Krisen-Hohn statt Traumtor-Lohn

26 07 2009

Wolfsburgs Grafite hat sich am Samstag mit seinem 5:1 gegen den FC Bayern um das Tor des Jahres beworben. „Hilferufe in der Dämmerung: Die Krise des FC Bayern“ titelte die Süddeutsche Zeitung. Dieses mediale Krisengerede ist inflationär und schwachsinnig.

Bereits im November 2008 sprach der stern von einer Krise – 1:1 hatte München gegen Lyon in der Champions League gekickt. Vier Punkte aus zwei internationalen Partien und Platz neun vor dem siebten Bundesligaspieltag: Zu früh, um eine Krise heraufzubeschwören. Prompt ging es bergauf. Der Rekordmeister blieb in der Königsklasse bis jetzt ungeschlagen, schaffte die Vize-Herbstmeisterschaft in der Bundesliga.

Vor gut einem Monat wähnte Spiegel Online Jürgen Klinsmann als „Opfer der Krise“. Der FC Bayern hatte soeben einen Punkt aus Bremen mitgebracht, blieb mit vier Zählern Rückstand auf Schlagdistanz zum Spitzenreiter. Wo ist da die Krise?  Zumal drei Siege mit 9:1 Toren folgten. Zwar beendete der VfL Wolfsburg diese Serie am Samstag. Der  FC Bayern hätte mit einem Sieg aber selbst Tabellenführer werden können, verlor immerhin gegen den aktuellen Spitzenreiter und keinen Abstiegskandidaten – und war zudem nicht so schlecht, wie das 1:5 annehmen lässt.

Indes gastiert Bayern München heute Abend in Barcelona. Es ist das Viertelfinale der Champions League, mit den acht besten Klubs aus Europa. Das hört sich schwer nach Krise an. Die Teilnahme am nächstjährigen Champions-League-Wettbewerb, eines der Hauptziele der Bayern, ist mehr als nur möglich – selbst wenn die Münchner dieses Jahr ausscheiden und nicht Meister werden.

Und der Titel selbst schwächt den Segelwind der Krisenmacher wohl am meisten. Der Rückstand auf Wolfsburg beträgt drei Zähler. Acht Spieltage vor Saisonende wäre das selbst zu Zeiten der Zwei-Punkte-Regel kein Hindernis für den aktuellen Meister gewesen.

Daher bitte nicht fünf Mal pro Saison von einer Bayern-Krise reden. Das ist so kreativ wie das Weizenbrot eines Fast-Food-Burgers kross ist und motiviert die Münchner doch nur. Mehr Beiträge über das Traumtor von Grafite wären viel angebrachter.

DJS-Text (Kommentar-Ausbildung bei Jochen Weiss)

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