VfB olé olé

28 11 2012

Ich weiß, es ist eine Weile her. Sorry dafür.
Der Grund liegt darin, dass ich kurz nach meinem letzten Beitrag einen neuen Job angetreten und die Freiberuflichkeit verlassen habe.

Somit bleibt kaum Zeit für Einträge. Ich habe mir aber vorgenommen, in unregelmäßigen Abständen Texte aus meiner neuen Tätigkeit hier immer mal wieder online zu stellen.
Fußball-Fans interessieren diese vielleicht. Denn seit August arbeite ich beim VfB Stuttgart in der Presseabteilung und bin dort hauptsächlich für die Homepage (www.vfb.de) zuständig.

Insofern freut es mich natürlich, wenn Ihr auch mal dort vorbeischaut.
Auch nochmal danke, dass Ihr immer mal wieder diese Seite hier lest.

Schönen Tag noch.
Servus, Fabian





Vom Dorfplatz in die Europa League

13 07 2012

Emil Noll kennt den Fußball von der untersten bis zur obersten Liga – sowie die rassistischen Probleme.

Es knistert ab und an, wenn ein Regenschauer im Anflug ist. Die Stromleitung, die sich über den Fußballplatz des SV Aufheim erstreckt, reagiert auf den Wetterumschwung. Manchmal berührt der Ball auch eines der Stromkabel, meist wenn die Torhüter einen Abschlag hoch hinausschießen. Emil Noll hat die Leitungen nie getroffen. Die Karriere des heute 33Jährigen begann in der 2000EinwohnerGemeinde, die zur Stadt Senden gehört, das die meisten aus der Radiowerbung einesMöbelhauses kennen.

DenHöhepunkt erreichte der imKongo geboreneDeutschemitAlemanniaAachen, als der Club in der Saison 2004/2005 als Zweitligist die Gruppenphase der Europa League überstand. „Dort hatte ich mit Abstandmeine schönste Zeit“, sagtNoll.Mittlerweile kickt der Abwehrspieler bei Pogon Stettin in der höchsten polnischen Liga.

Noll hat viele Erfahrungen gemacht

Noll ist in doppelter Hinsicht interessant. Der Sohn einerKongolesin und einesDeutschen schaffte es von der untersten Spielklasse imBezirkDonau/Iller in die höchste Spielklasse, und der Linksfuß lernte vom Dorfplatz bis zum Bundesligastadion und auch im Ausland rassistisches Verhalten von Fans und Spielern kennen.

Mit sechs Jahren zog die Familie von Kinshasa nach Aufheim in der Nähe von Ulm. Emil hatte in Afrika ein paar Mal gegen einen Ball getreten, aber nie daran gedacht, Profi zu werden. Das änderte sich auch nicht, als er in der Jugend des SV Aufheimspielte, nachdemihn der damalige Vereinsjugendleiter Heinrich Zeller auf der Straße angesprochen hatte.

„Die klimatische Umstellung bereitete ihmProbleme“, sagt Zeller, der auch an DFBStützpunkten aktiv ist. „Er ist im Herbst noch in kurzer Hose herumgesprungen. Deshalb war er ständig erkältet.“ Nolls Bewegungstalent war aber sofort zu erkennen. Das galt es zu fördern. Erwechselte zu höherklassigen Clubs, spielte inderBJuniorenVerbandsstaffel, doch ohne Freunde war es schwierig, erinnert sich Zeller: „Er hatte immer Probleme,wenn er keinen kannte.“

Der Traum vom Profi reifte langsam

Noll wuchs auf 1,94Meter heran, kehrte wieder zum SV Aufheim zurück, spielte dort bei den Männern in der Kreisliga B. Der Traum vom Profi war mittlerweile gereift – und er verließ dann langsam doch das gewohnte Umfeld. Über die Bezirksliga wechselte er in dieLandesliga nach Illertissen, blieb dort drei Jahre und sagt heute: „Das war der Fehler und hat mich unnötig ausgebremst. Ich hätte früher nach Aalen gehen sollen.“ Andererseits schloss er so seine Ausbildung zum Postkaufmann ab, und der Transfer zumRegionalligisten VfR Aalen klappte 2002 auch noch. Alemannia Aachen holte Noll zwei Jahre später. „Da wusste ich, dass ich es geschafft habe.“Und er schaffte mit dem Club 2006 auch noch den Sprung in die Bundesliga.

Nach den internationalen Auftritten, einigen Bundesligaeinsätzen und insgesamt 101 Zweitligapartien in Aachen, Koblenz, Paderborn und beimFSV Frankfurt lotste Pierre Littbarski Noll zum FC Vaduz in die zweite Schweizer Liga, bevor er dann 2010 für ein Jahr nach Polen zu Arka Gdynia wechselte.

In acht Jahren schaffte er es also von ganz unten nach ganz oben. Emil Noll kennt die unterschiedlichen Spielklassen und sagt: „In der Kreisliga spielst du aus Spaß und mit deinen guten Freunden. Als Profi ist Fußball aber dein Job.Das Teamist zwar eine Einheit, aber imEndeffekt schaut dennoch jeder auf sich selbst.“ Vereinzelt entstünden Freundschaften, aber generell sei derKonkurrenzkampf dafür zu groß. Dieser Druck habe ihm kaum zugesetzt, aber „wenn man wie ein Weltmeister trainiert und keine Chance bekommt, das ist das Schlimmste“.

