Jugend und Technik_Deutsche Fußball-Schiedsrichter sind international gut angesehen

11 01 2010

Am Samstag konnte ich für die FAZ zur DFB-Pressekonferenz Schiedsrichter-Halbzeit-Tagung in Mainz. Ohne das Internet wäre ich bei drei Mal Umsteigen ordentlich aufgeschmissen gewesen.

Meine Erkenntnis: DFB-Pressesprecher Harald Stenger hat seinen Job im Griff, auch wenn er manchmal ganz schön den Chef raushängen lässt. Ex-Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel ist relativ wortkarg. Und Michael Kempter, der jüngste deutsche Schiedsrichter, der jemals auf die Fifa-Liste gesetzt wurde, schwätzt herrlich schwäbisch. Auf dem Feld müsste selbst ich wohl erstmal schmunzeln, wenn er mich maßregelt.

Leider wurde mein Lieblingszitat von Volker Roth, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses, raus redigiert. Ich will es Euch aber nicht vorenthalten. Es ging um die Abstimmung der Spieler im „kicker“ vergangene Woche, bei der Babak Rafati zum wiederholten Male zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt wurde. Roth daraufhin: „Was irgendwelche Spieler sagen, interessiert uns nicht.“ Rigorose Einstellung, finde ich. Wie auch immer, rausgekommen ist letztendlich mein folgender erster Text für die FAZ:

MAINZ. Von fast 80 000 Schiedsrichtern im Deutschen Fußball-Bund haben sich am Wochenende die besten zur traditionellen Halbzeit-Tagung in Mainz getroffen. Erstmals waren neben den 42 Unparteiischen aus der Ersten und Zweiten Bundesliga auch die Schiedsrichter der Dritten Liga dabei. Gemeinsam besprachen sie ausgewählte Spielszenen und wurden in ihrem Auftreten geschult. Außerdem sollten die Schiedsrichter der beiden Bundesligen den Kollegen aus der Dritten Liga ihre Erfahrungen schildern. „Wir sind sehr zufrieden mit der bisherigen Saison“, sagte der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Volker Roth. „Es gab keine groben Fehlentscheidungen, wir mussten keine Sondersitzungen einberufen.“ Die Rückrunde sei aufgrund der bevorstehenden Entscheidungen über Titel, Auf- und Abstieg aber immer schwieriger. „Unzufrieden waren wir mit dem Verhalten der Trainer, darauf werden die Kollegen künftig intensiver achten.“

Die Hinrunde der Saison 2009/10 war geprägt von technischen Neuerungen. Erstmals haben die Schiedsrichter in der Bundesliga mit Funkkopfhörern und -mikrophonen gearbeitet. „Das Headset hat sich bewährt. Wir können reibungslos miteinander kommunizieren“, sagt Schiedsrichter Felix Brych. Auch das neu eingeführte Videoportal, auf das die Schiedsrichter und Beobachter per Internet zugreifen, ist beliebt. Pro Spieltag sind dort fünf bis sechs kritische Spielszenen abrufbar – mit Kommentaren des Schiedsrichter-Ausschusses. Das und die Schulungen sollen eine einheitliche Regelauslegung durch die Schiedsrichter fördern. Unlängst haben sich auch die Bundesliga-Manager für technische Hilfsmittel ausgesprochen, die Mehrheit favorisiert einen Chip im Ball. Auch Roth hält das für die beste Lösung. „Wenn die Technik funktioniert, dann hilft uns das.“

Zu dem gegen Ende der Hinrunde bekanntgemachten neuesten Wettskandal, der in erster Linie Spiele der unteren Ligen betrifft, äußerte sich Roth in Mainz vorsichtig. „Ich bin zwar gut informiert, aber weil es ein schwebendes Verfahren ist, kann ich nichts sagen.“ Während der Tagung war das Thema eher eine Randerscheinung. „Wir haben aber darüber gesprochen“, sagt Roth, „und tun auch sehr viel.“ Die Schiedsrichter aus der Ersten und Zweiten Bundesliga müssen seit einem Jahr ihr Führungszeugnis vorlegen sowie über ihre private und finanzielle Situation Auskunft geben. Die Schutzsperren gegen Cetin Sevinc, Schiedsrichter-Assistent in der zweiten, und Thorben Siewer, Schiedsrichter-Assistent in der Dritten Liga, haben für Roth zwei Seiten. Die öffentliche Aufmerksamkeit sei nicht gut für die Betroffenen, doch die Fälle müssten geklärt werden. „Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter, sagen aber auch: Bewiesen ist noch gar nichts.“

Erfreut zeigten sich Roth und seine Kollegen über das Prestige der DFB-Referees im Ausland. „Egal, wo ich hinkomme, als deutscher Schiedsrichter bin ich sehr gut angesehen“, sagt Fifa-Schiedsrichter Brych. Deutschland stellt in dieser Saison als einziges Land die Maximalzahl von zehn Schiedsrichtern auf der Liste des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa). In Deutschland dürfen die Unparteiischen anders als in anderen europäischen Ländern nach ihren Einsätzen Interviews geben. Auch dafür sind die Tagungen wichtig, denn dort werden Körpersprache und Außendarstellung der Schiedsrichter geschult. Gerade für die jungen Referees ist das bedeutend. In der dritten Liga ist der jüngste 22, der älteste 30 Jahre alt. „Es prägt die Qualität, wenn man rechtzeitig als Assistent in der ersten und zweiten Liga eingesetzt wird“, sagt Michael Kempter, „und man sollte auch jedes Wochenende selbst pfeifen.“ Er ist 26 Jahre alt und seit Dezember der jüngste deutsche Schiedsrichter, der je auf der Fifa-Liste stand.

veröffentlicht in der FAZ (11. Januar 2010)

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12 01 2010
Ben

Babak Rafati, da schlägt doch jeder Fan die Hände vor den Kopp, wenn der ein Spiel seines Teams pfeift.. 🙂

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