Traumtore von Leipzig bis Nantes

28 09 2009

11.486 Zuschauer in der fünften Liga. Das geht wohl nur in Leipzig und auch nur, wenn der neu gegründete Rasenballsport Leipzig im Zentralstadion auf den 1. FC Lok Leipzig trifft. Kommerz trifft Rechtsradikalismus schreibt FAZ.NET. Trotz der Überzahl der Lok-Fans (über 9.000) siegte RB erwartungsgemäß 3:0 und bleibt Tabellenführer der NOFV-Oberliga Süd. Auf der RB-Homepage heißt es, die beste Saisonleistung hat zum Sieg geführt. Unter den vielen Anti-RB-Plakaten der Lok-Fans fand ich das mit folgendem Slogan am besten, von dem mir ein Zuschauer erzählt hat: „Football is for you and me, not for fucking industry.“

Beeindruckend ist aber auch die HOMEPAGE von Lok Leipzig. Die haben sogar ihr eigenes Lokruf-TV. Für einen Fünftligisten nicht selbstverständlich wie ich finde. Multimedial scheinen auch die Lok-Anhänger agil zu sein. Bei der Suche auf youtube findet man vier Filmchen vom Derby. Alle sind von Lok-Fans gepostet worden. Um den Hass auf den „Kommerzverein“ zu zeigen, hier eines der Videos mit der klassischen Torhüterbeschimpfung. Schön ist vor allem die Passage mit dem Brötchen, das neben weiteren Teigstücken und Böllern aufs Spielfeld flog.

Die Polizei war ordentlich angereist. Es blieb bei verbalen Attacken, Ausschreitungen gab es keine. Auch rund um das Stadion war es ruhig, wie die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG online schreibt. Außerdem schreibt BILD.DE dem 3:0 (Direktabnahme aus 25 Metern) Traumtorcharakter zu. Nachtrag: Ich habe gerade erfahren, dass die Spielzusammenfassung online ist und es stimmt: Ein Traumtor, wie man im Beitrag von SPORT IM OSTEN sehen kann.

Ebenfalls von einem Traumtor hat heute faz.net berichtet. Dieses fiel aber in Frankreich, in der Ligue 2. Verteidiger Rene Mareval vom Absteiger FC Nantes sorgte mit seinem 60-Meterschuss für das schnellste Tor der französischen Zweitliga-Geschichte. Ich habe mich daraufhin auf die Suche nach dem Video gemacht. Auf youtube ist es leider nicht zugelassen, aber über diesen LINK könnt Ihr Euch das Tor bei FC Nantes TV anschauen. Das hat hier jetzt noch rein gepasst. Und witzig ist auch, dass der geschlagene Keeper von Olympique Nimes gesagt hat, er werde jedes Mal zehn Euro in die Mannschaftskasse zahlen, wenn das Tor im Fernsehen gezeigt wird.





Ein Gewinner verdreht die Augen, eine bisher unbekannte Partei verliert

28 09 2009

Es ist geschafft. Die Wahl ist vorbei. Viele haben eine Wiederholung der Großen Koalition erwartet. Im Vorfeld hieß es aber schon aus Wahlforscherkreisen, dass es für Schwarz-Gelb reichen wird. Der Wahlabend hatte für mich zwei Höhepunkte – unabhängig vom Ergebnis.

Da war zum einen Oskar Lafontaines Reaktion auf die Rede seines Vorsitzenden-Kollegen Lothar Bisky. Während Bisky sprach, schauten sich Gregor Gysi und Lafontaine an, schmunzelten, und der Linken-Vorsitzende verdrehte die Augen. Ein herrliches Bild. Besonders schön war, dass die Ansprache Biskys gerade in der ARD live zugeschaltet war. Ich finde den entsprechenden Videoausschnitt im Netz leider nicht. Vielleicht hat ja jemand eine Idee. Es ist echt witzig.

Der zweite Höhepunkt hatte mit der Verbreitung der Wahlergebnisse zu tun. Ein Internetportal hat kurz nach den ersten Prognosen das Ergebnis folgendermaßen verkündet.

Die Sache wurde natürlich relativ schnell bereinigt und korrigiert. Es ist auch nicht so schlimm, Fehler passieren. Aber schmunzeln musste man dennoch. Irgendwie unterstreicht dieser Flüchtigkeitsfehler auch die Höhe der Niederlage der SPD.