Ebenfalls bedauernswert sind rassistische Anfeindungen. „Ich denke“, sagt Noll, „in den unteren Ligen ist das schlimmer.“ Dort sei alles offener, nicht so abgeschirmt wie im Profifußball, die Aggression könne sich leichter entladen. Seine krasseste Erfahrungmachte er aber impolnischen Profifußball, beim Ostseederby Arka Gdynia gegen Lechia Danzig. „Zwei andere Dunkelhäutige spielten noch in meinem Team, und bei einem haben die Fans beim Einwurf Affengeräusche gemacht“, sagt Noll. „Es war vielleicht auch Glück, dass ich fast gar nichts verstanden habe.“ Denn die Stimmung sei auf den Rängen in polnischen Fußballstadien aggressiver als in Deutschland. Insgesamtwurde der 33Jährige in seiner Fußballerlaufbahn aber selten zumOpfer rassistischer Aktionen.

„Es geht nicht um Geld“

Noll will seine Karriere als Profi beenden, aber nicht auf einemDorfplatz irgendwo in der Welt. Gerne auch in Deutschland und gerne bei Clubs wie den Stuttgarter Kickers. „Es kommt immer auf die Ziele des Vereins an, es geht nicht umGeld“, sagt der Defensivmann, der nicht ausgesorgt, aber immer etwas zur Seite gelegt hat. Seine eigenenZiele kenntNoll schon:Erwill dem Fußball treu bleiben undmit seinerMutter mal nach Afrika, denn dort war er seit seinemWeggang nichtmehr. Dann wird es sicherlich in ihmknistern – vor Aufregung.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (12. Juli 2012)





Appetit 2.0 – das Handy liegt sogar auf der Ersatzbank

10 07 2012

Smartphone-Besitzer können dank zahlreicher Applikationen noch leichter ihren Fußballhunger stillen. Das gilt vom Freizeit- über den Amateur- bis hin zum Profisport. Auch der Stadionbesucher und der wenig begabte Freizeitkicker profitieren von der technischen Entwicklung.

Die Technik hat den Freizeitfußball etwas menschlicher gemacht. Was paradox klingt, haben die Kicker Thomas Goerldt zu verdanken. Er hat 2011 nämlich die Teamshaker-App entwickelt. Seither bleiben beim Wählen von zwei Teams die peinlichen Momente aus: Keiner muss mehr mit ansehen, wie alle anderen vor ihm ausgewählt werden, keiner muss mehr diese Sekunden oder Minuten des unmenschlichen Wartens aushalten, bis er als Letzter zu einer Mannschaft schlappen darf, die ihn notgedrungen aufnehmen muss. Anstatt wie bisher mit „Tip-Top“ oder „Hühnerdapperle“ Schritt für Schritt den Teamkapitän zu bestimmen, der mit der Mannschaftwahl beginnen darf, sitzen die Freizeitfußballer nun vor einem Smartphone. In diesem können bei der Team-Shaker-App die teilnehmenden Spieler mit einer Stärke von eins bis fünf einprogrammiert werden. Danach schüttelt jemand das Handy und heraus kommen zwei Mannschaften, die unter Berücksichtigung der einzelnen Spielerfähigkeiten auf einem ähnlichen Niveau sind.

Der Markt solcher Applikationen für Mobilfunktelefone wächst stetig. Rund 13 Millionen Treffer spuckt die Internetsuchmaschine Google bei der Wortkombination „Fußball App“ aus. Für die verschiedenen Betriebssysteme für die Handys haben die Hersteller jeweils eigene Appstores eingerichtet, in denen die Anwendungen heruntergeladen werden können, einige sind mit mehreren Betriebssystemen kompatibel. Viele Apps sind kostenlos – sicherlich auch, weil die Zahlungsbereitschaft der Nutzer nicht sehr hoch zu sein scheint. Eine Ausnahme stellen hier wohl die Apps der einzelnen Fußballclubs dar.

Amateurvereine nutzen solche Applikationen für die eigene Öffentlichkeitsarbeit noch nicht, die Kicker- und Fussball.de-App sind jedoch auch an den Spieltagen der unteren Ligen im Einsatz. So können schließlich schnell die Ergebnisse auf den anderen Dorfplätzen gecheckt werden. Seit kurzem kostet dieser Amateurservice von Fussball.de 2,99 Euro pro Jahr. „Ich sehe es nicht ein, für die Ergebnisse Geld zu zahlen, die bekommt man im Internet schließlich umsonst“, sagt Holger Höb vom WFV-Club SV Aufheim in der Nähe von Ulm. Er hat früher die App genutzt. Auch Janosch Köberlein, ehemaliger Kicker aus dem Bezirk Alb, findet die Gebührenpflicht in diesem Fall „ziemlich frech“. Stefan Schilling, der Presseverantwortliche des Tübinger Stadtteilclubs SV Pfrondorf, nutzt manchmal auch den Amateurinfoservice der Kicker-App, „die ist aber sehr spät aktuell“. Beim Kreisligisten FV Weißenhorn im Bezirk Donau/Iller läuft das dann an einem Spieltag meistens folgendermaßen ab: ein Smartphonebesitzer liest die Ergebnisse im Sportheim laut vor und gibt anschließend das Handy weiter, damit die Kollegen die Tabellensituation analysieren können.

