Mehmet Scholl braucht Handcreme_Ewald Lienen den Saisonstart

26 07 2009

Bei der Recherche für das DJS-Klartext-Magazin sollte oder durfte ich 1860-Trainer Ewald Lienen und Mehmet Scholl, heute Coach des FC Bayern II, kontaktieren.

Von Scholl hatte ich gehört, dass er medienscheu sei. Daher bin ich raus nach Oberschleißheim gefahren, um ihn persönlich anzusprechen. Sein Team gastierte zu einem Vorbereitungsspiel beim FC Phönix Schleißheim. Nach dem Kantersieg, ich glaube es war ein 12:0, wollte ich Scholl auf dem Weg in die Kabine abfangen.

Die Teams mussten einige Meter über das Gelände laufen, ehe sie in der Kabine waren. Das war die Chance, zumal es ja nicht um ein Foto ging. Denn: „Schreiben ja, aber keine Bilder“, sagte Scholl zu einem Vater und seinem Sohn. Im ersten Moment klingt das assi, aber es kann auch einfach Selbstschutz sein. Nach so einer Karriere – mit tausenden Anfragen für Autogramme, Fotos, Interviews – hat ein Profi vielleicht irgendwann einfach keinen Bock mehr. Das muss man respektieren. Aber dass sich Scholl in seiner Funktion als Trainer auch vor den Medien fast versteckt, geht gar nicht. Das ist nun mal seine Aufgabe. Es wäre verständlich, wenn er nicht überall auftritt – schließlich steht er diese Saison sehr unter Druck und es geht ja immer noch um die Spieler – aber ein paar Interviews muss er schon geben.

Jedenfalls wollte ich an diesem Samstag kein Foto, nur eine Audienz. „Herr Scholl“, legte ich los, streckte ihm die Hand hin. Seinen Gang verlangsamte er nicht, aber auch er reichte die Hand. Vielleicht lag’s ja daran, dass er an diesem Tag wohl zum ersten Mal „Herr Scholl“ statt „Mehmet“ hörte.

Kurz vorgestellt und gefragt, ob er bei unserem Sportler-interviewen-Sportler-Projekt mitmacht. Nach dem Wort Projekt schüttelte er schon mit dem Kopf. „Nein.“ Ein wenig hatte er mich schon abgehängt, aber der Ehrgeiz war geweckt. „Wirklich nicht? Haben Sie echt keinen Bock?“ Zweimal drehte er sich immerhin noch um, blickte beinahe mitleidend. Eine Zusage gab’s dennoch nicht. Ärgerlich, aber auch verständlich. Zumal ihm solche Auftritte nach der gestrigen 0:2-Auftaktniederlage in der 3. Liga gegen Ingolstadt wohl noch schneller Kritik einbringen würden, als das beim FC Bayern ohnehin passiert. Was blieb: Eine S-Bahn-Fahrt nach Oberschleißheim, zwölf Tore und das Wissen, dass Scholl äußerst rauhe Hände hat – und mehr oder weniger höflich absagen kann.

Bei Ewald Lienen ging es da schon anders zu. Er wurde aber auch am Telefon überrascht. Beim ersten Anruf antwortete er auf „…von der Deutschen Journalistenschule“ schlicht: „Ganz ungünstig.“ Zwei Stunden später der nächste Versuch. Das Klingeln verhallte.

Beim dritten Mal ging er wieder ran. Schnell das Projekt und die Anfrage erklärt, sogar auf Lienens Nachfrage nochmal, und dann ging’s los: „Was glauben Sie eigentlich. Einen Bundesliga-Trainer fragen, ob er Zeit hätte, jemanden zu interviewen.“ So fuhr er noch eine Weile fort. Lienen hatte aber auch gute Tipps. „Die Spieler haben den ganzen Tag Zeit. Da müssen Sie einfach mal hierher kommen, die laufen hier alle rum.“

Die Tatsache, dass Lienen keine Zeit hat, ist absolut verständlich. Und er hat Recht, wir hätten einfach zum Training fahren können. Aber die forsche Art war dennoch unnötig. Es wird Zeit, dass die Saison startet und Lienen seinen Druck an der Außenlinie und auf dem Schreibblock ablassen kann. In diesem Sinne: Heja TSV!

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