Bundesliga-Kommentar_Ein Ein-Mann-Sturm muss alleine kommen

31 01 2010

Es war ein schöner Einstieg in eine Pressekonferenz nach dem Bundesligaspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Köln. Zvonimir Soldo, Trainer der Kölner Defensivkünstler, schloss sein Resümee – zu Beginn einer PK gibt jeder Trainer seine Einschätzung zur Partie ab – mit einem Schmunzeln: „Wir haben verdient und glücklich gewonnen.“ Eintracht-Coach Michael Skibbe nahm den Pass auf und begann seine Aussage mit: „Wir haben unglücklich unverdient verloren.“

In der Analyse lag Skibbe eher richtig als sein Kollege Soldo. Köln hat sicherlich sehr glücklich und auch unverdient gewonnen. Die eigentlichen Verlierer waren aber 45.100 Zuschauer in der Frankfurter Arena. In einer Arschkälte mussten diese 65 Minuten Graupen-und-Gähn-Fußball erleiden. Da war es auch nicht förderlich, dass der starke Schneefall an der Stadionoberseite auf die Tribünen schlüpfte. Dankenswerter Weise wurde das Spiel im letzten Drittel schneller, spannender, besser – aufgrund des – Entschuldigung, Herr Soldo – glücklichen 1:0 der Kölner durch Maniche.

Jetzt ist Frankfurt gegen Köln so eine Partie,  bei der man in der Regel keinen Sahnefußball erwartet – ob das nun berechtigt ist oder nicht. Aber die gestrige (30.1.) Partie hat gezeigt, dass ein Spiel umso zäher ist, wenn beide Teams mit nur einem Stürmer auflaufen. Auch wenn Eintracht Frankfurt mit einem offensiv eingestellten Mittelfeld agierte, war Neuzugang Halil Altintop vor allem in der ersten Hälfte nicht nur auf dem Taktikbrett auf sich allein gestellt.

Mit nur einem Stürmer ist es im Mittelfeld automatisch enger, die Gefahr der Ballverluste nimmt zu, das Spiel ist schnell zerfahren. Die Folge sind hohe, lange Bälle, um den massiven Mittelblock auszuhebeln. Aber das ist wiederum auf einem schneeigen, glitschigen Boden oft auch uneffektiv, weil der Ball wegschliddert. Wenn solch ein langer Pass dann doch mal ankommt, sieht sich der stürmische Einzelgänger meist einer aussichtslosen Unterzahlsituation ausgesetzt.

Für eine Auswärtsmannschaft vom Kölner Kaliber ist eine defensive Grundeinstellung („Da sind die Kölner sehr geschickt“, sagte Skibbe.) wohl die richtige Taktikwahl. Aber als Heimteam sollte man gerade gegen ein Abwehrbollwerk eher mit zwei Stürmern auflaufen. Oder zumindest mehr Spieler in der Formation haben, die mit dynamischen Alleingängen gefährlich sein können. Ümit Korkmaz wirbelte nach seiner Einwechslung auf Frankfurter Seite und Zoran Tosic – auch er kam später – bei den Kölnern, was gleich mehr Dynamik ins Spiel brachte. (Für Korkmaz endete der Kurzeinsatz mit einem doppelten Jochbeinbruch.)

Skibbe, Altintop und Marco Russ attestierten dem FC eine tiefe Grundeinstellung, die es schwierig mache, zum Tor durchzustoßen. Das stimmt sicherlich, aber als die Eintracht auf einen Zwei-Mann-Sturm umstellte, waren die Chancen gleich da. Daher eine Bitte: Als Heimmannschaft gegen ein offensivschwaches Team nicht nur mit einem Angreifer spielen. Das freut auch die Fans.