Fußball-Apps in der Hanballkabine

Weil die Amateure oft zu ähnlichen Zeiten wie die Profis kicken, kommen die Fußball-Apps auch während der 90 Minuten zum Einsatz. „Sogar wenn wir selbst spielen, liegt ein Handy auf der Auswechselbank, um einfach immer auf dem Laufenden zu bleiben. Eigentlich verrückt“, sagt Stephan Gabele vom SBFV-Club FV Walbertsweiler-Rengetsweiler in der Bezirksliga Bodensee, „ich finde diese Apps genial.“ Max Länge studiert mit Gabele Sportwissenschaft, spielt selbst Handball in Schwäbisch Gmünd, berichtet aber vom gleichen Phänomen: „In der Kabine schauen wir uns den Liveticker an – meist ohne Trainer – und reden dann darüber, welche Auswirkungen das auf unsere Comunio-Mannschaften hat.“

Ob Kicker, Fussball.de, Sport1, Bundesliga, 90elf-live, Laola1.at, Sportschau, Spox, Ran, Livescore, DFB Uefa, Espn, Pocket-Liga, Eurosport, oder Iliga – die App-Liste ist beliebig verlängerbar – sie alle informieren den Nutzer über Spielstände, Tabellensituationen, Torschützen, versorgen ihn mit Vor- und Nachberichten, klären ihn über Transfergerüchte auf, bieten teilweise auch Bilder und Videos. Je nach App werden die Nutzer über Nationalmannschaften, nationale und internationale Ligen informiert. Ihnen ist dabei neben der kurzen Ladezeit, eine übersichtliche Darstellung und einfache Navigation sowie die schnelle Aktualität wichtig. „So eine App ist optimal für zwischendurch, um auf dem Laufenden zu bleiben. Auch gut für Diskussionsrunden, wenn man spontan entscheidende Fakten braucht“, sagt der fußball- und internetverrückte Göppinger Samy Abdel Aal, der vor allem die Iliga-App nutzt, die fast viereinhalb von fünf Sternen bei der Nutzerbewertung im Itunes-Store erhält und zu den beliebtesten Fußball-Apps zählt. Diese Bewertungen sind auch für einige Interessenten die Grundlage, welche App sie herunterladen. Als negativ werden beispielsweise Registrierungs- und Anmeldepflichten erachtet.

Im Einsatz sind die Applikationen vor allem am Wochenende während des Ligabetriebs, aber auch bei Partien im Europa- oder DFB-Pokal unter der Woche. „Wenn man nach der Arbeit noch etwas trinken geht und kein TV in der Nähe ist, sorgen die Apps eigentlich im Minutentakt für Gesprächsstoff“, sagt Steffen Schmid aus Eislingen an der Fils, der für den Hessischen Fußball-Verband arbeitet. Simon Kirchgeßner aus dem BFV-Kreis Buchen im Odenwald hat bereits ein Konsumsystem entwickelt. Aus seinem Handy schallt aufgrund der „Sportschau“-App ein „Tooor“-Schrei, wenn auf einem Platz ein Treffer fällt. Dann schaut er dort, wo das Tor gefallen ist, und wechselt auf die Kicker-App, um den Schützen nachzulesen. Denn diese App „hat die schnellste Verschriftlichung, schneller als die Homepage“. Die Toralarm-Funktion bieten übrigens auch andere Applikationen. Aber nicht nur die Fans nutzen diese Anwendungen, auch Mitarbeitern von Medienhäusern erleichtern die Apps teilweise den Job, wenn beispielsweise eine Tabelle für die Zeitungsausgabe des kommenden Tages angefertigt werden muss und der Redaktionsschluss naht.

Manche Proficlubs kooperieren mit IT-Dienstleistern

Einige Apps ermöglichen dem Nutzer, seinen Lieblingsverein anzugeben, sodass die Infos über diesen Club zuvorderst erscheinen. Besser eignen sich hierfür die eigenen Vereins-Apps – sei es von Medienhäusern, wie die VfB-App von der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten, oder die Applikationen, welche die Clubs selbst entwickeln beziehungsweise mit Informationen befüllen. Beim SC Freiburg haben beispielsweise Anhänger eine eigene Fangemeinschaft-App auf den Markt gebracht, um über den Club sowie Aktionen zu informieren. 1899 Hoffenheim bietet seinen Fans neben dem Live-Ticker und einigen Informationen rund um das Stadion auch eine 1899-TV-App mit Videos von den Spielen und den Pressekonferenzen sowie mit Hintergrundberichten und Interviews an.

