Rummenigge sagt danke_ein geklautes Gedicht und seine Folgen

10 01 2010

Meine Lieblingsmeldung vom Wochenende war eindeutig die Urheberrechtsverletzungs-Klage gegen Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München hatte auf der Jahreshauptversammlung des Fußball-Rekordmeisters ein Dankes-Gedicht an den damals scheidenden Bayern-Präsidenten Franz Beckenbauer gerichtet. Uli Hoeneß löste Beckenbauer in seinem Amt ab. Rummenigges Dankes-Verse waren jedenfalls einen Schmunzler wert. Hier könnt Ihr sie noch mal oder erstmals hören.

Doch Rummenigge, der Schelm, hatte die Worte nicht selbst erdichtet – außer die Passage, für die es am meisten Applaus gab. Er bediente sich auf der Homepage von Anette Pfeiffer-Klärle, teilte der Autorin das aber nicht mit, erwähnte sie in seinem Vortrag auch nicht. Und das obwohl Frau Pfeiffer-Klärle (im Folgenden aus Angst vor Schreibfehlern mit Rechtsfolge „PK“ genannt) auf Ihrer Seite deutlich darauf hinweist, dass die Gedichte gerne verwendet werden können – dann aber gegen Geld. Rummenigge hätte mit PK per Telefon, Email oder Chat in Kontakt treten können, wie es auf der Homepage weiter heißt. Doch er tat es nicht.

Folglich war PK enttäuscht und schrieb folgende Zeilen, die ich hier sogar kostenlos aufschreiben darf, weil PK das erlaubt, wenn ich PKs Namen nenne und auf Ihre Homepage verlinke, was unter dem Gedicht geschieht.

Weil ich heut nicht mehr reimen kann,
mach‘ ich den Fernseher mal an,
ich frage mich: „Was guck ich nur?“
Schau ins Heft – schau auf die Uhr.
Da kommt der Rummenigge vor,
schießt heute mal ein Eigentor,
denn was ich seh‘, haut mich vom Hocker,
das ist ja mal ein echter Schocker!!!
Er trägt vor, nun ein Gedicht,
doch von Ihm ist dieses nicht:
Ich kenne es – es ist von mir,
ich schrieb es einst nach ein paar Bier!!!
Als ich es schrieb musst ich schon lallen-
– egal – dem Karl-Heinz hat’s gefallen.
S‘ ist wie ein Klau beim Juwelier,
er lässt die Diamanten hier,
nimmt nur mit den Modeschmuck,
trank er wohl vorher auch ’nen Schluck?
Jetzt geh’n die Reime um die Welt,
nur werde ich dabei kein Held,
nein Rummenigge streicht das ein!!!
Karl-Heinz – musste das denn sein?
Ich schufte hier für ein paar Kröten,
bin öfter mal in großen Nöten,
jetzt sprichst Du endlich mein Gedicht,
nur meinen Namen nennst Du nicht!
Ich frage mich, soll ich nun klagen?
Oder soll ich’s den Medien sagen?
Wann meldest Du Dich denn bei mir?
Ich klär es gern bei ein paar Bier,
doch einfach so… so geht das nicht,
schließlich ist es MEIN GEDICHT!!!!!
Von Anette Pfeiffer-Klärle

Doch nicht genug: PK wollte mehr, reichte eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung ein, forderte Schadensersatz. Vertreten wird die im hessischen Rödermark lebende PK durch den Bonner Anwalt Robert Kazemi. Die Süddeutsche hat online ein schönes Interview mit ihm geführt. Das Landgericht Hamburg hat jedenfalls eine einstweilige Verfügung gegen den FC Bayern München erlassen. Wenn der Verein Widerspruch einlegt, muss in Hamburg verhandelt werden. Ich hoffe es ja.

Die  FAS hat indes einige Vorschläge für Rummenigge gemacht, bei wem er hätte eher klauen sollen. Goethe und Schiller vorne dabei. Den Text gibt’s auch Online.

Ich habe mich mal ein wenig auf der Homepage von PK umgesehen. Hauptberuflich ist sie „Mama“ und sie hat eine Menge Bezeichnungen für ihren Nebenberuf gefunden: 26 an der Zahl. Nun gut, bei jeder Berufsbezeichnung führt PK sowohl die männliche als auch die weibliche Form auf. Ihre Hobbys sind Theater spielen und Sport. Zudem ist sie staatlich geprüfter Wirtschaftsassistent, staatlich geprüfte Wirtschaftsassistentin, Fachinformatiker und Fachinformatikerin, Erzieher und Erzieherin und besitzt das Vordiplom in Sozialpädagogik. Wer interessiert ist, findet auf Ihrer Seite unter „Ich über mich“ auch ein Foto.

Vielleicht war das jetzt ein wenig unfair – dafür sorry – aber ich verstehe als Schreiberling die Problematik des Urheberrechts gut. Dafür lohnt es sich sicherlich immer zu kämpfen. Nichtsdestotrotz hätte PK wohl ähnlich viel Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie nicht geklagt hätte. Ich hätte das irgendwie sympathischer gefunden. Was die anderen denken, kann man leider nicht mehr auf PKs Gästebuch lesen. Sie hat die Einträge erstmal herausgenommen und das so begründet:

„Liebe Rummenigge-Skandal-Besucher,

Eure vielen Einträge werde ich in Kürze gesondert veröffentlichen. Sowohl die positiven, wie auch die negativen Meinungen. Allerdings möchte ich nicht, dass meine ganz normalen, nicht prominenten Kunden, hier keinen Platz mehr haben. Deshalb veröffentliche ich aktuell nur Einträge von Kunden, die Reime bei mir bestellt und geliefert bekommen haben.

Liebe Grüße Anette Pfeiffer-Klärle“

Ich bin dankbar für diese Meldung. Journalisten haben etwas zum Schreiben, die Dichterin hat Aufmerksamkeit, ihr Anwalt einen Auftrag und alle was zum Schmunzeln. Und zu guter Letzt bleibt das Lob für den Kaiser aus dem Jahre 2009 auch noch 2010 ein Thema. Was will man mehr.

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One response

12 01 2010
Ben

Schönes Fazit, so schauts aus 🙂

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