Die Zeitung der Zukunft…

28 01 2010

Vielleicht kennen es einige von Euch schon, aber ich habe das Video heute erst gesehen. Die Zeitung der Zukunft?! Beeindruckend ist es auf alle Fälle. Inwiefern das massenhaft umsetzbar ist, habe ich keine Ahnung. Ich bin gespannt und wäre so einem IPad gegenüber recht aufgeschlossen. Das würde ja auch heißen: Unendlich Platz für Content. Somit könnten auch mehr Journalisten schreiben. Da stellt sich dann aber leider wieder die Frage der Finanzierung. Aber vielleicht hat bald jemand ein grandioses Konzept, um damit genug Geld zu verdienen, damit mehr Journis nen guten Job bekommen. Wie auch immer: Angucken!





Zwei Millionen WM-Tickets verkauft

28 01 2010

Um meinen letzten Artikel zum Thema Sicherheit und Ticketverkauf bezüglich der Fußball-WM in Südafrika zu aktualisieren, hier kurz die neuesten Zahlen der Fifa.

Die dritte Verkaufsphase für Tickets endete am 22. Januar. 900.000 Anträge sollen dabei von südafrikanischen Fußballfans eingegangen sein. Somit scheinen die Partien der gastgebenden Nationalmannschaft ausverkauft zu sein.

Darüberhinaus sagte Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke, dass nun zwei Millionen Tickets für die WM am Kap verkauft sind – 3 Millionen gibt es insgesamt. Aus Deutschland sind bisher  39.600 Ticketanträge eingegangen.

Mittlerweile ist aber ein neues Problem aufgetreten. „Es ist schlicht unmöglich ein Flugticket zu bekommen“, sagte Valcke auch. Für Juni seien die meisten Verbindungen von Europa nach Südafrika nämlich schon weg.

Passend zum Thema Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika möchte ich Euch noch empfehlen, den Kommentar vom Münchner Kollegen Christian Eichler zu lesen, der heute in der FAZ erschienen ist und HIER auch online steht. Er bezieht sich darin auf Hoeneß‘ Aussage zur Sicherheitssituation am Kap.





Slamball_Oder höher, härter, heftiger

27 01 2010

Heute präsentiere ich Euch mal eine Sportart, die nach unglaublich viel Spaß aussieht. Ich glaube aber, dass man da ordentlich auf die Mütze kriegt. Ein Versuch wäre es aber wert. In Deutschland ist Slamball aber noch nicht angekommen. Zumindest habe ich bei meiner Telefonrecherche beim Deutschen Basketball-Bund und bei der Basketball Bundesliga sowie beim Durchforsten einiger Foren nichts Handfestes herausbekommen.

Num aber zum Slamball. Der Sport hat seinen Ursprung in Amerika in einer Lagerhalle in Los Angeles. Mason Gordon heißt der Schöpfer. Er wollte – inspiriert durch Videospiele – eine reale Sportart kreieren, bei der die Akteure höher fliegen, härter gegeneinander preschen und Aktionen durchführen, die sonst nur auf der Spielkonsole denkbar waren. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Basketball, Football, Hockey und Turnen.

Masons Idee zog immer mehr Leute an und kurz nach dem Startschuss bauten sich die Urheber einen Slamball-Court und die ersten beiden Teams – the Mob and the Rumble – spielten im Osten Los Angeleles‘ einige Partien. Es folgte der erste Kabel-TV-Vertrag, später die erste Slamball-Spielrunde. Vier weitere Teams kamen dafür hinzu. An der Vermarktung mangelt es in den USA ohnehin nicht. 2002 und 2003 boomte Slamball.

Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit zwischen Mason Gordon und Warner Bros. Television war dann aber erst einmal Schluss. Seit 2008 arbeitet Gordon mit der Marketingagentur IMG zusammen und Slamball wurde reanimiert. 2009 soll Slamball auch im spanischen Vierten und auf CCTV in China gesendet worden sein. Für den Relaunch war eine achtköpfige Liga geplant, Spieler und Trainer wurden gesichtet. Da auf der Slamball-Homepage aber nur sechs Teams verlinkt sind, weiß ich nicht genau, inwiefern dieser Plan aufging. Auch über die IMG-Page kriegt man keine genaueren Informationen.