Die App des VfB Stuttgart ist die einzige kostenpflichtige in der Bundesliga. Als die Schwaben ihre Anwendung initiierten, kämpfte der Club gegen den Abstieg. „Die Vorgabe war Kostenneutralität, weil zu der Zeit der Entscheidung ein deutlich übergeordnetes Thema, nämlich die Zukunft des Vereins, vorrangig war“, sagt Holger Boyne, beim VfB für die App zuständig. Somit blieben zwei Möglichkeiten: eine Standard-App oder eine eigens programmierte, für die der Fan aber 79 Cent pro Quartal beitragen muss. Stuttgart zählt seither zu der Minderheit der Bundesligavereine, die ihre Applikation mit einem Dienstleister entwickelt und nicht lediglich den eigenen Newsstream und das Branding in eine vorgefertigte Applikation eingebaut haben. „Diese Standard-Apps sind gut, aber vergleichbar“, sagt Boyne. Die eigene Entwicklung ist jedoch kostenintensiv. Der VfB will zur kommenden Saison sein gesamtes App-Konzept überarbeiten, auch die Kostenpflicht hinterfragen, die „monetäre Handlungsfähigkeit“ sei vorhanden. „Eine App muss technisch ausgereift, funktional und emotional sein, viele Gimmicks sowie einen echten Mehrwert bieten und vor allem individuell sein“, sagt Boyne. Die Neuauflage soll schneller als die aktuelle App sein und mehr Funktionen, wie beispielsweise die Nutzung ortsbasierter Dienste, ermöglichen.

Auch Werder Bremen hat einen eigenen Dienstleister beauftragt, die neue App steht seit der Winterpause zum Herunterladen bereit. Die Norddeutschen sind bei ein paar Features Vorreiter. So können die Stadionbesucher über die Applikation ihre Arena-Card mit Geld aufladen – und müssen nur noch an den Verzehr- und Souvenirständen anstehen. Außerdem bietet die Anwendung für Auswärtsfahrten einen Routenplaner. Darüber hinaus können die zahlenden Werder-TV-Abonnenten das Programm auch in der App abrufen. Über kostenpflichtige Services diskutieren die Verantwortlichen auch bei Borussia Dortmund. Mit sogenannten In-App-Payments kann der Nutzer dann beispielsweise die Highlights der Spiele sehen. Auch der Meister kooperiert mit einem IT-Unternehmen. „Wir entwickeln mit diesem Dienstleister einen eigenen Fahrplan und arbeiten dauerhaft an einer Optimierung“, sagt David Görges vom BVB. „Das Gute daran ist, dass beispielsweise ein Update so nicht auch für die anderen Vereine gilt, wie das bei den Standard-Apps der Fall ist.“ In Dortmund hatten Görges und Co. sogar über ein Call-a-Beer-Feature nachgedacht. Per Klick im Smartphone sollte so über die App ein Bier geordert werden können. „Das ist aber mit der Ortung sehr schwierig, die Handytechnik gibt das noch nicht her“, sagt Görges. Der hohe Personalaufwand sei ein weiteres Hindernis. Den Clubs geht es bei der Applikation letztlich darum, einen weiteren Newskanal zu nutzen und zusätzliche Angebote für die Fans zu bieten – sowohl unterwegs für den mobilen Nutzer als auch für den Stadionbesucher.

Tippen und Managen ist auch möglich

Da die Fußballanhänger in ihren Lieblingssport dank Comunio oder Kicktipp auch selbst spielerisch eingreifen können, bietet sich den App-Entwicklern ein weiterer Markt. Für Kicktipp oder das Erdinger Tippspiel sind bereits Applikationen in den Stores abrufbar. Auch Comunio bietet diesen Service mittlerweile an. In Echtzeit auf dem Smartphone-Display Fußball spielen ermöglichen Game-Apps wie beispielsweise die Anwendung Flick Champions, bei der mit dem Finger die Schuss- und Passrichtung sowie -stärke bestimmt werden.

Die Worte Stärke, Anwendung und Internet führen indes automatisch zur Plattform Facebook. Schließlich bietet auch der Netzriese eine App an. Diese ist beim Kreisligisten Weißenhorn „im Einsatz, um Trainingszeiten und -pläne sowie Treffpunkte bekannt und Fahrgemeinschaften auszumachen“, wie der Verteidiger Michael Strasser berichtet. Wie bei den Freizeitfußballern hat dann auch ein Vereinstrainer bei den Übungseinheiten dank der neuen Technik die Möglichkeit, die Mannschaften für das Abschlussspiel mit einer gerechten Stärkenverteilung auszuschütteln. Dafür braucht er nur ein Smartphone und die Team-Shaker-App.

veröffentlicht im Magazin im Spiel (2012, imspiel_fussball_apps)





Lagern, bauen, fertigen – und naschen

5 06 2012

Die gute Konjunktur beflügelt das Angebot für Studenten und Schüler, doch für Bewerbungen wird es höchste Zeit.

Diese Arbeitist ein Traum für Naschkatzen. Wer bei der Bonbonfabrik Jung in Vaihingen/Enz einen Ferienjob ergattert, darf Bonbons, Gummibärchen, Lollis und weitere Leckereien essen. „So viel, bis es zu den Ohren rauskommt“, sagt Gerd Bayerdörfer, der Abteilungsleiter Verpackung. Qualitätsmanagement basierend auf der süßen Versuchung – die Studenten und Schüler zieht das jedenfalls an. Die Nachfrage sei hoch, sagt Bayerdörfer, manche Interessenten meldeten sich für die Sommerferien schon in der vorausgehenden Weihnachtszeit – oder fragten noch während des Ferienjobs gleich für das kommende Jahr an.