Mal sehen, wie es nun weitergeht. Hinsichtlich der terroristischen Drohungen, die mit der Bundestagswahl einhergingen, merkt man hier in München seit dem Ergebnis zumindest eine höhere Sicherheitsstufe. Rund im die Theresienwiese, wo Massen das Oktoberfest feiern, ist eine Sicherheitszone eingeführt worden. Eine Menge Polizisten sind unterwegs, sperren die Zufahrt weiträumig ab. Nur Anwohnern und Lieferanten ist der Zugang gewährt. Jedes Auto, jedes Taxi und sogar die öffentlichen Busse werden kontrolliert, die Kofferräume geöffnet, bevor sie sich der Wiesn nähern dürfen.





11Freundinnen starten_Kim Kulig eröffnet Magazinprojekt

24 09 2009

Gelungener Start, würde ich sagen: Die 11FREUNDE-Redaktion ist rechtzeitig auf den Frauenfußballvorhype (2011 ist WM in Deutschland) aufgesprungen und hat sich 11Freundinnen angelacht.

Alle drei Monate soll das 200.000 auflagenstarke Fauenfußballmagazinchen erscheinen, im Umfang wird es vielleicht noch ein wenig zulegen, wenn die Nachfrage da ist. Mit der ersten Ausgabe haben sie jedenfalls schon mal einen guten Job gemacht.

11Freundinnen Nr. 1

Kim Kulig darf viele Fragen beantworten, ist mit ihren 19 Jahren schon sehr selbstbewusst und ist als Titelgeschichte für das Debütheft gut gewählt. Anhand des FC Bayern München wird die Situation des Frauenfußballs im Verein geschildert. Ein Blick in die amerikanische Profiliga und zu den Bambamecesi United in Südafrika zeigt Frauenfußball im Ausland. Die Rubrik Männer im Frauenfußball bietet sich natürlich an und einen Kaffee mit der Frauenfußballpionierin Hannelore Ratzeburg rutscht an Günter Hetzers Stelle. Ein Schmankerl – wenn auch nicht gerade charmant – ist das gemischte Doppel mit der Brasilianerin Marta.

Insgesamt ne gute Idee, gut umgesetzt. Reinschauen lohnt sich.





Kein Kommentar

23 09 2009

Hab das gerade über den Turi2-Newsletter erhalten und auf STERN.DE nachgelesen und wollte Euch an diesem Video teilhaben lassen. Ob Steinmeier auf so was Bock hat? Schwierig zu sagen, ob ihn das nur lächerlich macht oder ihm sogar hilft.





Erst Fehler, dann feiern, dann fliegen_Jens Lehmann stemmt zu viel

22 09 2009

Jaja, eine Brustwirbelblockade. Der Mediziner erklärt das so: „Im Bereich des Brustkorbes entspringen an der Wirbelsäule in jeder Wirbelhöhe rechts und links eine Nervenwurzel, die dann unterhalb der Rippen entlang läuft. Bei starken Belastungen kann es zu einer ganz geringen Verschiebung im Gelenk zwischen dem Wirbelkörper und der Rippe kommen. Daher wird dann die Nervenwurzel gereizt.“ Zumindest habe ich das auf ORTHOPAEDE.COM gefunden.

Bei starken Belastungen kann es also zu einer geringen Verschiebung kommen. Vielleicht hat Jens Lehmann da etwas nicht ganz verstanden. Er sprach ja von „nur ein halbes Radler getrunken“, also wenig oder gering. Wahrscheinlich hat er aber in Wirklichkeit seinen Arm mit vielen Maßkrügen stark belastet. Er sagte zwar schon mal der Bild, dass er fast keinen Alkohol trinkt, aber wer weiß. Er kann ja den Maßkrug am Samstag auch des Öfteren gestemmt, aber immer nur ein Schlückchen genippt haben. Das wirkte sich dann auch auf den Rücken aus und somit kam es zur Brustwirbelblockade. Immerhin kann er sich jetzt einreden, dass er das Pokalspiel aus gesundheitlichen und nicht aus disziplinarischen Gründen verpasst.