Wie auch immer, die Videos sind geil. Beim Slamball spielen vier gegen vier. Eine Partie dauert 20 Minuten, aufgeteilt in Viertel. Ein Feld müsst Ihr Euch wie einen Basketball-Court vorstellen, wobei vor beiden Körben Trampoline in den Boden eingelassen sind. Der Court ist mit Plexiglas – wie beim Eishockey – umrandet, damit der Ball ständig im Spiel bleibt.

Auf slamball.net gibt’s weitere Info sowie unzählige Videos. Ich habe hier aber schon mal eines eingebunden. Auch der Spiegel hat natürlich schon mal über Slamball berichtet. Auch dort erfahrt Ihr weitere Informationen.

P.S.: Falls jemand weiß, wo es in Deutschland ein Slamball-Team und eine Halle gibt, dann sagt bitte Bescheid.





Das Aus des Abräumers_Torsten Frings hat es nicht mehr geschafft

21 01 2010

So, aufpassen! Mein erster Post aus dem Zug heraus. Grandios, dass es auch zwischen den Abteilen auf dem Platz, der eigentlich für Kinderwagen vorgesehen ist, Steckdosen gibt.

Heut geht’s auch bei mir um Fringser.

Bundestrainer Joachim Löw und sein Assistent Hansi Flick haben dem Bremer Profi Torsten Frings am Mittwoch persönlich die endgültige Absage für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika mitgeteilt.

Es ist also vorbei für den Abräumer im Nationaltrikot.

Angedeutet hatte sich diese Entscheidung ja schon länger – Frings kickte das letzte Mal für das DFB-Team im Februar gegen Norwegen (0:1), es war sein 79. Länderspiel.  Löw sieht in den jungen Spielern mehr Potential – vor allem für seine Spielidee. Frings hält verständlicherweise dagegen, findet, er habe immer noch die Fähigkeit, „starke Leistungen bei einer WM abzuliefern“.

Was die Presse so denkt, hat INDIREKTER FREISTOSS schön zusammengefasst. Ich habe mich außerdem mal auf Frings‘ Homepage und in den Fußball-Foren umgeschaut, um zu erkunden, was der Bremer selbst und Fußball-Deutschland von Löws Entscheidug halten.

Der derzeit aktuellste Post auf seiner HOMEPAGE ist mit „Frings: Ich glaube, dass ich das Potential habe“ überschrieben. Im Endeffekt ist es auch nur eine nachrichtliche Meldung, die viel zitierten Aussagen kommen auch hier vor. „Dieser Schritt kommt für mich jetzt nicht völlig überraschend. Damit musste ich ja rechnen, wenn man alle Vorzeichen gesehen hat“, sagte Frings beispielsweise oder: „Mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw.“

In Frings‘ Gästebuch schreibt User „MissMarple“: „Ich finde es einfach respektlos von Löw, dass er nur noch junge Spieler einsetzt, ohne jegliche Erfahrung, erst recht nicht die einer Weltmeisterschaft.“

Frings hat auf seiner Homepage den Unterpunkt „Foren“, eine dieser Austauschplattformen läuft unter der Kategorie „Schwarz-Rot-Gold – Torsten und die Nationalmannschaft“. Eines der vier Kommentare zum Rauswurf aus dem Nationalteam ist von Userin „Honey“ und greift Bundestrainer Löw an: „Manchmal frage ich mich wirklich, ob Löw seine Spieler nach den Attributen: banksitzend, mitlaufend, klappehaltend, meinungslos, durchsetzungsunfähig … aussucht.“ „TFFan“ schreibt: „Torsten mußte für seine Ehrlichkeit, Offenheit und andere Sichtweise auf bestimmte Dinge mit dem Verlust der Nominierung für die N11 bezahlen. Ich finde es schlimm, daß ein Bundestrainer so reagiert und fadenscheinige Gründe für diese Ausbootung angibt.“