In vielen Fällen der Stellenvergabe für die Stadt und die Region ist der Drops für die Sommerferien 2012 bereits gelutscht. Bei Daimler sind in manchen Werken „schon alle Jobs vergeben“ und die Interessenten „eigentlich fast schon zu spät“ dran für die Bewerbung auf einen der insgesamt 6500 Ferienjobs, wie Dominique Albrecht von der Presseabteilung des Unternehmens sagt. Insgesamt 1500 Stellen vergibt der Konzern im Untertürkheimer, 500 im Sindelfinger Werk, die Nachfrage ist sehr hoch.

Auch bei Bosch sind von den 4500 Ferienjobs, davon 1700 in der Region Stuttgart, bereits die meisten besetzt. Die Zahl der Ferienjobs sei gleichbleibend zu 2011, sagt der Pressesprecher Dirk Haushalter: „Der große Sprung nach oben war vom vorletzten ins letzte Jahr.“ Da zog die Konjunktur an, das beflügelt die Ferienjobbranche, wie die Kammern von Industrie- und Handel sowie Handwerk der Region Stuttgart bestätigen. „Viele Firmen überlegen, ob sie ihren Betrieb im Sommer stilllegen beziehungsweise reduzieren oder ihn flie- ßend weitergehen lassen“, sagt Gerd Kistenfeger von der Pressestelle der Handwerkskammer, frühe Bewerbungen seien daher sinnvoll, weil sie den Betrieben Planungssicherheit im Personal für die Ferienzeit gäben.

Auch die Bundesagentur für Arbeit spricht von einem Trend hin zu mehr Ferienjobs. Die Studenten und Schü- ler werden dabei laut Kistenfeger nicht ausgebeutet: „Es ist eine Win-win-Situation. Die jungen Menschen können ihre Interessen prüfen, die Betriebe ihre Personallücken füllen.“ PC-Kenntnisse seien nützlich, auch eine gute Sozial- und Kommunikationskompetenz. Indes lässt sich bei Ferienjobs in Stuttgart offenbar ein deutlicher Trend erkennen“, wie das Online-Portal Jobmensa.de meldet: „Die Firmen versuchen, die Jobs mit Studenten zu besetzen, die themenrelevante Studienschwerpunkte haben.“

Die Vermittlungen über die virtuelleWelt seien gerade bei großen Firmen beliebt, sagt Matthias Kastenmeier, der Geschäftsführer der Plattform Gelegenheitsjobs.de. „Die Bewerbungsverfahren sind einfacher zu handhaben, und es lassen sich besser Statistiken erstellen, beispielsweise darüber, welche Jobbörse sich rentiert.“ Dabei sei die Besonderheit einer Bewerbung, etwa die Optik oder eine pfiffige Überschrift, nicht mehr so wichtig. „Doch je höher die Anforderung des Jobs ist, desto mehr eignen sich die persönlichen Profile auf den Portalen“, sagt Kastenmeier. Er warnt aber davor, beispielsweise die eigene Facebook-Seite an eine Bewerbung anzuhängen. Das berge auch Risiken, je nachdem, was dort zu sehen ist.

Wer trotz eines Online- oder Printgesuchs noch keine Stelle bekommen hat, kann sich bei Anton Till in der Stuttgart Arbeitsagentur melden. Er ist zuständig für die Vermittlung und sagt, dass Stuttgart ein guter Arbeitsmarkt für Studenten sei und dass in der Region auch gut bezahlt werde. Mit 700 bis 1000 Vermittlungen von Minibis Vollzeitjob rechnet er für dieses Jahr. Die Bewerbungsphase beginnt bei der Arbeitsagentur aber erst im Juni, in diesen Tagen startet Till eine Rundschreibenaktion an 3500 Firmen. „Körperliche Belastbarkeit, geistige Flexibilität, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit sind immer gefragt“, sagt er und fügt hinzu, dass viele Mitarbeiterkinder in den Konzernen unterkommen: „Netzwerkverbindungen sind das halbe Leben. Wer keine hat, hat verloren.“ Und wer welche zur Bonbonfabrik Jung hat, kannim Optimalfall sogar noch ständig naschen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (4. Juni 2012)





„Von Abschreckung halte ich nicht viel“

1 06 2012

Der  Lungenfacharzt und Suchtmediziner Alexander Rupp setzt sich für die Tabakentwöhnung ein und hat 2010 einen Arbeitskreis in Stuttgart initiiert.  Zum Weltnichtrauchertag spricht er über die Chancen der Tabakentwöhnung sowie die Probleme mit Krankenkassen und sagt: „Die Gefahr wird noch immer unterschätzt.“

Herr Rupp, haben Sie in Ihrem Leben schon einmal geraucht?
Zehn Jahre lang eine Schachtel pro Tag. Im Studium habe ich angefangen und bis ins Berufsleben hinein geraucht.

Wie haben Sie es geschafft aufzuhören?
Mir wurde die innere Ambivalenz zu groß. Einerseits rauchen, andererseits die Patienten zum Aufhören auffordern. Mittels Selbstmanagementliteratur habe ich es geschafft, aber zwei Anläufe gebraucht.