Ich muss mich an dieser Stelle zwar als Lehmann-Sympathisant outen, aber nach so einem Fehler wie am Samstag (im Video weiter unten zu sehen) nicht in Stuttgart zu bleiben und am sonntäglichen Auslaufen teilzunehmen und dann auch noch auf die Wiesn zu gehen. Das ist höxscht unprofessionell, wie der Schwabe sagen würde. Auch wenn es eine Wohltätigkeitsveranstaltung war, dann hätte er es zumindest seinem Trainer Markus Babbel sagen müssen. So wäre es auf alle Fälle vertretbar gewesen. Und er hätte sich ja nicht mit dem Maßkrug und einem breiten Grinsen fotografieren lassen müssen. Die Strafe ist jedenfalls verständlich und dank seiner Krugstemm- oder auch Brustwirbelblockade kommt er vielleicht sogar um die Suspendierung für die Bundesligapartie am kommenden Wochenende gegen Frankfurt herum.

Nichtsdestotrotz ist ein er Großer seines Faches. Unzählige Videos füllen die youtube-Seite. Der ein oder andere Autor hat vielleicht nicht den besten Musikgeschmack, aber sowohl die deutschen als auch die englischen Videos sind unterhaltsam. Das folgende Filmchen hat’s hierhin geschafft, weil es mit dem Jubel nach dem Elfmeterschießen gegen Argentinien aufhört. Ein großer Moment.





Gewollt oder aus Versehen_Manipuliert RTL?

20 09 2009

Trotz der Tatsache, dass ich politisch derzeit beinahe gesättigt bin, da Wahlsendungen in den Medien auf- und ablaufen, schau ich mir gerade Spiegel TV Extra mit Künast, Westerwelle und Gysi an. Und ich muss mich doch fragen, warum RTL einen Einspieler bringt, in dem beim FDP-Teil Pelzmäntel, Kaviar und Champus trinkende Hunde vorkommen. Man kann ja von den Liberalen halten, was man will, aber denken sich denn die Macher und Verantwortlichen solcher Trailer gar nichts. Oder denken sie so, weil sie in den Wahlkampf eingreifen wollen? Ich kann so etwas nicht verstehen und muss mich daher kurz aufregen.

Man kann aber nicht nur die Privaten beschimpfen, weil es etwas Ähnliches auch schon bei Anne Will gab. Damals ging es um die Gesundheitsreform und den Gesundheitsfonds. Leider kriege ich den genauen Inhalt des damaligen Einspielers nicht mehr zusammen.

Jedenfalls sollten wir Medienschaffende immer bedenken, was wir mit welchen Aussagen bewirken können und welche Vorsicht gerade so kurz vor der Bundestagswahl geboten sein sollte.

Nachtrag: Auch der zweite Einspieler war grandios. Künast und Westerwelle haben aber zum Glück gleich zurückgeschossen. Sicherlich ist eine gewisse Provokation manchmal angebracht, um Meinungsäußerungen herauszufordern, aber nur polemisch über politische Inhalte, die sich schließlich nicht mit irgendeinem Firlefanz befassen, zu berichten ist sicherlich nicht seriös, vernünftig und verantwortungsvoll. Ich persönlich schmunzle manchmal bei destruktivem Journalismus, halte ihn aber nicht für den richtigen Weg. Denn jeder Journalismus hat seine Wirkung und bei Sendern wie RTL auch möglicherweise eine umso größere, und da sollte man über Polemik und Destruktivismus noch viel mehr nachdenken.





Sanou schießt Traumtor_Und Bastürk sieht’s nicht

20 09 2009

Ich war gestern endlich mal wieder im Stadion. Mit einem Kollegen bin ich nach Stuttgart in die Mercedes-Benz-Arena gereist. Er ist Köln-Fan und daher hat sich die Partie des VfB gegen den 1. FC angeboten. Dass Köln dann auch noch den ersten Saisonsieg holt und mein Kumpel auf der Tribüne hin und her wetzt, sich zwischen lauter VfB-Fans auf den Boden schmeißt, war ein nicht zu erwartender, aber sehr schöner Nebeneffekt des Live-Fußballs.