Wie sieht’s außerhalb der Torsten-Frings-Community aus? Auf SOCCER-FANS.DE gibt’s das Forum „Torsten und Joachim“. 38 Posts hat es schon. User „Dilbert“ meint: „Kein Verlust. Frings leidet seit Jahren an kompletter Selbstüberschätzung.“ Insgesamt nehmen die Leute Joachim Löw seine Leistungs-Begründung für den Rauswurf nicht ab. Selbst Nutzer „Jogi-Fan“ denkt so: „Es macht einen schon traurig, dass Torsten Frings so seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft (vorläufig) beenden muss. Aber schließlich trägt er daran ganz allein die Schuld: Sein Verhalten in den Medien, denke ich, war der ausschlaggebende Grund, ihn für die WM 2010 zu ignorieren. Seine ständigen kritischen, weniger konstruktiven Aussagen gegenüber vielen deutschen Nationalspielern und dem Bundestrainer Joachim Löw waren einfach nur inakzeptabel. Daher, dass Joachim Löw viele Alternativen in der Hinterhand hat, wie Simon Rolfes, Thomas Hitzlsperger, Bastian Schweinsteiger, Michael Ballack und Mesut Özil (was das zentrale Mittelfeld betrifft), hat Torsten Frings auch sportlich gesehen kaum noch eine Chance gehabt. Schließlich ist es auch gut, dass Löw nun endgültig einen Schlussstrich ziehen möchte und seinen WM Kader eingrenzen möchte. Das war und ist letztendlich auch der Wunsch vieler Fans gewesen. Auch aus diesem Forum, ging dieser Wunsch ja hervor.“

User „Wuser“ versteht Löw auch nicht: „Ich koennte es nachvollziehen wenn es perspektivische Entscheidungen waeren (weswegen man zB einen Boateng und Marin gerne mal nominieren kann auch wenn es auf der jeweiligen Position evtl einen momentan besseren gibt), aber das sehe ich weder bei Rolfes und besonders bei Hitzelsperger nicht wirklich gegeben. Beides gute BL Spieler, aber ich wuerde mich wundern wenn sie sich in den naechsten Jahren noch grossartig entwickeln wuerden. Wenn keine grossartige Perspektive gegeben ist, waere es meiner Meinung nach nicht dumm dann die „besten“ Spieler zu nehmen und man hat ja auch am Samstag gesehen, dass ein erfahrener Frings in der zweiten Halbzeit vermutlich ein gutes Mittel gewesen waere.“

Im Forum der ONLINE-SPORTBILD haben leider erst vier Personen über Löws Entscheidung abgestimmt. Aber alle halten den Rauswurf Frings‘ für einen Fehler. User „Ruhrpott-Schwabe“ denkt wie Löw und postet im passenden Forum auf TRANSFERMARKT.DE: „Löw macht es genau richtig. Sportlich gibt es für Frings‘ Nominierung keinerlei Argumente mehr. Menschlich kann man nicht noch mehr tun, als mit einem notorischen Stinkstiefel bereits fünf Monate vor einem Turnier reinen Tisch zu machen. Sehr gut, Jogi, mach weiter so.“ „Slavesnyder“ führt die Gedanken fort und beurteilt Löws Meinung zum Stuttgarter Hitzlsperger, der ein direkter Konkurrent von Frings ist: „Bin ja sonst eher auf der Löw-Seite, habe aber das Gefühl, dass er Hitz wider besseren Wissens mitnimmt. Irgendwie mag der den. Falls er ihn doch zu Hause lässt wäre ich allerdings positiv überrascht.“

Unterm Strich bleibt, dass viele die Entscheidung des Bundestrainers nicht verstehen, vor allem weil sie Frings für einen verdienten Spieler erachten. Es geht dabei meist um die Respektsfrage. Joachim Löw sollte seine Entscheidungen sicherlich nicht aufgrund von Meriten eines Spielers treffen, zumindest nicht in großem Maße. Es gibt ohne Frage gute Konkurrenz auf Frings‘ Position, aber auch ich denke, dass ein Spieler und Leitwolf mit der Erfahrung eines Torsten Frings für eine WM schon gut ist. Aber dennoch ist es mit Sicherheit keine krasse Fehlentscheidung von Löw und den Spekulationen über mögliche Rache-Hintergründe seinerseits möchte ich mich nicht anschließen.