Sie haben 2010 mit Kollegen den Arbeitskreis Tabakentwöhnung gegründet. Warum?
Das Ziel des Arbeitskreisesist es, die Bemühungen zur Tabakentwöhnung zu bündeln, einen fachlichen Austausch zu ermöglichen und die Angebote besser untereinander abzustimmen. Außerdem ist der Zusammenschluss wichtig, um eine gewichtigere Stimme bei den Krankenkassen und in der Öffentlichkeit zu haben. Immerhin wollen Umfragen zufolge mindestens 50 Prozent der Raucher aufhören.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?
Es ist schon ein Erfolg, dass die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch überhaupt stattfinden. Auch unsere Aktion beimWeltnichtrauchertag 2011 und unsere aktuelle Fortbildungsreihe sind erste Schritte in die richtige Richtung. Es ist aber noch viel Potenzial vorhanden.

Was meinen Sie mit Potenzial?
Ich denke, man kann die Struktur noch festigen. Unsere Öffentlichkeitsarbeit sollte ausgebaut und unser Kreis zum Beispiel durch Krankenkassen erweitert werden.

Sind Sie mit Akte S auch auf verbohrte Reaktionen bei Anfragen gestoßen?
Mit Akte S selbst noch nicht. Generell ist für mich jedoch völlig unverständlich, dass bei einer Abhängigkeitserkrankung die Kosten für eine Individualberatung oder -therapie nicht durch die Krankenkassen übernommen werden. Denn gerade im Suchtbereich ist Scham häufig ein Problem. Es kann eben nicht jeder in eine Gruppe. Das ist kategorisch bei allen Kassen so. Als Begründung höre ich, es stehe nicht im Präventionsleitfaden.

Dabei liegt die langfristige Erfolgsquote von Aufhörversuchen ohne Unterstützung lediglich bei drei bis fünf Prozent . . .
. . . weil beim Tabakrauchen die enorme Verfügbarkeit ein ganz wichtiger Faktor ist. Fast an jeder Straßenecke steht ein Automat. Rauchen ist eine Konsumform, die alltagstauglich ist, soziale Ausfälle bleiben in der Regel aus. Zudem war es lange Jahre gesellschaftlich voll integriert.

Sie sagen war?
Seit der Diskussion über die Nichtraucherschutzgesetze ändert sich auch die Einstellung zum Rauchen. Es wird zunehmend als störend empfunden. Raucher selbst sehen sich ausgegrenzt, sie müssen rausgehen, werden sogar öfter schräg angeschaut oder angesprochen.

Wird die Gefahr des Rauchens trotz dieser Entwicklung immer noch unterschätzt?
Ja, definitiv.

Würden Sie denn auch von gelegentlichem Rauchen abraten?
Gewisse Erkrankungen können auch durch gelegentliches Rauchen gefördert werden. Durch die Vielzahl chemischer Substanzen werden Entzündungsprozesse im Körper aufrechterhalten. Das kann im Lauf der Jahre zu verschiedenen Erkrankungen führen – egal wie viel man raucht. Außerdem gibt es bei den Krebs erzeugenden Substanzen keinen Schwellenwert der Unbedenklichkeit.

Dennoch rauchen in Deutschland immernoch 20 Millionen Bürger. Mangelt es mehr an der Prävention und der Aufklärung oder an der Entwöhnung?
Für die Raucher mangelt es an Entwöhnungsangeboten. Die vorhandenen Kurse sind für viele nicht attraktiv, weil sie zu lange dauern, und kürzere Angebote bezuschussen die Kassen häufig nicht.

Welche zulässigen Arten der Tabakentwöhnung gibt es?
Den wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit haben wir derzeit für die verhaltenstherapeutische und – wenn Entzugssymptome vorhanden sind – für die medikamentöse Unterstützung. Ein fehlender wissenschaftlicher Beweis bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass andere Methoden nicht wirken, sondern häufig, dass keine ausreichenden Studien durchgeführt wurden. Das stärkste wissenschaftliche Kriterium für Studien ist die kontinuierliche Abstinenz über zwölf Monate.

Doch nur mit einem positiven Wissenschaftsbeweis macht es Sinn, bei den Kassen nach Subventionen zu fragen?
Ja, das stimmt. Die Kassen zahlen derzeit beispielsweise nur die langfristigen Kurse, deren Erfolgsquote bei 35 bis 40 Prozent liegt. In Stuttgart konnten wir durch Gespräche mit den Kassen glücklicherweise Ausnahmen erreichen.

Gespräche sind sicherlich auch Teil der Tabakentwöhnung. Wie sollte diese aussehen?
Sie muss die Zielgruppe in hohem Maß erreichen und aus unterschiedlichen Methoden für unterschiedliche Zielgruppen bestehen. Der Einstieg zum Ausstieg muss niederschwellig sein. Die Rauchenden sollten frühestmöglich erreicht werden. Die Tabakentwöhnung sollte effektiv, zeitlich effizient und für alle sozialen Gruppen verfügbar sein. Zudem sollten die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen berücksichtigt werden und die Anbieter einen finanziellen Ausgleich für den Aufwand bekommen.