Zudem wird Wilfried Sanous 2:0 sicherlich in die Jahresrückblicke der Saison 2009/2010 eingehen. Kicker online spricht von einem 45-Meter-Tor. Naja, ob es gar so weit war. Egal. Das sind Momente im Fußballstadion, die es wertvoll machen, ein Fußballfan zu sein. Als Jens Lehmann raus rannte, gingen die Gedanken im Kopf schon los. Naja, das ist jetzt eigentlich nicht so klug vom VfB-Keeper. Dann versucht er auch noch, Ishiaku auszuspielen. Dieser bekommt seinen Körper dazwischen. Im Kopf folgt: Jetzt muss Lehmann eigentlich foulen. Das gelingt ihm aber nicht, der Ball rollt zu Sanou. Dann will man selbst schreien: Schieß! Und der Mann aus Burkina Faso macht es tatsächlich. Der Ball fliegt, kein Seuchbogen, nein, ein schöner Flugball. Die Gedanken versuchen die Flugbahn vorzuberechnen. Na, der könnte rein gehen, kann aber auch die Latte treffen oder doch drüber gehen. Und dann: Der Ball fliegt knapp unter der Latte ins Netz, der Nachbar eskaliert, die VfB-Fans auf der Tribüne stehen auf und gehen, das Kölner Team begräbt Sanou unter sich. Ein herrliches Tor.

Interessant ist zudem, dass Yildiray Bastürk das Tor gar nicht gesehen hat. Der Stuttgarter hatte nämlich schon knapp zehn Minuten vor Spielende die Tribüne verlassen, hinter ihm sein Tross. Auch wenn Bastürk das Spiel vielleicht im VIP-Bereich bis zum Ende verfolgt hat, kann so was nicht angehen. Als Profi muss man bis zum Abpfiff zu warten, das ist schließlich ein armseliges Bild. Ludovic Magnin hat es schließlich auch geschafft, zumindest habe ich ihn nicht gehen gesehen. Er hat also nicht nur Humor – grandios ist sein Kommentar zu Lehmanns-Helikopter-Anreise: „Jens Lehmann wird der Einzige bleiben, der gelegentlich mit dem Hubschrauber zum Training kommt. Ich habe zwar versucht, ihn zu toppen und mit dem U-Boot zum Training zu fahren. Aber dafür ist der Neckar einfach zu flach.“ – sondern weiß auch, was sich gehört.

Nichtsdestotrotz hat die Reaktion des Publikums erneut gezeigt, dass viele offensichtlich nicht selbst Fußball spielen. Ein „Buh“ oder ein Pfiff scheint den Schwaben schnell über bzw. durch die Lippen zu gehen. In den meisten Situationen (z.B. Rückpass zum Torwart) waren diese Reaktionen absolut unangebracht. Aus fußballerischer Sicht waren viele Spielaktionen verständlich. Dass der VfB sicherlich erstaunlich schwach bzw. vor allem uneffektiv nach vorne spielte, steht außer Frage, aber die Kölner Fans sind ein hervorragendes Beispiel, wie man das eigene Team motiviert, wenn es mal nicht so läuft. In Stuttgart scheinen sie sehr erfolgsverwöhnt zu sein. Man sollte nicht gleich bei jedem Rückpass zum eigenen Keeper das Pfeifen und Abwinken beginnen. Schließlich ermöglicht das einen neuen Spielaufbau, einen Seitenwechsel oder einfach nur das Entschärfen einer brenzligen Situation.

Es bleibt: 2011 muss schnellstmöglich kommen, damit die Stuttgarter Arena fertig gestellt ist und Lukas Podolski kann sich bis ans Lebensende auf seinen Meriten ausruhen. Es ist schon kurios, dass nach dem Spiel vor dem FC-Bus nur „Lukas“-Rufe in Richtung Kölner schallten, obwohl Podolski zu den schlechteren zählte, wenn nicht der schlechteste war. So viel er vergangenes Wochenende gegen Schalke gearbeitet hat, so sehr hat er sich in Stuttgart ausgeruht.

Sicherlich war die Partie nicht von Hochglanz-Fußball geprägt, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Und Ihr sollt hier noch einmal teilnehmen dürfen, am Genuss des tollen Tores von Sanou.

Achtung neuer Link, weil die DFL ja die Rechte hat. Ich kann leider nicht mehr das youtube-Video direkt reinstellen. Daher geht’s HIER zum Spiel. Ihr müsst nur noch Play klicken.