Und weil es dennoch gar so traurig für den Torsten Frings ist, hier ein kleines Heldenvideo über den Bremer Abräumer mit Rückgrat. Der Kommentar unter dem Video passt auch zum Thema.





Tor ist’s, wenn der Schiri pfeift

18 01 2010

Was Thomas Helmer kann, kann Christian Tiffert schon lange. So sah es jedenfalls aus, als am Sonntagabend (17.1.) 10100 Zuschauer in der Duisburger MSV-Arena das 5:0 des Heimteams gegen den FSV Frankfurt bewundern durften. Es war wirklich verwunderlich, wie Schiedsrichterassistent Thomas Münch auf Tor entscheiden konnte und Hauptreferee Marco Fritz dem zustimmte. DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel bezog dementsprechend kritisch Stellung: „So einen gravierenden Fehler habe ich eigentlich noch nie gesehen. Der Ball war ja über einen Meter von der Linie weg. Ich hoffe, dass in den nächsten 20 Jahren nicht mehr so ein Fehler passiert.“ Aber seht selbst warum:

Für die FAZ habe ich daher versucht mit den Beteiligten zu sprechen und auch andere Schiedsrichter zu kontaktieren. Schiedsrichterassistent Thomas Münch, der in Duisburg bei seiner sechsten Partie in der zweiten Liga in dieser Saison assistiert hat, hatte sein Handy ausgeschaltet, wenn es denn die richtige Nummer war. An Herrn Fritz bin ich nicht rangekommen. Schließlich habe ich Hellmut Krug, Berater der Deutschen Fußball Liga in Sachen Schiedsrichterwesen, erreicht. Er war als Beobachter in Duisburg eingeteilt und hat daher auch direkt im Anschluss mit den Referees gesprochen. Das Interview kommt morgen in der FAZ von daher kann ich es hier natürlich nicht bringen. Ich habe aber gerade gesehen, dass es schon auf FAZ.NET steht. Ich habe zudem mit dem Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner, einem der altgedientesten DFB-Referees gesprochen, und er hat mir das Interview freundlicherweise für den Blog authorisiert.

Herr Wagner, wie beurteilen Sie die Fehlentscheidung des Schiedsrichterassistenten Thomas Münch? Zum Glück für den Kollegen war die Situation nicht mehr spielentscheidend. Es war natürlich mehr als ärgerlich, weil die Entscheidung relativ deutlich falsch war.
Wie kann solch eine Entscheidung passieren? Da kann ich nur mutmaßen. Es war gegen Ende des Spiels und Thomas Münch war vielleicht einen Moment unkonzentriert und ist überrascht worden.
Hätte Hauptschiedsrichter Marco Fritz anders reagieren müssen? Er war in diesem Fall leider schlecht beraten auf den Assistenten zu hören. Aber solch eine Situation gibt es glücklicherweise nicht so häufig. Regeltechnisch war es ja richtig, auf den Assistenten zu hören, weil er mittlerweile auch auf Tor entscheiden darf. Aber es war halt leider falsch.
Aber muss Fritz das nicht auch selbst sehen? Er stand noch weit in der Mitte und wenn ein Assistent freie Sicht hat und unmittelbar auf Tor zeigt, hat ein Schiedsrichter ja kaum einen Grund zum Zweifeln. Und wenn man zweifelt, sollte man kein Tor geben. Denn es wird länger über ein gegebenes Tor gesprochen, das keins war, als wenn der Ball knapp hinter der Linie war und der Schiedsrichter kein Tor gibt.
Können Sie verstehen, dass jetzt in den Internetforen gleich von Korruption gesprochen wird? Ich finde diese Diskussion überflüssig. So einen gravierenden Fehler macht doch niemand extra. Außerdem sucht auch niemand großen Medienrummel. Ich fühle mit dem Kollegen, der will doch am liebsten im Boden versinken.
Wie sehen die Konsequenzen in solch einem Fall aus? Das ist Sache des Schiedsrichter-Ausschusses. Wenn einem Schiedsrichter ein Fehler passiert, ist er selbst unglücklich darüber. Wie bei Spielern werden Fehlentscheidungen aber auch bei Schiedsrichtern intern besprochen. Leider war in der Frankfurter Bild-Zeitung heute der falsche Assistent abgebildet. Der muss sich jetzt auch noch rechtfertigen.