Die aktuellen Standardmodelle, die von den Kassen anerkannt werden, erreichen Ihren Angaben zufolge die Raucher minimal,lediglich 0,03 Prozent nutzten sie 2009. Somit geben die Kassen nur 0,3 Prozent des Präventionsbudgets für die Tabakentwöhnungskurse aus.Woranliegt das?
Es ist ein Problem auf der Anbieter- und auf der Raucherseite: Raucher besuchen die Kurse zu wenig. Bei den Anbietern gibt es zu wenige Spezialisten und zu wenige passende Angebote. Die wenigen, die Kurse vorbereiten und anbieten, stehen am Ende nicht selten mit drei oder vier Kursteilnehmern da, trotz des großen Vorbereitungs- und Werbeaufwands.

Welche Lösungen schlagen Sie vor?
Es wäre wichtig, den Fokus auch auf Kompaktkurse und individuelle Therapien zu legen. Dass diese für viele der einzig gangbare Weg zur Rauchfreiheit ist, wird von den Kassen häufig negiert.

Allerdings schreiben Sie selbst, dass die Abstinenzrate nach den Kompaktkursen geringer ist, etwa 20 bis 25 Prozent hören langfristig auf. Warum sind Sie dennoch ein Anhänger davon?
Die Methode ist sowohl für die Anbieter als auch für die Rauchenden lukrativer. Einem langfristigen Kurs stehen drei Kompaktkurse gegenüber. Pro Stunde Tabakentwöhnung können also mit dem Kompaktkurs doppelt so viele Raucher erfolgreich entwöhnt werden. Auch für die Raucher ist dieser attraktiver, weil die Einheiten überschaubarer und planbarer sind, als sechs Wochen lang einen Tag in der Woche zu dem Kurs gehen zu müssen. Mehrwöchige Kurse sind wichtig und effektiv, aber sie sind eben nicht für alle geeignet.

Haben Sie für den Erfolg von Kompaktkursen auch wissenschaftliche Bestätigungen?
Nur aus den regional begrenzten Zahlen, die ich aus unserer Stuttgarter Erfahrung habe. Den deutschlandweiten Beweis treten wir derzeit mit einer Studie an.

Wie müssen sich Raucher so einen Kompaktkurs vorstellen?
Wir erörtern zuerst in einem Gespräch und mittels Fragebogen, welche Methode sich eignet.Wenn der Kompaktkurs passend ist, besucht der Raucher zwei Termine à zwei Stunden in einer Gruppe zwischen acht und zwölf Personen. Dort gibt es kaum Vorträge, vielmehr werden die Lösungsmöglichkeiten in der Gruppe erarbeitet.

Sind das dann nur konkrete Handlungstipps oder wird auch psychologisch gearbeitet?
Der erste Schritt ist immer eine Motivationsanalyse. Wir wägen die Vor- und Nachteile des Rauchens und des Aufhörens ab. Jeder Rauchende braucht seinen persönlichen Grund für das Aufhören. Der zweite Schritt ist dann die Erarbeitung konkreter Ideen und Lösungsvorschläge, mit dem Rauchen aufzuhören beziehungsweise, was man stattdessen machen kann.

Haben Sie ein Hauptargument gegenüber dem größten Dickkopf in solch einer Gruppe? Von Abschreckung halte ich nicht viel. Man sollte eher schauen, warum die einzelnen Personen dabei sind, was sie bewegt. Wenn jemand zum Kurs kommt, ist er schon nicht mehr dickköpfig. Die Entscheidung muss immer beim Raucher selbst liegen. Daran arbeiten wir im Kurs, und die Gründe für das Aufhören sind dabei die Richtschnur.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (31. Mai 2012)





Ludwigsburg atmet auf

3 05 2012

Nach dem Klassenverbleib sind wichtige Fragen offen: Wer wird Trainer und wer Hauptsponsor?

Das virtuelle Clubleben ist weiter als das reale. Auf der Homepage des Basketball-Bundesligisten EnBW Ludwigsburg wird der Nutzer bereits aufgefordert, sich die Dauerkarte für die nächste Saison zu sichern. Dabei ist die Runde der Schwaben erst am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen, der Klassenverbleib nur eine Woche früher gesichert worden. Für die Verantwortlichen ist die „nervenaufreibendste“ Spielzeit, wie sie der Manager Mario Probst bezeichnet, also noch nicht abgeschlossen.

Zu viel ist passiert. „Es gab Phasen, in denen alle über die Grenzen gegangen sind“, sagt Probst. Einige Wochen „mit schlaflosen Nächten“ werden ihm noch lange in Erinnerung bleiben. Die Ausfälle von Donatas Zavackas, Jerry Green, Mark Dorris oder John Bowler; Zavackas’ Wechsel nach Riga; die Blitztransfers von Anthony Fisher, Ermin Jazvin und Matt Howard; der Rückzug des Haupt- und Namenssponsors EnBW. Die Liste der Unwägbarkeiten der Saison 2011/12 ist noch länger.

Doch beim Flügelspieler Howard wird die andere Seite einer solch verkorksten Spielzeit mit einem glücklichen Ende sichtbar. Eine Familie aus dem Vereinsumfeld bot dem US-Amerikaner spontan eine Wohnung an. „Das sind die kleinen Geschichten, die zeigen, dass alle im Verein sowie die Fans zusammengehalten haben und positiv geblieben sind“, sagt Mario Probst. „Und sie hat dem enormen Druck standgehalten, schließlich geht es beim Abstiegskampf um Existenzen.“ Nun bleibt der Ludwigsburger Arena der Ankermieter, der Stadt das sportliche Aushängeschild und der Vereinsjugendarbeit der Leuchtturm erhalten.

