufhin Danny Jordaan, Generalsekretär des lokalen WM-Organisationskomitees, griff unter anderem den deutschen Ligapräsidenten Reinhard Rauball an, bezeichnete ihn als „uninformiert“. „Die Geschehnisse beim Afrika-Cup waren ein furchtbarer terroristischer Akt“, hatte Rauball gesagt, „wir können die Sache nicht so bewerten, dass es in Südafrika ganz anders wird als in Angola.“

Es ist sicherlich verständlich, dass sich Jordaan über diese Aussage nicht erfreut zeigte, doch mit seiner Aussage, die Sicherheitsvorkehrungen in Südafrika seien „besser, als sie bei der letzten Weltmeisterschaft in Deutschland waren“, hat er sich wohl keinen Gefallen getan. Dieses Statement wird an ihm haften wie Jürgen Klinsmanns berühmter Satz „Ich werde jeden Spieler jeden Tag ein Stückchen besser machen“.

Ich habe mich nun mal ein wenig auf südafrikanischen Websites umgesehen, um die Reaktion von Jordaans Landsleuten und Kontinentalkollegen zu lesen.

Ein Kommentar im Online-Auftritt des Fernsehsenders „Supersport“ („Danny Jordaan misses the point“) kritisierte Jordaan bezüglich seiner Aussagen zum Anschlag in Angola. Der Autor fand es falsch, dass sich der WM-Chef-Organisator auf die Sicherheit in Südafrika konzentrierte, anstatt intensives Beileid und Trauer für die togolesischen Spieler auszudrücken – wie es in Afrika üblich sei.

Die Zeitung „Star“ schrieb unter dem Titel „SA passes 2010 test„, dass Südafrika in der vergangenen Woche einen wesentlichen Wettstreit in der Diskussion um die Sicherheit während der WM gewonnen habe. In diesem Fall finde ich aber, dass das Medium gerade die Aussagen von internationalen Reiseveranstaltern teilweise zu positiv interpretierte. Beispielsweise sagte Frank Jungermann von Vieten Tours, dass der Anschlag die Verkaufsbedingungen verschlechtert habe. „Die einzigen Probleme, die wir haben, sind Entfernung, Preis, Sicherheit und Rezession. Auch größere Firmen machen keine Incentives mehr. Was in Angola passiert ist, wird nun in den deutschen Medien mit Südafrika in Verbindung gebracht. Das hilft uns beim Verkaufen nicht wirklich.“

Ein dänischer Kollege meinte hingegen, dass die Berichte über die Sicherheit keinerlei Auswirkungen auf die Buchungen zu haben scheinen. „Wir sind normale, vernünftige Leute, nicht wie die Briten. Natürlich ist die Kriminalität in Südafrika ein Thema, aber die Leute wollen den Fußball einfach sehen.“ 

Im Online-Auftritt von „Mail&Guardian“ diskutieren die User angeregt zum Artikel „Jordaan: Don’t judge SA on Angola attack„. Vor allem wird dabei der Vergleich Angola – Südafrika kritisiert. „Das war eine Übertreigung vom Feinsten“, sagte ein User mit Bezug auf die deutsche Reaktion zum Anschlag in Angola, „und ein Vorurteil, dass der Westen gegenüber Afrika hat.“

Auf der Website von „TimesLive“ haben die User keine gute Meinung von Sicherheitskritikern. Diese werden unter anderem des Rassismus bezichtigt. Ein User schreibt beispielsweise: „Deutsche sind teilweise genauso unreife Rassisten wie weiße Südafrikaner, ihr Leute müsst Gott anbeten, dass er euch vom Rassismus befreit.“

Auch Zwanzigers Äußerungen zur Sicherheitslage in Südafrika („Man darf das Thema [Sicherheit] nicht herunterspielen, man muss es sehr ernst nehmen.“) riefen in einer anderen Diskussion Beschimpfungen hervor. Ein Diskutant sagt jedoch: „Eine interessante Entwicklung, die nicht unterschätzt werden darf. Die Sicherheit dieser WM wird die beste in der Welt sein müssen.“

Die letzte Aussage spiegelt den Druck, der auf den Organisatoren lastet, sehr gut wieder. Danny Jordaan hat diesen mit seinem Besser-als-in-Deutschland-Statement zudem unnötig  erhöht. Schaden kann diese Sicherheitsdiskussion zwar der Vorfreude und den Ticketverkäufen. Jedoch ist es besser, alles so sicher wie möglich zu planen, als nachher in einem Anschlag Menschenleben zu verlieren.

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3 responses

16 01 2010
Benny

die hätten die wm mal lieber wieder in deutschland machen sollen 🙂
das hat so gerockt…schade nach afrika werde ich wohl nicht extra fliegen…

16 01 2010
fabischmidt

Naja, ich denke, dass es schon wichtig ist, so eine Chance nach Afrika zu vergeben. Jetzt muss es halt unbedingt klappen. Die WM muss ja gar nicht besser werden als ältere, aber es darf halt einfach nichts passieren und die Organisation sollte beinahe reibungslos klappen.

10 02 2010
Sicherheitsmaßnahmen zur WM 2010 in Südafrika « Eventsecurity in Deutschland und Europa

[…] nicht viele Freiheiten haben. Sicherheit geht vor. Einige Spieler haben sich dazu entschlossen, im WM-Jahr 2010 ohne Familie zur WM anzureisen, da sie deren Leben nicht gefährden […]

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