Natürlich darf so ein Fehler nicht passieren, aber irgendwie tun mir Münch und Fritz schon auch leid. Als Schiedsrichter pfeifst du 99 Prozent gut und machst einen kapitalen Fehler und schon bist du der Depp. Den Torhütern geht es da ähnlich. Der DFB muss sicherlich irgendetwas unternehmen, aber er sollte Münch nicht gleich absetzen, das wäre zu hart. Er sollte ihm vielmehr neue Chancen geben und ihn dabei vielleicht noch ein wenig genauer beobachten.

Zur Info: Thomas Helmer hatte am 23. April 1994 im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg das 2:1 für die Bayern erzielt, oder auch nicht. Damals wurde das Spiel wiederholt, Bayern gewann 5:0, Nürnberg stieg ab. Das ist diesmal nicht möglich, weil mittlerweile in den Regeln festgeschrieben ist, dass auch ein Schiedsrichterassistent ein Tor geben darf, das war 1994 noch anders. Auch hier nochmal der Videobeweis – mit herausragenden Kommentatoren wie Lothar Matthäus.

NACHTRAG: Ich habe gerade auf BILD.DE gelesen, dass der DFB dem Schiedsrichterassistenten Münch aufgrund guter Leistungen in der bisherigen Saison „verzeihen“ wird. Außerdem soll der FSV Frankfurt mit einen Phantom-Torschuss-Wettbewerb Freikarten für das nächste Heimspiel verlosen. Vorbild dafür ist Christian Tifferts 5:0 – also gegen die Latte schießen und den Ball vor der Torlinie aufkommen lassen.

Mehr zum Thema bei Indirekter Freistoß





Bundesliga-Kommentar_Das Prinzip Hoffnung

17 01 2010

Es wurde ja schon viel geredet über die kurze oder zu kurze Winterpause. Minus zehn Grad wurden vor dem ersten Bundesligaspiel in der Allianz Arena am Freitag zwischen Bayern und Hoffenheim gemeldet. Dabei ist es wohl gerade in München egal, wie kalt es ist. Die Bayern bestrahlen ihr Spielfeld mit 540 Lampen zu jeweils 1.000 Watt, wenn zu wenig Tageslicht auf den Rasen fällt. Und dann gibt es ja noch die Rasenheizung. Das Ergebnis konnte man beim 2:0-Erfolg gegen Hoffenheim sehen. Für einen gepflegten Untergrund lohnt sich der Aufwand, die ökonomischen und ökologischen Ausmaße sind eine andere Frage.

Jedenfalls haben die Zeitungen seit Freitag wieder viel über ihren Lieblingsplatzfüllsport zu schreiben, die Fußballabteilung des Bezahlsenders sky hat wieder Arbeit und die Radiokommentatoren passen sich wieder Verbalvorlagen in der Konferenz quer durch die Republik zu. Was bleibt nach dem ersten Spieltag 2010? Bayern München hat den Aufwärtstrend über Weihnachten beibehalten, Jupp Heynkes ist seit Samstag (16.1.) nicht nur mit Geburtstagskind Udo Lattek als dritterfahrenster Trainer (524 Bundesligaspiele) gleichgezogen, sondern hält Bayer Leverkusen weiter auf Meisterschaftskurs. Im ersten Spiel nach der Winterpause war aber auch nichts anderes zu erwarten, denn Leverkusen hat nun in den vergangenen sechs Jahren fünf Siege und ein Unentschieden geholt – das ist Ligaspitze. Der VfB Stuttgart profitiert von Schweizer Härte und vermiest Dieter Hoeneß den Start auf der Bank beim VfL Wolfsburg. Kevin Kuranyi empfiehlt sich weiterhin für Joachim Löw und der neue Kölner Kapitan Youssef Mohamad macht Dortmund mit seinem späten 2:2-Ausgleich doch nicht bekloppt, weil Kevin Großkreutz fast im direkten Gegenzug in der Nachspielzeit den BVB-Siegtreffer erzielt – große Unterhaltung zum Abschluss des Spieltags. Lukas Podolski hat indes seinen Torlos-Rekord auf 1.123 Minuten ausgebaut, er wurde schon nach einer Stunde ausgewechselt. 