Ludwigsburg atmet auf – und kann noch zwei Hoffnungen aus den vergangenen sieben Monaten mitnehmen: wenn die Stimmung in der Mannschaft in solch einer prekären Situation gut bleibt, dann gehen die Spieler meist gestärkt aus dem Abstiegskampf hervor. Zudem ist dieser auch für die Fans spannender als das Herumdümpeln im Tabellenniemandsland. Folglich lag der Zuschauerschnitt bei rund 3300, ein Anstieg von fast zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zufrieden mit dem Erreichten ist dennoch niemand, die Play-offs waren das heimliche Ziel.

Eventuell spricht Probst nun mit Blick auf die Zukunft auch daher von einem „Underdog-Image“, das Ludwigsburg auszeichnen soll, schließlich „war die Erwartungshaltung in den vergangenen Jahren etwas zu groß“. Wie dieses Underdog-Team aussehen wird? Die Verantwortlichen sind in Gesprächen mit dem Trainer Steven Key, dessen Vertrag ausgelaufen ist. Danach werde der Fokus auf die Spieler gelegt. Dorris würde zum Beispiel gerne bleiben, auch Jeff Greer gefällt es in Ludwigsburg.

„Natürlich ist es das Ziel, einen Teil der Mannschaft zu halten“, sagt Probst. Das wird davon abhängen, inwieweit die fehlenden 600 000 Euro der EnBW durch andere Sponsoren kompensiert werden können. Außerdem wirkt sich die verschärfte Ausländerregel auf den Kader aus, denn künftig dürfen nur noch sechs Nichtdeutsche auf dem Spielberichtsbogen stehen. Welche das sein werden, verkündet normalerweise dann die Homepage.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (2. Mai 2012)





Vom Rosensteintunnel bis zur Brennerbahn

28 04 2012

Carl von Etzel – Originale prägen die Ausstellung über den Pionier der Eisenbahn.

„Wow“, dachte sich Inken Gaukel, als sie ein Bild des Rosensteintunnels aus dem 19. Jahrhundert entdeckte. Das jedenfalls sagt die Kuratorin der Ausstellung über Carl von Etzel, dem Stuttgarter Eisenbahnpionier, die von heute an bis zum 12. September im Stadtarchiv, Bellingweg 21, zu sehen ist. Schließlich war es nicht die bekannte, weit verbreitete Darstellung des Etzel-Projekts. Sondern ein „weitgehend unbekanntes“ Bild, das im Original aber erst nach der Fertigstellung des Tunnels entstanden ist, wohingegen die andere, populärere Abbildung einen Entwurf des Tunnels zeigt. Auch für Hartwig Beiche, den früheren Technischen Referenten im Rathaus, der Gaukel als Etzel-Experte bei der Planung half, ist es das tollste Exponat.

Neben Fotos und Lithografien sehen die Besucher Federzeichnungen, Skizzen, Grafiken. „Die Ausstellung lebt von Originaldokumenten aus Etzels Zeit“, sagt Beiche. Darunter ist das Original des Baugesuchs für den Stuttgarter Bahnhof vom September 1845 für Gaukel ein „Schatz“. Etzel durfte seine Idee an der heutigen Bolzstraße umsetzen, und der Anschluss Stuttgarts an eine Bahnstrecke war der Startschuss für eine „nachhaltige Entwicklung, von der wir heute noch leben“, so Beiche. Auch Fotos vom Abriss des Bahnhofs und der Eingliederung der Außenfassade in den früheren Ufa-Palast zeigt die Etzel-Ausstellung, die Gaukel in Themengruppen gegliedert hat, weil die „vielfältigsten Überlagerungen seiner Tätigkeiten“ eine chronologische Abhandlung unmöglich machten.

So entschied sie sich für folgende Gruppen: die Baumeisterdynastie Etzel , die Anfänge der Eisenbahn, der Stuttgarter Bahnhof, wichtige Verkehrsbauten, das Streckennetz der königlich württembergischen Eisenbahn, architektonisches Schaffen, Aufenthalte im Ausland sowie Etzels Meisterstück: die Brennerbahn. Die Exponate sind zum Großteil aus dem Bestand des Stuttgarter Stadtarchivs, die unter anderem durch Leihgaben von der Stadtbibliothek, der Universitätsbü- cherei, dem Stadtmuseum oder auch der Universität in Freiberg ergänzt wurden.

Dieses Angebot wollen die Ausstellungsmacher mit einem Begleitprogramm erweitern, bei dem „Etzel im Mittelpunkt steht, aber auch das Leben in dessen Kontext“ thematisiert wird, wie Roland Müller, der Direktor des Stadtarchivs, sagt. Er meinte damit zum Beispiel das technikgeschichtliche Umfeld des Eisenbahnbaus oder dessen Bedeutung für die Industrialisierung. Carl von Etzels Beitrag für den Eisenbahnbau ist derweil unbestritten. 200 Jahre nach seinem Geburtstag illustriert die Ausstellung diesen – und vielleicht wird auch dem ein oder anderen Besucher das Wörtchen „wow“ auf den Lippen liegen.

veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung (27. April 2012)