Gewollt oder aus Versehen_Manipuliert RTL?

20 09 2009

Trotz der Tatsache, dass ich politisch derzeit beinahe gesättigt bin, da Wahlsendungen in den Medien auf- und ablaufen, schau ich mir gerade Spiegel TV Extra mit Künast, Westerwelle und Gysi an. Und ich muss mich doch fragen, warum RTL einen Einspieler bringt, in dem beim FDP-Teil Pelzmäntel, Kaviar und Champus trinkende Hunde vorkommen. Man kann ja von den Liberalen halten, was man will, aber denken sich denn die Macher und Verantwortlichen solcher Trailer gar nichts. Oder denken sie so, weil sie in den Wahlkampf eingreifen wollen? Ich kann so etwas nicht verstehen und muss mich daher kurz aufregen.

Man kann aber nicht nur die Privaten beschimpfen, weil es etwas Ähnliches auch schon bei Anne Will gab. Damals ging es um die Gesundheitsreform und den Gesundheitsfonds. Leider kriege ich den genauen Inhalt des damaligen Einspielers nicht mehr zusammen.

Jedenfalls sollten wir Medienschaffende immer bedenken, was wir mit welchen Aussagen bewirken können und welche Vorsicht gerade so kurz vor der Bundestagswahl geboten sein sollte.

Nachtrag: Auch der zweite Einspieler war grandios. Künast und Westerwelle haben aber zum Glück gleich zurückgeschossen. Sicherlich ist eine gewisse Provokation manchmal angebracht, um Meinungsäußerungen herauszufordern, aber nur polemisch über politische Inhalte, die sich schließlich nicht mit irgendeinem Firlefanz befassen, zu berichten ist sicherlich nicht seriös, vernünftig und verantwortungsvoll. Ich persönlich schmunzle manchmal bei destruktivem Journalismus, halte ihn aber nicht für den richtigen Weg. Denn jeder Journalismus hat seine Wirkung und bei Sendern wie RTL auch möglicherweise eine umso größere, und da sollte man über Polemik und Destruktivismus noch viel mehr nachdenken.

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Sanou schießt Traumtor_Und Bastürk sieht’s nicht

20 09 2009

Ich war gestern endlich mal wieder im Stadion. Mit einem Kollegen bin ich nach Stuttgart in die Mercedes-Benz-Arena gereist. Er ist Köln-Fan und daher hat sich die Partie des VfB gegen den 1. FC angeboten. Dass Köln dann auch noch den ersten Saisonsieg holt und mein Kumpel auf der Tribüne hin und her wetzt, sich zwischen lauter VfB-Fans auf den Boden schmeißt, war ein nicht zu erwartender, aber sehr schöner Nebeneffekt des Live-Fußballs.

Zudem wird Wilfried Sanous 2:0 sicherlich in die Jahresrückblicke der Saison 2009/2010 eingehen. Kicker online spricht von einem 45-Meter-Tor. Naja, ob es gar so weit war. Egal. Das sind Momente im Fußballstadion, die es wertvoll machen, ein Fußballfan zu sein. Als Jens Lehmann raus rannte, gingen die Gedanken im Kopf schon los. Naja, das ist jetzt eigentlich nicht so klug vom VfB-Keeper. Dann versucht er auch noch, Ishiaku auszuspielen. Dieser bekommt seinen Körper dazwischen. Im Kopf folgt: Jetzt muss Lehmann eigentlich foulen. Das gelingt ihm aber nicht, der Ball rollt zu Sanou. Dann will man selbst schreien: Schieß! Und der Mann aus Burkina Faso macht es tatsächlich. Der Ball fliegt, kein Seuchbogen, nein, ein schöner Flugball. Die Gedanken versuchen die Flugbahn vorzuberechnen. Na, der könnte rein gehen, kann aber auch die Latte treffen oder doch drüber gehen. Und dann: Der Ball fliegt knapp unter der Latte ins Netz, der Nachbar eskaliert, die VfB-Fans auf der Tribüne stehen auf und gehen, das Kölner Team begräbt Sanou unter sich. Ein herrliches Tor.

Interessant ist zudem, dass Yildiray Bastürk das Tor gar nicht gesehen hat. Der Stuttgarter hatte nämlich schon knapp zehn Minuten vor Spielende die Tribüne verlassen, hinter ihm sein Tross. Auch wenn Bastürk das Spiel vielleicht im VIP-Bereich bis zum Ende verfolgt hat, kann so was nicht angehen. Als Profi muss man bis zum Abpfiff zu warten, das ist schließlich ein armseliges Bild. Ludovic Magnin hat es schließlich auch geschafft, zumindest habe ich ihn nicht gehen gesehen. Er hat also nicht nur Humor – grandios ist sein Kommentar zu Lehmanns-Helikopter-Anreise: „Jens Lehmann wird der Einzige bleiben, der gelegentlich mit dem Hubschrauber zum Training kommt. Ich habe zwar versucht, ihn zu toppen und mit dem U-Boot zum Training zu fahren. Aber dafür ist der Neckar einfach zu flach.“ – sondern weiß auch, was sich gehört.

Nichtsdestotrotz hat die Reaktion des Publikums erneut gezeigt, dass viele offensichtlich nicht selbst Fußball spielen. Ein „Buh“ oder ein Pfiff scheint den Schwaben schnell über bzw. durch die Lippen zu gehen. In den meisten Situationen (z.B. Rückpass zum Torwart) waren diese Reaktionen absolut unangebracht. Aus fußballerischer Sicht waren viele Spielaktionen verständlich. Dass der VfB sicherlich erstaunlich schwach bzw. vor allem uneffektiv nach vorne spielte, steht außer Frage, aber die Kölner Fans sind ein hervorragendes Beispiel, wie man das eigene Team motiviert, wenn es mal nicht so läuft. In Stuttgart scheinen sie sehr erfolgsverwöhnt zu sein. Man sollte nicht gleich bei jedem Rückpass zum eigenen Keeper das Pfeifen und Abwinken beginnen. Schließlich ermöglicht das einen neuen Spielaufbau, einen Seitenwechsel oder einfach nur das Entschärfen einer brenzligen Situation.

Es bleibt: 2011 muss schnellstmöglich kommen, damit die Stuttgarter Arena fertig gestellt ist und Lukas Podolski kann sich bis ans Lebensende auf seinen Meriten ausruhen. Es ist schon kurios, dass nach dem Spiel vor dem FC-Bus nur „Lukas“-Rufe in Richtung Kölner schallten, obwohl Podolski zu den schlechteren zählte, wenn nicht der schlechteste war. So viel er vergangenes Wochenende gegen Schalke gearbeitet hat, so sehr hat er sich in Stuttgart ausgeruht.

Sicherlich war die Partie nicht von Hochglanz-Fußball geprägt, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Und Ihr sollt hier noch einmal teilnehmen dürfen, am Genuss des tollen Tores von Sanou.

Achtung neuer Link, weil die DFL ja die Rechte hat. Ich kann leider nicht mehr das youtube-Video direkt reinstellen. Daher geht’s HIER zum Spiel. Ihr müsst nur noch Play klicken.