Am meisten gestaunt haben die Fußballanhänger aber sicherlich in Hannover. Berlin – Tabellenletzter, gerade mal ein Saisonsieg, magere sechs Punkte nach 17 Spielen – gewinnt 3:0 bei 96 und der Berliner Cicero verschießt dabei sogar noch einen Elfmeter.

Die Hertha glaubt an sich. Das war nicht nur ein Lebenszeichen sondern der Beginn einer Aufholjagd, denn Berlin wird nicht absteigen.

Mit Friedhelm Funkel hat Hertha BSC Berlin einen abstiegserfahrenen Trainer. Zudem ist er es gewohnt, Mannschaften ohne Sexappeal zu trainieren. Außer beim 1. FC Köln war er als Coach bei weniger schillernden Mannschaften wie Bayer 05 Uerdingen, Meidericher SV Duisburg, Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt an der Seitenlinie tätig. Da passt die Hertha hervorragend.
Von den drei Neuzugängen, die in der Winterpause nach Berlin kamen, wird vor allem in Theofanis Gekas viel Hoffnung gesetzt. Mit seinem Treffer zum 3:0 gegen Hannover hat der aktuelle Torschützenkönig der WM-Qualifikation in Europa gleich mal für das richtige Begrüßungsmitbringsel gesorgt. Aber auch der erfahrene Levan Kobiashvili sowie der 25-jährige Tscheche Roman Hubnik werden den Berlinern helfen, doch noch in der Liga zu bleiben.

Die psychologische Komponente ist aufgrund des krassen Rückstands auch ein Vorteil für Hertha BSC. Zum einen haben sie, wie es so schön heißt, nichts zu verlieren und können daher, wie es auch so schön heißt, befreit aufspielen. So blöd sich diese Floskeln auch anhören mögen, bewahrheitet haben sie sich dennoch des Öfteren. Zum anderen glaubt ohnehin kaum jemand daran, dass Berlin den Nichtabstieg noch schafft. Somit sinkt der mediale Druck und das Befreit-Aufspielen und Nichts-mehr-zu-verlieren-Haben kommt also nicht nur von innen, sondern wird auch von außen an sie herangetragen. Je höher man im Rückstand liegt, desto stärker klammert man sich an die Hoffnung – wenn man nicht resigniert, aber dafür ist es einfach noch viel zu früh.

Und dann gibt es in Berlin ja noch den Bundestagsabgeordneten Frank Steffel von der CDU. Er ist Präsident des Handballbundesligisten Reinickendorfer Füchse und hat vor Weihnachten einen Brief u. a. an Werner Gegenbauer, den Präsidenten von Hertha BSC, geschrieben. Sein Plan sieht knapp 22 Millionen Euro vor, die der Berliner Erstliga-Fußballklub im Abstiegskampf erhalten könnte: Hertha-Manager Michael Preetz soll für einen Euro im Monat arbeiten, die Betreiber des Olympiastadions sollen auf die Einnahmen verzichten, und die Einwohner der Hauptsstadt sollen eine Million SMS für die Hertha schreiben. Dieses Konzept kann bewundert oder belächelt werden, mit Sicherheit ist es besonders.

Am Dienstag (19.1.) treffen sich der Politiker und die führenden Hertha-Vertreter jedenfalls. Das Projekt Nichtabstieg bekommt dann vielleicht noch einen weiteren Schub.